taz Interview mit Asteris Kutulas

„Es war ein Akt des Widerstands“ – taz Interview mit Asteris Kutulas, befragt von Marina Mai

taz: „Begriffe ohne Anschauung sind leer. Anschauungen ohne Begriffe sind blind“, Asteris, was sagt Dir dieses Zitat heute?

Asteris Kutulas: Darüber könnte ich eine ganze Vorlesung halten. Aber als erstes denke ich da an die „Frage“, die der Roman „Zorbas“ von Nikos Kazantzakis stellt: Was ist wichtiger im Leben: Das Buch oder der Tanz?

taz: Der Satz stammt aus der Erkenntnistheorie des Philosophen Immanuel Kant. Wir haben in den 1980er Jahren gemeinsam in Leipzig Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie gehört. Weil wir uns in Studienzeiten kennengelernt haben, möchte ich dich im taz-Interview duzen. Du hast, so finde ich, damals die Symbiose von begrifflichem und anschaulichem Denken, die Kant für die Philosophie vollzogen hat, gelebt: In Lehrveranstaltungen bist Du gern über Metaebenen geklettert. Nebenher hast Du Künstler von Weltruhm aus dem Griechischen übersetzt, beispielsweise die Lyriker Jannis Ritsos, Giorgos Seferis und Odysseas Elytis, aber auch Texte des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis. Du hast Dich dann später beruflich für das Anschauliche entschieden, Du bist Künstler und Produzent geworden. Hast Du auch einmal mit einer wissenschaftlichen Laufbahn geliebäugelt?

Asteris Kutulas: Das wäre für mich sicherlich spannend gewesen. Aber ich bin schon als Student in den Sog der Lyrik und Musik geraten. Persönlichkeiten wie Jannis Ritsos, Mikis Theodorakis und später der Lichtkünstler Gert Hof haben mich 40 Jahre lang geprägt. Ich habe in einer Welt gelebt, die voll von Literatur, Musik, Kunst, Film, Politik, Geschichte und Philosophie war. Diese Welt wollte ich niemals verlassen. Das war und ist mein Leben.   

Ich habe aber gerade angefangen, eine Dissertation zu schreiben. Darin geht es um meine „Liquid Staging“ Ästhetik, die sich mit der „Verräumlichung des Films“ als Basis für neue Show-Formate im 21. Jahrhundert auseinandersetzt.

taz Interview Asteris Kutulas Liquid Staging Theodorakis Gert Hof

taz: Was ich als Studentin nicht wusste: Du wurdest in Rumänien geboren. Wie hat es Deine Eltern dorthin verschlagen?

Asteris Kutulas: In Griechenland tobte nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen 1945 und 1949 ein schrecklicher und blutiger Bürgerkrieg. Die „linken Partisanen“ verloren diesen Krieg, und etwa 60.000 von ihnen, darunter auch mein Vater und die Familie meiner Mutter, flohen über die albanische, die jugoslawische und bulgarische Grenze in die sozialistischen Staaten. Ihr Schicksal wurde besiegelt durch Entscheidungen, die fernab ihrer Heimat getroffen wurden – von Menschen, die sie nur dem Namen nach kannten: Churchill, Stalin, Truman, Tito. So landeten unsere Eltern in der „kommunistischen Diaspora“, irgendwo in Osteuropa, in fernen, ihnen unbekannten Dörfern oder Städten mit für sie exotischen Namen: Radebeul, Bratislava, Taschkent, Zgorzelec. Meine Eltern trafen sich in der rumänischen Stadt Oradea, nahe der ungarischen Grenze. Dort kam ich 1960 in einem Flüchtlingslager zur Welt. Ein paar Jahre später zog meine Familie nach Bukarest, als mein Vater Redakteur bei Neos Kosmos wurde, der theoretischen Zeitschrift der Kommunistischen Partei Griechenlands.

taz: Und unter welchen Umständen kam Deine Familie dann 1968 in die DDR?

Asteris Kutulas: Sitz der Parteiführung der seit 1946 in Griechenland verbotenen Kommunistischen Partei war Bukarest. 1968 gab es eine Spaltung der KPG. Mein Vater gehörte zu der moskautreuen Fraktion, und die wurde von Rumäniens Staatschef Nicolae Ceausescu ausgewiesen – das war eine völlig bizarre und surreale Situation. Die „moskautreuen“ sozialistischen Länder beschlossen daraufhin, den Sitz der Zeitschrift-Redaktion, bei der mein Vater arbeitete, nach Dresden zu verlegen. So zog meine Familie im Sommer 1968 ins „Tal der Ahnungslosen“, wie Dresden damals genannt wurde, weil es die einzige Stadt in der DDR war, in der Westfernsehen nicht empfangen werden konnte.

taz: Als Du in Dresden eingeschult wurdest, warst Du vermutlich der einzige Schüler mit Migrationsgeschichte …

Nein, es gab seit 1950 in Dresden, vor allem in Radebeul, eine große Gemeinde von ca. 600 griechischen Bürgerkriegs-ExilantInnen. Es gab griechischen Sprachunterricht an einzelnen Schulen. Wir haben griechische Feste gefeiert. Richtig ist, dass es darüber hinaus damals noch keine weiteren Zuwanderer und Zuwanderinnen gab. Die ChilenInnen und die VertragsarbeiterInnen kamen später. 

taz: Hast Du Rassismus erlebt?

Asteris Kutulas: Überhaupt nicht.

taz: Du hast in der DDR mit einer griechischen Staatsbürgerschaft gelebt …

Asteris Kutulas: Die habe ich erst 1978 erhalten, vier Jahre nach dem Sturz der Militärdiktatur. Vorher hatte ich nur einen Fremdenpass, war staatenlos. Ab 1975 durfte ich einmal pro Jahr meine Heimat besuchen …

taz: Du sprichst von Griechenland als Deiner Heimat? Du warst doch vor 1975 niemals dort …

Asteris Kutulas: Bei uns zu Hause wurde nur Griechisch gesprochen, griechische Musik gehört – vor allem Theodorakis –, es wurden griechische Bücher gelesen. „Heimat“ bedeutete für mich wie für viele andere Diaspora-Griechen zwei Dinge: die griechische Sprache und die griechische Kultur. In den sechziger Jahren stießen wir zu Silvester stets mit dem Spruch an: „Und nächstes Jahr in der Heimat!“

Bis zum Sturz der Junta 1974 durften wir ja nicht in Griechenland einreisen. Ich habe bis heute nur einen griechischen Pass, obwohl ich seit den siebziger Jahren in diesem Dualismus lebe – zwischen meinem deutschen Geist und meiner griechischen Seele.

taz: Warum bist Du eigentlich nie nach Griechenland gezogen?

Asteris Kutulas: Das stimmt so nicht. Wir haben von 1992 bis 1996 in Athen gelebt, immerhin vier Jahre. Dann zogen wir wieder zurück nach Berlin.

Aber es war eigentlich der Plan, nach meinem Studium 1985 nach Griechenland zu ziehen. Aber 1983 lernte ich Ina kennen, die Liebe meines Lebens. So blieb ich bei ihr in der DDR. Wir fuhren allerdings jeden Sommer für vier Wochen nach Griechenland. Tatsächlich haben wir uns seit Ende 1988 aus politischen Gründen mit dem Gedanken befasst, nach Athen umzuziehen. Die Wende kam dazwischen.

taz: Welche Vor- und Nachteile hatte es in der DDR, mit der griechischen Staatsangehörigkeit zu leben?

Asteris Kutulas: Die Möglichkeit, nach Griechenland zu reisen, war schon ein fundamentaler Vorteil. Später durfte ich auch auf Einladung hin auf Lesereise gehen, um meine Bücher, die in Luxemburg oder in der BRD erschienen, im Westen vorzustellen. Ich muss aber sagen, dass die West-Reisen in meinem Umfeld nicht so ins Gewicht fielen: Meine Gymnasialzeit zwischen 1975 und 1979 verbrachte ich an der Dresdner Kreuzschule. Die Hälfte der Jungen in meiner Klasse sang im Kreuzchor und war auf Konzertreisen im Westen unterwegs. In den achtziger Jahren durften dann auch immer mehr DDR-Künstlerkollegen in den Westen, um bei den Eröffnungsveranstaltungen der Ausstellungen mit ihren Werken und bei den Premieren ihrer Theaterstücke dabei zu sein oder eben Lesungen zu machen.

Und Nachteile als Grieche in Dresden? Mir fällt kein Nachteil ein. Es war eine für mich inspirierende und sehr spannende Zeit.

taz: Ein Vorteil war sicher auch, dass Dir als Grieche der Militärdienst in der NVA erspart blieb …

Asteris Kutulas: Da ich nie die deutsche Staatsangehörigkeit hatte, tangierte mich dieses Thema zu keiner Zeit. Allerdings tat ich alles, um einer Einberufung in die damals sehr faschistisch geprägte griechische Armee zu entgehen. 

taz Interview Asteris Kutulas Liquid Staging Theodorakis Gert Hof

taz: Kulturell hast Du Dich schon damals als Vermittler zwischen beiden Kulturen engagiert. Dafür stehen nicht nur Deine Nachdichtungen bedeutender griechischer Autoren. Ich erinnere mich auch an Deine Veranstaltungen zum „Canto General“ von Pablo Neruda und Theodorakis im Leipziger Studentenclub Moritzbastei. Warum war es Dir wichtig, griechische Kultur in der DDR bekannt zu machen?

Asteris Kutulas: Der Zufall wollte es, dass ich 1980 drei Persönlichkeiten kennenlernte, die mit ihrer zutiefst humanistischen Haltung mein Leben prägten: durch sein Poem „Canto General“ den bereits verstorbenen chilenischen Dichter Pablo Neruda sowie Mikis Theodorakis und Jannis Ritsos, denen ich 1980 erstmals auch real begegnete. Ihnen gemeinsam war, dass sie einen utopischen Kommunismus vertraten, dessen Mittelpunkt die absolute Freiheit des Einzelnen in einer basisdemokratischen Gesellschaft war. Das deckte sich damals mit meinem Ideal und stand damit im Gegensatz zur sozialistischen Staatsdoktrin der DDR, die ein diktatorisches und kleinbürgerliches System aufgebaut hatte. Auch das hat mich veranlasst, ihre Kunst in der DDR bekanntzumachen. Das mag heute etwas schräg klingen, war aber damals für mich so etwas wie ein Akt des Widerstands.

taz: Gab es eigentlich politische Grenzen, die Dir in der DDR gesteckt wurden, Grenzen, die Du nicht überschreiten konntest?

Asteris Kutulas: (überlegt) Als ich als Schüler 1976 von einer Griechenlandreise in die DDR zurückfuhr, wurde mir bei einer Grenzkontrolle aus meinem Reisegepäck das Buch „Der Archipel Gulag“ des sowjetischen Dissidenten Alexander Solschenizyn abgenommen. Ich habe nicht eingesehen, warum diese DDR-Polizeibeamten das Recht hatten, zu entscheiden, was ich lesen durfte und was nicht.

Ab 1987 habe ich gemeinsam mit meiner Frau Ina Kutulas die Buchreihe „Bizarre Städte“ im Selbstverlag herausgegeben. Wir durften nach DDR-Recht maximal 100 Exemplare pro Buch drucken. Immerhin schafften wir uns dadurch eine eigene kleine Öffentlichkeit, da es keine große gab. Aber selbst diese kleinen „Öffentlichkeiten“, derer es in der DDR einige gab, versuchte die Stasi zu kontrollieren und in ihrem Sinn zu beeinflussen. Ein beliebtes Mittel war es, über jeden das Gerücht zu streuen, er sei Mitarbeiter der Stasi. Wir haben schließlich beschlossen, uns davon nicht beeinflussen zu lassen.

Die Situation war allerdings 1987 schon „liberaler“ als Jahre zuvor. Es gab Zugeständnisse der Staatsmacht an Intellektuelle – auch wegen Gorbatschows Perestroika-Politik und weil bereits sehr viele aus der DDR ausgereist waren.

taz: Kommen wir zurück auf Mikis Theodorakis. Du warst ihm in mehrfacher Hinsicht ein Begleiter: als sein Dolmetscher, sein Manager, Produzent, sein Freund, Du hast sein Werkverzeichnis herausgegeben. Wann bist Du ihm zum ersten Mal persönlich begegnet?

Asteris Kutulas: 1980 in Berlin. Im Palast der Republik wurde sein „Canto General“ aufgeführt. Es war sein erster Besuch in der DDR, und ich war Dolmetscher von Maria Farantouri, der Interpretin des Werkes. Ein Jahr später wurde ich sein Dolmetscher und ab da war ich auch in allen organisatorischen und künstlerischen Belangen dutzender Konzerte und Tourneen involviert. Ab 1987 habe ich zusammen mit Mikis viele künstlerische Konzepte entwickelt und umgesetzt. Ab 2010 haben wir dann als „Künstler-Kollegen“ zusammengearbeitet, was für mich der Höhepunkt dieser Beziehung darstellte. Ich begann als Regisseur und Autor (zusammen mit Ina) meine Film-Tetralogie zu produzieren und parallel dazu mit dem Choreographen Renato Zanella – auf der Grundlage der gleichnamigen Opern-Musik von Mikis – an den Ballett-Filmen „Medea“ (2011), „Electra“ (2018) und „Antigone“ (2022) zu arbeiten.

taz: Wäre es übertrieben zu sagen, dass Mikis Theodorakis DIE prägende Erfahrung Deines Lebens wurde?

Asteris Kutulas: So ist es. Hättest Du mir die Frage in den 1980ern gestellt, hätte ich wahrscheinlich Jannis Ritsos genannt, der für mich ein Seelenverwandter war. Aber Mikis Theodorakis hat mich 40 Jahre lang mit seinem anarchischen Geist und seinem kompromisslosen Künstlertum inspiriert und tief geprägt. Ich fühle mich gesegnet, mit ihm bei so vielen Projekten zusammengearbeitet zu haben. In den letzten 15 Jahren sind wir uns als Künstler begegnet, wir haben gemeinsam Ballette, Filme und Installationsprojekte entwickelt und vieles davon umgesetzt.

Noch im Juli, also sechs Wochen vor seinem Tod, habe ich mit Mikis an „Electra 21“ gearbeitet, einem neuen „Liquid Staging“ Show-Format für das 21. Jahrhundert, in dem vier Filme, die auf derselben Musik synchronisiert wurden, parallel laufen und so ein polydimensionales Sehen ermöglichen. Weltpremiere von „Electra 21“ wird am 30.10.2021 bei den 55. Internationalen Hofer Filmtagen sein. Mikis hatte im Juli vorausgesagt, dass er die Uraufführung nicht mehr erleben würde und hatte sich mit den Worten von mir verabschiedet: „Ich werde den besten Platz haben und Euch von oben zusehen.“

taz: In der DDR war Mikis Theodorakis in den 1970er Jahren verboten. In den 1980er Jahren fanden dort hingegen mehrere Welturaufführungen seiner Werke statt. Einige wurden auch auf Tonträger produziert und international vertrieben. Welches Verhältnis hatte er zur DDR?

Asteris Kutulas: Seine „Karriere“ in der DDR hat Mikis dem Engagement des Musikkritikers Peter Zacher zu verdanken. Dieser hatte seit 1975 versucht, den Canto General in der DDR aufführen zu lassen und hatte 1980 endlich damit Erfolg. Durch sein Netzwerk innerhalb der Musikszene zu Institutionen wie die Dresdner Philharmoniker, die Hallesche Philharmonie, das Orchester der Komischen Oper Berlin sowie zu Dirigenten wie Kurt Masur und Herbert Kegel kamen in der DDR die Uraufführungen der 2., 3. und 7. Sinfonie, der Sadduzäer-Passion oder die Liturgie Nr. 2 für den Dresdner Kreuzchor zustande.

Mikis Theodorakis hatte ein ambivalentes Verhältnis zur DDR. Als wir 1981 im Café des Gewandhauses in Leipzig saßen, fragte er mich auf den Kopf zu: „Asteris, wie kannst Du in diesem Land leben?“ Ich war völlig überrascht, und er sagte: „Ich wäre hier entweder im Gefängnis oder tot.“

Auf der anderen Seite liebte Mikis das großartige Publikum in der DDR. Und er schätzte es sehr, mit den fantastischen Orchestern, Solisten und Dirigenten in der DDR zusammenzuarbeiten.

taz Interview Asteris Kutulas, Gert Hof, Mikis Theodorakis, Liquid Staging

taz: Ein ganz anders Thema: Du hast 2003 für den späteren US-Präsidenten Donald Trump ein Lichtkunstevent in Atlantic City produziert. Wie kam es dazu?

Asteris Kutulas: Ich habe ab 1999 mit dem Licht-Architekten Gert Hof ein heute etabliertes, aber damals völlig neues Show-Format erfunden, die Outdoor-Lichtshow. Entertainment durch Lichtarchitektur am Himmel oder „Art in Heaven“ wie wir es nannten. Gert Hof war der Künstler, ich der Produzent. Die erste Show machten wir zur Millenniumsfeier an der Berliner Siegessäule mit Mike Oldfield und der Staatskapelle St. Petersburg auf der Bühne.

taz: Ich erinnere mich. Es gab damals Kritik wegen Ähnlichkeiten zu Albert Speer.

Asteris Kutulas: Aber nur im Vorfeld! Nach unserem Event hat das überhaupt keine Rolle gespielt. Das zeigt auch, wie dumm diese „Sorge“ war.

taz: So abwegig ist der Vergleich nicht: Eine Massenveranstaltung mit Licht ausgerechnet an der Siegessäule. Auch wenn ich Dir nicht unterstelle, ein Anhänger von Albert Speer zu sein, der Vergleich liegt nahe.

Asteris Kutulas: Weil Herr Speer etwas benutzt hat, darf man es die nächsten tausend Jahre nicht mehr benutzen? Warum sollen wir den Nazis die Kunst-Form LICHT schenken?

Die deutschen Lyriker sind auch nicht der „Aufforderung“ von Theodor W. Adorno gefolgt „nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch“, sondern haben gesagt, „wir glauben, dass Gedichte überhaupt erst jetzt wieder möglich sind …“. Hinzu kommt, dass Gert seine Idee von der Licht-Architektur am Himmel von den Bauhaus-Pionieren übernommen hatte – er war ein absoluter Bauhaus-Fan und hatte sich u.a. vom Metropolis-Film zu seiner Lichtarchitektur inspirieren lassen.

Wir haben mit unseren Events das Medium LICHT den Nazis weggenommen und es der Kunst und der Menschheit wieder geschenkt. Wie erfolgreich wir darin waren, siehst Du daran, dass inzwischen die „Strahlen-Ästhetik“ von Gert Hof in jeder Fernsehsendung und in jedem Pop/Rock-Konzert zu sehen ist.

Asteris Kutulas, Gert Hof
Berlin Millennium Event 1999/2000 (photo © by Sabine Wenzel)

taz: Aber wie kam es zu dem Auftritt bei Donald Trump?

Asteris Kutulas: Wir hatten durch unser neues Show-Format eine neue Art von Entertainment für Hunderttausende von Menschen geschaffen. Die PR-Verantwortliche der Trump Organization hatte von unseren Lichtshows in Berlin, Athen, Peking und an vielen anderen Orten gehört und fragten uns an. Wir haben in Atlantic City eine ganze Woche jeden Abend eine Mega-Lichtshow für die ganze Stadt auf Bruce Springsteen Musik gemacht und damit mehrere Trump-Ressorts miteinander verbunden. Die Amis sind total darauf abgefahren.

taz: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Trump?

Asteris Kutulas: Die gab es mit ihm persönlich gar nicht. Er kam mit seinem Hubschrauber aus New York geflogen, war ziemlich beeindruckt von dem Ganzen und hat sich sehr amüsiert. Damals war Trump auch mehr ein Entertainer und politisch noch nicht in Erscheinung getreten. Und er mischte sich überhaupt nicht künstlerisch ein – er akzeptierte Gert als jemanden, der wusste, was er tat. Ich hatte das Gefühl, dass er das gut fand. Die Zusammenarbeit mit seinem Büro lief professionell ab, obwohl sie mit sehr harten Bandagen verhandelt haben. Das war diesbezüglich eine meiner schwierigsten Produktionen.

Asteris Kutulas Gert Hof Atlantic City
Atlantic City Trump Taj Mahal Event, directed by Gert Hof & produced by Asteris Kutulas, 2003 (photo © by Sabine Wenzel)

taz: Als Wahlberliner bringst Du regelmäßig griechische Kultur nach Berlin, beispielsweise bei dem alljährlichen Filmfestival „Hellas Filmbox Berlin“ im Babylon. Wo ist Deine Kunst demnächst zu sehen?

Asteris Kutulas: Im Januar kommt mein Film „Recycling Medea“ in die Kinos. Ich habe Regie geführt und zusammen mit meiner Frau das Drehbuch geschrieben. In der ARTE-Mediathek kann man noch bis Dezember unseren Film „Mikis Theodorakis – Komponist“ sehen. Unser Film „Dance Fight Love Die“ ist auf Amazon und vielen anderen Streaming-Plattformen zu sehen. Dieser Film entstand, weil ich Mikis seit 1987 mit meiner Kamera begleitet habe und ziemlich viel aufgenommen habe, in ganz Europa, den USA, Chile, Israel, Türkei, Südafrika, Australien usw. Ich habe das eher für mich getan, um die künstlerische Energie festzuhalten, die mich umgab. Meine Frau Ina hat mich später davon überzeugt, aus diesem Material einen Film zu machen.

Ansonsten arbeite ich mit Ina seit drei Jahren an für uns atemberaubenden Projekten: an einer Family-Entertainment-Show namens „Spheros“ und an einem „Meta-Musical“, in dem Marlene Dietrich im Mittelpunkt steht. Zusammen mit unserem Künstler-Kollegen Achilleas Gatsopoulos entwickeln wir eine revolutionäre Liquid-Staging-Show. In einem halben Jahr werden wir das Flexodrom dem Markt anbieten – das ist ein modularer und mobiler Theaterbau, den ich zusammen mit Alexander Strizhak aus Riga entwickelt habe.

Außerdem schreibe ich zusammen mit Ina einen autobiografisch angelegten Roman über das Leben eines griechischen Studenten in der DDR zwischen 1979 und 1989.

taz: Du erwähntest Deine Kamera. Ich habe den Eindruck, sie ist sehr wichtig für Dich?

Asteris Kutulas: Ja. Ich habe sie 1989 gekauft. Sie hat mein Denken visualisiert. Ursprünglich habe ich Tagebuch und Gedichte geschrieben, Übersetzungen gefertigt. Durch die Kamera habe ich ganz anders Sehen gelernt, habe zum Film und zur Konzeptkunst gefunden. Und sie hat mich schließlich zu dieser neuen Theorie des „Liquid Staging“ geführt, die ich im November 2021 im pma-Magazin veröffentlichen werde.

taz: Ich komme zum Schluss noch einmal auf die Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie zurück, die wir gemeinsam gehört haben. Philosophie gilt gemeinhin als brotlos. Hast Du Dein Philosophie-Wissen in Deiner beruflichen Tätigkeit produktiv machen können?

Asteris KutulasJa, sehr. Ich habe 40 Bücher herausgegeben und übersetzt, darunter viele Essaybände. Wenn ich beispielsweise an den 1989 in der DDR und 1990 in der Bundesrepublik herausgegebenen Essay-Band des Literaturnobelpreisträgers Giorgos Seferis „Alles voller Götter“ denke – ohne vorher die Vorlesungen zur antiken griechischen Philosophie bei Helmut Seidel erlebt und mich damit auseinandergesetzt zu haben, hätte ich mich da wohl nie herangetraut.

Asteris Kutulas taz Seferis
Giorgos Segeris, Alles voller Götter, Herausgegeben von Asteris Kutulas

Zum andern hat mir dieses Studium geholfen, nicht nur Literatur, sondern auch meinen Künstler- und Produzenten-Alltag ohne „ideologische“ Brille zu betrachten und Strukturen zu durchschauen. Dadurch vermag ich auch als Konzept-Künstler, „leere Begriffe“ und „blinde Anschauungen“ zu vermeiden.

taz Interview mit Asteris Kutulas, befragt von Marina Mai, veröffentlicht in der Wochenendausgabe der taz vom 6./7.11.2021 sowie auf der Internet-Seite der taz am 9.11.2021 (Fotos in den taz-Ausgaben: Doro Zinn)

(Danke taz, Marina Mai, Doro Zinn und Ina Kutulas.)

Electra 21 World Premiere

DEDICATED TO MIKIS THEODORAKIS
ELECTRA 21 | A musical recording, a ballet performance, a film production, a liquid staging installation

– by Asteris Kutulas to the music of Mikis Theodorakis

Electra, a timeless thriller. The father sacrifices the eldest daughter for power and fame. His wife slays him for it years later. Their children Electra and Orest kill her to avenge the father. A circle of hatred and destruction. No happy ending.

The live experience of ELECTRA 21 consists of the overall experience of the music, four documentaries running simultaneously, some of them hybrid, and an installation. The audience decides for itself: Visitors can move, sit or stand in this liquid staging installation and direct their attention in each case to whatever captivates them at the moment. In doing so, everyone perceives more than one thing at the same time.

This show installation moves away from the one-dimensional seeing of the 19th century and offers the audience the polydimensional seeing, which corresponds much more to the complexity of our epoch. A new kind of live experience.

Electra 21 Asteris Kutulas & Mikis Theodorakis
Electra 21 poster (Photo by Loukia Roussou | Artwork by Achilleas Gatsopoulos)
ELECTRA 21 | Eine Musikaufnahme, eine Ballettaufführung, eine Filmproduktion, eine Liquid Staging Installation

– von Asteris Kutulas zur Musik von Mikis Theodorakis

Electra, ein zeitloser Thriller. Der Vater opfert die älteste Tochter für Macht und Ruhm. Seine Ehefrau erschlägt ihn dafür Jahre später. Ihre Kinder Electra und Orest töten sie, um den Vater zu rächen. Ein Kreis des Hasses und der Vernichtung. Kein Happy End.

Das Live-Erlebnis ELECTRA 21 Produktion besteht aus dem Gesamt-Erlebnis der Musik, vier zeitgleich ablaufenden – zum Teil hybriden – Dokumentarfilmen und einer Installation. Das Publikum entscheidet selbst: Die Besucher*innen können sich in dieser Liquid-Staging-Installation bewegen, sitzen oder stehen und ihre Aufmerksamkeit jeweils auf das richten, was sie gerade fesselt. Dabei nimmt jede*r immer mehreres zugleich wahr.

Diese Show-Installation bewegt sich weg vom eindimensionalen Sehen des 19. Jahrhunderts und offeriert dem Publikum das polydimensionale Sehen, das der Komplexität unserer Epoche viel mehr entspricht. Ein neuartiges Live-Erlebnis.

Electra 21 Asteris Kutulas Mikis Theodorakis
Electra 21 team after the world premiere in Hof (Foto: Andreas Rau)
ELECTRA 21 CREDITS

A Liquid Staging Installation by Asteris Kutulas on the Music by Mikis Theodorakis

Choreography by Renato Zanella with Sofia Pintzou as Electra | Cinematography by James Chressanthis ASC, GSC | Art Direction by Achilleas Gatsopoulos | Music Production, Editing & Mastering by Alexandros Karozas | Scenography & Production by Georgios Kolios | Concept & Produced by Asteris & Ina Kutulas | Created & Directed by Asteris Kutulas

Special appearance by Katherina Markowskaya & Maria Zlatani | With the music directors Phaidra Giannelou, Andrianna Neamoniti, Clément Nonciaux, Lefteris Veniadis | With special thanks to Frank Wunderatsch

Electra 21 Asteris Kutulas Sofia Pintzou
Sofia Pintzou (Foto: Andreas Rau)

Ballet Credits

Music by Mikis Theodorakis (from his opera „Electra“) | Choreography by Renato Zanella | Film sequences by James Chressanthis ASC, GSC | Music Editing by Alexandros Karozas | Lighting Design by Uwe Niesig | Costumes by Olgica Gjorgieva | Concept & Direction by Asteris Kutulas & Renato Zanella

Dancers | Sofia Pintzou (Electra) | Alexandra Gravilescu (Clytemnestra) | Tamara Alves Dornelas Souza (Chrysothemis) | Eltion Merja (Orestes) | Valentin Stoica (Aigisthos) | Florient Cador (Pylades)

In cooperation with Europaballett St.Pölten | Ballet performances filmed at the „Apollo“ Theater of Hermoupolis (Syros) | International Festival of the Aegean | Presented by MidAmerica Productions of New York and the Municipality of Syros-Hermoupolis | General & Artistic Director Peter Tiboris

Electra 21 Asteris Kutulas Mikis Theodorakis

Music Credits

Galina Dolbonos (Electra), Wladimir Feljaer (Orestes), Emilia Titarenko (Chrysothemis), Daria Rybakova (Clytemnestra), Peter Migounov (Pedagogue), Eugeni Witshnewski (Aegisthos), Sergej Leonwitch (Pylades)

St. Petersburg State Academic Capella Orchestra & Choir | Directed by Mikis Theodorakis | Music Production, Editing & Mastering by Alexandros Karozas | Produced by Alexandros Karozas & Asteris Kutulas | Music Edition by Schott Music & Romanos

ELECTRA 21
Foto: Andreas Rau

Film Credits (4 movies)

Music by Mikis Theodorakis | Ballet Choreography by Renato Zanella | Cinematography by James Chressanthis ASC, GSC | Editing by Yannis Sakaridis, Asteris Kutulas & Stella Kalafati | Music Editing & Mastering by Alexandros Karozas | Art Direction by Achilleas Gatsopoulos | Cameras by Vasilios Sfinarolakis, Mike Geranios, Zoe Chressanthis, Hara Kolaiti, Dionissia Kopana, Stella Kalafati, Asteris Kutulas | Additional filming with Katherina Markowskaya by Sarah Scherer | Sound by Klaus Salge | Assistance to James Chressanthis by Hara Kolaiti | Still photography by Robin Becker | Production Management by Vassilis Dimitriadis

Written & produced by Ina & Asteris Kutulas | Directed by Asteris Kutulas

Music Edition by Schott Music & Romanos | Special thanks to Peter Hanser-Strecker & Margarita Theodorakis

Cameras provided by Alternative Digital Cinema, Los Angeles & Canon, USA | Special thanks to Joe Lomba & Tim Smith

Soundtrack with kind permission of SCHOTT MUSIC, Mainz & Romanos

Foto: Andreas Rau

Special thanks for the support to the  Strecker-Stiftung, Frank Wunderatsch, Internationale Hofer Filmtage, Rafaela Wilde, Dimitris Koutoulas, Tim Dowdall, Gerd Helinski, Rena Parmenidou, Jörg Krause, Christian Jansen, Nana Trandou, Nikos Vlachakis, Jan Perray, Oliver Schulze, Lefteris Veniadis, Alexander Kutulas, Rafika Chawish, Hofer Filmtage Team & Thorsten Schaumann

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„The public LIQUID STAGING project ELECTRA 21 by Asteris Kutulas provided a preview of a cinema format of the future.“ 
ELECTRA 21 World Premiere – 30.10.2021 | 55th International Hof Film Festival

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Electra 21 Liquid Staging Asteris Kutulas

Liquid Staging Manifest (2016)

Hans Vogt Film Award 2021

55th Hof International Film Festival

Hans Vogt Film Prize Asteris Kutulas Liquid Staging
Announcement by the Hof International Film Festival

THE HANS VOGT AWARD 2021 

We are delighted that with the support of our sponsors, we are able to award the HANS VOGT FILM AWARD of the city of Rehau at the 55th Hof International Film Festival. The prize is aimed at filmmakers whose great innovation and diligence have lent a special quality and value to their films, paying particular attention to film music.

This year, the prize goes to author, filmmaker and producer Asteris Kutulas.

Asteris Kutulas published his own works as an author and worked as a film, music and event producer. In 2014 he began with the production of his film project DANCE FIGHT LOVE DIE – WITH MIKIS ON THE ROAD, which celebrated its world premiere at Hof International Film Festival in 2017. At this year’s 55th Hof International Film Festival, he is presenting his liquid staging installation ELECTRA 21.

„For a long time, I’ve had a vision of combining the world of cinema with the world of ballet and the world of shows – in a work of art for the 21st century.“

The installation consists of four films running simultaneously, all based on the same musical recording of the Electra opera music by Mikis Theodorakis. Absolutely synchronously, the four films are played on four screens, showing different ballet scenes and orchestra rehearsals.

The Hans Vogt Film Prize was established to commemorate the pioneering work of Hans Vogt, an engineer born in the Rehau district in 1890, who played a decisive role in the invention of sound film and brought about a new era in the history of cinema. 

Previous award winners: Edgar Reitz, Wim Wenders, Michael Verhoeven, Doris Dörrie, Dominik Graf, Veit Helmer, Caroline Link, Emily Atef

Hans-Vogt-Filmpreis Asteris Kutulas
Hans Vogt Film Award 2021 with the major of Rehau Michael Abraham and Asteris Kutulas

HANS-VOGT-FILMPREIS 2021

Wir freuen wir uns sehr, dass wir bei den 55. Internationalen Hofer Filmtagen 2021 auch in diesem Jahr, mit der Unterstützung unserer Sponsoren, den HANS-VOGT-FILMPREIS der Stadt Rehau vergeben können. Der Preis ist an Filmschaffende gerichtet, die mit Innovation und Sorgfalt ihren Filmen besondere Qualität und Wertigkeit mit auf den Weg gegeben haben und dabei besonders auf ihre Filmmusik achten.

In diesem Jahr geht der Preis an den Autor, Filmemacher und Produzenten Asteris Kutulas.

Asteris Kutulas wurde am 5. April 1960 in Oradea, Rumänien als Sohn griechischer Emigranten geboren. Nach dem Umzug seiner Familie in die DDR ging Kutulas in Dresden zur Schule und absolvierte dann ein Studium in Germanistik und Geschichte der Philosophie in Leipzig. Er war lange als Übersetzer tätig und bearbeitete dabei unter anderem diverse Schriften von Mikis Theodorakis. Im Laufe der Zeit veröffentlichte er als Autor eigene Werke und arbeitete als Musik- und Eventproduzent sowie als Manager. 2014 begann er mit der Produktion seines Filmprojekts „Dance Fight Love Die – Unterwegs mit Mikis“, welches 2017 Weltpremiere bei den Internationalen Hofer Filmtagen feierte.

Bei den diesjährigen 55. Internationalen Hofer Filmtagen präsentiert er seine Liquid-Staging-Installation ELECTRA ’21. „Schon lange hatte ich die Vision, die Welt des Kinos mit der Welt des Balletts und der Show-Welt zu verbinden: in einem Kunstwerk für das 21. Jahrhundert.“ Die Installation besteht aus vier gleichzeitig laufenden Filmen, die alle auf derselben Musik-Aufnahme derselben Electra-Opern-Musik von Mikis Theodorakis basieren. Absolut synchron werden dazu auf vier Leinwänden vier Filme abgespielt, die verschiedene Ballett-Szenen und Orchester-Proben zeigen.

Mit dem Hans-Vogt-Filmpreis soll an die Pionierleistung des 1890 im Rehauer Ortsteil Wurlitz geborenen Ingenieurs Hans Vogt erinnert werden, der entscheidend an der Erfindung des Tonfilms beteiligt war und für eine neue Ära in der Geschichte des Kinos sorgte.

Das Filmtage Team

Hans-Vogt-Filmpreis Asteris Kutulas
Asteris Kutulas im Hans-Vogt-Museum in Rehau

Liquid Staging Masterclass (Internationale Hofer Filmtage 2021)

55. Internationale Hofer Filmtage 2021 presents

Masterclass by Asteris Kutulas

Asteris Kutulas is active as an author, filmmaker, polymedial artist, creative director, event and music producer. Liquid Staging is, among other things, an answer to the outdated and „museum-like“ form of many show formats, which no longer correspond to the reception habits of the younger postmodern generations.

In his masterclass, Asteris Kutulas will present – with the help of many examples – the Liquid Staging technology as a new way of thinking for the digital age and what role the medium of film plays in this. Followed by a discussion with the audience.

Liquid Staging Masterclass von Asteris Kutulas

über die „Verräumlichung des Films“ als Basis zur Entwicklung neuer Show-Formate

Apple, TikTok, Netflix und Co. haben in einem rasanten Tempo das Freizeitverhalten, die Entertainment-Industrie, unsere gesamte Gesellschaft verändert. Die neu entstandene hybride Welt wird bestimmt vom Internet und vom Smartphone. Mit dem Smartphone wurde die kleinste zur größten Bühne des 21. Jahrhunderts. Alles wird beherrscht vom bewegten Bild.

Liquid Staging ist u.a. eine Antwort auf die überholte und „museale“ Form vieler Show-Formate, die nicht mehr den Rezeptionsgewohnheiten der jüngeren postmodernen Generationen entsprechen.

Welches sind die neuen Show-Formate des 21. Jahrhunderts, eines Jahrhunderts, das sich in rasanter digitaler Transformation befindet? Kann Liquid Staging als Denk-Ansatz dienen, um innovative Event- und Showformate sowie eine modulare und „hybride“ Inszenierungsform zu entwickeln?

Asteris Kutulas präsentiert in seiner Masterclass – anhand von vielen Beispielen – die Liquid-Staging-Technologie als einen neuen Denkansatz für das digitale Zeitalter und welche Rolle dabei das Medium Film spielt. Anschließende Diskussion mit dem Publikum.

27.10.2021 | 16 Uhr | Galeriehaus | Am Sophienberg 28 | 95028 Hof

Liquid Staging Asteris Kutulas

55. Internationale Hofer Filmtage 2021 | Masterclasses

Mit unserem Format halten wir uns an die gleichnamige, amerikanische Lernplattform, und bieten Zuschauer*Innen, Filminteressierten, und auch Filmschaffenden eine einzigartige Möglichkeit des Austausches. Mit „Master Class“ bieten wir die Chance auf einen Einblick in die kreativen Köpfe der Vortragenden. Welche Tipps und Kniffe verraten sie uns? Alle Geheimnisse rund um die Welt der Kunst, des Films und Theaters werden enthüllt wenn wir einladen … zur Master Class. Kommt vorbei und lasst euch inspirieren.

ABEL FERRARA MASTERCLASS am Freitag, 29.10, 11:00 Uhr, Bürgergesellschaft

Liquid Staging Asteris Kutulas Abel Ferrara

Liquid Staging Asteris Kutulas
Master Class mit Asteris Kutulas. Foto: Andreas Rau
55. Internationale Hofer Filmtage 2021

ELECTRA ’21 (Weltpremiere) | Liquid Staging Installation von Asteris Kutulas30.10.2021 | 19 Uhr | Haus der Musik | Karolinenstr. 19 | 95028 Hof @hofersymphoniker

Der Künstler @asteris_kutulas führt uns ein in die Kino-, Ballett- und Show-Welt durch eine Installation auf der Basis von Mikis Theodorakis‘ ELECTRA Opern-Musik.

Das Live-Erlebnis besteht aus dem Gesamt-Erlebnis der Musik, vier zeitgleich ablaufenden – zum Teil hybriden – Dokumentarfilmen, die in einer Liquid-Staging-Installation. Das Publikum entscheidet selbst: Die Besucher*innen können sich in dieser Liquid-Staging-Installation bewegen, sitzen oder stehen und ihre Aufmerksamkeit jeweils auf das richten, was sie gerade fesselt. Dabei nimmt jede*r immer mehreres zugleich wahr. Diese Show-Installation bewegt sich weg vom eindimensionalen Sehen des 19. Jahrhunderts und offeriert dem Publikum das polydimensionale Sehen, das der Komplexität unserer Epoche viel mehr entspricht. Ein neuartiges Live-Erlebnis.

 

Liquid Sragung Electra Asteris Kutulas

Liquid Staging Electra 21 Weltpremiere

Liquid Staging Asteris Kutulas Koutoulas
 Asteris Kutulas mit Thorsten Schaumann (Foto: Andreas Rau) kurz vor Beginn der Master Class von Asteris Kutulas
Liquid Staging Asteris Kutulas
Asteris Kutulas & Abel Ferrara

Liquid Staging Manifest (2016)

 

Apassionata Tagebuch (Nachspiel)

23.10.2021, Apassionata/Cavalluna-Premiere

Heute ist es wieder soweit, die neue CAVALLUNA-Show „CELEBRATION!“ hat in in Riesa Premiere. Vor genau zwei Jahren, am 23.10.2021, hatte ich begonnen, den 4. Teil meiner Apassionata-Story zu veröffentlichen. Gefühlt … vor einer Ewigkeit. Ich war damals von einer großen Produktion aus Südkorea zurückgekehrt und bereitete als künstlerischer Direktor die „Songs for Humanity“ Welttournee vor, die dem 75. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager gewidmet war – allerdings unterbrach die Pandemie jäh diese Konzerte mit Maria Farantouri aus Griechenland und Assaf Kacholi aus Israel. Im Oktober 2019 ahnten wir aber noch nichts davon, was der Welt bevorstand, ganz im Gegenteil, ich konzipierte gerade für den Juli 2020 in Wien meine erste Liquid-Staging-Inszenierung einer Oper, nämlich Richard Wagners „Der fliegende Holländer“. Auch diesen „Flug“ cancelte Corona. 

Im Oktober 2019 war alles noch am Rotieren, ich studierte die „Antigone“ von Sophokles, bestaunte die neue Cavalluna-Show in Riesa und beschrieb in meinem Apassionata-Tagebuch das Ende der Massine-Ehlers-Apassionata, das noch sehr frisch war und viele Geschädigte hinterlassen hatte. Die neue Pferdeshow „Mondwind“, die – genauso wie die gleichnamige GmbH – durch die Unterstützung von Peter Massine entstanden war und Holger Ehlers, Katrin Ehlers und Jens Grimm gehörte, schickte sich an, zusammen mit dem Veranstalter Manfred Hertlein, der mächtigen Cavalluna/Apassionata Konkurrenz zu machen. Seitdem sind zwei Jahre vergangen und die beiden Kontrahenten – vielleicht gibt es bald auch einen dritten – werden ihre Schwerter, dank Corona, erst Ende 2022 kreuzen.

Heute ist zunächst einmal Premiere von Cavallunas „Celebration!“-Show. Ich hoffe und wünsche den Cavalluna-Kollegen – immerhin war ich zehn Jahre lang „part of the team“ – eine tolle Premiere und dass sie es schaffen, die Seele und das Herz des Publikums zu erreichen. Und Apassionata hatte schon immer ein großartiges Publikum, zwischen 6 und 80.  Leute, lasst die Kinderaugen leuchten und Kinderherzen höher schlagen!

Apassionata Tagebuch (Das Nachspiel)

Da mich in den letzten beiden Jahren viele Fragen über den weiteren Verlauf der „Causa Apassionata“ erreichten, werde ich in dieser Tagebuch-Serie aufschreiben, was seitdem passierte. Ich finde das Ganze nicht nur unter journalistischem Aspekt hochaktuell – immerhin kannte über 70% der deutschen Bevölkerung die Apassionata-Show –, sondern auch als Bürger, für den es spannend ist zu sehen, wie die Berliner Justiz mit solch einem Fall umgeht, bei dem eine Handvoll Menschen viele Millionen „verdienen“, und zwar auf dem Rücken dutzender ehemaliger Kollegen und Partner, die insgesamt fast 15 Millionen Euro verlieren. Als Autor und Drehbuchschreiber ist es ohnehin ein sehr ergiebiges Thema. Es gibt also viel zu erzählen.  Bis dahin bleibt gesund, neugierig und geniesst das Leben. 

Asteris Kutulas

(Apassionata Tagebuch: Das Nachspiel – To be continued here!)

Meine Apassionata-Story – Tagebuch, Teil 1 (Oktober 2018)
Meine Apassionata-Story – Tagebuch, Teil 2 (Oktober 2018)
Meine Apassionata-Story – Tagebuch, Teil 3 (Oktober 2018)
Meine Apassionata-Story – Tagebuch, Teil 4 | Das Ende (Oktober 2019)

Liquid Staging Masterclass Greece

[Liquid Staging – „Film spatialization“ as a basis for new forms of performances and spectacles | | Asteris Kutulas Masterclass & Lecture || On the genesis of Liquid Staging aesthetics through various examples and visions. How Liquid Staging changes the way to develop and produce a live show.  || 11.10.2021 || INNOVATHENS || TECHNOUPOLIS || ATHENS]

LIQUID STAGING

Μια διαφορετική βάση για νέες μορφές παραστάσεων και θεαμάτων (Liquid Staging Masterclass Greece)

Η Ρευστή Σκηνογραφία έρχεται ως απάντηση-πρόταση στη σημερινή, παρωχημένη και «μουσειακή» μορφή θεαμάτων που δεν ανταποκρίνεται πια στους τρόπους πρόσληψης ερεθισμάτων των ανερχόμενων Post-Millenial γενεών.

Ο Αστέρης Κούτουλας θα αναδείξει μέσα από την παρουσίασή του τις νέες προοπτικές που ανοίγονται μπροστά μας και θα μας ξεναγήσει στη γένεση, το παρόν και το μέλλον της Liquid Staging αισθητικής. Στην παρουσίαση και συζήτηση με τον Πάρι Κωνσταντινίδη, ο Αστέρης Κούτουλας θα αναλύσει πώς πρέπει να αλλάξουν οι live παραστάσεις στη νέα ψηφιακή εποχή. Τα σύγχρονα θεάματα θα πρέπει πλέον να συμβαδίζουν με τον τρόπο ζωής και τις αντιλήψεις των σημερινών νέων και των μελλοντικών γενεών αλλά και της παρατηρούμενης δυσκολίας να κερδίσει κανείς την προσοχή τους (βλ. τη συζήτηση για το «Attention Economy»), δεδομένης της ριζικής αλλαγής συμπεριφοράς που επέφεραν οι πλατφόρμες κοινωνικής δικτύωσης όπως το TikTok, το YouTube, το Instagram κλπ.

Η χρήση μυθοπλαστικών τεχνικών που διευρύνουν τη σκηνή σε κάθε δυνατή επιφάνεια, η διάσπαση της γραμμικής αφήγησης, το ξεπέρασμα των ορίων μεταξύ ζωντανού και μαγνητοσκοπημένου, δημιουργούν ένα υβριδικό, συνολικό έργο τέχνης που φιλοδοξεί να διασώσει τα ζωντανά θεάματα στον 21ο αιώνα.

INNOVATHENS: Κόμβος Καινοτομίας & Επιχειρηματικότητας της Τεχνόπολης Δήμου Αθηναίων, Δευτέρα 11 Οκτωβρίου 2021, 5 μ.μ.

Liquid Staging

Asteris Kutulas: Liquid Staging Manifesto (Greek)

Η «χωροποίηση του φιλμ» ως βάση για νέες μορφές παραστάσεων και θεαμάτων

 

Η Ρευστή Σκηνογραφία

Αποτελεί βάση για νέες, καινοτόμες μορφές event και θεαμάτων.
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Υπηρετεί τις συναισθηματικές και πνευματικές ανάγκες της ψηφιακής μας εποχής.
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Καθιστά δυνατή τη δημιουργία υβριδικών «συνολικών έργων τέχνης», βασιζόμενη στην αιχμή των τεχνολογικών επιτευγμάτων του 21ου αιώνα.


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Η «ρευ­στή σκη­νο­γρα­φία» απο­τε­λεί ένα υβρι­δι­κό «μέ­σο» που ενώ­νει όλα τα στοι­χεία που συν­δη­μιουρ­γούν μία πα­ρά­στα­ση. Αυ­τά τα στοι­χεία μπο­ρούν να εί­ναι ο κι­νη­μα­το­γρά­φος, το θέ­α­τρο, ο χο­ρός, η μου­σι­κή, ο ήχος, ο φω­τι­σμός, η θε­α­τρι­κή σκη­νή, το design, η αρ­χι­τε­κτο­νι­κή, η ψη­φια­κή τέ­χνη, το gaming, η Augmented Reality τε­χνο­λο­γία και όχι μό­νο.

Η «ρευ­στή σκη­νο­γρα­φία» απο­τε­λεί ένα διαρ­κώς με­τα­βαλ­λό­με­νο «μέ­σο» που αλ­λά­ζει ακα­τά­παυ­στα τον ρό­λο του.

Η «ρευ­στή σκη­νο­γρα­φία» απο­τε­λεί μία «κι­νη­μα­το­γρα­φι­κή ται­νία» που έχει σχε­δια­στεί λε­πτο­με­ρώς από το πρώ­το μέ­χρι και το τε­λευ­ταίο δευ­τε­ρό­λε­πτο του event ή του θε­ά­μα­τος.

Η «ρευ­στή σκη­νο­γρα­φία» δεν πε­ριο­ρί­ζε­ται μό­νο στην πλά­τη του σκη­νι­κού, αλ­λά επε­κτεί­νε­ται και σε ολό­κλη­ρη τη σκη­νή (στο δά­πε­δο, την ορο­φή και τους πλαϊ­νούς τοί­χους), ή ακό­μα και ― ανά­λο­γα με το σε­νά­ριο ― στον χώ­ρο των θε­α­τών.

Με τη «ρευ­στή σκη­νο­γρα­φία» δη­μιουρ­γεί­ται ένας υβρι­δι­κός «βιω­μα­τι­κός χώ­ρος», στον οποίο μπο­ρεί να λά­βει χώ­ρα μία νέα «οσμω­τι­κή» μορ­φή πα­ρά­στα­σης με τις τε­χνι­κές-ψη­φια­κές δυ­να­τό­τη­τες του 21ου αιώ­να («υβρι­δι­κό» εδώ ση­μαί­νει την πά­ντο­τε άρ­ρη­κτη σύν­δε­ση με­τα­ξύ της κι­νη­μα­το­γρα­φι­κο-οπτι­κής δρά­σης και της φυ­σι­κής δρά­σης).

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Το Liquid Staging υπερ­βαί­νει πλή­ρως τα όρια με­τα­ξύ «σκη­νής» και «ται­νί­ας».

Η «ρευ­στή σκη­νο­γρα­φία» ανοί­γει νέ­ες πο­λυ­ε­πί­πε­δες δυ­να­τό­τη­τες χρή­σης του μέ­σου του κι­νη­μα­το­γρά­φου και φέρ­νει έναν νέο τρό­πο πα­ρα­γω­γής θε­α­μά­των. Με τον όρο «θέ­α­μα» εδώ εν­νο­ού­νται όλες οι πι­θα­νές μορ­φές «πα­ρά­στα­σης» (π.χ. event, όπε­ρα, μπα­λέ­το, μιού­ζι­καλ, συ­ναυ­λία, θε­α­τρι­κή πα­ρά­στα­ση, περ­φόρ­μανς, έκ­θε­ση, ομι­λία, επί­δει­ξη μό­δας, πα­ρου­σί­α­ση προ­ϊ­ό­ντων, κτλ).

Η «ρευ­στή σκη­νο­γρα­φία» ανοί­γει νέ­ες προ­ο­πτι­κές, εκ των οποί­ων οι πα­ρα­κά­τω εί­ναι οι πλέ­ον κα­θο­ρι­στι­κές:

——— Η ανά πά­σα στιγ­μή με­τα­βαλ­λό­με­νη «ρευ­στή σκη­νο­γρα­φία» μπο­ρεί, ακο­λου­θώ­ντας τη δρα­μα­τουρ­γία του εκά­στο­τε θε­ά­μα­τος, να χρη­σι­μο­ποι­η­θεί εί­τε ανε­ξάρ­τη­τα, εί­τε συγ­χρο­νι­σμέ­να, στα­τι­κά ή/και κι­νη­μα­το­γρα­φι­κά ή/και εν­σω­μα­τω­μέ­να ή/και δια­δρα­στι­κά.

——— Η κι­νη­μα­το­γρα­φι­κή ψευ­δαί­σθη­ση υπο­κα­θι­στά ξα­νά και ξα­νά τη θε­α­τρι­κή ψευ­δαί­σθη­ση (ανά­λο­γα με τις απαι­τή­σεις του σε­να­ρί­ου), ώστε στο τέ­λος να εξα­φα­νι­στεί, ώσπου να επα­νέλ­θει στο προ­σκή­νιο ―πρό­κει­ται για μία εξε­λισ­σό­με­νη, ορ­γα­νι­κή δια­δι­κα­σία κα­θό­λη τη διάρ­κεια του θε­ά­μα­τος. Με αυ­τόν τον τό­πο το «σκη­νι­κό» με­τα­τρέ­πε­ται στα­δια­κά σε «κι­νη­μα­το­γρα­φι­κή ται­νία» κι η «ται­νία» ξα­νά σε «σκη­νι­κό».

——— Οι ηθο­ποιοί επί σκη­νής γί­νο­νται ξα­νά και ξα­νά πρω­τα­γω­νι­στές μιας «κι­νη­μα­το­γρα­φι­κής πλο­κής». Κα­τά τη διάρ­κεια του θε­ά­μα­τος δρουν τό­σο ως ηθο­ποιοί μιας θε­α­τρι­κής πα­ρά­στα­σης όσο και μιας κι­νη­μα­το­γρα­φι­κής ται­νί­ας, και λει­τουρ­γούν ως το συν­δε­τι­κό στοι­χείο σε αυ­τόν τον νέο, βιω­μα­τι­κό χώ­ρο της ρευ­στής σκη­νο­γρα­φί­ας.

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Το μέ­σο της κι­νη­μα­το­γρα­φι­κής ται­νί­ας (φιλμ) ― πρό­κει­ται για το ση­μα­ντι­κό­τε­ρο μέ­σο της ρευ­στής σκη­νο­γρα­φί­ας, ως προς τη λει­τουρ­γία του ― μπο­ρεί να χρη­σι­μο­ποι­η­θεί με του­λά­χι­στον τέσ­σε­ρις τρό­πους:

1) ως με­γά­λος αφη­γη­μα­τι­κός «κι­νη­μα­το­γρά­φος» (π.χ. με­μο­νω­μέ­νες σε­κάνς, με­τα­βά­σεις σκη­νών).

2) ως εν­σω­μα­τω­μέ­νη «κι­νού­με­νη σκη­νο­γρα­φία» (με με­τα­βαλ­λό­με­νη δυ­να­μι­κή, αφη­γη­μα­τι­κή φόρ­μα, αι­σθη­τι­κή, κτλ, σε συ­νάρ­τη­ση με το σε­νά­ριο και τη μου­σι­κή).

3) ως μέ­σο που αλ­λη­λε­πι­δρά με τους ερ­μη­νευ­τές ή με τα δια­φο­ρε­τι­κά στοι­χεία του σκη­νι­κού και της σκη­νής (εφέ χαρ­το­γρά­φη­σης, κτλ)

4) ως μέ­σο που έχει τη δυ­να­τό­τη­τα να συ­μπε­ρι­λά­βει τον χώ­ρο των θε­α­τών στην πα­ρά­στα­ση.

Η «ρευ­στή σκη­νο­γρα­φία της ται­νί­ας», που από την πρώ­τη μέ­χρι και την τε­λευ­ταία στιγ­μή αλ­λη­λε­πι­δρά με τη μου­σι­κή, το φως, την κί­νη­ση, το κεί­με­νο, τα σκη­νι­κά και τα κο­στού­μια, χρειά­ζε­ται εντε­λώς νέ­ες προ­σεγ­γί­σεις, ώστε να μπο­ρέ­σει να «λει­τουρ­γή­σει», αλ­λά και για να μπο­ρέ­σει να αξιο­ποι­ή­σει τις δυ­να­τό­τη­τες συ­ναι­σθη­μα­τι­κής επί­δρα­σης που προ­σφέ­ρει ο «κι­νη­μα­το­γρά­φος» στη σκη­νι­κή δρά­ση.
Η ιδέα της «χω­ρο­ποί­η­σης της ται­νί­ας» οδη­γεί ανα­γκα­στι­κά σε έναν ανα­προσ­διο­ρι­σμό του ρό­λου των πα­ρα­κά­τω δη­μιουρ­γι­κών επαγ­γελ­μά­των:

 ——— Συγ­γρα­φέ­ας:

πρέ­πει να μπο­ρεί να συν­δυά­ζει σε ένα πρό­σω­πο τις ιδιό­τη­τες του σε­να­ριο­γρά­φου, του θε­α­τρι­κού συγ­γρα­φέα, του δρα­μα­τουρ­γού και του χο­ρο­γρά­φου.

——— Σκη­νο­θέ­της:
πρέ­πει να κα­τέ­χει τα μυ­στι­κά της σκη­νο­θε­σί­ας όχι μό­νο του θε­ά­τρου, αλ­λά και του θε­ά­μα­τος, του χο­ρού, του gaming και του κι­νη­μα­το­γρά­φου.

——— Σκη­νο­γρά­φος:
οφεί­λει να εί­ναι ταυ­τό­χρο­να σκη­νο­θέ­της, art director και σχε­δια­στής κι­νού­με­νων γρα­φι­κών.

——— Projection artist και σχε­δια­στής φω­τι­σμού:
δύο δια­φο­ρε­τι­κοί ρό­λοι που συγ­χω­νεύ­ο­νται σε αυ­τόν του Liquid-Stage-Designer

Μέ­σω της αι­σθη­τι­κής του Liquid Staging επο­μέ­νως αλ­λά­ζει τό­σο το εύ­ρος των κα­θη­κό­ντων όσο και η με­θο­δο­λο­γία της ερ­γα­σί­ας στους το­μείς του σχε­δια­σμού κο­στου­μιών, της πα­ρα­γω­γής/σύν­θε­σης ήχου και μου­σι­κής, κα­θώς και στην ανά­πτυ­ξη και δη­μιουρ­γία σκη­νι­κών.

Το Liquid Staging απο­τε­λεί μία νέα πρό­κλη­ση για τους επαγ­γελ­μα­τί­ες του θε­ά­μα­τος.

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Η ρευ­στή σκη­νο­γρα­φία ση­μα­το­δο­τεί μία νέα φι­λο­σο­φία των events και των θε­α­μά­των.

© Αστέρης Κούτουλας, 2010/2016 | Asteris Kutulas

Translation/Μετάφραση: Πάρις Κωνσταντινίδης

Many thanks to Ina Kutulas & Achilleas Gatsopoulos for their #liquidstaging contribution

Olympiacos FC Event – Testimonials

LIGHTS OF HOPE Olympiacos FC event – Testimonials

Karaiskaki Stadium | Piraeus | Greece | July 19th, 2020

Short listed for the AV Awards 2021 in London in the category: Events and Entertainment Project of the Year – AV magazine 
Tim Dowdall

I have had the pleasure to work with Asteris Kutulas over a period of thirty years, starting way back in the 1980s. We cooperated on numerous major productions all over the world often with extraordinary success. I have also witnessed during this time how, in his parallel life, he has realized his many book, film and art projects.

In his „Lights of Hope“ project for Olympiacos FC in the summer of 2020, Asteris Kutulas combined art and sport in a visionary concept, giving Olympiacos Piraeus and the football world a wonderful gift. It became very clear at this event that Asteris Kutulas is not only a very experienced producer, but also an inspired and inspirational filmmaker.

Asteris Kutulas wrote a detailed script for the event, using Ross Ashton’s fantastic projections, Achilleas Gatsopoulos’s and Daniel Brune’s graphic laser projections, and the live act with children’s choir and DJ, to build an emotional work of art celebrating the Olympiacos team and their fans. As the basis for what he calls his „liquid staging concept“, Asteris Kutulas chose music by Marios Joannou Elia that gives the impression of having been created especially for the event. Asteris Kutulas fused all of these elements together with the impressive lighting design of George Tellos. The result is simply sensational.

In addition, I know from my own experience what it means to produce such a project in just two weeks, and moreover under pandemic conditions. For this superhuman effort, my respect goes to Asteris Kutulas and all those involved.

Tim Dowdall, Berlin
Impresario | One-time Executive Vice President Live Nation Central and Eastern Europe (2005-2013)

Olympiacos FC & Asteris Kutulas
Lights of Hope Event, Piraeus (photo by Ralph Larmann)
„A digital orchestration – right into the hearts of millions of viewers“ by Knut Foeckler

In a time, when pandemic has become another word for limitation and frustration, a team around Asteris Kutulas has created a masterpiece of multifaceted performance bringing joy into the hearts of so many football lovers. When the heroes of Olympiacos, the Piraeus based football club, had won the Greek Super League mid 2020 for the 45th time, they wanted to share their victory with all their fans. But the pandemic got in their way. However, the marketing management of Olympiacos had a spontaneous idea. They called Asteris Kutulas and asked him to do the mission impossible: He was asked to create a breathtaking event that conveyed the electrifying atmosphere of a football stadium – but without audience – and to have it ready to roll within 3 weeks‘ time.

He agreed and created a convincing concept within a few days. He pulled the best of the best together and sweating under their Covid Masks they orchestrated a „liquid staging“, projections, laser motion design, fireworks, live acts, music and much more to finally create „Lights of Hope“. Kutulas directed an international team of top talents to present a masterpiece sending the joy of a victorious football team and a light ray of hope into the world that has been darkened too long by the pandemic.

Knowing Asteris for many years, I was convinced that he would master the mission impossible, when he told me about the project sometime in July 2020. I have seen so many fantastic productions coming out of his experience and creativity. He is a master of show orchestration, music dramaturgy, stage design, concept art, and many other disciplines that make an event a great event. I was very touched when I saw „Lights of Hope“ – a fusion of football enthusiasm, art, and TV show. I hope to see many more of his creations in the future.

Prof. Knut Foeckler, Munich
Founding Member & Professor Service Management – Cologne International School of Design | Honorary Professor Cultural and Media Management – Hanns Eisler School of Music Berlin | Former Managing Director Marketing Philip Morris – Munich | Former Executive Vice President Deutsche Telekom AG – Bonn

Nana Trandou

I have seen, and see again in “Lights of Hope”, an urgency, a self-sacrificing effort, a focus of the highest degree in Asteris’ work. Yet, it is not this drive or passion which fascinates me, but rather the meanings and concepts that incite such complete focus on giving to others, which must be noted. Asteris is using his mastery in stage-production techniques to share an idea which he holds within himself, making this project of the highest level of Stage- Production and Art simultaneously. Such ideas, having given Asteris meaning, purpose, inspiration etc. now seem to drive him, at all costs, to giving it back to the World.

… In this work, Asteris masterfully assists us in witnessing the Olympiacos team as the present embodiment of the faith and achievement which is the intended result of the mythological messages their emblem boasts. They represent all such message-passing, “Lights of Hope” in any circumstances, and it is the Artist’s job (accomplished superlatively) to guide us to comprehending that truth ourselves; to finding the message implied in the action of the team, and how and why we should do the same …

Nana Trandou, Athens
Former CEO of DiDi Music SA | Founder, owner and CEO of High Priority Promotions PC, Greece Concert and Festival Promoter

Lights of Hope Event
Lights of Hope Event, Piraeus (photo by Ralph Larmann)
Mike Finkelstein

2020 will always be remembered as stumbling block in the sport and music industry.

This year, when the majority of events in sport and music were cancelled or postponed worldwide, the Olympiacos 45th championship ceremony in Piraeus was a surprising and unexpected exception.

When I first watched the video – LIGHTS OF HOPE – I could not believe my eyes. Who would have thought this show could be possible in this very dull and pessimistic 2020 year?

A message transmitted from Piraeus to the Olympiacos FC community and to the world was a message of hope and optimism. LIGHTS OF HOPE – the name of the ceremony – is the exact description of brining this message into the world.  

And we see the result – the unforgettable, created in no time, show in the full of art and emotions stadium transmitted to the entire world. I really hope we will see more shows like that created by Asteris Kutulas in the years to come.

Mike Finkelstein, Hadera (Israel)
CEO MAFTEX Light & Multimedia Solution

Asteris Kutulas and Christian Karembeu
Christian Karembeu & Asteris Kutulas during the Olympiacos FC press conference
Lisa Schaft

In July 2020, the Greek soccer club Olympiakos Piraeus won against local rival AEK Athens and became the Greek champion for the 45th time. The pma magazine reported on this in a nicely edited article in connection with the double event LIGHTS OF HOPE. In this report, it becomes clear how the director and show designer Asteris Kutulas was called to Athens only three weeks before the event and set up a spectacular double event.

Lisa Schaft, Editor for the pma magazine, Germany

Asteris Kutulas and Olympiacos FC fiesta
Lights of Hope Event, Piraeus (photo by Ralph Larmann)
Alexander Strizhak

LIGHTS OF HOPE for Olympiacos Piraeus was a very spectacular event. An effective and impactful use of all technical possibilities, a huge video screen with fantastic projections, unique laser graphics, a very well used light show, impressive pyro and special effects, a children’s choir as a human element. The LIGHTS OF HOPE show created a strong emotional involvement in the action on the stadium field. I have seen many stadium productions before – Asteris Kutulas as an experienced director managed to stage this TV show breathtakingly and to convey the celebration of the victory of the Olympiacos football club in a unique way: he combined tradition, symbolism, music, sport, passion, and a modern staging in the stadium of Olympiacos FC.

Alexander Strizhak
Owner and Managing Director
JSA Europe / Stage Company
Latvia/Riga & Ukraine/L’viv & Kyiv

Asteris Kutulas and Olympiacos FC fiesta
Lights of Hope Event, Piraeus (photo by Ralph Larmann)
Giovanni Broccu

Producing such an event as LIGHTS OF HOPE for Olympiacos Piraeus FC requires not only courage, but also a high level of intelligence, know-how, as well as a great deal of creativity and professionalism. I have had the privilege of working with Asteris Kutulas on various projects, so I know what I am talking about. We concert and tour promoters and festival organizers can often only be compared as „choir boys“ compared to those who realize such events.

Giovanni Broccu
Concert Tour Promoter & Festival Organizer
Kultur Depot GmbH, Herten, Germany
Sardinia Entertainment Srl, Posada, Italy
Art & Craft Ltd, London, United Kingdom

Asteris Kutulas and Olympiacos FC fiesta
Lights of Hope Event, Piraeus (photo by Ralph Larmann)
Hans-Conrad Walter

Johann Wolfgang Goethe already called for „more light“ to make reality more visible. The artist and producer Asteris Kutulas succeeds in doing just that. With his polymedia events, he ignites fireworks of real emotions that inspire thousands of people worldwide. With his individual signature, Asteris Kutulas is without a doubt one of the greats in the entertainment industry and the aesthetics of „Lights of Hope – Olympiacos“ is one of his polymedia masterpieces.

Hans-Conrad Walter
Cultural manager and CEO of Causales, Berlin

Olympiacos Fc and Asteris Kutulas
Choir of Municipal Conservatory of Piraeus with Alexandra Dermati, chormaster Maria Spanou and DJ Antonis Dimitriadis
Gerd Helinski

I got to know Asteris in 1999 as a business partner and producer of the light architect Gert Hof. Since then, I have worked with him as a technical director on over 30 events worldwide. On exciting, large-scale projects, including the Millennium events at the Acropolis in Athens and in Beijing in 2000, but also on the development of a new show format in 2016/17 based on Asteris‘ liquid staging theory.

Asteris has not only worked together with Gert Hof, but also for decades with the Greek composer legend Mikis Theodorakis. He knows both the world of art and the world of production. He incorporated this experience into his „Lights of Hope“ show – a sensational event staged at the stadium of the Olympiacos Piraeus football club to celebrate their 45th title win.

Asteris used the „bridge of music“ as the basis for his show and confidently combined a children’s choir live act with projections, laser graphics, light and pyro designs. In doing so, he put the footballers and especially the very young fans of Olympiacos Piraeus in the centre of attention and simultaneously projected onto the pitch iconically everything that stands for the values of Olympiacos Piraeus. The euphoric feedback from this show proved that the visual combination of closeness and great expanse was superbly successful.

As a filmmaker, Asteris thinks in images. As a show producer, he thinks about the effect of these images on television. I think it is very extraordinary that he has realised the football fiesta of Olympiacos Piraeus in such an artistic and emotional way. The „Lights of Hope“ event at the Piraeus stadium was a great job by both the creative and technical teams.

Gerd Helinski
Technical Director at Gert Hof Productions (1999-2010)
Senior Account Manager | Special Events at Production Resource Group AG

Olympiacos FC and Asteris Kutulas
Alexandra Dermati and DJ Antonis Dimitriadis

LIGHTS OF HOPE

From Olympiacos FC to the World
Karaiskaki Stadium | Piraeus | Greece | July 19th, 2020
A Liquid Staging Show

Created & Directed by Asteris Kutulas
Music by Marios Joannou Elia

Projection Art: Ross Ashton
Laser Motion Design: Achilleas Gatsopoulos
Light Design: George Tellos
Laser Design: Daniel Brune
Pyro Design: Pavlos Nanos
Musical Director: DJ Antonis Dimitriadis
Choir of Municipal Conservatory of Piraeus
Solist: Alexandra Dermati | Chormaster: Maria Spanou

Technical Director: Aris Koudouris | Music Production: Nick Elia | Laser Programming: Merlin Schaadt | Light Programming & Operator: Makis Anastasakis | Projection Technicians: Bernd Gröger & Robert Foerster | Lighting Coordinator: Irene Samartzi
Pyro & Fireworks: Nanos Fireworks Greece | Laser Equipment: laserfabrik GmbH | Local Production, Light & Sound Equipment: Tempo Events | Logistics: Oliver Schulze & Uwe Foerster

Many thanks to Olympiacos FC & NOVA TV
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Lights of Hope – Interview der Zeitschrift pma mit Asteris Kutulas

 

 

Der Licht-Architekt Gert Hof – Interview mit Asteris Kutulas

Der Licht-Architekt Gert Hof

[Gert Hof war der „Beethoven des Lichts“, erschuf die Bühnenshows der Band Rammstein – in unserer Titelstory berichten wir in einer Retrospektive über sein Leben und seine Arbeit.] (pma-Magazin 03/2021)

pma: Herr Kutulas, Sie haben ab 1998 gemeinsam mit dem Licht-Künstler Gert Hof gearbeitet. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande? Kannten Sie sich davor schon länger?

Asteris Kutulas: Genauso wie Gert hatte auch ich in der DDR gelebt und so kannte ich ihn als Regisseur seit Ende der 80er Jahre durch seine Theaterinszenierungen und vor allem durch seine Kooperation mit Bands wie Silly, City oder Pankow. 1990 organisierte ich eine Metasinfonik- Europa-Tour mit Mikis Theodorakis, bei der auch zwei Pankow-Musiker mitspielten, nämlich Stefan Dohanetz am Schlagzeug und Rainer Kirchmann am Klavier. Ein paar Jahre später produzierte ich mit Rainer Kirchmann und Jannis Zotos eine neue Version des Liedzyklus‘ „Sonne und Zeit“ von Theodorakis, wobei Rainer Kirchmann die Cover-Versionen anfertigte und neben Maria Farantouri die Songs sang. Als wir im November 1998 für unseren ARTE-Film „Sonne und Zeit“ – bei dem ich zusammen mit Klaus Salge Regie führte – das Konzert aufzeichnen wollten, kam Rainer auf die Idee, dass Gert das Lichtdesign dafür machen sollte.

So lernte ich Gert im September 1998 zum ersten Mal persönlich kennen. Gert, der kurz davor das Wuhlheide-Konzert „Live in Berlin“ von Rammstein inszeniert hatte, entpuppte sich als großer Verehrer der Musik und der Persönlichkeit von Mikis Theodorakis, und so wurde „Sonne und Zeit“ im November 1988 unser erstes gemeinsames Projekt. Da ahnten wir noch nicht, dass wir – wie im „Rausch“ – zwischen 1999 und 2010 ca. 50 Events und Konzertprojekte weltweit realisieren und dabei eine neue Event- Ästhetik und eine neue „Kunstform“ entwickeln würden.

Gert Hof Hommage by Asteris Kutulas und pma

pma: Das Ergebnis Ihrer Zusammenarbeit ist tatsächlich sehr beeindruckend. Was war die Essenz dieser Kooperation?

Asteris Kutulas: Am Anfang war das Wort: Gerts Vision einer Lichtarchitektur am Himmel – „Art in Heaven“, wie wir das Ganze 1999 nannten. Gert sagte mir damals, dass er all seine inszenatorischen und licht-ästhetischen Ideen und Möglichkeiten auf den Theater- und Konzertbühnen ausgeschöpft hatte. Darum wolle er diese „Fesseln“ sprengen und den Himmel als Bühne benutzen.

Um Gerts Vision einer „Kunst am Himmel“ zu verwirklichen, brauchte es zweierlei: Es musste eine neue Inszenierungsphilosophie sowie die technische Grundlage (z.B. eine neue Art von Lichtequipment) geschaffen, und zugleich mussten die Anlässe, die Auftraggeber und die „Himmels-Bühnen“ für solche Events gefunden werden. Es bedurfte also zweier Verrückter, die wirklich daran glaubten, dass das umgesetzt werden kann. Wir hatten uns gefunden: Gert war für die „Kunst“ und das „Artwork“ zuständig und ich für die Vermarktung und die Produktion. Natürlich konnte ich diese Herausforderung nur darum bewältigen, weil ich von Gerts künstlerischer Vision regelrecht durchdrungen war. Das war die Voraussetzung.

pma: Ihr Projekt fing unglaublich furios an: Innerhalb eines Jahres – zwischen dem 31.12.1999 und dem 31.12.2000 – haben Sie vier Millennium-Events gemacht: an der Siegessäule in Berlin, auf der Akropolis in Athen, am China Millennium Monument in Peking und am Ungarischen Parlament zwischen Ketten- und Margareten-Brücke in Budapest. Hinzu kam für die EXPO 2000 der Eröffnungs-Event von Ferropolis bei Dessau. Wie ist das möglich gewesen?

Asteris Kutulas: Durch die Verwirklichung von Gerts Vision entstand eine neue Eventform, die die Chance bot, eine ganze Landschaft mit einzubeziehen und hunderttausende von Menschen live zu entertainen. Gerts Konzept verband auf originelle Weise einen hohen ästhetischen Anspruch mit einer großen Publikumsaffinität. Hinzu kam, dass Gert selbst ein absolutes Unikum war, dem durch seine Zusammenarbeit mit Rammstein, Blixa Bargeld und dem Maler Gottfried Helnwein sowie durch sein kompromissloses und zuweilen schroffes Auftreten stets auch etwas „Skandalöses“ und „Genialisches“ anhaftete.

Dieses flirrende und spektakuläre „Gesamtkunstwerk“ – bestehend aus einem abgefahrenen Künstler und seinem revolutionären Event-Konzept – vermarktete ich über das Netzwerk, das ich mir zuvor in fünfzehn Jahren (u.a. mit Hilfe von Tim Dowdall, dem Vice President von Live Nation für Osteuropa) aufgebaut hatte. Ich agierte dabei nicht wie eine Event-Agentur, derer es ja tausende gab, sondern als Künstler-Agent. Darum beteiligten wir uns nie an einer Ausschreibung: Wir hatten diese neue Eventform erfunden, und wer das Original wollte, der kam direkt zu uns. Ich konnte also damals, 1999, etwas so noch nie Dagewesenes und „Revolutionäres“ anbieten … Unsere Kunden – Regierungen, Institutionen, Konzerne – erkannten das, und sie griffen zu.

Hommage von Asteris Koutoulas

pma: Können Sie uns einen Einblick geben, wie es von Anfang bis Ende einer Produktion war, mit Gert Hof zu arbeiten?

Asteris Kutulas: Für Gert waren drei Dinge zu Beginn einer jeden Produktion ausschlaggebend: erstens die Landschaft, also die Event-Location, zweitens der Anlass (das Motto) des Events als Basis für die Storyline und drittens die Musik. Das waren für ihn wichtige Inspirationsquellen.

Ich gebe drei Beispiele zu jedem dieser Aspekte. Die Events, bei denen die Landschaft ausschlaggebend war: die Akropolis in Athen, die Uferhügel in Gallipoli, die Burg Siegmundskron in Bolzano. Wichtige Anlässe fürs Storytelling: „Lights of Freedom” in Atlantic City, das Closing-Event des Jerusalem-Music-Festivals in Israel, „Light from the Arab World” in Oman. Die Musik bzw. die Komponisten als Basis für Gerts Inszenierungen: Roger Waters für das Welcome-Europe- Event auf Malta, Mike Oldfield für die Berlin-Millennium-Show, die Scorpions für den Moskau-Event auf dem Roten Platz und Westbam für den Aida-Diva-Event in Hamburg.

Das Ganze lief wie folgt ab: Gert ließ sich inspirieren von der Landschaft und entwickelte vor Ort sofort seine „Gemälde“, seine Lichtskulpturen und „existenziellen Bilder“. Einige dieser Bilder visualisierten wir, und zugleich schrieb Gert eine Story zu seinem geplanten Event. Parallel dazu klärten wir, welche Musik-Stücke genommen werden bzw. wer die Musik zum Event komponieren würde – eine für Gert äußerst wichtige Frage. Wir sprachen außerdem sehr ausführlich mit unseren potenziellen Auftraggebern. Da wir aber, wie schon erwähnt, nicht als Agentur, sondern als Künstler-Unit auftraten, hatten unsere Auftraggeber kaum die Möglichkeit, ins Konzept einzugreifen oder irgendwelche „Veränderungen“ vorzunehmen. Gert stellte von vornherein immer klar, dass er sich nicht reinreden lassen würde. In gewisser Weise gehörte auch das zu unserem Alleinstellungsmerkmal.

Ich entwickelte parallel dazu das Produktionsdesign entsprechend Gerts Konzept einerseits und andererseits entsprechend den finanziellen und organisatorischen Bedingungen. Es lief fast immer auf die Frage hinaus, was machbar ist und was nicht. Gert reagierte stets sehr realistisch und konstruktiv, obwohl er ein Maximalist und Perfektionist war. Sobald feststand, WAS man von Gerts Ideen unter den konkreten finanziellen und organisatorischen Vorgaben umsetzen konnte, sagten wir zu oder ab.

Gert Hof Hommage von Asteris Kuttulas

pma: Gab es im Produktionsablauf auch andere Dinge, die in der Zusammenarbeit mit Gert Hof speziell waren?

Asteris Kutulas: Gert schrieb nach Auftragserteilung auf der Grundlage der Musik eine detaillierte Event-Partitur. Dafür arbeitete er zunächst mit den Komponisten bzw. Musikern zusammen, die die Musik für den Event produzieren sollten oder bereits aufgenommen hatten, um sie seinen Vorstellungen entsprechend zu ändern. Gert wusste ziemlich genau, welchen Charakter und welche Orchestrierung die Musik haben sollte, für wie viel Zeit er musikalische Phrasen brauchte, wann es welche Soundeffekte geben sollte etc.

Mike Oldfield schilderte seine diesbezügliche Zusammenarbeit mit Gert wie folgt: „Ich schrieb eine 14minütige Komposition für sinfonisches Orchester und Rock Band. Gert gab mir einen sehr genauen Ablaufplan und eine sekundengenaue Gliederung seiner Lichtshow. Ich habe einfach meine Musik dementsprechend komponiert.” Da für Gert die Musik mit das Wichtigste war, dauerte dieser Prozess oftmals Wochen oder sogar Monate, weil immer wieder korrigiert und modifiziert wurde.

Mit der Musik als emotionalem Leitfaden legte er dann auf die Sekunde genau alle anderen Medien entsprechend seiner Inszenierungs-Konzeption fest. Das hieß – in den meisten Fällen –, dass eine perfekte Synchronisation von Licht, Pyro, Feuerwerk, Laser etc. erfolgen musste, um genau jene Bilder entstehen zu lassen, die Gert im Kopf hatte. Stellen Sie sich einen „Slowmotion-Film“ vor, in dem ein „Gemälde“ dem anderen folgt – mit einer klaren Dramaturgie. In diesem Prozess musste Gert wiederholt mit den diversen Programmierern bzw. Designern zusammenarbeiten, z.B. mit Sven Asamoa oder Markus Katterle für Pyro und Feuerwerk, mit Jens Probst oder Stephan Aue für das Lichtdesign, mit Daniel Brune für die Programmierung der Laser etc., um nur einige unserer Mitarbeiter zu nennen.

Parallel zu diesem schöpferischen Prozess organisierte ich die gesamte Produktion, verhandelte mit unseren Partnern, schloss Vereinbarungen und unterschrieb die Verträge mit allen Beteiligten. Ich kümmerte mich darum, dass die ganze Maschinerie lief, wobei bei den meisten unserer Projekte Gerd Helinski bzw. technische Direktoren von Procon das Produktionsmanagement übernahmen und Norman Bauer die Logistik. Ohne diese Partner wäre ich aufgeschmissen gewesen.

Sehr speziell war auch der Umstand, dass bei uns, sobald ein Event bestätigt wurde, folgende Überlegung einsetzte: Was können wir tun, um einen Event, für den wir „100 Euro“ zur Verfügung haben, so aussehen zu lassen, als wären es „1.000 Euro“? Da Gert als begnadeter Regisseur wusste, wo man den Hebel ansetzen musste, um die höchstmögliche Wirkung zu erzielen, konnten wir diese Aufgabenstellung sehr oft zu unserer Zufriedenheit – und der unserer Kunden – lösen.

pma: Tatsächlich hatten einige Ihrer Events eine immense mediale Reichweite, wie z. B. der AidaDIVA-Event mit über 2.300 Printmedien-Veröffentlichungen oder der Dresdner Semperoper-Event mit über 400 TV- Beiträgen. Wie erklären Sie das?

Asteris Kutulas: Unser Ziel war es, mit einem exklusiven und „radikalen Kunstwerk“ das Publikum zu begeistern und eine sehr große Öffentlichkeit zu erreichen. So bestand meine wichtigste Aufgabe darin, im ständigen Kontakt mit unseren Auftraggebern und den lokalen Produzenten und Partnern alles so vorzubereiten, dass die Events nicht nur technisch und organisatorisch ohne Probleme abliefen, sondern dass sie auch perfekt und effektiv vermarktet werden konnten. Das heißt, wir sorgten von vornherein dafür, dass ein Event auch medial zum Erfolg wurde.

Basis dafür war Gerts rigoroser Anspruch, seine Ablehnung von Kompromissen und auch, dass er stets am Limit operierte. Hinzu kam, dass Gert als „Starlichtarchitekt“ eine schillernde Persönlichkeit war und jedem Event ganz klar seinen Stempel aufdrückte. Das alles ließ sich sehr gut medial „verkaufen“ und hatte eine eigene Energie – ganz anders, als sehr viele Events von Agenturen, die nach einem gewonnenen Pitch darauf bedacht waren, ihre 20% Gewinnmarge zu sichern. Deren Produktionen waren in der Regel „langweilig“, kraftlos und „anonym“, also in gewisser Weise „beliebig“. Unsere Shows hatten das „Gesicht“ und die Energie von Gert und ließen sich deshalb viel besser vermarkten.

Wir kümmerten uns auch um die richtige Bebilderung unserer Events. Gert hatte von Anfang an Fotografen und Filmemacher an sich gebunden und ihnen bei vielen Treffen über Jahre hinweg seine Ästhetik erklärt: Er machte klar, was ihm wichtig war und was wie fotografisch festgehalten werden sollte. Ich möchte nicht behaupten, dass Gert die „Bilder“ wichtiger waren als der Event selbst. Da wir aber eine neue Event- Form erfunden hatten, kam es ihm sehr darauf an, dass auch deren Abbildung adäquat war. So wurden folgende Fotografen zu einer Art „festem Team“ von Gert: Guido Karp, Ralph Larmann, Anja Pietsch, Jens Rötzsch, Sabine Wenzel, um nur die wichtigsten zu nennen.

Wenn man sich unsere beiden Bücher ansieht, die wir 2003 und 2006 herausgebracht haben, dann erkennt man sofort, dass Gert „seine Bilder“ quasi wie ein Maler entwarf. Er hat in den ersten zwei Jahren, also bis 2003 seinen Stil entwickelt und diesen fortan variiert.

Gert Hof und Asteris Kutulas in Israel

pma: Sie waren lange Zeit der Manager von Gert Hof – wie war die Person Gert Hof als Licht-Künstler?

Asteris Kutulas: Die wichtigste Charakterisierung von Gert Hof als „Licht-Künstler“ ist die, dass er ein visionärer KÜNSTLER war. Gert hat all seine Events als Gesamtkunstwerke inszeniert. Er verwendete u.a. das Medium Licht in all seinen Facetten, um jene Bilder zu produzieren, die er im Kopf hatte.

Wie unkonventionell er „Licht“ als Mittel einer Inszenierung benutzte, erkannte ich bei unseren ersten beiden gemeinsamen Events Ende 1999. Beim Mauthausen-Konzert im Holocaust-Memorial-Museum in Washington verwendete er kein technisches Licht, sondern hunderte Kerzen „für die Ermordeten“. Und einen Monat später beim Millennium-Event auf der Akropolis, wo es nur einen einzigen Großraum-Scheinwerfer gab, benutzte er neben blauen Neon-Röhren fast ausschließlich nur monochromes Pyro und Feuerwerk. Gert ging es immer um Lichtarchitektur in der Bauhaus-Tradition. Flake von Rammstein brachte diese spezifische Licht-Ästhetik von Gert Hof auf den Punkt: „Gert würde nie auf die dumme Idee kommen, eine Band gut auszuleuchten. Deshalb bin ich ein Fan von Gert Hof.“

Gert Hof und Asteris Kutulas in Apassionata

Der andere wichtige Punkt ist, dass Gert sich von Anfang an für technische Innovationen interessiert hat. Er wusste über jede Lampe, über jeden Scheinwerfer Bescheid, kannte jede Feuerwerksbombe, jeden Nebel- und Pyroeffekt und drängte seit 1999 auf die Weiterentwicklung der Show-Lasertechnologie. In den ersten zwei Jahren unserer Eventtätigkeit setzten wir keinen Laser ein, weil z.B. die langsame Bewegung eines Lasergitters da noch nicht möglich war. Was ich mit alldem sagen will: Gert entwickelte Ideen und verlangte die für deren Umsetzung nötige Hard- und Software, die es zu Beginn unserer Zusammenarbeit nicht gab.

Ich erinnere mich, wie wir 1999 mehrmals zu Bruno Baiardi nach Italien gefahren sind, um Baiardi darin zu unterstützen, aus den zwei Prototypen der 7-kW-Ireos von Space Cannon funktionierende, DMX-gesteuerte Movinglights mit effektiver Lichtausbeute (auch in problematischen Farbspektren) zu machen.

Oder wie Hansgeorg Kehse völlig entgeistert erwiderte: „Das kann ich nicht so machen, das hat noch nie ein Feuerwerker so gemacht!“ – nachdem ihn Gert aufgefordert hatte, die gesamte Akropolis mit monochromem Rot-Pyro zu umgeben und wie sehr Gert sich für monochromes Feuerwerk als sein „Markenzeichen“ engagierte.

All diese technischen und ästhetischen Innovationen waren notwendig, damit die künstlerischen Visionen von Gert umgesetzt werden konnten.

Gert Hof und Asteris Kutulas in Moscow

pma: Abschließend möchten wir gerne wissen, mit welchen Worten Sie selbst Gert Hof beschreiben würden.

Asteris Kutulas: Gert war eine ambivalente Persönlichkeit. Er hatte einiges im Leben durchgemacht, war als Jugendlicher von der Stasi für 18 Monate wegen sogenannter „staatsgefährdender Hetze“ inhaftiert worden. Das hatte Spuren hinterlassen. Er war ein durch und durch introvertierter genialischer Künstler, zugleich aber auch ein extrovertierter Mensch, mit dem wir sehr oft gelacht haben. Gert lebte in vielen Welten, in denen er sich wohlfühlte: die Welt der Musik, die Welt des Theaters, die Welt der Architektur und des Designs, die Welt der Malerei. Er kannte fast jedes Werk von Bach, Mozart, Richard Wagner, jeden Song der Beatles, von Nina Simone oder Nick Cave. In den Siebziger Jahren forschte er im Brecht-Zentrum und verfasste mehrere Publikationen über Brechts dramatisches und ästhetisches Werk. Er verschlang dutzende Architektur-Bücher. Er kannte sich sehr gut in der Malerei aus und ließ sich von ihr bei fast all seinen Events inspirieren. Er inszenierte in den 1980er und 1990er Jahren sowohl Klassiker als auch moderne Theaterautoren und entdeckte Bernard-Marie Koltès für das deutsche Theater.

Asteris Koutoulas, Acropolis

Gerts Welt passte absolut zu meiner Welt, da ich ja Germanistik und Philosophie studiert, viele Bücher und Texte publiziert, ein absoluter Theater-Freak war, zahlreiche Werke aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzt, Events und CD’s produziert und vor allem durch Mikis Theodorakis die gesamte Welt der Musik in mich aufgenommen hatte – von Kammermusik über Ballett, Oper bis hin zu Sinfonien und Oratorien. Jeder von uns wusste, wovon der andere sprach. Wir waren also künstlerisch auf derselben Wellenlänge. Und mit Gerts beißendem Humor lernte ich schnell umzugehen – dieser Humor war der Kitt unserer Freundschaft, so dass sie nicht nur, wenn es besonders gut lief, sondern auch alle Zeiten der Auseinandersetzung und der unvermeidlichen Kontroverse hindurch bis zum Schluss bestehen blieb. Jeder hatte seinen eigenen Kopf, und so tauchten wir vor zehn Jahren, im Juni 2010, ein Stück in die Vulkanaschewolke auf Island ein, und so hätten wir uns auch in die Kälte am Nordpol gewagt – Gerts Pläne waren fertig, mein Netzwerk bereit.

Text & Interview: Lisa Schaft

Licht-Architekt Gert Hof Fotos: Ralph Larmann, Asteris Kutulas, Mihalis Patsouras, Jens Rötzsch, Sabine Wenzel

Leasing the Sky – Mega & Special Events – Directed by Gert Hof & Produced by Asteris Kutulas

 

Mein griechisches Niemandsland DDR (Eine Rede)

[„Asteris Kutulas ist bekannt als Autor, Übersetzer, Filmemacher sowie als Event– und Musikproduzent. Als Sohn griechischer Emigranten in Rumänien kam er 1968 mit seiner Familie in die DDR. In seinem Essay »Mein griechisches Niemandsland DDR. Ein Leben zwischen Systemen, Ideologien, Sprachen, Kulturen, Ländern und Mauern« nimmt er die persönliche Lebensgeschichte zum Anlass, um über die Wechselbeziehungen zwischen den Verheißungen der kommunistischen Utopie und den Gegebenheiten des real existierenden Sozialismus, doppelter Fremde und doppelter Heimat, politischer Unfreiheit und geistiger Freiheit nachzudenken.“ Marco Hillemann & Miltos Pechlivanos (Aus dem Vorwort zum Buch „Deutsch-Griechische Beziehungen im ostdeutschen Staatssozialismus (1949-1989)“, Freie Universität Berlin 2017)]

Satellite Clip: Gymnasialklasse von Asteris Kutulas an der Kreuzschule in Dresden und bei Ausflügen in die Sächsische Schweiz um 1977

I Unsere Eltern … (Gesellschaftssysteme und Ideologien)

Unsere Eltern – fast alle kamen sie vom Dorf – kämpften zuerst gegen die deutschen Besatzer, dann (ab Dezember 1944) gegen die „Briten“. Diese hatten die griechischen Kollaborateure der Nazis als neue Verbündete übernommen und sie mit neuen Waffen und englischem Knowhow ausgestattet. Diese bis-eben-noch-Nazi-Kollaborateure bekamen zudem Regierungsgewalt.

Die britische Kolonialmacht führte in dieser Zeit am Mittelmeer zwei Kriege: einen gegen die jüdischen – vorwiegend zionistischen – Partisanen in Palästina; den verloren sie, so dass der jüdische Staat Israel am 14.8.1948 entstehen konnte, und den anderen Krieg führten sie gegen die linken griechischen Partisanen, den sie mit Hilfe der USA 1949 letztendlich für sich entscheiden konnten. Daraufhin wurde Griechenland bis 1974 von einem quasi monarchofaschistischen Staatsgebilde beherrscht.

Theo Angelopoulos schuf mit seinem großartigen Streifen „Die Jäger“ das zutiefst melancholische Zeugnis von einem Land, in dem von 1936 bis 1977 (als sein Film entstand) dieselben faschistoiden Personen, dieselben parastaatlichen Strukturen den Machtapparat bildeten und mit der siebenjährigen Diktatur zwischen 1967 und 1974  ihrer Herrschaft schließlich die Krone aufsetzten. Einer der Höhepunkte dieser staatlich gelenkten Gewalt gegen Andersdenkende war 1963 die Ermordung des unabhängigen Parlamentsabgeordneten Grigoris Lambrakis, deren Umstände in dem Oscar-prämierten Film „Z“ von Costa-Gavras verewigt wurden.

Unsere Eltern,

die in den Bergen als Partisanen zuerst gegen die deutsche Wehrmacht und die SS und gleich anschließend bis 1949 gegen die „Briten“ und „Amerikaner“ gekämpft hatten …, unsere Eltern fanden sich wieder in Verbannungslagern, in Gefängnissen und viele von ihnen in den sozialistischen Ländern hinter einem eisernen Vorhang. Sie wurden von einem übergeordneten Schicksal, das den Namen Hitler oder Churchill oder Stalin oder Tito trug, mit kalten Händen weitergeschoben, bis sie irgendwo in Osteuropa eine Bleibe fanden, in kleinen Orten und Dörfern oder in fernen Großstädten mit für sie exotischen Namen: Bratislava, Oradea, Radebeul, Taschkent, Zgorzelec etc. etc.

Unsere Eltern, hatten hier keinerlei Besitz, das Geld war stets am Ende des Monats alle, aber sie empfanden Dankbarkeit dafür, dass man ihnen Wohnung und Arbeit gab. Sie waren in Textilbetrieben tätig, im Bau- und Handelsgewerbe, viele studierten und wurden Ärzte und Ingenieure, aber sie blieben doch Entrissene und im Innern immer „heimatlos“.

Heimatlos,

weil Griechenland sie als „Vaterlandsverräter“ stigmatisierte, sie dauerhaft aussperrte und häufig im Fall der Rückkehr mit dem Tod bedrohte – und weil die neuen Gefilde auf sie zunächst wie „Transit-Hotel-Leben“ wirken mussten, gastfreundlich und fremd zugleich.

Sie hatten persönlich nichts davon – ihr halbes Leben verbrachten sie wegen einer Chimäre in kalten Landschaften und lebten von der Hand in den Mund. Sie wurden in der Weltgeschichte herumgereicht, von Mächten, auf die sie keinen Einfluss hatten und deren Kalkül und Pläne nicht zu durchschauen waren … Sie kommen mir heute vor wie aufgewirbelte Staubkörner der Weltgeschichte. Aber sie machten das Beste daraus, sie kämpften, sie bildeten sich weiter. Sie waren stark. Trotzdem: Unsere Eltern waren keine Akteure, sie waren Getriebene. Diese Eltern, ich betrachte sie und kann sie nicht in den Himmel heben. Immer fiel aus diesem Himmel das Wasser von oben nach unten, machte ihre Flügel schwer und verwies sie zurück auf den Boden der Tatsachen.

Glaube & Utopie

Wofür das alles? Und: Warum? Einerseits, weil unsere Eltern keine Wahl hatten, andererseits wegen ihrer Ideologie – ich würde es so sagen: um ihres „Glaubens“ willen. Sie hatten die „Utopie des Kommunismus“ verinnerlicht. Und das Leben im Griechenland der 30er und Anfang der 40er Jahre hatte sie gelehrt, dass man sich wehren kann und muss gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit, und die einzige Ideologie, die diesen Widerstandskampf damals in Griechenland unterstützte, war die kommunistische.

Der Glaube meiner Eltern hatte zweifellos religiöse Züge. Aber diese „kommunistische Religion“ gründete sich nicht auf die Vorstellung vom Mysterium einer höheren, fernen Macht, sondern bezog sich auf ein real existierendes Gesellschaftsmodell, in dem sie ab 1949 dann tatsächlich lebten. Das heißt, immerhin: die Richtigkeit ihres utopistischen Glaubens konnte am Alltag gemessen und geprüft werden.

Und das war zugleich das „Große Dilemma“, weil zum einen diese Wirklichkeit eben nicht das Ziel der Verheißung, sondern weil diese Wirklichkeit voller Widersprüche war. Zum anderen bedeutete diese Realität vor allem die ständige Auseinandersetzung mit einer humanistischen Utopie – die den Menschen im Mittelpunkt hatte – und der Frage, ob der Mensch hier bereits im Mittelpunkt stand. Bei dieser Auseinandersetzung ging es immer – ich zitiere den Heilsbringer dieser Religion, Karl Marx – um die Freiheit des Menschen in einer von Ausbeutung befreiten Gesellschaft.

Mein griechisches Niemandsland DDR

Von den zwei konkurrierenden Gesellschaftssystemen verhieß das eine – der Sozialismus – Freiheit in einer menschlich gewordenen Gesellschaft und das andere – der Kapitalismus – Wohlstand, verknüpft mit einer absolut individuellen Freiheitsauffassung.

Letzteres Gesellschaftssystem konnte seine Versprechen zwischen 1950 und 1989 in gewisser Weise einlösen, es war überzeugender; das andere, das „sozialistische“, Gesellschaftssystem, in dem auch wir lebten, scheiterte, seine Verheißungen erfüllten sich nicht.

In diesem Dilemma lebten unsere Eltern und wir, ihre Kinder. Mit dem Unterschied, dass unsere Eltern bereits gelitten hatten für ihren Glauben und wir nicht, wir mussten nicht leiden. Ich allerdings – denn ich war etwas merkwürdig drauf – litt unter einer „transzendentalen Obdachlosigkeit“, um einen sehr stimmigen Begriff des Philosophen Georg Lukács zu gebrauchen, den er geprägt hatte, als er jung war.

In der DDR stellte sich dieses Dilemma des Festhängens in einem Leben zwischen Utopie und Wirklichkeit graduell anders dar als in den anderen sozialistischen Ländern, denn in die DDR waren vor allem griechische KINDER gekommen. Diese hatten selbst keine „heroische Epoche“ durchgemacht, sondern wuchsen in einem behütenden sozialistischen Brutkasten auf, mit der „erzählten Erinnerung“ von einer Heimat, die sie nicht kannten und die ihnen bis auf weiteres versagt war, und einer neuen Heimat, die eine vorübergehende sei, in der man viel lernen sollte, um irgendwann als kommunistischer Missionar in die alte, eigentliche, zurückkehren zu können.

Griechenland DDR Asteris Kutulas
Auf einem Bukarester Weihnachtsmarkt mit meiner Mutter um 1963 (Photo © Asteris Kutulas)

II Zäsuren … (Heimat- und Vaterländer)

Drei Jahreszahlen – 1967, 1974, 1981 – und die damit verbundenen Ereignisse waren für uns Griechen im sozialistischen Exil von besonderer Bedeutung:

In der DDR waren wir lange Zeit „heimatlose Menschen“. Das Jahr 1974 hat aus uns „Menschen mit zwei Heimaten“ gemacht.

Wir waren bzw. galten in der DDR als „politisch Verfolgte“. Das Jahr 1981 hat aus uns „politische Gastarbeiter“ gemacht.

1974

Fast 30 Jahre lang, bis 1974, konnten viele „politische Emigranten“ (wie wir – Eltern und Kinder – genannt wurden) nicht nach Griechenland zurückkehren. Dann stürzte die Junta. Konstantin Karamanlis brachte Griechenland die Demokratie. Er ließ durch eine Volksabstimmung die Monarchie abwählen, legalisierte die seit 1947 verbotene Kommunistische Partei und ermöglichte den politischen Emigranten die Rückkehr in ihre alte, inzwischen unbekannte Heimat. Bis dahin hatten wir nur einen Fremdenpass und waren „Fremde“, doppelt Fremde, sowohl in der DDR als auch in Griechenland. 1974 erhielten wir unsere Identität zurück, zum ersten Mal bekamen wir einen „echten“ griechischen Pass. Damit hatten wir auf einmal zwei Heimatländer. Wir konnten uns entscheiden, wo wir leben wollten; vor allem konnten wir nach Griechenland reisen und somit endlich aus unserer Zwangssituation, die fast 30 Jahre gewährt hatte, aussteigen – mental und emotional. Plötzlich hattest du die Wahl, und für einige von uns Griechen der „politischen Diaspora“ im Osten entpuppte sich eben dieser Osten als die eigentliche neue „neue Heimat“.

1981

Dann kam das Jahr 1981 und brachte Griechenland Andreas Papandreou und mit ihm die in der Geschichte Griechenlands erste linke Regierung an die Macht. Durch die längst überfällige Anerkennung des antifaschistischen Widerstandskampfes und durch das Repatriierungsgesetz, das endlich auch die Rentenansprüche Zehntausender ehemaliger politischer Emigranten klärte, war man nicht mehr in der Situation, „politisch“ Verfolgter zu sein. So wurde aus uns allen „politische Gastarbeiter“ im sozialistischen Ausland. Einige zogen die Konsequenzen, reisten aus nach Westberlin und Westdeutschland und tilgten das Adjektiv „politisch“, so dass sie von da an einfach nur „Gastarbeiter“ waren.

Für die in der DDR Gebliebenen galt dasselbe: das Politische wurde abgestreift, es gab keinen „Widerstandskampf“ mehr, ein Rückzug ins Private konnte stattfinden. Durch den Sieg von Andreas Papandreou und durch das Repatriierungsgesetz war der „kommunistischen Basis“ der Boden entzogen – ein Prozess, der 1968 begonnen hatte, der aber dann 1981 manifest wurde. Die Machtübernahme durch die PASOK-Partei 1981 bedeutete für die Kommunistische Partei Griechenlands dasselbe wie für die SED 1989 die Öffnung der Mauer – der Anfang vom Ende.

Das hatte aber auch damit zu tun, dass im Lebens-Alltag der DDR seit Ende der 70er Jahre der Sozialismus als UTOPIE keine Rolle mehr spielte und das Ideologische als erstarrt Floskelhaftes immer mehr zur Karikatur verkommen war.

Die Konsumideologie der westlichen Welt wurde in der DDR immer beherrschender, zumal die „SED“ und ebenso – wenn auch ganz anders – die „KP“ in Griechenland ihre Rolle als jeweilige utopistische Instanz längst eingebüßt hatten. Die Bürokratisierung sorgte für verkalkte Strukturen, die SED war zu einem Macht-Apparat geworden, der sich auf starren Herrschaftspositionen eingerichtet hatte, als wären sie aus dem gleichen Zement gewesen wie die Berliner Mauer. Er hielt noch einige Jahre, dann begann er zu bröckeln. Im Grunde wussten es alle seit Ende der siebziger Jahre: Es war vorbei mit dem sozialistischen Experiment. Dieses war an seiner kleinbürgerlichen (anti-kommunistischen) Führung und seiner stalinistischen Machtstruktur gescheitert.

1968

Für uns Griechen im Ostblock war das Jahr 1968 von entscheidender Bedeutung. Bis zu diesem Zeitpunkt lebte man als Linker, zumal als Kommunist, in einer „fortwährenden Hoffnung“. Ich werde niemals den Silversterspruch meiner Eltern Anfang der sechziger Jahre in Rumänien vergessen: Kai tou chronou stin patrida! Und nächstes Jahr in der Heimat! Aber am 21.4.1967 kam der Putsch der Obristen, und in den folgenden Jahren klang dieser Spruch nicht so optimistisch wie einst.

Das fatalste Ereignis jedoch war die Spaltung der Kommunistischen Partei, die sich im Februar 1968 während des 12.Plenums des Zentralkomitees in Bukarest vollzog. Durch diese Spaltung hatte man plötzlich so etwas wie einen Inneren Feind, man war einem doppelten „Bruderzwist“ ausgesetzt: zu der „unnatürlichen Entzweiung“ zwischen links und rechts seit dem Bürgerkrieg (1946-49) kam nun die noch schmerzhaftere „innere Entzweiung“ zwischen links und links, zwischen „Stalinisten“ und „Revisionisten“. Diese Spaltung führte dazu, dass mein Vater vom Ceausescu-Regime wegen seiner „Moskautreue“ ausgewiesen wurde und zusammen mit seiner Familie ein neues, ein zweites politisches Asyl in der DDR bekam.

Griechisches Niemandsland: Mikis Theodorakis, Jannis Ritsos, Asteris Kutulas
Mikis Theodorakis, Jannis Ritsos, Asteris Kutulas – Kulturpalast Dresden, 1984 (Photo © by Privatier/Asti Music)

III Kulturen & Mauern

Die DDR war ein idealer Lebensort für geistige Anarchisten. Ein Grund war, dass man kaum Geld zum Leben brauchte, oder andersherum gesagt: Geld war nichts wert. Der Lebensunterhalt konnte relativ leicht durch alternative, zum Beispiel künstlerische Tätigkeiten bestritten werden. Vielen Leuten, zu denen ich auch gehörte, ging es darum, einen hohen Grad an geistiger Freiheit zu erringen. So lässt sich der enorme Bücherkonsum erklären, das zum Teil massenhafte Besuchen von Lesungen und Theatervorstellungen, die Bereitschaft sich zu treffen und zuzuhören, der Dialog zwischen einem Großteil der Schriftsteller und einem großen Publikum, die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen – das alles diente nur einem Zweck: seine geistige Unabhängigkeit zu postulieren.

Ich war damals 20, Student in Leipzig, lebte in einer tiefen Melancholie und war von Pessimismus durchdrungen. So entdeckte ich für mich die sogenannte „Dichtung der Niederlage“ aus den fünfzigern, deren meist linke Vertreter, wie Manolis Anagnostakis, Takis Sinopulos, Aris Alexandrou und Michalis Katsaros, sich als eine betrogene Generation, als eine „lost generation“, ohne Perspektive fühlten – genauso wie ich 1981 in der DDR. So konnte ich in der mich damals umgebenden Trostlosigkeit Katsaros‘ Ausruf von 1952 in seinem berühmten Poem „Nach Sadduzäer-Art“ sehr gut nachempfinden: „Toten Wald der Wörter durchschreite ich stumm / entzünde die Laternen die falblichtig lähmen die leeren Straßen / such die zu erheben / die mit ihren Namen aufs Herz mir sind gesunken / in geheimen Konferenzen / die gelynchten Namen die lebenden – weitab gestellt im Vormarsch / Rosa Luxemburg Lenin ihr Lyriker / Thälmann und Tanev / eisklirrend splittern sie hin auf das Teppichrot„.

Jannis Ritsos

Und ich entdeckte für mich und für meine anarchistische DDR Jannis Ritsos und übersetzte die „Monochorde“, viele seiner existentialistischen Gedichte sowie das „Ungeheure Meisterwerk“, wo die Verse stehen:

und auch wir mußten endlich zu einem Schluß kommen zu einem großen roten Vogel zu einem großen Hammer-und-Sichel
und andere waren müde und niedergeschlagen
und andere hüpften wie lahme Spatzen über die Pfützen das Wasser im schlammigen Vorort
und andere hatten Mercedesse erworben und doppelte Dachgartenwohnungen und schauten von oben herab auf Busse Fußgänger auf die zerfetzten Fahnen
und andere schliefen in Kleidern und Schuhen immer zur Illegalität bereit
und andere erkannten in all dem eindeutige Zeichen eines endgültigen Scheiterns
und andere Zeichen der Vitalität der Bewegung
und andere in Kaffeehäusern oder Luxussalons beschäftigte immerfort die ewige Schuldfrage
und andere dreißig und mehr Jahre zurückgeblieben entlausten ständig ihre Jacken glaubend die Geschichte zu korrigieren und die Zukunft aufzubauen
und andere kommentierten unbeteiligt rauchend die Ideen wie Zigaretten
und viele Zigaretten waren auf den Fußboden gefallen
und jene zerdrückten sie mit schön polierten Schuhen
und andere hatten nicht eine Zigarette um ihrer Bitterkeit den Mund zu stopfen
und die Soziologie war zu einem Problem der Nuancen geworden
und die Philosophie zu einem Problem der grauen Flügel
… ich sah die grüne Ader im gelben Blatt
ich wollte gehn
der Nackte ist der Einsamste der Entschlossenste

Sehnsucht

Etwas später traf ich bei der Arbeit an einem Band mit Gedichten von Georgios Seferis den Hallenser Künstler Fotis Zaprassis, der Grafiken für dieses Buch anfertigen sollte. Zaprassis gehörte zu denen, die aus der Situation heraus, nicht nach Griechenland zu können oder später dort kein Zuhause wiederfinden zu können, sein ganzes Leben sich mit dem Griechenland beschäftigte, das ihm zugänglich war. Er kreierte es in seinen Grafiken und wurde während dieses Prozesses, gerade wegen seiner inneren Zerrissenheit, einer, der anderen den Zugang zu Griechenland ermöglichte. Derjenige, der einige Jahre lang, wenn er in Griechenland war, mit seiner Frau zusammen in einem Boot zwischen Festland und Insel hin und her fuhr, wo ihm auf beiden Seiten eigentlich nichts gehörte, er war eine Brücke, ein Vermittler, einer, der teilte, indem er sich mitteilte. Er fühlte sich einsam, befand sich aber in Gemeinschaft derjenigen, die sich als solche erfuhren, die allein waren.

Die Sehnsucht wurde von Fotis Zaprassis immer wieder thematisiert und damit das Motiv der Reise nach Ithaka, das man nie erreichte. In jedem flüchtigen Augenblick war man zuhaus.

Das traf auf die DDR-Griechen zweifach zu. DDR-Bürger, die eigentlich mehr zuhause waren, als ihnen lieb war, die sich an ihr Zuhause gefesselt fühlten und daran zugrunde zu gehen drohten, waren mit Fotis Zaprassis zumindest in Gedanken unterwegs.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das Unterwegs-Sein im Geiste, die Möglichkeit des Denkens in der griechischen, aber auch in einer weiteren Sprache, Heimat ist. Im ständigen Befragen der Heimat, die uns nicht selbstverständlich gegeben war, erschufen wir sie jeden Tag.

Heimat

„Heimat“ war für viele Exilgriechen im Osten die griechische Sprache und die griechische Kultur – und diese Feststellung erinnert mich an AXION ESTI, eine schwere Doppelschallplatte, zwei schwarze Scheiben, die uns ein Freund meines Vaters 1965, als wir noch in Rumänien lebten, aus Athen mitbrachte. Ich war fünf Jahre alt. Heute ist mir, als wäre mir „Griechenland“ durch Theodorakis’ Vertonung und Elytis’ Text wie mit der Muttermilch eingeflößt worden und mir in Fleisch und Blut übergegangen, als hätte ich diese Musik und diese Verse schon 1965 mindestens tausendmal gehört.

Griechisches Niemandsland, Odysseas Elytis, Mikis Theodorakis and Asteris Kutulas
Schallplattencover von Jannis Zaruchis, 1965

Als würde es jetzt passieren, hier: Die Worte legen sich auf meine Zunge, auf meine Haut, steigen mir in die Nase, hallen in meinen Ohren – sie waren das, was nach Griechenland schmeckte, roch, sie waren eine Antwort während der Suche nach der Heimat, die uns genommen war, sie ersetzten das Rauschen des Meeres, die mir unbekannten Inseln, Berge, Menschen.

Alles das auf zwei zerbrechlichen Schallplatten, über die mein Vater sanft mit der Hand strich. Dann legte er die eine auf den Plattenspieler, der eingelassen war in das große Radiogerät aus der Sowjetunion. Ich bekam die Plattenhülle gereicht. Eine barbrüstige Frau in der Mitte, das Schwert in der Hand, vier geflügelte Jünglinge mit Blumen um sie herum, vier schön exaltierte Engel. Viel später erfuhr ich, dass das ein Bild von Jannis Tsarouchis war, das geheimnisvolle Bild mit den vier Jünglingen, den Musen des homosexuellen Malers. Märchenfiguren aus einer für mich damals total mysteriösen und doch tagtäglich erklingenden Welt.

Axion Esti

„Axion Esti“ ist das poetische und musikalische Zeugnis eines Volks, so eine Art Tempelbau, ein Torso, der Artefakt, von dem auf das Ganze geschlossen werden kann – und ich setze hinzu, da es mich persönlich betrifft: eines Volks der Diaspora, mitten hinein gestürzt in dieses verfluchte 20. Jahrhundert, dem Elytis den Kampf angesagt hatte. Mit seinen überschwänglichen, hymnischen, melancholischen und durch und durch lyrischen Bildern, mit dem Glauben, durch die Kraft des Geistes die Wirklichkeit formen zu können, mit seiner mir unerklärlichen Gewissheit, dass durch die Veränderung des Bewusstseins eines jeden Einzelnen, die Menschheit zu retten wäre.

Seltsam, wie Literatur zu so etwas wie ein Rettungsanker werden kann. Seltsam, wie sich mir, als wär sie ein Schal, die Trauer um Hals und Schultern legte und mit meinem Körper verwuchs, damals Anfang der achtziger Jahre in Leipzig. Und ich lese in meinem Tagebuch von damals folgende Frage, auf die ich immer noch keine Antwort gefunden habe: „Wo ist der Ort, an dem beides zusammenkommt: meine griechische Seele und mein deutscher Geist?“

© Asteris Kutulas 
(„Mein Griechisches Niemandsland DDR“ – Rede in der Sächsischen Landesvertretung Berlin am 23.4.2015 | Abgedruckt im Buch Deutsch-Griechische Beziehungen im ostdeutschen Staatssozialismus (1949-1989), Freie Universität Berlin 2017)

Asteris Kutulas FACES: pma-Interview von Lisa Schaft

Eventproduzent & Konzept-Künstler Asteris Kutulas
„Ein Mann für das Polymediale“

[Er war für das visionäre Konzept des Doppel-Events LIGHTS OF HOPE in der griechischen Hafenmetropole Piräus verantwortlich, und er ist ehemaliger Produzent und Geschäftspartner der Licht-Legende Gert Hof. Asteris Kutulas ist ein facettenreicher Künstler und berichtet hier über seine Arbeit. pma Magazin]

pma: Herr Kutulas, Sie sind nicht nur Event- & Musikproduzent, sondern auch Übersetzer, Filmemacher und Autor. Können Sie uns etwas mehr über Ihren beruflichen Werdegang erzählen?

Asteris Kutulas: Meine Großeltern mütterlicherseits und auch mein Vater waren sogenannte „politische Emigranten“, die nach dem griechischen Bürgerkrieg 1949 zusammen mit etwa 60.000 anderen, vorwiegend linksgerichteten Partisanen und deren Angehörigen in den Ostblock flohen. Ich bin 1960 in einem griechischen Flüchtlingslager in der rumänischen Stadt Oradea geboren. Ich sagte dazu immer „das Schloss von Oradea“, denn wir waren dort Könige in königlichen Klamotten, wie der Roma-Junge Dan und ich feststellten, und Dracula war natürlich nicht weit. 1963 zog meine Familie nach Bukarest. Die für uns damals unerreichbare Heimat Griechenland bestand aus den Büchern und Schallplatten (die meisten von Mikis Theodorakis), die wir zugeschickt bekamen, aus dem täglichen Singen, den Artikeln, die mein Vater schrieb, den Diskussionsrunden, die ich zuhause immer wieder erlebte, dem Beisammensein in der griechischen Community. Ein Leben im Exil.

DDR

1968 mussten wir Rumänien unter abenteuerlichen Bedingungen verlassen und fanden in der DDR ein neues (Fremdenpass-)Zuhause. Ich besuchte in Dresden die berühmte Kreuzschule, für mich ein absoluter Glücksfall, und studierte bis 1984 Germanistik und Philosophie an der Uni in Leipzig. An der Kreuzschule die himmlischen Bachkantaten, die tagtäglich aus einiger Entfernung herüber in die Klassenzimmer drangen, wenn der Kreuzchor probte. An der Uni „eine Schule des Worts“, wie ich sie nicht besser hätte haben können, z.B. bei Professor Dr. Claus Träger, der bei seiner Abschiedsvorlesung sagte: „Ich hoffe, dass ich Ihnen zumindest eines habe vermitteln können: richtig zu lesen.“ Bereits 1981 begann ich, Nachdichtungen und Übersetzungen aus dem Griechischen ins Deutsche sowie eigene Texte zu veröffentlichen. Seit 1983 arbeite ich dabei und bei vielen anderen Projekten mit meiner Frau Ina zusammen. Als wir uns kennenlernten, war sie eine junge Poetin, die Gedichte schrieb und Collagen machte. Als sie kurze Zeit später an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee studierte, kam es zu etlichen Begegnungen und Kooperationen mit Malern, Grafikern, Fotografen, Textil- und Schriftgestaltern.

Zwischen 1987 und 1991 publizierte ich zwei Literatur-Zeitschriften, bei denen ich mit sehr vielen (zunächst vor allem DDR-)Künstlern kooperierte. Und bis heute habe ich etwa 40 Bücher herausgegeben, viele davon bei den renommiertesten deutschen Verlagen (z.B. Reclam, Suhrkamp, Kiepenheuer, Insel, Hanser, Wallstein etc.) In die Zeit Ende der Achtziger-, Anfang der Neunzigerjahre fiel außerdem meine erste Beschäftigung mit dem Theater.

Von 1982 bis 1984 arbeitete ich an zwei Dokumentarfilmen mit – inzwischen habe ich bei dutzenden von Filmprojekten als Autor, Regisseur oder Produzent mitgewirkt.

Theodorakis, Thomas Anders & Apassionata

1981 lernte ich den griechischen Komponisten Mikis Theodorakis persönlich kennen, mit dem ich hunderte Produktionen (Sinfonik, Ballett, Film, Oper etc.) auf der ganzen Welt realisierte und mit dem ich bis heute sehr eng befreundet bin. Theodorakis wurde in vielerlei Hinsicht zu meinem wichtigsten „Lehrer“.

In den Neunzigerjahren war ich auch oft als Tourleiter und Produzent für verschiedene Bands und Solisten, z.B. Thomas Anders und Demis Roussos, europaweit unterwegs, und ich habe für den Griechischen Rundfunk eine CD-Reihe mit verschollenen sinfonischen Werken griechischer moderner Komponisten aus deren Archiven produziert.
Zwischen 2009 und 2019 war ich zunächst Executive Producer und ab 2013 Dramaturg und künstlerischer Berater bei Apassionata, der größten Family-Entertainment-Show in Deutschland. Meine Aufgabe bestand darin, sowohl die Qualität der Show als (dadurch) auch die Anzahl der Ticket-Verkäufe zu erhöhen. Parallel dazu realisierte ich meine Filme und Kunst-Projekte und entwickelte meine eigenen künstlerischen Visionen und Konzepte.

Asteris Kutulas Interview Event Show PolymedialAsteris Kutulas

pma: Sie haben als Manager und Produzent des Regisseurs und Licht-Architekten Gert Hof gearbeitet – beispielsweise haben Sie dadurch zur Jahrtausendwende die Millenium-Events an der Siegessäule in Berlin und auf der Akropolis in Athen produziert. Erzählen Sie uns doch noch etwas mehr über die Zusammenarbeit mit Gert Hof.

Asteris Kutulas: Gert begegnete ich 1998. Anlass war ein Konzert in Berlin mit Maria Farantouri und Rainer Kirchmann (von der Gruppe PANKOW), das ich zusammen mit Klaus Salge für unseren ARTE-Film „Sonne und Zeit“ inszenierte. Rainer hatte Gert als Lichtdesigner vorgeschlagen – und so lernten wir uns kennen. Wir haben uns sofort gemocht – trotz vieler Meinungsverschiedenheiten –, und wir bildeten eine „Künstler-Gemeinschaft“, bei der Gert Hof zumeist für die Kunst und ich zumeist für die Produktion verantwortlich war. Allerdings so, wie Gert sich auch um die Produktion scherte, scherte ich mich natürlich immerzu auch um die Kunst. Ich verstand – als Künstler – die Visionen von Gert, die Ausmaße seiner Musik-Kompetenz, konnte aber zugleich auch sein außerordentliches Interesse am Bauhaus, an Caravaggio und am Schweißtuch der Veronika nachvollziehen.

Events, weltweit

Ich entwickelte für uns eine spezifische „artifizielle Umsetzungs-Ästhetik“, eine ganz eigene Vertriebs-Philosophie. Was ich damit meine: Wir traten nicht als ein Unternehmen, nicht als eine „Event-Firma“ auf, sondern als eine eigenständige „Band“, die ihre eigene „Musik“ spielt. Das war damals unikal und führte dazu, dass wir bei keinem der von uns realisierten 40 Mega- und Special-Events zwischen 1999 und 2010 an einem Pitch teilnahmen. Denn wir vermarkteten uns nicht als eine Event- oder Lichtmachfirma, sondern als die, die wir waren: eine Künstler-Unit mit dem Namen Gert Hof. So schaffte ich über mein Netzwerk im Jahr 2000 für uns den internationalen Durchbruch mit den Millennium-Events auf der Akropolis in Athen und an der Siegessäule in Berlin. Es folgten im gleichen Jahr die Eröffnung von Ferropolis bei der EXPO 2000, die 1000-Jahr-Feier Ungarns vor dem Parlament in Budapest und die Millennium-Show in Peking für die chinesische Regierung mit der Live-Übertragung für hunderte von Millionen von TV-Zuschauern. Bis 2010 führten wir Dutzende weitere Events und Shows in über 20 Ländern durch. Als Gert im Januar 2012 nach einer schweren Krebserkrankung starb, verließ auch ich für fast zehn Jahre die Event-Branche.

Gert Hof & Art in Heaven

Ausgangspunkt unserer Erfolgsstory war, dass wir 1999 eine neue Eventform erfanden: die Outdoor-Lichtshow. Das Konzept war innovativ, revolutionär und emotional zugleich. Wir nannten das auch „Licht-Architektur am Himmel“, und damit konnte man hunderttausende Menschen live entertainen. Bevor im Dezember 1999 die ersten 250 Space Cannon 7kW- und 3kW-Xenon-Scheinwerfer von Bruno Baiardi in Italien produziert und für unser erstes Mega-Event nach Berlin geliefert wurden, gab es noch nicht mal die Hardware, um ein solches Konzept überhaupt umsetzen zu können.

Gert entwickelte zudem eine Licht-Ästhetik, die – tausendfach kopiert – inzwischen in jede Fernseh-Show Einzug gehalten hat und längst allgegenwärtig ist. Ich nannte diese Licht-Ästhetik im Jahr 1999: „unsere kopernikanische Wende“, denn es interessierte uns nicht länger, wohin das Licht fiel, um etwas zu beleuchten, sondern uns interessierte, dass man den Lichtstrahl an sich sah, um damit Lichtarchitektur gestalten zu können. Gert hatte erste diesbezügliche Experimente in seinen Theaterarbeiten Anfang der Neunzigerjahre und dann vor allem bei seinen Lichtdesigns für Rammstein gemacht (vor allem beim Wuhlheide-Konzert 1998). Umsetzen konnten wir unsere Vision von „Art in Heaven“ Ende 1999 aber nur durch die Unterstützung des Unternehmers Achim Perleberg und mit Hilfe von Morten Carlsson, dem damaligen Geschäftsführer von Procon.

Asteris Kutulas Liquid Staging InterviewAsteris Kutulas Interview mit dem pma Magazin

pma: 2014 haben Sie mit der Produktion Ihres eigenen Filmprojekts „Dance Fight Love Die – Unterwegs mit Mikis“ begonnen. Wie war es für Sie, dieses Projekt parallel zu Ihren anderen Tätigkeiten zu beginnen und immer weiter voranzubringen, bis der Film schließlich in Hof Premiere hatte?

Asteris Kutulas: 2014 hatte ich die Produktion meines Ballett-Films „Recycling Medea“ beendet, der übrigens in einer überarbeiteten Form ab Sommer 2021 – so Corona es erlaubt – in die deutschen Arthouse-Kinos kommt.

Dance Fight Love Die

Ende 2014 „entdeckte“ meine Frau Ina das 600-Stunden-Filmmaterial, das ich während meiner 30jährigen Zusammenarbeit mit Theodorakis mit nicht-professionellen Kameras aufgezeichnet hatte. Das war ein schlechtes, aber authentisches und spannendes Vintage-Material aus unserer „Rock’n’Roll-Zeit“ mit Mikis aus ganz Europa, Chile, Israel, der Türkei, Australien, den USA, Südafrika etc. Ina überzeugte mich, daraus einen „anderen Film“ zu machen, und so wurde „Dance Fight Love Die“ ein Roadmovie, bestehend aus 60 Stories auf 60 Musiken. Neun Monate brauchte Ina für das Logging, also die Sichtung des Materials, und für den ganzen Film, den wir selbst produzierten, benötigten wir insgesamt vier Jahre, bis er 2018 fertiggestellt war. 

Gleichzeitig arbeitete ich als Produzent am Album „Echowand“ mit Johanna Krumin und natürlich als Dramaturg und künstlerischer Berater an den Apassionata-Shows „Im Bann des Spiegels“, „Cinema of Dreams“ und „Der Traum“ bzw. „Der magische Traum“.

Hellas Filmbox Berlin

Unser umfangreichstes Projekt zwischen 2015 und 2018 war jedoch die Gründung und Vermarktung von Hellas Filmbox Berlin, des weltweit größten griechischen Filmfestivals. Das war unsere – sehr erfolgreiche und wirkungsvolle – im Wesen zärtliche, konstruktive und künstlerisch-aktivistische Antwort auf das massive, von 2010 bis 2015 in Deutschland vorherrschende Griechenland-Bashing.
All diese parallelen Arbeits-Universen befruchten sich in meinem Kopf gegenseitig, und sie sind für mich als Konzept-Künstler die Voraussetzung für mein kreatives Schaffen. Auch jetzt zum Beispiel arbeite ich parallel an zehn unterschiedlichen Projekten.

pma: Letztes Jahr waren Sie federführend beim Licht-Projekt „LIGHTS OF HOPE“ in der griechischen Hafenmetropole Piräus (wir berichteten in der pma 06/20). Dieses visionäre Event fand in der Corona-Zeit statt – wie haben Sie die Vorbereitungen dafür getroffen, wie hat die gesamte Planung und Durchführung funktioniert, wenn man doch nicht in größeren Menschenmengen zusammen an einem Ort sein durfte?

Asteris Kutulas: Die Mannschaft von Olympiakos Piräus hatte 2019/20 zum 45. Mal die griechische Meisterschaft gewonnen und wollte das gebührend feiern. Ich wurde gefragt, wie man so etwas in einem leeren Stadion und vor allem ohne dort anwesende Fans realisieren kann und ob ich ein Konzept dafür entwickeln könnte. Diese Situation hatte es ja nie zuvor gegeben. Drei Wochen später sollte das Event schon stattfinden. Ich flog nach Athen, schaute mir die Locations an und entwickelte das Konzept für ein Doppel-Event innerhalb weniger Tage. Das alles unter Pandemie-Bedingungen und sehr strikten Auflagen.

Lights of Hope (Olympiacos FC)

Das definitive Go erhielt ich genau zwei Wochen vor der Show. Ich fertigte eine detaillierte Liquid-Staging-Partitur für das Stadion-Event, und dann ging die Arbeit los, zwei Wochen lang bis zum Anschlag: Ross Ashton produzierte in seinem Londoner Studio die Projektionen, Achilleas Gatsopoulos entwarf in Berlin die Laser-Motion-Designs, Pavlos Nanos programmierte in Athen das Stadion-Pyro/Feuerwerk, Daniel Brune besorgte in Hürth die Laserprogrammierung, Georg Tellos designte seine phantastische Lichtshow und Marios Joannou Elia produzierte seine Musik auf Zypern. Ich saß in Athen im Stadion, sprach mit allen, koordinierte, probte den Live-Act mit DJ Antonis Dimitriadis und dem Kinderchor, arbeitete mit Alexandros Karozas an der Musikdramaturgie – und schuf ein Gesamtkunstwerk, dem ich den Namen „Lights of Hope“ gab.

Das Ganze geschah wie im Rausch. Ich habe viele sehr, sehr große Events in meinem Leben produziert, aber in so kurzer Zeit ein solches Werk zu schaffen, das war selbst für mich eine Premiere. Dazu kamen die Masken-Pflicht, die allgemein herrschende Angst vor einer Infektion, die strengen Auflagen durch die Behörden. Aber ich wurde getrieben vom Gefühl, mit diesem Event eine Art „Widerstand“ zu leisten und der Mannschaft, den Fans, dem Publikum eine sehr emotionale und „menschliche“ Show zu offerieren, die Mut machen und Zuversicht geben sollte.

Asteris Kutulas Liquid Staging InterviewAsteris Kutulas Interview

pma: Was macht Asteris Kutulas, wenn er nicht gerade für ein Projekt unterwegs ist und ein wenig Freizeit hat? Wie schaffen Sie sich einen Ausgleich zu Ihren beruflichen Tätigkeiten?

Asteris Kutulas: Mein Glück besteht darin, dass ich mit Ina nicht nur meine große Liebe gefunden habe, sondern auch eine Partnerin, mit der ich mich in künstlerischen und anderen Lebens-Dingen perfekt ergänze. Unter anderem darin, dass wir seit Jahrzehnten keinen einzigen „normalen Urlaub“ zusammen verbracht haben, einfach weil wir beide nicht so gestrickt sind. Wir lieben es, immerzu schöpferisch tätig zu sein. Jetzt gerade arbeiten wir beispielsweise an fünf sehr innovativen Showprojekten, darunter sind erstens ein – wie ich es nenne – „Meta-Musical“ namens „Marlene“, zweitens eine neuartige, exklusive Pferde-Show mit einer vollkommen neuen Philosophie und drittens eine Family-Entertainment-Show, der wir den Namen „Spheros“ gegeben haben. Bei all diesen Konzepten versuchen wir, die Storyline, die Musik und die neuesten technologischen Errungenschaften aus der Film- und der Event- Branche (folgend auch den Prinzipien meiner Liquid-Staging-Ästhetik) so zu vereinen, dass wir tatsächlich von neuen Show-Formaten für das 21. Jahrhundert sprechen können.

All diese Ideen und Konzepte mit Freunden und Partnern zu diskutieren, gehört mit zu meinen Freizeit-Lieblingsbeschäftigungen, z.B. während meiner regelmäßigen Spaziergänge mit unserem 31jährigen Sohn Alexander, der sehr erfolgreich als Tech Recruiter tätig ist, oder während des sonntäglichen Abhängens mit meinem Freund Jörg in unserem Stamm-Café „Heide’s“ in Prenzlauer Berg.

pma: Zum Abschluss würden wir gern von Ihnen wissen, wie Sie die Event- und Veranstaltungsbranche in diesen Zeiten sehen? Durch die Pandemie ist der Bereich Kunst und Kultur besonders stark getroffen – wie, denken Sie, wird sich das auf die Zukunft dieser Branche auswirken?

Asteris Kutulas: Viel mehr als die Pandemie werden die „Weltanschauung“, der „Geschmack“ und die neuen Lebensgewohnheiten der Generationen Z und Alpha die Kultur-Branche innerhalb der nächsten Jahre beeinflussen und radikal verändern. Möglicherweise ist die Pandemie nur ein Zeitraffer-Schmelztiegel für eine Neuordnung und Neuausrichtung dessen, was wir bislang unter „Kultur“ und „Entertainment“ verstanden haben. Auch ohne Corona wäre diese Entwicklung eingetreten, hätte aber vielleicht – vor allem in Deutschland – länger gebraucht, um sich zu vollziehen. Gaming, digitale Technologien, Porno-Entertainment, e-Sports, vertikale Ästhetik, Selbstdarstellung bzw. Selbstinszenierung in den sozialen Medien sowie interaktive und hybride Veranstaltungsformen werden die Lebensweise und das kulturelle Umfeld der Zukunft fortan maßgeblich mitbestimmen. Für diesen neuen – und im Vergleich zum gegenwärtigen – andersgearteten „Content“ braucht es in der Entertainment-Industrie neue Veranstaltungs- und Präsentationsformen.

Die Zukunft der Entertainment-Branche 

Denn verglichen mit der traditionellen Avantgarde, die bislang die revolutionären Brüche und die neuen Trends in der Kunst- und Kulturwelt bestimmte und meistens sehr wenige, spezialisierte Ansprechpartner hatte, wendet sich die heutige „Avantgarde“ unmittelbar und ohne zeitliche Verzögerung an ein (potentielles) Millionenpublikum. Das ist etwas ganz anderes! Unsere Branche hat es jedoch – als einzige würde ich sagen – versäumt, in „Zukunfts-Technologien“ bzw. in innovative Konzepte „out of the box“ zu investieren. Genauso wie vor zwanzig Jahren die Major-Plattenfirmen die digitale Revolution verpassten und einen Großteil des Vertriebsmarktes, ihres Contents und ihrer Einnahmequellen an Spotify, Google Play, iTunes, Amazon, also an „betriebsfremde“ Startups und Konzerne verloren haben, wird es auch die großen Produzenten und Veranstalter der Entertainment-Branche treffen. Wer von ihnen investiert denn in Innovations-Forschung für die Event-Industrie? Keiner. Die längst anstehenden Transformationen werden Quereinsteiger oder Unternehmen wie Tesla & Co. (zusammen mit diversen Künstlern) vorantreiben und sich so riesige Marktanteile am immer größer werdenden und sich ständig verändernden Entertainment-Markt sichern.

Live und/oder Virtuell

Das Live-Erlebnis ist allerdings durch nichts zu ersetzen, darum wird auch die Live-Entertainmentbranche, wie sie sich seit den Siebzigerjahren herausgebildet hat, als Gegengewicht zum „virtuellen Leben“ weiterhin eine außerordentlich große Rolle spielen, aber sich sowohl quantitativ als auch „qualitativ“ verändern und teilweise Platz machen müssen für neue hybride Veranstaltungs-Formen.
Eins ist sicher: Spannender und herausfordernder als heute war es – auch unabhängig von Corona – noch nie in unserer Branche. Was ich also seit einiger Zeit tue, ist, meine dreifache Erfahrung als Künstler, als Produzent und als Kreativdirektor zu bündeln und Konzepte zu entwickeln, die – unter diesen vollkommen neuen Bedingungen und mit den technologischen Möglichkeiten, die uns das 21. Jahrhundert bietet – die Basis für innovative Shows und Events sind, die das Herz des Publikums berühren. Das ist extrem kreativ. Das ist genau das, was ich machen will.

Text & Interview: Lisa Schaft (für pma Magazin)
Fotos: Guido Karp, Ralph Larmann, Gottfried Bräunling, DomQuichotte, Sabine Wenzel, Stefanos Kyriakopoulos, Asti Music – Asteris Kutulas

Mauthausen Trilogy & the Holocaust Millennium Nightmare

In Memoriam of Liberation

For me and Alexandros Karozas the „Songs of Humanity“ Tour production from January/February 2020 closes a circle. 

Mikis Theodorakis Mauthausen Holocaust Cycle

We had already recorded the concert on the occasion of the 50th anniversary of the liberation of the Mauthausen concentration camp in 1995, exactly 25 years ago, to produce a CD. 

Mikis Theodorakis Mauthausen Trilogy Holocaust

Initially we understood this recording as a historical document. But the experience of the liberation celebration in Mauthausen on May 7, 1995 and the impression that this place, the more than 20,000 former prisoners and their families, the speech by Simon Wiesenthal and the music by Mikis Theodorakis made on us, gave us the confidence that this history would continue to occupy us.
We very soon realized that the confrontation with the Holocaust would not let us go. But we didn’t know that neo-fascism would again raise its head in Europe and in Germany so quickly.

Mauthausen Trilogy

We therefore decided to publish a MAUTHAUSEN-TRILOGY first: With the support of Elinoar Moav (Tel Aviv), Julie Dennis (London) and Nadia Weinberg (New York), the Hebrew and English versions of the Mauthausen cantata were created. On this first CD release of 1998, they stand next to the Greek live version of Maria Farantouri, the first interpreter of this work with which she began her great career as a singer 55 years ago. At the same time, we held on to our idea of organizing live concerts of the „Mauthausen Cycle“. We did this in January 2020.

Simon Wiesenthal

gave me in 1995 the permission to print his speech and the sketches and collages he had made in Mauthausen concentration camp. In his speech, he uttered sentences that we thought back then, in 1995, were only representing the past. How wrong we were:

„… National Socialism, which wanted to dominate and enslave the world, was de facto a composition of hatred and technology. Hate is something terrible. Hatred preceded the millionfold Nazi crime. We must despise these crimes, not only because they have murdered our families, but because they have crushed human dignity …“
(from: Simon Wiesenthal, Speech in Mauthausen, 1995)

Simon Wiesenthal Mauthausen

Mikis Theodorakis

And it came so badly that Mikis Theodorakis, the composer of the four Mauthausen songs, in his response to a Holocaust denier in 2013, almost 20 years later, felt compelled to write:

„… The Holocaust – a millennium nightmare, the worst humanity has ever known, a nightmare that already makes you sick, if you only think about it, while in your imagination these victims – especially the children – to become angels, and in the end you only feel the inevitable urge to kneel before them, to ask their forgiveness forever and to say to them again and again: „I am ashamed to have been born a human.“ In Dachau and Auschwitz not only, the Jews were murdered. Humanity itself was murdered. And since then, we are all in a debt to those who have survived.“

We organized the „Mauthausen – Songs of Humanity“ Tour with Alexandros Karozas last year just before the outbreak of the Corona Pandemic. Maria Farantouri from Greece and Israeli tenor Assaf Kacholi were making their first European tour together. The songs and the lyrics I put together for this program in collaboration with the artists told of love and passion, of melancholy and gaiety, of courage and sorrow, of war, hate and the deepest peace. Songs full of strength and humanity.

Maria Farantouri and Assaf Kacholi also meant to shine a bright light into the hall of sombre memories, with the songs from Mikis Theodorakis‘ „Ballad of Mauthausen“. 75 years after the liberation of the concentration camps Auschwitz, Mauthausen, Buchenwald, Dachau, Bergen-Belsen and many others, we commemorated the suffering, but above all the lust for life and the dreams of the future of millions of people.

MARIA FARANTOURI & ASSAF KACHOLI
Mauthausen and other songs of Humanity
In Memoriam 75 YEARS OF LIBERATION

„On the occasion of the International Day of Remembrance of the Victims of the Holocaust“

With Henning Schmiedt (piano, arr.), Volker Schlott (sax., perc.)
and Jens Naumilkat (cello)
Recitations by Sandra von Ruffin, Iris Berben & Cem Özdemir
Artistic direction by Asteris Kutulas
Produced by Alexandros Karozas & Asteris Kutulas

It was a great musical and political event – an event that was unique, because it went to the heart and helped to remember not to forget. 

Alexandros and me received support from many friends & partners, especially from Jörg KrauseIna Kutulas and Sandra von Ruffin. Sandra also took over the recitation in 5 cities. We also thank Iris Berben for her cooperation in Düsseldorf and Cem Özdemir in Berlin. We were supported by the Jewish & Greek communities and by many artists, including Konstantin Wecker and Vicky Leandros and so many others. We thank them from the bottom of our hearts.

Asteris Kutulas, 27.1.2021

Mikis Theodorakis, reloading Films

Mikis Theodorakis und der Film

Rede in München, Gasteig, 2015

1 | Dance Fight Love Die

Mikis Theodorakis bin ich erstmals 1980 in Ostberlin persönlich begegnet. Nachdem er etwa zehn Jahre in der DDR verboten gewesen war, kam er dorthin, um sein allererstes Konzert in Ostberlin zu geben, im Palast der Republik. Mikis dirigierte den „Canto General“. Es sangen Maria Farantouri und Heiner Vogt. Es folgten Hunderte von Projekten, die wir zusammen seitdem realisierten. Ab 1987 hatte ich immer eine Kamera bei mir, und jedes Mal, wenn ich Zeit hatte, filmte ich, in allen möglichen Situationen.

2013 beschlossen Ina Kutulas und ich, aus diesem vielfältigen und sehr umfangreichen Material einen Film zu machen. Das lag bis dahin im Schrank und wurde dadurch nicht besser. Zwei Kassetten waren bereits hinüber. Also höchste Zeit, diese Dokumente zu retten, aber auch, sie aus ihrem Museumsschachtel-Dasein zu erlösen. Es begann die Arbeit an Dance Fight Love Die – With Mikis on the Road.

DANCE FIGHT LOVE DIE, Music by Mikis Theodorakis
Plakat zur Weltpremiere von DANCE FIGHT LOVE DIE – WITH MIKIS ON THE ROAD 2017

Um die schlechte Bild- und Tonqualität zu konterkarieren und um dem Zuschauer nicht ausschließlich die Resultate meiner oftmals miserablen und eigenwilligen Kameraführung zuzumuten, beschloss ich – inspiriert von einer Geschichte aus Theodorakis’ Autobiographie –, eine zweite Film-Ebene einzuführen. Diese fiktionale, narrative, der Einfachheit halber so genannte „Spielfilm-Ebene“ sollte dem gestressten Auge immer wieder ein zeitweiliges Ausruhen und cineastische Eindrücke ermöglichen. Und andererseits gab mir diese Ebene die Möglichkeit, die schönsten Arien aus diversen Theodorakis-Opern als Filmmusik zu implementieren. Anders als mittels dieser schräg-episodenhaften Film-Szenen-Form wäre das gar nicht möglich gewesen.

Der Film entstand, nachdem ich für das Material ein für mich selbst schlüssiges Ordnungsprinzip entdeckte. Und das passierte während meiner Beschäftigung mit Nikos Kazantzakis, der ab 1907 in Paris promovierte und Friedrich Nietzsches Hauptwerk „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ ins Griechische übersetzte. Nach Beendigung dieser Übersetzung begann er, seinen später weltberühmt gewordenen „Zorbas“-Roman zu schreiben, in dem er das dionysische Prinzip (also Zorbas) gegen das apollinische Prinzip (den Engländer) stellte – ein Konflikt, aus dem sich in seinem Buch und später im Film die Frage ergab: Was ist wichtiger im Leben – das Buch oder der Tanz? Die Beschäftigung mit diesem Stoff führte mich zur Lösung für mein ästhetisches Film-Problem. Ich musste also die „Geburt eines FILMS aus dem Geiste der Musik“ zuwege bringen. Das entsprach dem Werk von Theodorakis, dem Leben von Theodorakis und dem Charakter meines Film-Materials, das ich fast 30 Jahre lang produziert hatte.

So gab es auf der einen Ebene den Komponisten pur: „Mikis on the Road“, dirigierend, probend, diskutierend, reisend, schlafend, witzelnd, singend, und ich hatte – auf einer zweiten fiktionalen Ebene – seinen poetischen Kosmos, seine Philosophie, seine Märchen- und Mythenwelt, seine Anbetung des Schönen, des Weiblichen. Und dann merkten wir sehr schnell, dass noch eine dritte Ebene dazu gehörte – nämlich die vom Komponisten losgelöste, die von anderen Musikern oder Künstlern geschaffene, die (obwohl sie oftmals Theodorakis nicht mal kannten) seine Musik in unterschiedliche Sprachen, Stile, Länder, Musikrichtungen weitertrugen.

Wir fanden Musiker, viel jünger als Theodorakis, überall auf der Welt, die Musik von ihm auf ihre eigene Weise interpretierten (die Alternativband Deerhoof aus San Francisco, der junge Komponist neuer Musik Sebastian Schwab aus München, die israelische Ethno-Reggae-Band Anna RF, die Sing-and-Song-Writerin Eves Karydas aus Australien, der Electrohouse-DJ Francesco Diaz aus Barcelona, die Homeopathic-Punk-Band Air Cushion Finish aus Berlin, die Rockmusikerin Maria Papageorgiou aus Athen und viele andere). Das wurde die dritte Ebene des Films.

All das zusammen – Mikis selbst, Mikis’ Fiktion, Mikis’ Adaption – ergibt einen universalen musikalischen Kosmos, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenbringt. Ohne dass Mikis die Musik zu unserem Film Dance Fight Love Die komponiert hatte, so komponierte er doch durch seine Musik den eigenen Film zu seiner Musik. Musikfilmkomponist des eigenen Lebensfilms. Fast ohne Kommentar. Zehntausende Bilder zu etwa sechzig Musiken.

Recycling Medea, Music by Mikis Theodorakis
RECYCLING MEDEA beim EPOS-Filmfestival in Tel Aviv 2015
Recycling Medea

Wie musikalische Emotion und bestimmte Bilder, verknüpft mit einer modernen Film-Ästhetik, sich jungen Leuten vermitteln, konnten wir bei Recycling Medea (2014), unserem ersten Musikfilm feststellen. Die Resonanz bei den unter 25jährigen auf die Aspekte Partnerschafts- und Generationenkonflikt, gesellschaftliche Perspektive bzw. Perspektivlosigkeit, politische Gewalt und verdrängte Schönheit in diesem „kein Ballett-Opern-Film“ war für uns sehr beeindruckend. Sowohl in Griechenland als auch in Deutschland, in den USA und Israel hatten die Jugendlichen überhaupt kein Problem, die doch relativ komplexe, anspruchsvolle, fordernde Theodorakis-„Medea“-Opernmusik in Verbindung mit den Bildern anzunehmen – als etwas, das sie angeht und ihr Ureigenstes ausdrückt. Es ist interessant zu sehen, wie der Recycling-Medea-Film an unterschiedlichen Gymnasien und Universitäten in Deutschland, Holland, Griechenland und den USA als etwas Neues und Wahrhaftiges rezipiert wird.

2 | Canto General Film

Anfang der 80er Jahre war ich in der DDR unter anderem auch der Dolmetscher von Theodorakis. Neben sehr vielen öden Begegnungen, bei denen ich übersetzte, gab es durchaus einige äußerst interessante. Zu den spannendsten gehörte die von Theodorakis und Konrad Wolf, dem damaligen Präsidenten der Akademie der Künste in Ost-Berlin. Wolf war ein ganz außerordentlicher Intellektueller. Als einer der wenigen DDR-Regisseure international anerkannt. Mit „Solo Sunny“ hatte er 1979 einen der wichtigsten DDR-Filme gemacht. Ich war zwischen 1980 und 1982 bei drei Begegnungen von Theodorakis und Wolf anwesend, bei denen es darum ging, dass Wolf (der damals an einem Ernst-Busch-Film arbeitete) mit Theodorakis über ein Film-Großprojekt oder „eine Art Lebenswerk“, wie er es nannte, sprach. Er wollte zu Theodorakis’ „Canto General“-Musik (die auf dem mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten Poem von Pablo Neruda beruht) einen Film über DIE Revolution machen, ohne Kommentar, ohne Worte, einfach vertrauend auf die aus Dichtung, Musik und Bild resultierende emotionale Kraft.

Es war ein atemberaubendes Projekt, das einen sofort begeisterte. In der Tradition der russischen Avantgarde – Liebe, Kampf, Passion, Aufstand, Opfer, Natur, Tod vereinigend. Konrad Wolf verstarb, bevor er die Arbeit am Drehbuch abschließen konnte, und ich nehme an, dass der 21jährige, der ich damals war, diese ungeheure Inspiration mitnahm und nach 30 Jahren einfließen ließ in DANCE FIGHT LOVE DIE.

Seitdem begleitet mich auch der „Canto General“, dessen Musik übrigens 1973 im Film „Der unsichtbare Aufstand“ (State of Siege) von Costa Gavras zum ersten Mal erklang. Damals gespielt von Los Calchakis. Ein zu seiner Zeit legendärer Film mit einer legendären Musik.

3 | Theodorakis-Werkverzeichnis

Zwischen 1991 und 1997 arbeitete ich in den Archiven von Mikis Theodorakis, um sein Werkverzeichnis zu schreiben, das dann 1998 auch tatsächlich beim Livanis-Verlag in Athen veröffentlicht wurde. Ein 400-seitiges Konvolut. Es brachte einen vollkommen unbekannten Theodorakis ans Licht. Dieser Vorgang war aus mehreren Gründen interessant.

Der interessanteste: Ich war kein Musikwissenschaftler, sondern Germanist, und das Letzte, wovon ich meinte, dass ich imstande gewesen wäre, es zu tun, war: ein Musikwerkverzeichnis herauszugeben. Aber in dieser, unserer seltsamen Heimat Griechenland gab es damals weder das Interesse von Musikwissenschaftlern, sich mit dem Werk von Theodorakis zu beschäftigen, noch gab es den Willen, geschweige denn die Motivation bei etlichen Vertretern der Intelligenz (vor allem so genannten linken), ihre Vorurteile im Hinblick auf einen außerordentlichen und unikalen Komponisten mal beiseite zu lassen und sich objektiv mit dessen Schaffen auseinanderzusetzen, z.B. indem man ein Werkverzeichnis herausgibt, bei dem es darum geht, das Gesamt-Werk eines Komponisten wissenschaftlich für die Forschung und die Musikpraxis aufzuarbeiten. Als das Werkverzeichnis dann herauskam, änderte sich fast alles, würde ich sagen, in Bezug zum Komponisten Theodorakis.

Warum ich hier von Theodorakis’ Werkverzeichnis erzähle, hat folgenden Grund: Ich hatte damals 313 Werk-Einheiten zusammengetragen, die Theodorakis zwischen 1937 und 1997 komponierte, und Mikis gebeten, seinen Werken Opus-Zahlen zu geben. An die 313 gelisteten Werk-Einheiten vergab er nur 135 Opus-Zahlen. Das heißt, dass er selbst nur ein Drittel seiner Kompositionen als seinen Kriterien genügende Werke ansah – eine sehr interessante Feststellung. Bemerkenswert dabei ist, dass er keiner seiner 33 Film-Musiken eine Opus-Zahl gab, nicht mal der Musik zum „Zorbas“-Film.

2010, ein paar Monate vor dem Tod von Michalis Cacojannis (dem Regisseur des Zorbas-Films) hatte ich die Möglichkeit, ein gemeinsames Interview mit Cacojannis und Theodorakis filmisch festzuhalten. Während dieses Gesprächs definierte Theodorakis die Aufgabe des Film-Komponisten so, dass dieser vor allem den Wünschen des Regisseurs bis ins Detail zu folgen und den Bildern des Films zu dienen habe. Das ist offensichtlich der Grund dafür, dass Mikis – obwohl er zum Teil sehr gern für Filme komponiert hat – diese Arbeit nicht als eigenständige Kompositionsform akzeptieren konnte. Jedenfalls nicht für sich selbst.

4 | Theodorakis als Filmkomponist

Theodorakis’ Inhaftierung während der Junta 1967 erregte weltweit Aufsehen, denn mit ihm hatte man jemanden in eine Zelle gesteckt, der als Komponist bereits ein Star war, der längst einen Namen hatte und international Millionen Fans. Zehn Jahre vorher war Theodorakis u.a. als neuer Strawinsky gefeiert worden. Dieser „neue Strawinsky“ saß jetzt in einem elenden Knast, in einer elenden Zelle. 

Die Tatsache, dass Theodorakis inhaftiert wurde und später ins Exil gehen musste, verbunden mit der Tatsache, dass er ein anarchischer Freigeist war, führte zu einer weltweiten Sympathie, jenseits von Parteigrenzen. (Später wurde ihm allerdings diese Freigeistigkeit innerhalb des dogmatisch-bipolaren Systems in Griechenland zum Verhängnis.)

Heute ist Theodorakis als PERSON international kaum noch bekannt. Natürlich kennt ihn „fast“ jeder Grieche, und natürlich gibt es Millionen weltweit, die ihn noch kennen und viel mehr, die seine Musik hören. Aber er bleibt der bekannteste unbekannteste Komponist des 20. Jahrhunderts. Theodorakis ist zugleich vielleicht der einzige Komponist „ernster Musik“ des 20. Jahrhunderts, dessen Lieder von Jüngeren weltweit und stetig gecovert werden – und das, obwohl sie nicht aus dem englischen Sprachraum stammen.

Und so kommen wir wieder zu unserem Thema: die meisten dieser gecoverten Lieder oder Musiken sind tatsächlich durch Filme bekannt geworden. Angefangen hat dieser Erfolgsweg Theodorakisscher Filmkomposition in Hollywood, im Jahr 1958, mit Honeymoon, einem Ballett-Film des damals wohl berühmtesten Regisseurs, Michael Powell; Choreograph war Leonide Massine. Der „Honeymoon“-Song wurde in den Jahren 1959/60 ein Welthit, den selbst die Beatles drei Jahre später, 1967, im BBC-Studio von London aufnahmen.

Der nächste große Erfolg für Theodorakis war die Musik zum Jules-Dassin-Film Phädra (1962), mit Melina Mercouri und Anthony Perkins in den Hauptrollen. Im selben Jahr sang Edith Piaf zwei Theodorakis-Songs im Film Les amants de Teruel, für den Theodorakis die Filmmusik schrieb. Regie führte Raymond Rouleau.

Vor seinem endgültigen internationalen Durchbruch mit der Filmmusik zu Zorba the Greek schrieb Theodorakis für den Film – bei dem er erstmals mit Michalis Cacojannis zusammenarbeitete – seine wahrscheinlich interessanteste und beste Filmmusik: Elektra. Überhaupt ist die Antiken-Trilogie von Cacojannis (Elektra (1963), Troerinnen (1971) und Iphigenie (1978) – alle mit Theodorakis-Musik) ein Meilenstein, nicht nur in der Antike-Rezeption des griechischen Kinos, sondern auch in der Auseinandersetzung eines Filmkomponisten mit antiken Mythen im Film.

Theodorakis ist ein Komponist, der Sinfonien und Opern geschrieben hat, dessen Chor- und kammermusikalische Werke überall auf der Welt immer wieder aufgeführt werden, und dessen Lieder und Melodien auch zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig Jahre nach ihrer Entstehung immer wieder gecovert werden von jungen Musikern überall auf der Welt, die oft nicht mal wissen, wer überhaupt der Komponist ist. Diese Tatsache – so scheint mir – macht aus Theodorakis einen einzigartigen Fall unter allen Komponisten des 20. Jahrhunderts.

© Asteris Kutulas
Rede in München, Gasteig, Griechische Filmwoche 2015

Photos © by Asteris Kutulas

Recycling Medea – Film-Rezensionen & Kritiken

Dance Fight Love Die – Reviews & Statements

1 + 1 = 1 Germany (video clip)

BRDDR Reunification Clip

The 1 + 1 = 1 video clip is my artistic (and ironic) commentary on the 30th anniversary of the German reunification on October 3rd, 2020: a video I made together with Sandra von Ruffin, Achilleas Gatsopoulos, Ina Kutulas and many others based on the fantastic music of The Boy. BRDDR Reunification Clip.

1 + 1 = 1 Germany video clip with Sandra von Ruffin
Music by THE BOY
Written & directed by Asteris Kutulas
 
Filmed by Asteris Kutulas, James Chressanthis (ASC), Reinhold Spur & Stella Kalafati
Artistic Direction by Achilleas Gatsopoulos & Ina Kutulas
Light & graphics by Achilleas Gatsopoulos
Collages by Ina Kutulas
 
With blinks of the movies NIGHT OUT by Stratos Tzitzis & OBSCURO BARROCO by Evangelia Kranioti
Graffiti artists: honey_beebs, loydgrey, huelpman 86, nature_one_89, gomez_one_81, canion.berlin
 
Many thanks to Alexandros Karozas, THE BOY, Heike Hartmann, James Chressanthis, Alma Dowdall, Fabienne Renner, Nicole & Guido Karp  & to all our friends in EAST + WEST = GERMANY
 
Video clip by Asti Music
Berlin, 3.10.2020
 
1 + 1 = 1 Germany Reunification Video Clip by Asteris Kutulas
Artwork and photography by Achilleas Gatsopoulos | With Sandra von Ruffin | © by Achilleas Gatsopoulos/Asti Music

… und morgen fressen wir die Mauer auf, vielleicht (Dresden)

Eine Wand, errichtet auf offener Straße in Dresden, ist etwas anderes als eine Wand, errichtet in Berlin, anderes als ein verhüllter Reichstag und anderes als ein Spiegel in China. Das ganze Ausmaß erkennbar vielleicht vom Mond. Eine Wand zwischen der ehemaligen Mokka-Stube und dem ehemaligen Hotel Newa mit seiner berühmten Diskothek, wo die erlesene Fraktion der Dresdner Szene mit Wodka-Cola zechte. Das geschah zumeist nach Mitternacht.

Nachmittags saß man, Kaffee trinkend, mit den Libanesen, die an der TU oder an der Kunsthochschule studierten, in der benachbarten Eis-Bar und musterte die vorbeidefilierenden jungen Mädels. Mit den Jahren verschwanden allerdings – wie durch ein Wunder – die „Libanesen“, die Jolana-Elektrobässe aus den Schaufenstern des Musikgeschäfts, die selbstverloren dreinschauenden Mädchen und die rührigen Abschnittsbevollmächtigten von der Prager Straße. Verschwunden auch das, worauf sie Obacht gaben: selbstgenähte Umhängetaschen, Beutel mit Makrameeknüpfeinsatz oder einem Stück Gobelin mit Motiv des melancholisch rührenden Hirschen. In letzter Zeit tauchen sie nur noch schemenhaft in der Nähe des Herrenausstatters auf, verstohlen Richtung Intershopeingang blickend oder eilig Kreise um das Rundkino drehend. Die Jagd ist beendet. Der Große Garten leitet den Kaltluftstrom Richtung Hygiene-Museum. Die Gläserne Frau hat ihre Akte verspeist. Das Paradies der Kaffeesachsen steht nun allen offen.

… wir waren weder im Osten noch im Westen, vielleicht (Berlin)

Alle kannten wir das Märchen von dem Land hinter dem Riesengebirge aus Pudding, in dem einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, die Würste von den Bäumen hängen und wo in den Bächen Cola und Limonade fließen. Das Interessanteste an diesem Märchen war allerdings nicht, was hinter und vor dem Pudding-Riesengebirge lag, sondern war dieses Gebirge an sich, das man erst einmal zu überwinden hatte, bevor man von der einen auf die andere Seite gelangte. Die Mauer war so etwas wie dieses merkwürdige Gebirge. Der Puddingmatsch das eigentümliche Phänomen, mit dem wir es immer wieder aufnahmen. Mit den Jahren wurde der Pudding nicht weniger, sondern eher mehr. Eine süßliche, wabernde Masse, die einem schon morgens das Maul und die Ohren zu stopfen drohte. Freiheit des Wortes. Die hatten wir zu verteidigen gegen das Sandmännchen, Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl, den Schokoladenmohr und die Waschmittelmatrone, gegen Stalin, gegen das Neue Deutschland und die Hörzu. Wer behauptet, wir seien im Osten gewesen, hat keine Ahnung. Wer meint, wir seien im Westen gewesen, irrt. Wir waren weder hüben noch drüben, denn für uns gab es kein Hüben und Drüben. Wir waren in der Mauer, im Gebirge, im Puddinghaufen, ein Wunder, dass wir nicht erstickt sind. Wir waren … was heißt: wir waren … Wir sind.

© Ina & Asteris Kutulas, 1991/2010

Olympiacos Championship Celebrations July 2020

„A spectacle full of art and emotions“ | Olympiacos FC Press Conference Release

Olympiacos Championship Celebrations 2020. Olympiacos presented the celebrations for winning the 45th league title in his history, on July 16th 2020 in an online press conference, three days before the celebration.

The Sport Director of Olympiacos, Christian Karembeu, revealed the title of the festive event and talked about the solution found through technology for the team to celebrate winning the title with its fans.

“We are really happy because today we have the unique opportunity to talk about an important celebration. Our party this year is entitled ‘The lights of hope’. We have the pleasure to celebrate the 45th championship in the history of our club. Like any team in the world, we would like to celebrate the conquest with our fans. Because of the pandemic, we had to find a solution. I would very much like to talk about the great season we had, about our great victories, about our winning streaks and, of course, about the fact that we have the opportunity to add another title to the history of Olympiacos. I want to add at this moment the initiatives of Mr. Evangelos Marinakis, both in Greece and abroad, because he was always present where there was a need. The show you will watch will be unique, it will be great, it will be full of art and emotions, because football is all about emotions. Therefore, stay safe.”

OLYMPIACOS CHAMPIONSHIP CELEBRATION JULY 2020
Photo © by Ralph Larmann

The internationally renowned artist, Asteris Kutulas, gave details about what will be presented on Sunday night at Georgios Karaiskakis Stadium.

Statement by creative director Asteris Kutulas

“I thank Olympiacos and Christian very much for his words, for inviting me to contribute to the celebration. I’m a Greek living abroad, I live in Berlin and my occupation is show creation. I was invited by Olympiacos to find a solution for how we’ll celebrate the conquest of the 45th championship in an empty stadium under corona circumstances. I developed an emotional concept, that the people of Olympiacos liked and that in the end will take place. We’ll bring the fans of Olympiacos, who will be outside the stadium, inside it, but without actually entering! This will be made in a way that they can celebrate with the players at the time of the award ceremony. This will be the emotional peak of the celebration we are preparing. Earlier, there will be a huge multimedia show that will consist of video and laser projections, lights, pyrotechnics and fireworks. We’ll have a children’s choir and Antonis Dimitriadis, who is the musical director of the whole event. Music always plays a big role in these multimedia shows. It’s the cornerstone of the project. It will combine international pieces with a wonderful composition by Marios Ioannou Elia. Upon it will be built all the whole stadium show.

OLYMPIACOS CHAMPIONSHIP CELEBRATION JULY 2020
Photo © by Ralph Larmann

We want to send a message of optimism and hope, from Olympiacos to the world, from Piraeus to the world, from Olympiacos and Piraeus to Greece. We combine the event of the stadium with a multimedia show in Pasalimani, which will also be televised. It will connect music with images made of architectural lasers and lots of fireworks and sparklers. We want Pasalimani to become red and blue. This will be accompanied with the music of the two emblematic composers, Mikis Theodorakis and Manos Hadjidakis, from two emblematic films, “The Children of Piraeus” and “Zorba”. The music has been exceptionally remixed by Antonis Dimitriadis and Alexandros Karozas and will give us the basis for amazing images that will be broadcasted all around the world. Moreover, “The Children of Piraeus” were also filmed on the clock of Piraeus and this way we can remember the 100 years of Melina Mercouri. I’m a child of East Germany and I was very happy when the Berlin Wall fell. Here symbolically we do something similar. Through Art and Technology, we tear down the wall of pandemic and bring the fans close to the players in the field.

OLYMPIACOS CHAMPIONSHIP CELEBRATION JULY 2020
Photo © by Ralph Larmann

It is a very special challenge for me. For all of us artists across Europe, it’s a time of crisis, a time of forced contemplation because everything has been cancelled. Under these circumstances, to give such a sign of hope and optimism is something very special. What we are doing here is the first such event to take place across Europe. When I had the first brainstorm sessions on this project, I met Mr. Marinakis and saw on his arm a tattoo that read “dream”, “love”, “create”, “fight”, “win”, words that are a slogan in football, sports, art and life. They apply everywhere and are humanitarian values. I identified with it and I got inspiration to get to this point, because both football and art unite people. Let’s do something for the people of Piraeus, for the Greeks and for the whole world”.  – Asteris Kutulas

 

 

Königin Friederike von Griechenland & Marion Gräfin Dönhoff

An Frau Dr. Marion Gräfin Dönhoff / Redaktion DIE ZEIT – bezüglich des Artikels aus der ZEIT vom 12.9.1991: „Vor vierzig Jahren: Aus der ZEIT vom 13. September 1951“

Sehr geehrte Frau Dr. Marion Gräfin Dönhoff,

ich las gestern Ihren Beitrag „Friederike, Friederike“ in der ZEIT vom 12. September 1991, in dem sich Königin Friederike von Griechenland brüsten darf, humanistische Umerziehungslager für Kommunisten Ende der vierziger Jahre geschaffen zu haben. Gestatten Sie mir bitte – da die Aussagen der Königin nicht nur kommentarlos bleiben, sondern durch den Eindruck Ihres ganzen Beitrags erhärtet werden –, Sie darauf hinzuweisen, daß auf den Verbannungsinseln während des Bürgerkriegs (1946-1949) bis zu 150.000 Linke bzw. Sympathisanten bzw. ehemalige Mitglieder der antifaschistischen Widerstandsbewegung EAM deportiert waren. Inzwischen gibt es genug Zeugnisse (auch auf Deutsch), wie es in diesen Lagern zuging.

Kommunistische Umerziehungslager

Die Behauptung der Königin Friederike von Griechenland, es handelte sich um junge Kommunisten, die gezwungen worden seien, ihr bisheriges Leben mit Rauben und Morden zuzubringen, die nicht lachten und noch nie in ihrem Leben gesungen hatten – ist wahrlich ein Hohn gegenüber fast der gesamten linken Intelligenz Griechenlands, die auf den Verbannungsinseln deportiert worden war. Einer ihrer wichtigsten Vertreter, Jannis Ritsos, wurde in diesen „Umerziehungslagern“ fünf Jahre (1948-1952) festgehalten und hat diese Schreckenszeit in seinem Band „Tagebuch des Exils“ (Deutsch: Schwiftingen Verlag, 1979) dargelegt.

Mikis Theodorakis & Makronisos

Ein anderer jahrelang auf Ikaria und Makronisos – der „Hölle“ – Festgehaltener, der Komponist Mikis Theodorakis, hat in seiner Biografie ausführlich das Lagerleben beschrieben. Darin kommt er auch an einigen Stellen auf Königin Friederike zu sprechen. Ich habe mir gestattet, Ihnen zwei entsprechende Auszüge aus dem 3. Band seiner Autobiographie DIE WEGE DES ERZENGELS (1987), die im Dezember dieses Jahres beim Luxemburger Verlag editions phi erscheinen wird, zu notieren:

Bürgerkrieg

„… Alle Griechen waren nach dem Bürgerkrieg gebeugt. Nur der Thron, die Fremden, die Oligarchie und die ihnen dienenden politischen und militärischen Eliten sowie die Polizei: sie triumphierten. Für wen wohl hatte Odysseas Elytis geschrieben: „Und sie werden mit Blüten schmücken den Sieger, der leben wird im Gestank der Leichen“? Für Papagos? Oder für Königin Friederike? …

Abfärbe-Technik

… Die sogenannte Abfärbe-Technik wurde eingeführt. Sie bestand in individuellen und Massenfolterungen, Zwangsarbeit, Durststrafen, moralischen und psychischen Erpressungen. Wenn jemand „zerbrach“, musste er, um die „Echtheit“ seiner Reue zu beweisen, seinerseits zum Folterer werden. So kam es zu einer erstaunlichen Situation, in der die meisten der „Prügler“, wie sie genannt wurden, ehemalige Häftlinge waren. Man erzählte sich, daß in der Ersten Abteilung nur zwei Offiziere Nationalisten waren. Alle anderen seien ehemalige Linke, hieß es. Das „Abfärben“ wurde systematisch betrieben: Verleugnung der Kommunistischen Partei; Bekehrungs-Briefe an die Bewohner der Heimatgemeinde: Briefe an Unbekannte, deren Adressen dem Telefonbuch entnommen wurden; Reden während der „Stunde zur nationalen Erziehung“ um 11 Uhr vormittags vor der ganzen Abteilung; Teilnahme an Pogromen gegen die hartnäckigen und uneinsichtigen Gefangenen; Teilnahme an Prügelaktionen und Folterungen. Für all diese Aktivitäten gab es ein Heft, in das der Verantwortliche die genaue Anzahl der Briefe, der Reden, Folterungen usw. eintrug. Der Kommandant der Abteilung gab persönlich die Einwilligung zum ersten Athen-Urlaub, die höchste „Anerkennung für einen Gefangenen“. Der Kommandant sah ihn von oben bis unten an, kontrollierte bedächtig dessen Heft und sagte: „Nur dreimal geprügelt, und du willst schon nach Athen? Mach fünfmal draus und komm wieder.“ Er musste also noch zweimal prügeln, der beaufsichtigende Gendarm trug das kommentierend in sein Heft ein, und dann bekam der Gefangene den ersehnten Athen-Urlaub. Dieser „Abfärbe-Prozess“ dauerte Monate.

Einsamkeit

… So breitet sich das Gefühl der absoluten Einsamkeit aus. Du bist allein, ausgeliefert der Gnade der entfesselten Elemente der Natur und des Menschen. Keiner kann dir helfen. Auf Makronisos starben Mythen und Götter. Es starb auch das Wesen, das du Mensch genannt hattest. Du warst zu einem Wurm und die anderen über dir zu Ungeheuern verkommen.

Makronisos-Tick

Hinzu kommt das ganze Theater, das die Regierung auf Kosten der Gefangenen inszenierte. Und dieses Theater, das „Becken von Siloah“, wie es von den Offiziellen genannt wurde, hatte jeden Tag eine Fortsetzung mit den verschiedenen Verlautbarungen und Besuchen der Königin Friederike und verschiedener Minister bis hin zu ausländischen Journalisten und einheimischen „Persönlichkeiten“. Die Straßen und das Sanatorium wurden weiß getüncht, ins letztere legten sich Gendarmen und spielten die Kranken. Die Zelte mussten gesäubert werden, die Vorderansicht des Lagers wurde hergerichtet. Und hinter dieser Fassade: Dreck und Hunger, Gefolterte, Verkrüppelte und Tote. Du hast keine Chance, dass dein Martyrium bekannt wird. Du bist isoliert, verurteilt, für immer verloren. Du bist allein, der Gnade deiner erbarmungslosen Folterer ausgeliefert. Da drehst du durch. Irgendeine Schraube in deinem Gehirn oder Nervensystem lockert sich, ein Riemen reißt, und dein Kopf oder deine Hand geraten dir aus der Kontrolle. Der Verrückte von Makronisos ist gewöhnlich ein willenloses Geschöpf mit einem Tick. Ein Geschöpf, das sich in Momenten der Erleuchtung seiner Lage bewusst wird, was anschließend den spastischen Mechanismus nur intensiver auslöst. Noch heute gibt es Menschen, die Tabletten nehmen, um nicht wieder vom Makronisos-Syndrom überwältigt zu werden …“

Entschuldigen Sie die langen Zitate, die sich weiterführen ließen – aber sie stehen doch in solch einem frappierenden Widerspruch zu den Aussagen der Königin Friederike von Griechenland, dass ich nicht umhin konnte, sie Ihnen mitzuteilen.

Übrigens haben französische Intellektuelle um Aragon und Picasso bereits Ende der vierziger Jahre die Praktiken in den griechischen „Umerziehungslagern“ angeprangert und das königliche Ehepaar deswegen angegriffen, aber auch Bertold Brecht und Stephan Hermlin forderten – wenn ich mich nicht irre – die Auflösung dieser Lager in Griechenland.

Hochachtungsvoll

Asteris Kutulas, 16.9.1991

***

Die Antwort von Dr. Marion Gräfin Dönhoff

Sehr geehrter Herr Kutulas,

ich habe erst Ihren Brief und dann jenen Artikel von vor vierzig Jahren gelesen und dabei ist mir dann wirklich ganz bange geworden.

Ich bin überzeugt, dass Ihre Darstellung und die Zitate zutreffend sind und mein Bericht über die königliche Darstellung sich als abwegig erweist. Aber damals konnte man noch nicht reisen und musste das, was Leute einem erzählten, für bare Münze nehmen.

Da man einen Artikel von vor 40 Jahren heute nicht berichtigen kann, ist Ihr Brief als Leserbrief leider nicht geeignet, aber für mich persönlich ist er eine gute Lehre, und dafür danke ich Ihnen sehr.

Mit bestem Gruß

Dr. Marion Gräfin Dönhoff, Sept. 1991

***

Es ging um folgenden Abschnitt aus dem am 12. September 1991 wieder abgedruckten Artikel vom 13. September 1951:

Rubrik VOR VIERZIG JAHREN (aus der ZEIT vom 13. September 1951)

… „Sie müssen bedenken“, sagte die Königin, „dass die Kinder in Griechenland seit zehn Jahren überhaupt keinen Unterricht mehr gehabt haben. Fast alle Schulen waren zerstört, und die wenigen, die übriggeblieben sind, wurden für andere Zwecke gebraucht. Und Griechenland ist arm; es dauert sehr lange, das Land wieder aufzubauen. Mein Mann aber ist der Meinung, dass die Erziehung der Kinder und die Ausbildung der Jugend wichtiger ist als alles andere, und so ist es uns im vorigen Jahr gelungen, 360 Schulen neu herzustellen. Ah, das ist ein Anblick, wenn man jetzt durch das Land fährt und sieht diese neuen Gebäude in den Dörfern und kleinen Städten! Es sind keine Paläste, aber eigentlich sind es doch die schönsten Häuser überall.“ Und die junge Königin strahlte, so wie wohl nur die Augen ihrer preußischen Vorfahren aufleuchteten, wenn sie an ihre Garnisonen und Regimenter dachten.

„Wie steht es mit der sogenannten Umschulung der Kommunisten?“ fragte ich, auf das Problem lenkend, von dem ich wusste, dass es ausschließlich auf Grund der Initiative des Königspaars in Angriff genommen war. „Wir haben damit schon vor der endgültigen Niederwerfung der Kommunisten begonnen“, antwortete die Königin. „Wenn Sie das einmal gesehen hätten, diese Gefangenenlager, in denen junge Kommunisten von 15 bis 19 Jahren hinter Stacheldraht eingepfercht waren. Kinder, die gezwungen worden sind, ihr bisheriges Leben mit Morden und Rauben zuzubringen, die nie lachten, keine Spiele mehr kannten, noch nie in ihrem Leben gesungen hatten und deren Ausdruck mehr dem böser Tiere als dem eines Menschen glich – wenn man das gesehen hat, dann sagte man sich, was ihnen fehlt, ist menschliche Nähe und Wärme.“

„Und da haben wir auf der Insel Leros“, so fuhr die Königin fort, „ganz einfach Siedlungen und Lehrstätten eingerichtet, wo Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr, die sich freiwillig in den Gefangenenlagern meldeten, in völliger Freiheit leben können.“ – „Das Schöne ist“, fiel König Paul ein, „dass die Bewohner der Insel alle mit Feuereifer und ohne jedes Entgelt mitwirken. Auch sie empfinden, dass man bei diesen Menschen nicht eine Doktrin mit einer neuen Doktrin austreiben kann …“

… – Fast könnte man diese Griechen beneiden um ihr Königspaar, das so schlicht und selbstverständlich zupackt und den Mut hat, es anders zu machen als bisher, das Wagnis eingeht, in einem neuen Geist wiederaufzubauen …“

Marion Gräfin Dönhoff, 1951

Friederike von Hannover, Königin von Griechenland von 1947 bis 1974
Friederike von Hannover, Königin von Griechenland von 1947 bis 1974

Let’s DMZ – Peace Maker Concert, Gyeonggi, South Korea

South Korea Peace Concert „Let’s DMZ“ (Let’s Demilitarize)

South Korea | Goyang & Uijeongbu | Kintex Centre & Centre of Arts | 19 & 22 September 2019

Since 1953, Korea has been divided. A demarcation line coexistence. Now the time for reunification has probably come. It was a challenge and a great honor to be one of the co-producers of the DMZ Festival in Gyeonggi, the province of the demilitarized zone, and to participate in the artistic concept and in the production of the opening and closing ceremonies.

Maria Farantouri and Mikis Theodorakis' 3rd Symphony, Asteris Kutulas
With US astrophysical Menas Kafatos & biologist Susan Yang on stage
Jung Tae-choon, Maria Farantouri and Asteris Kutulas
With pianist Henning Schmiedt & singer Jung Tae-choon

Artists and personalities from around the world had come to Gyeonggi to help build bridges and develop concepts so that a reunification between South and North Korea could one day become a reality. My partner in South Korea and co-producer of the opening and closing ceremonies, the director of the Gyeonggi Province Art Center, told me: „Since American President Donald Trump made the symbolic step across the border, we hope that a reunification with North Korea will be possible. We want to show that the demilitarized zone can change from a symbol of the Cold War to one of Peace … The beautiful sky that now shines above us should also shine over North Korea. We hope to hold the DMZ Forum next year in North Korea … The sky is sadly beautiful.“

South Korea Peace Concert Mikis Theodorakis' 3rd Symphony, Asteris Kutulas
Soprano Sunyoung Seo, the Gyeonggi Philharmonic Orchestra and the choir of Uijeongbu City & the Grande opera Choir, under the direction of conductor Jung Nara

South Korea Peace Concert and Mikis Theodorakis' 3rd Symphony, Asteris Kutulas

For me, as someone who grew up in a divided Germany and whose family history was determined by the Greek civil war, this trip was something very strange. One day or even hours before the „Fall of the Wall“, it was impossible to think that Germany would be united just one year later.

In South Korea, on the other hand, everyone is talking about reunification, everyone wants reunification, everyone is looking for possibilities of cooperation. In the demilitarized zone economic enterprises are founded. Workers from the South and North work together there, a railroad line is being built between the two countries, but it is not (yet) a bilateral connection; for the time being the train only takes the workers into the „zone“.

Maria Farantouri and South Korea Peace Concert, Asteris Kutulas
Maria Farantouri & Henning Schmiedt
Maria Farantouri and South Korea Peace Concert, Asteris Kutulas
During rehearsal with Maria Farantouri

The DMZ Forum and the South Korea Peace Concert, in which I participated last year, experts from many countries came together to discuss all aspects of the reunification process and to find solutions. Politically, economically, culturally, ecologically, psychologically. Mr. Lee, an entrepreneur from Seoul, told me: „We will have a lot of problems. It will be a long road. There will perhaps also be losers. But none of that is important. All that matters is that reunification comes.“ Mr. Lee added: „South Korea is already one of the top five economies in the world. After unification with North Korea, we will also overtake Japan.“

South Korea Peace Concert and Mikis Theodorakis' 3rd Symphony, Asteris Kutulas

South Korea Peace Concert and Mikis Theodorakis' 3rd Symphony, Asteris Kutulas
During rehearsal with soprano Sunyoung Seo, the Gyeonggi Philharmonic Orchestra and the choir of Uijeongbu City & the Grande opera Choir, under the direction of conductor Jung Nara
Phan Thi Kim Phuc

The DMZ Forum was held at the Kintac Center. Suddenly there, in a black dress, Kim Phúc stood in front of me. A happy, always smiling, impressive woman. The photo, which showed her as a nine-year-old in 1972 during the Vietnam War, naked, flying after the bombing of Trảng Bàng, went around the world. The photo helped to end this war. She says to me with a disarming smile: „We had the division between South and North Vietnam. Now I am here to talk about hope. And also about the fact that some things can change very quickly.“ Phan Thi Kim Phuc, now UNESCO Goodwill Ambassador, known as the “Napalm Girl”: it was June 8, 1972 when the then nine-year-old Vietnamese shocked the world with a photograph depicting her naked running to escape a napalm bombing in Vietnam.

South Korea Peace Concert and Mikis Theodorakis' 3rd Symphony, Asteris Kutulas
With Kim Phúc
Jung Tae-choon, Maria Farantouri and Mikis Theodorakis' 3rd Symphony, Asteris Kutulas
Composer and singer Jung Tae-choon

Demilitarized zone (DMZ), region on the Korean peninsula that demarcates North Korea from South Korea. It roughly follows latitude 38° N (the 38th parallel), the original demarcation line between North Korea and South Korea at the end of World War II.

South Korea Peace Concert and Mikis Theodorakis' 3rd Symphony, Asteris Kutulas

I co-produced these South Korea Peace Concert DMZ events commemorating the first anniversary of the Joint Declaration of the Leaders of North and South Korea to ease military tensions between the two countries.

Maria Farantouri, accompanied by pianist Henning Schmiedt, performs well-known and popular songs by Mikis Theodorakis during the opening ceremony of the DMZ Forum. (19.09, Goyang, Kintex Centre).

Peace Maker Concert. In the first part of the concert, soprano Sunyoung Seo with the Gyeonggi Philharmonic Orchestra and the choir of Uijeongbu City & the Grande opera Choir, under the direction of conductor Jung Nara, performs the 3rd Symphony of Mikis Theodorakis. In the second part, Maria Farantouri -with Henning Schmiedt on piano- performs well-known songs by Mikis Theodorakis, including Denial, in poetry by Y. Seferis, in which the Korean composer and singer Jung Tae-choon collaborates, in Korean, with his musicians. (22.09, Uijeongbu, Arts Center).

Maria Farantouri and Asteris Kutulas

South Korea Peace Concert and Mikis Theodorakis' 3rd Symphony, Asteris Kutulas

South Korea Peace Concert “Let’s DMZ”, Uijeongbu 2019 Mikis Theodorakis' 3rd Symphony
Concert with soprano Sunyoung Seo, the Gyeonggi Philharmonic Orchestra and the choir of Uijeongbu City & the Grande opera Choir, under the direction of conductor Jung Nara

Many thanks for the excellent cooperation to Susan Keun-Hang Yang, Menas Kafatos, Maria Chatzara and to all other great South Korean Team!

Asteris Kutulas, 2020

Lights of Hope – Interview der Zeitschrift pma mit Asteris Kutulas

Olympiacos FC Event 2020  by Asteris Kutulas
Titel-Story „Lights of Hope“ in der pma-Zeitschrift (06/2020), Photos von © Ralph Larmann

Olympiacos FC – Lights of Hope Event 2020
by Asteris Kutulas (Interview mit Lisa Schaft)

Olympiacos FC Championship Celebration

pma: Herr Kutulas, können Sie uns Ihre Showdesign-Grundidee etwas näher erläutern, die Sie entwickelt haben für den Stadion- und den Hafen-Event anlässlich der Siegesfeierlichkeiten der 45. Griechischen Fußball-Meisterschaft in Athen?

Asteris Kutulas: Ich wollte in dieser außerordentlichen Zeit von Covid-19 etwas sehr Emotionales kreieren und die Olympiakos-Mannschaft, ihre Fans und das TV-Publikum wenigstens symbolisch zusammenbringen und sie auf diese Weise gemeinsam feiern lassen. Um das zu erreichen, habe ich beim Stadion-Event einen Live-Act mit Projektions-Kunst, mit Licht-Design, mit Musik und mit Laser-Kunst zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzen.

In Piräus inszenierte ich den Pasalimani-Hafen „amphitheatralisch“, indem ich diese wunderbare Landschaft und die Architektur des Hafens durch 5 symmetrisch angelegte Punkte, die mit Pyro, Feuerwerk und Laser bestückt waren, tatsächlich zum Leuchten gebracht habe.

Ergebnis waren der Stadion-Event und der Hafen-Event am selben Abend. Die polymediale Show im Stadion ergab ein tolles Gesamtbild und zugleich spannende Detailperspektiven. So konnten die Kameraaufnahmen vom Event für das Fernsehen wie ein Videoclip geschnitten und wie ein solcher gezeigt werden. Immerhin haben wir ja in einem Stadion mit pandemiebedingt leeren Sitzreihen für Millionen von Fernsehzuschauern emotionale Botschaften der Freude und der Hoffnung produziert. Auch der Hafen-Event war für das Fernsehen konzipiert, aber durch die Größe des Hafens konnten viele Menschen diese Augenblicke auch live – zusammen mit der Olympiakos-Mannschaft – erleben.

Olympiacos FC Fiesta 2020
Titel-Story „Lights of Hope“ in der pma-Zeitschrift (06/2020), Photos von © Ralph Larmann
pma: Über welchen Zeitraum reden wir, wenn wir von der Entwicklung der Ursprungsidee und dem Beginn der organisatorischen Vorbereitungen bis hin zur endgültigen Umsetzung dieser fantastischen Show sprechen?

Asteris Kutulas: Es gab gar keinen „Zeitraum“. Ich bekam am 25.6. eine Einladung, am übernächsten Tag nach Athen zu fliegen, mich mit den Verantwortlichen von Olympiakos zu treffen und innerhalb kürzester Zeit ein Konzept vorzulegen, weil der Event drei Wochen später stattfinden sollte. Ich flog nach Athen, entwickelte innerhalb von zwei Tagen das Konzept für einen Doppel-Event im Stadion und im Hafen und erarbeitete dann mit meinem Team und dem Team von Olympiakos die Kalkulation. Die positive Entscheidung fiel am 6.7., also 13 Tage von dem Event. Es war eine – im wahrsten Sinne des Wortes – Wahnsinns-Herausforderung und eine unglaubliche Leistung des gesamten Teams, in der Kürze der Zeit parallel zwei Events einer solchen Größenordnung zu stemmen. Mir kam sowohl meine frühere Produzententätigkeit bei den mehr als 40 Gert-Hof-Events zwischen 1999 und 2010 zugute als auch der Umstand, dass ich mich in den letzten drei Jahren intensiv mit Show-Ästhetik, Bühnen-Design und Konzept-Kunst beschäftigt habe. Ich hatte also fertige Ideen im Kopf, die „nur noch“ auf die Umsetzung warteten.

Olympiacos FC Event by Asteris Kutulas (Olympiacos FC Championship Celebration)
Live-Act des Events: Kinderchor Piräus & DJ Antonis Dimitriadis, Photo von © Dionissis Koutsis
pma: Es steckt viel Arbeit in einem Design für so eine spektakuläre Show wie diese. Wie viele Menschen bzw. Teams waren daran beteiligt? Wer hat an der Erarbeitung des Designs und an der Umsetzung mitgewirkt?

Asteris Kutulas: Ich konnte mich bei diesem Doppel-Event auf phantastische Kollegen stützen, die innerhalb kürzester Zeit wahrlich „gezaubert“ haben. Ich meine den Projektions-Künstler Ross Ashton aus London, den Lichtdesigner George Tellos und den Feuerwerksdesigner Pavlos Nanos aus Athen, den Grafiker Achilleas Gatsopoulos aus Berlin und den Laserdesigner Daniel Brune aus Hürth. Und natürlich die beiden Komponisten Marios Joannou Elia aus Zypern und Alexandros Karozas aus Frankfurt, aber auch DJ Antonis Dimitriadis aus Athen. Für mich ist die Musik immer die „Mutter“ einer jeden Show, weil sie unmittelbar die Emotionen der Zuschauer anspricht und die Dramaturgie für den gesamten Event bestimmt.

Olympiacos Fiesta 2020  by Asteris Kutulas
Titel-Story „Lights of Hope“ in der pma-Zeitschrift (06/2020), Event-Photos von © Ralph Larmann, Asteris Kutulas Photo von © Guido Karp
pma: Bei jedem Showdesign ist das künstlerische Anliegen von Bedeutung. Was möchten Sie mit dem Showdesign dieses Events bewirken? Welche emotionale Dimension ist Ihnen wichtig?

Asteris Kutulas: Ich habe diesem Doppel-Event den Titel LIGHTS OF HOPE gegeben. Was den Pasalimani-Hafen in Piräus anbelangt, so ist damit erstmals nach der Covid-19-Anfangswelle 2020 ein Public/TV-Event in einer solchen Größenordnung realisiert worden. Ich wollte mit LIGHTS OF HOPE ein Zeichen der Zuversicht von Piräus in die Welt aussenden. Sowohl der Sport als auch die Kunst bringt Menschen zusammen, also habe ich diese beiden Welten „zusammengebracht“, um genau das zu vermitteln: Haltet zusammen! Kämpft! Liebt! Verliert nicht die Hoffnung!

pma: Gab es Hindernisse, die bei der Organisation und Planung (sowohl des Stadion- als auch des Hafen-Events) berücksichtigt werden mussten bzw. mit denen man rechnen musste? Wenn ja – wie konnten diese Schwierigkeiten bewältigt werden?

Asteris Kutulas: Die Situation der Covid-19-Pandemie schwebte ständig über der gesamten Organisation – wie ein Damoklesschwert –, was sehr viele dadurch bedingte Einschränkungen zur Folge hatte. Aber das größte Problem stellte die Kürze der Zeit, die weder für den Stadion- noch für den Hafen-Event eine Generalprobe zuließ. Das nur als ein Beispiel von mehreren. Wir mussten quasi „blind fliegen und landen“. Aber wir haben es geschafft. Das Olympiakos-Organisationsteam war großartig; ich habe die letzten sieben Nächte vor dem Event fast gar nicht geschlafen, Ross Ashton schickte die letzten Einzelbildsequenzen für die Projektion am Tag der Show, Daniel Brune erfuhr seine finalen Standorte 24 Stunden vor dem Event und war dadurch gezwungen, sein Laser-Design völlig neu zu justieren und zum Teil neu zu programmieren, Oliver Schulze musste im Stundentakt den Projektions-Content neu einspielen und testen lassen, George Tellos stellte 40 Stunden vor Show-Beginn fest, dass falsche Lampen geliefert worden waren, und der ziemlich komplizierte Aufbau am Hafen wurde erst am vorletzten Tag genehmigt. Das alles klingt doch nach einer recht sportlichen Leistung – oder?

Das Interview führte Lisa Schaft (pma)
Olympiacos FC - Lights of Hope Event 2020  by Asteris Kutulas
Titel-Story „Lights of Hope“ in der pma-Zeitschrift (06/2020), Photos von © Ralph Larmann

CREDITS | Lights of Hope
From Olympiacos FC & Piraeus to the World

Olympiacos FC Championship Celebration

Created & directed by Asteris Kutulas
Music Marios Joannou Elia, Alexandros Karozas & DJ Antonis Dimitriadis

Piraeus Children Choir conducted by 
Projection Art Ross Ashton
Laser Motion Design Achilleas Gatsopoulos
Light Design George Tellos
Laser Design Daniel Brune
Pyro & Fireworks Design Pavlos Nanos
Musical Directors DJ Antonis Dimitriadis & Alexandros Karozas
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Technical Director Aris Koudouris | Music Production Nick Elia & Alexandros Karozas | Light Programming & Operator Makis Anastasakis | Lighting Coordinator Irene Samartzi | Laser Programming | Bas Verstraelen & Merlin Schaadt | Media Technician Bernd Gröger | Projection Technician Robert Foerster | Technical Director Light & Video Equipment Oliver Schulze | Logistics Uwe Förster
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Pyro & Fireworks Nanos Fireworks Greece | Laser Equipment laserfabrik GmbH | Projection & Light Equipment OS-VT Veranstaltungstechnik | Light & Sound Equipment Tempo Events

Olympiacos FC Championship Celebration 2020

Olympiacos FC - Lights of Hope
Rehearsing the laser show at the Pasalimani Harbor, Piraeus
Olympiacos Event 2020  by Asteris Kutulas
„Lights of Hope“ Event, Pasalimani Harbor Piraeus, Photos by © Ralph Larmann

Olympiacos FC - Lights of Hope Event 2020  by Asteris Kutulas
Olympiacos FC Championship Celebration Piraeus – Photo © by Ralph Larmann

Mikis Theodorakis 95 Happening, July 2020

Mikis Theodorakis 95 Happening

with Otto Sauter, Johanna Krumin, Istvan Denes & Asteris Kutulas

For Mikis Theodorakis‘ 95th birthday Otto Sauter (trumpeter, GER), Johanna Krumin (soprano, GER) and Istvan Dénés (conductor, pianist, HU) came to Athens two days before, for a happening of his long-time friend and collaborator, the director & author Asteris Kutulas (Berlin), to congratulate the Greek composer in a very special way.

In Mikis Theodorakis‘ studio above his apartment in Athens – with an outstanding view of the Acropolis – they performed lyrical works for trumpet, soprano and piano, filmed them for Mikis Theodorakis and a worldwide release: The Aria of Medea from Theodorakis‘ opera „Medea“, two movements from his concerto for trumpet, which he had written for Otto Sauter, and the melody that made Mikis immortal: Zorba

Location: House of Mikis Theodorakis, studio and his veranda overlooking the Acropolis and Parthenon. This is where most of his operas and many symphonic works were written.

Mikis Theodorakis himself could not be present because of the Corona Pandemic, but heard the musical birthday greeting through the open window under his studio.

Johanna Krumin:
„Mikis wants to reach people, not be liked by them. This makes him free, as only few artists are really free: because the purpose of art cannot be to serve life, but only to serve the stars that shine above it. Chronia polla, dear Mikis.“

Istvan Dénés:
„The history of the Greek and Hungarian people is marked by constant struggles for freedom. For me as a Hungarian musician, Mikis Theodorakis is the symbol of freedom.“

Otto Sauter:
„Wherever I perform the trumpet concerto by Mikis Theodorakis in the world with symphony orchestra, the audience is moved and fascinated. To be able to play it at his home for his 95th birthday, with piano accompaniment only for him, is not only a gift from me to him, but also a gift for me!“

*** *** ***

Mikis Theodorakis 95 Happening, July 2020
Otto Sauter (trumpet)
Johanna Krumin (soprano)
Istvan Denes (piano)
Asteris Kutulas (artistic director)

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Video production

Music by Mikis Theodorakis, sung by Johanna Krumin & played by Otto Sauter (trumpet) & Istvan Denes (piano)
Directed by Asteris Kutulas
DOP Ludwig Wager
Cameras Vassilis Dimitriadis, Dionissia Kopana, Sabine Kierdorf
Sound Klaus Salge & Vassilis Dimitriadis
Editing Nikos Arapoglou
Production Asteris Kutulas, Vassilis Dimitriadis, Klaus Salge
Concept by Asteris Kutulas

Many thanks to Mikis Theodorakis, Rena Parmenidou, Yannis Sakaridis, Sabine Kierdorf, Ina Kutulas, Dionissia Kopana & MEGA TV

Mikis Theodorakis Acropolis view with Asteris Kutulas
Acropolis view from the apartment of Mikis Theodorakis in Athens (Photo © by Asteris Kutulas)

Lights of Hope – From Olympiacos to the World

Olympiacos FC Lights of Hope Event 2020  | Braving Covid-19 with a polymedial Olympiacos FC championship celebration | 19.7.2020 | Piraeus, Greece 
Olympiacos FC Fiesta 2020. It was a big honor to create and to direct the double event „From Olympiacos and from Piraeus to the World“ on the occasion of winning the 45th championship of the Greek Superleague 2020 by Olympiacos FC.
Through two multimedia live TV shows (NOVA & MEGA) from Karaiskaki Stadium and from Pasalimani Piraeus harbor I wanted to unite all of them: the players, the fans, the people of Piraeus, all of Greece and the world.
 
Olympiacos FC - Lights of Hope Event
Olympiacos FC – Lights of Hope Event, Karaiskakis Stadium, Piraeus
Olympiacos FC Fiesta 2020. Especially under the difficult and extreme conditions of the Corona pandemic it was important for us to give a sign of hope and confidence. Sport and also the arts unite people in these uncertain times. That’s why I have given my show the name „Lights of Hope“.
 
I would like to thank all my friends and colleagues and the fantastic Olympiacos team for the great cooperation.
 
 
Olympiacos Lights of Hope Event directed by Asteris Kutulas
Lights of Hope Event, Pasalimani Harbor, Piraeus (Photos by © Asteris Kutulas)
About the Olympiacos double event

On the 19th July, Olympiacos Football Club celebrated their 45th Championship title by winning the Greek Super League Trophy.  Taking place amidst an unprecedented crisis and pandemic in Greece, Olympiacos FC wanted this event to be a message of hope and optimism from Olympiacos to Piraeus, from Piraeus to Greece, and from Greece to the World.

They brought in Greek-German artist and director Asteris Kutulas to create a double event, both inside and outside the Georgios Karaiskakis Stadium in Piraeus.  His brief was to create the cup presentation event, and to send a message of strength, optimism, perseverance and hope.  The event was made up of two parts. 

The Super League Cup presentation ceremony took place inside the stadium.  The cup presentation ceremony inside the G. Karaiskakis Stadium featured 3D projection mapping, lights, lasers and pyro.  This was synchronised to a symphonic soundtrack composed by Marios Joannou Elia.

Outside in Piraeus Harbour there was a public event for the fans. The events inside the stadium were sent out to LED screens, whilst there was a separate show of lasers, lights and pyro around the water’s edge.  The music was remixes by Alexandros Karozas and DJ Antonis Dimitriadis.

Olympiacos FC - Lights of Hope Event 2020
Lights of Hope Event, Pasalimani Harbor, Piraeus (Photos by © Ralph Larmann)
Lights of Hope | From Olympiacos FC & Piraeus to the World
Created & directed by Asteris Kutulas

19.7.2020 | Piraeus, Greece 

Music by Marios Joannou Elia, Alexandros Karozas & DJ Antonis Dimitriadis 

Projection Art Ross Ashton
Laser Motion Design Achilleas Gatsopoulos
Light Design George Tellos
Laser Design Daniel Brune
Pyro & Fireworks Design Pavlos Nanos

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Technical Director Aris Koudouris
Music Production Nick Elia & Alexandros Karozas
Light Programming & Operator Makis Anastasakis
Lighting Coordinator Irene Samartzi
Laser Programming Bas Verstraelen & Merlin Schaadt
Media Technician Bernd Gröger
Projection Technician Robert Foerster
Technical Director Light & Video Equipment Oliver Schulze
Logistics Uwe Förster
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Pyro & Fireworks Nanos Fireworks Greece
Laser Equipment laserfabrik GmbH
Projection & Light Equipment OS-VT Veranstaltungstechnik
Light & Sound Equipment Tempo Events

Olympiacos FC - Lights of Hope Event, Karaiskakis Stadium, Piraeus
Rehearsing the show at the Karaiskaki Stadium, Photos by © Ralph Larmann

A Testimonial From “Nana” (Athena) Trandou

Asteris {a Greek name and word —extremely relevant to what follows—, meaning “Star”: That which shines enchantingly, indefinable, granting the wonder which allows for the autonomy in belief, and so, hope, despite antagonism; a light upon us, despite great distance and in darkest moments} has long been, in my eyes, an Ambassador of the Arts, Stage- Production and Greek Heritage for Greece, in Berlin.

From far off, his “Light” has been bright, making clear in every one of his works that an extraordinary ethos lay behind what he produces. Projects completed world-wide with Gert Hof, as well as the recent “Apassionata” Project, only begin to substantiate my claim.

I have seen, and see again in “Lights of Hope”, an urgency, a self-sacrificing effort, a focus of the highest degree in Asteris’ work. Yet it is not this drive, effort or passion which should fascinate us, but rather the meanings, concepts and ethics which incite such a complete focus for giving to others which must be noted. Asteris is sharing an idea which he holds within himself, and which makes this project of the highest level of Stage-Production and Art simultaneously. It informs his decisions and, entering into the process of creation, delivers unto us products only possible when containing such profound significance.

Such messages and ideas arrive by a creator’s sympathetic connection to and observation of past and present voices, events and creations. Having given Asteris energy, meaning, purpose, joy-of-union etc. they now seem to drive him, at all costs, to giving those messages/ideas back to the World.

Olympiacos FC Fiesta 2020 by Asteris Kutulas
Rehearsing with the Children Choir Piraeus, DJ Antonis Dimitriadis & Asteris Kutulas

While it is our choice to sympathetically connect which brings about our growth and happiness, we see an even more profound implication in Asteris work; he realizes and teaches that it is always actions in the immediate —the faith, dreams, hopes, sympathy, and resulting selfless-giving from others during their immediate (appearing to us as coming from the past) – –, that are ultimately required in order to allow any human to receive such growth. It is only by a human’s choosing in their immediate to take action and give, that those in a future moment may find something with which to connect and be inspired; to grow; to find that which drives us, in our immediate, to engage in a way which can provide such sources of connection and guidance towards selfless connection for future generations. It is not by watching in fear, but doing in faith, which may allow ourselves and others to become the links which continue to facilitate an ever-longer chain of connections, the passing of the light of thought, the carrying and passing of the eternal flame. It is only in this way that we, or they, as individuals, may choose to enter into a larger context, a context spanning hundreds or thousands of years, and so, which may be noticed and given to the entire World (no matter where or how it began).

Olympiacos FC Fiesta 2020 directed by Asteris Kutulas
Lights of Hope Event, Pasalimani Harbor, Piraeus (Photos by © Ralph Larmann)

I aim to give testimony to and emphasize for you the major significance of Asteris work by seeing:

1. The Olympiacos Team as a symbol of action and achievement, the production of a sense of union, joy and meaning in the immediate, despite darkness and antagonism; uniting not only the present inhabitants of the region it represents, but also all who have identified with the team over generations; uniting people despite dissonant social and economic conditions; creating the belief that greatness could be achieved in any circumstance and in a way which facilitates an otherwise impossible scale of human connection.

Creating evidence for the belief that it is their action which may become, as it does in Asteris hands, the reality-brought-about which may synergize with the ideas of a creator to show for all other people that it is this celebration in times of difficulty, this union in the face of isolation, this dreaming in the face of limitation, that produces the results in whose connection we may find the inspiration and impetus to continue the sharing, giving and connection which may then cause such beneficial receipt in others, ad infinitum.

2. It is the Olympiacos Team’s emblem and Title which lead us to a historical association of much larger scope and meaning. They, bearing the Daphne/Laurel-Crown and named after the athletes whose competing was a means to honoring the God Zeus, uniting entire City- States in their action, become a microcosm of the type of action which began as an expression of belief, and proof of the miraculous human achievement belief could bring about. Such action led to Panhellenic agreement, and eventually, after many generations of such giving, and the light (the thought, the memory of the results) which follows, the World’s recognition of, interaction with and receipt of the meanings of the event’s source. This birthed a world-unifying Olympic games at which burns a symbolic eternal flame; that fire is the thought, the meaning, the energy, the light which inspires each generation as and by the action which the previous generation took, by choice, to give to them.

3. It is Asteris’ observation of this confluence of:
a) This Modern Greek event-occurrence in the context of Pandemic.
b) The achievement-creator’s (the team’s) association with Ancient Greek messages. This achievement in the immediate by that message-bearing, symbolic unit (the football team) in the midst of the very darkness which most-requires the message contained in the Laurel- wearing adolescent, most-challenges us to continue in the immediate to pass that message, and most-demands awareness of the need and reason for selflessly carrying forth the meaning it possesses…
which results in…
c) Asteris, himself, becoming a crucial link —carrying and keeping the meaningful torch lit with the light of his thoughts, those found in its sources, mythologies, and ideas passed; pointing with all of his energy to the need for connection, immediate connective-action and selfless sharing, despite antagonism—, bridging the information gap between modern mankind and the future of our species, exactly by
his being able to observe, synthesize and express the meaning of the past, in and with the choices and actions of the present.

Olympiacos FC Fiesta 2020 directed by Asteris Kutulas
Lights of Hope Event, Pasalimani Harbor, Piraeus (Photos by © Ralph Larmann)

The work is imbued with myriad manifestations of connection; the invaluable bonds of family strengthened, and individuals united in belief and celebration of the symbolic group’s achievement across generations; the team’s emblem cries out the messages which these modern-manifestations of connection utilize and represent. The message-endowed Daphne, the Laurel-Crown, is shown as an emblem and then projected as light onto the field from which the meaning of the team’s immediate action emanates.
The youth of today stand by, applying masks obediently, closing their mouths and stifling their breath of life as they face the darkness, and yet, they are present for the celebration which has been called into appropriateness (by the team’s having competed and achieved despite circumstances isolative; so, proving the awareness of a symbolic and unifying role, as they dreamed and strived together in empty stadiums). The youth stare up in amazement and awe as those who have found a reason to and a way to express that there is something greater than the limited, fixed, defined, oppressive and isolating rules and ways of States and powers, do so. The youth, not yet knowing such reasons or ways, are shown that there
is something to seek; they are offered examples of what type of excitement, energy and increased ability such effort, seeking and selfless giving can grant us. They are encouraged by the words, lights and images, which constitute Asteris’ work, that it is now that they must act, that they

must remember to seek, that they are free to do so, that they will find, and that when they do, they will receive the energy, the belief, the informing meaningfulness, the sense of union which will give them, rejoicing, the purpose and inspiration to create and act in ways so great, for others.

———————

This is a matter of history. It is a matter of individuals taking action, despite difficulty, antagonism or discouragement in their immediate circumstances; to invent beliefs, achieve great feats by believing, and to create meaningful works. It is a matter of the messages of an ancient mythology being embodied by a team whose actions reflect its message, those messages being thereby brought into interaction with the present, alive, and the choice of an artist to see that synthesis and to create in a way which gives completely in order to show, guide to and emphasize that inspiring meaning and synthesis now manifested. This is what makes history; our choices as individuals.

It is our choice as individuals in our immediate time and place to sympathetically observe others and the past (to become inspired by and change due to such interaction) which allows us the choice to give what we have found in such interaction, to the future. We make the choice to selflessly listen and give in order to create and become that which can link our generation to other generations. One football game alone is but one game; but that one game played well, with self-sacrificing effort, is crucial, for it will be seen by the youth (that indefinable thought that drives the player to so risk and greatly perform kindles in the mind of the observer, the youth, an unlimited and imaginative seeking for such unknown value), and inspire the future games which will redefine that first game as the source of a tradition or a way; this is an analogy for all creation. It is when one culture passes one thought, symbol, light or message across generations, by such action in the immediate, that that light then not only has defeated physical death (Time), but also comes to represent an entire culture and so is witnessable by all of humanity; it breaks the barrier of borders, interacting with and giving to all.

As is reflected in a team like Olympiacos offering togetherness, joy, and awe-inspiring accomplishment during moments of darkness throughout history (through War, Crises and now, Pandemic) by sacrificing for collective effort, as a symbolic unit, so we see how creators and athletes alike may connect across time and space. Hence, the synergy of the team’s immediate history, and its emblematic relationship to a larger historical meaning/scope, are displayed powerfully by the artist.

Asteris masterfully assists us in witnessing the Olympiacos team as the present embodiment of the faith and achievement which is the intended result of the mythological messages their emblem boasts. They represent all such message-passing, “Lights of Hope” in any circumstances, and it is the Artist’s job (accomplished superlatively) to guide us to finding that truth in ourselves; to finding the message implied in the action of the team, and how and why we should do the same. That no matter what our vocation, no matter what our circumstances, it is creating such light in darkness which makes such light perceivable to others and so, unites us in ways otherwise impossible; across eras and borders.

Asteris leads us to see that, no matter what —without fans present, without profits, with little time or resources, with fear ever-present—, it is our persistence to hope, dream, believe, give, attempt and share which can allow for messages (whose creation and purpose is seemingly

disparate from our immediate lives or roles; like an ancient mythology) to enter into interaction with the present, affecting all of humanity, at any time.

It is our choice in the immediate to dream and attempt, then creating and acting —despite discouraging darkness driving us to isolation and inactivity—, which become the memories, the truths, the World in which those ‘things’ may be found which inspire the present to create again; so, connecting all humans across all times and locations. It is the action of each ‘team’ in its own time and place, the message in one creation made during one life-time, which connects all teams and all artists across millennia by their and our choice to give now, in the immediate, as individuals. “Lights of Hope” is sympathetically and generously riddled with paths and guidance to such most-crucial metaphysical information for Humanity and so, is of the highest level and value as a Production and a work of Art.

I need no more than mention his exemplary use of every resource available and his message- emboldening interaction with music, aware that we all witnessed the widely-relatable power that such selfless and significance-endowed creation can produce.

 

Lights of Hope by Asteris Koutoulas
Olympiacos FC – Lights of Hope Event, Karaiskakis Stadium, Piraeus

I suggest that, as a light may be used in stage-production for the functional purpose of making the actor visible, so may a set of codified words be used in the newspaper for the articulation of a common occurrence.
Yet, it is when we see stage-lights used to express a thought (a message which has brought the creator a sense of union, meaning, hope, completeness, happiness etc.) by someone who desperately wishes to share what they think, feel and understand —so others may utilize that same source of hope, energy, and sense of union—, that we leave the newspaper and head into the world of message-passing; Mythology; Art.

By looking into “Lights of Hope” this way, we come to see the messages and ideals of Ancient Greece found in the Olympiacos emblem, emphasized, recreated and brought into present interaction most-clearly and profoundly. This message, mind you, addresses all of Humanity, in every place and epoch. The messages found in such a source are not for or about that time or place, but rather about Humanity’s condition and the path to its nourishing connection with the World around it.

So, as I find Asteris growing from a sort of Ambassador for Greek Art/Production/Heritage in Berlin, to shining his light and the light of our people upon the entire World, I too have come to understand that the drive/urgency/effort/selflessness I consistently find in his work is not that of a draconian stage-producer, but that of an Artist using stage-production to and for its highest potential. I find someone using the abstract techniques he has mastered by extensive experience in every facet of stage-production in order to send a message which was birthed inside him, to and for others (having been guided by similar light from the past; and as it seems, largely influenced by his culture’s ancient beliefs).

It is this significance, this meaningfulness and all-giving focus that is the source of our not just saying, “Whoa! Wow!”, upon witnessing his work, but rather, being brought to tears as we watch the “Lights of Hope” unfold before us.

Asteris Kutulas & Olympiacos
Olympiacos FC – Lights of Hope Event, Karaiskakis Stadium, Piraeus

The Olympiacos Football Club is one directly affiliated with these ‘guiding lights’ and ‘beliefs’; the ideals of Ancient Greece, its Gods and mythology, and subsequently the teachings, concepts and meanings therein. This is confirmed and made irrefutably clear in their appellation and emblem.

When we witness such an achievement as Asteris has made occur within just a few weeks, we wonder, we are in awe, and we find it to be magical; impossible. Yet, it is when in the darkness of a pandemic —with fear-derived isolation threatening the passing of knowledge, ego-driven power-structures attempting to remove belief, art, sharing, creation, connection from the list of urgent priorities, in the face of the limiting and discouraging of the activities which spread such knowledge—, it is in such great darkness that stars shine the brightest, bringing us the greatest sense of awe, peace, connection, relief and limitless inspiration.

It is by a team bearing the mark and name of the ancients (the ever-burning torch of knowledge which spreads the light of Wisdom upon millennia), engaging someone who possesses that light, knows how to give it to others and sees the immediate need for the profound nourishment they may gain from it in darkness and lacking, that such creation comes to exist; that a star, Asteris, shines brightest.

We see the “Laurel-Crown”, featured in the team’s emblem, appear in Asteris’ projections throughout the work. Accompanied and juxtaposed with words and phrases like “Create”, “Love”, “Be Free”, “Hope” and “Keep dreaming…”, we are given the most sympathetic and selflessly-derived opportunity to receive the message held by that Laurel-symbol, the light long-passed by the Greek culture and now by Asteris himself; a message embodied by the activity of the Olympiads; games crucially rooted in mythology. I will articulate this most- relevant Laurel-message soon.

These games, games not unlike modern football, were engaged to honor Zeus, and so to remind us and teach us of the otherwise impossible feats belief in such Gods could bring to us; how, inspired by the messages found in mythology, Mankind could sacrifice energy-of- self, choose to give increased effort and focus for others, and so achieve things which are beyond the individual’s capacity if/when alone and meaningless. We were offered evidence of reason for and memories by which to recall the potential in/of connection with all things.

These were Panhellenic competitions which, by one person’s sacrifice and effort, could bring together entire city-states; such unification occurs today as each team represents a region or urban area. Notably, the area which Olympiacos represents is Piraeus Port: an age-old gateway to the Western World, suggesting not only the possibility of regional unification, but a message’s ability to unify all of Humanity.

While it is not my place or purpose here to tell, it is integral to mention Asteris’ use and recognition of the Laurel-Crown of fabled Apollo in his portrayal of the significance of this particular team’s achievement in and despite dark times. Again, this achievement and achievements like it will become the inspiring light which unites our immediate reality with a future immediate, forming connections, sources of energy and inspiration otherwise impossible.

The Laurel or Daphne, ‘stefani’ or crown, came to be when Daphne, fleeing from Apollo’s loving pursuit, gave herself to the will of the Gods, praying to her father the River God Peneus, to be saved, changed from her Apollo-attracting form, sacrificing her volition and physical existence so to remain in accordance with her Artemis-oriented beliefs. It was her belief that his catching her would produce horrible results (despite his only wishing to love

her) which allowed her to give herself, to sacrifice herself to the will of a God to such an extent that it resulted in an otherwise impossible, immortality-granting transformation {this is, as a creator or athlete may give all of themselves to give to and for others, the path to discovering new meanings and possibilities in the self, to changes, transformations, metamorphoses, only possible when in such degrees of selfless connection}.

But it is Apollo’s reaction which is of highest relevance here. He approaches and speaks to the tree (once the woman who so vehemently refused him), promising to honor her forever, showing that his love was true, not an animalistic hunger, but a human desire to connect, and so, she droops (as if lowering her defense) and her beauty is seen and remembered as a glistening in her leaves.

This is the message in the Laurel: That there is an autonomy-granting, companionship- providing, all-uniting and meaning-producing value in unconditional Love and admiration of others —despite loss of what we think we should have, what we immediately desire or consciously intend, and no matter what shape or form in which an ‘other’ appears—, available at all times; a type of loving focus always within our choice to give; in all epochs and places. And that this unconditional Love is the selfless human focus which may unite us, by the autonomy in conscious choice, with all others (all other humans, creatures and things, like the Laurel Tree, which exist along with Humanity across millennia) in a way which can offer us a sense of reconciliation, and end to loss and loneliness, increased interaction with surroundings, meaningfulness, purpose, identity, uniqueness etc.

Hence, the Laurel or Daphne Crown (“Δαφνοστεφανομένος έφηβος”, the “Dafne-crowned Adolescent”; a name for the team’s Emblem-Character) holds this ancient meaning. It is this type of love Apollo showed, to focus selflessly on others, to connect to and give to others despite loss or unavailability of the physical or immediate circumstances which may have animalistically, egotistically or fearfully driven us towards them, that the team who wears the Laurel embodied in their immediate, achieving action despite darkness; a modern-day embodiment of a meaning which, more than ever, needed to be reconfirmed, reminded of, brought back to life, shined light upon, and reignited by a great artist like Asteris.

What we bear witness to here is the work of an Artist carrying an ancient message, a Light, the energy of thought, coming off a torch which is always burning. And yet, a Light which has nearly gone out many times and will go out without our sympathetically receiving it and choosing to pass it forward; by lovingly listening and then sympathetically giving and creating in the present. Asteris is one of the few who has comprehended such messages; been inspired, nourished, informed, guided, energized, given new meaning and purpose by such light. It is guidance towards the path to finding this experience and its source in and for others, for which he shares it.

All the while, he remains aware of and emphasizes in his work that it was the selfless choice of others to take action by creating, sharing and giving in their immediate, in their present, during the now, in our Life, in their Life, in his Life, which is the only thing that could allow him to receive such knowledge. Were there no immediate action in the present of ancient times, there would be no mythologically-derived messages to take present action in order to share the light of.

It was creation, sharing, human connection, his own hope, the guidance to believe, being shown means to finding more meaning, sources of value, purpose, increased possibility in life, being offered limitlessness in imagination, which allowed him to receive such

knowledge, by choosing to sacrifice his own energy for connection; to receive the messages existing within that which was once given, for connection.

Olympiacos Lights of Hope Event directed by Asteris Kutulas
Lights of Hope Event, Karaiskakis Stadium, Piraeus, Photo by © Ralph Larmann

It is a team, a group giving their full effort for the sake of others, a symbolic entity providing a sense of unity for a larger group of individuals (again, small connections producing great ones), having succeeded, having come to achievement and redefinition in a time of great darkness, and despite such darkness producing joy, new accomplishment and increased connection —and all while bearing the mark of the Apollo’s Laurel—, that seems to be so meaningful and valuably illustrated by Asteris. For he could have shined light on the participants, he could have adequately and functionally produced, but he did not; he did much more.

Hence, we see in the first moments, in the exposition of the work:
1) The Heart: The physical embodiment of the choice to unconditionally love and focus on others.
2) The Star: The light which shines and enchants us, which by its indefinableness gives us the chance to think and believe in a way which, unique, causes a positive psychological effect, and especially in the greatest darkness.
3) The Emblem of Olympiacos: The Laurel Crown which carries the meaning of such unconditional love which, worn on the head of the adolescent (symbolically meaning that it is shown/offered/demonstrated/taught, by whatever means, to the youth of any generation), may guide them to finding within the self the purpose of selfless giving and connection, of the unconditional focus of love, and come to receive the nourishment which results from a completer truth or understanding of self, a growth, aliveness as the interaction which is change or redefinition having found new meaning during sympathetic identification with others; what arrives when we dream, hope, observe, interact, give selflessly to those distinct from us, seemingly separate from us (like a tree), despite antagonistic conditions (like a pandemic), by having been guided by others to see that there is something to seek and that it can bring great joy, meaning, energy and connection (as in the achievement of a team, or the creation of Asteris).

Soon after in the work, the emblem, as with the people, athletes and fans of history, become purely light (light, as they are when carried across time and space, as meaning) which is shined onto the field. They become perceivable again, they come into interaction with the present now as energy, meaning, light, yet, alive again (as life is interaction) when they are redefined, changed by this immediately enacted 45th achievement (and one which took place despite darkness). What happened on the field where they now become perceivable, as light/meaning, is what has made them perceivable. They, shining, becoming apparent and interacting, alive, remind us of and unify us in their meaning and their source. We are reminded that they may only come to be seen if and when an individual or group of individuals enters into choice and action in the immediate to give themselves, their effort, for others; so, bringing into the present interaction and making available for the future the light of the past which guided them to make such selfless choice.

We see here, and from Asteris poignant text, that “We are the World”. That the World will become what we give to it, and what we become within it; that it will become based on what we do with it today, now. That “Life is Beautiful”, “Όμορφή ζωή”. That it is our admiration of and connection with the World immediate, no matter how seemingly distinct, antagonistic,

dissonant, or enigmatic its forces/factors/conditions, which is our source of that loving identification which may bring us meaning, connection and nourishment.
Images of peace, brotherhood across cultures and peoples, connections between eras, within families and across borders all lend more implications to the possible power of the meaning held within the Laurel Crown, now saturating the field as light; the light which great immediate action has incited, again, into existence; the light which has burned and been passed, as a torch, for millennia, now held by Asteris.

It is shown that it is dreaming, “We keep on dreaming!”, which brings about such greatness, union, reason for celebration and creation; which brings into interaction with the immediate the light of the past. It is limitlessness findable by the unfixable meaning/potential/value in the nature of stars and stories, Gods and mythologies, symbols and creations, that permits the belief which allows us to interact selflessly, unassumingly, in a non-encumbering way with a tree, with someone different from us, an uncertain future or an antagonistic immediate; in a way which can show us new meaning about ourselves and others. Redefine the past. Create the World.

{We are no longer the 44-time winners; we are the 45-time winners who, despite darkness and recalling our role as a symbol, a connector of people, and carrying ancient messages which have united all of our people throughout history —changing the world entirely—, sacrificed today, to shape the World in this way.

I am no longer Apollo chasing Daphne, but the God who shows that, despite the loss of the physical/material object of his admiration, he retains the choice to love that in which he may see, imagine or remember his beloved; no matter how distinct from him an ‘other’ appears, he may look into it lovingly and find that of the beloved which he admired, and feel connection; that it is that unconditional love which allows one to find in that which is ever- present, like a Laurel tree, a sense of union; he becomes the one which holds the light of this meaning, the function and purpose of unconditional love, in a crown made of Laurel.}

It is that which we may hold in autonomy, which we may choose (especially provided by that which is indefinable), which is our freedom. “Have Faith”, “Be Free”, “…Keep on dreaming”, Asteris says. It is this type of choice and freedom of thought which redefines and changes something like ten years of loss or failure into an “Uphill” battle toward a most- rewarding success. Ten years of loss is redefined as the qualifying factor and necessary process for our most profound success. This is how we shape the World. Only with belief, by dreaming, by choosing to have faith in that which we can belief in ourselves, by ourselves, can we look out, can we seek without fear, without self-doubt, ego or assumption, in a way which allows us to find new meaning through our connection to others.

Asteris draws the parallel between the winning a team can do, the belief a person can have, and the survival of a species (“Survive!”) which, for its idiosyncratic humanness to be present (without these human-particular traits, it is not humanity that survives, but rather humanity which is extinguished, becoming a non-human entity), must engage in such connective gestures during each generation, no matter the circumstances.

He shows the masked children of the future looking out with some unsureness, donning their masks in obedience and concern, and yet being shown that there is a reason to win, to succeed, to fight, to be free, to search, to find, and to create the World by their choices and actions. He makes clear that this message offered by himself and the Olympiacos team is not only to the youth, not only to Olympiacos fans, not only to the Greek people, but to the entire World; for it is the World which is addressed by such messages.

And he shows that it takes real individuals, on single days, from specific neighborhoods and tiny villages, making the choice to connect, to give, to be selfless and sympathetic in identification with all others —as is symbolized/embodied by the unconditional Love of the Laurel-Crown, the love of the other, the tree, allowing us to find identification within it and a sense of union through it, in autonomy, forever—, a choice which we always possess the ability to make, but which can only be made alone, during each generation, for such a message to reach future.

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Asteris reminds us, shows us, guides us to seeing that it is having a dream, a belief, hope, faith, and by creating, attempting, connecting, sharing, giving, in the now, which is the very foundation of the message offered in the mark worn by the team which executed such choice in this year’s competition. His astounding and profound artistry asks the viewer to wonder why they are weeping, why they are so awestruck beyond that way they might be by some gymnastic and bombastic display. He shows us through what he chooses to emphasize, repeat, vary and place before us in elapsing time, such truths, and makes perceivable such messages.

It is our possessing the “Hope”, “Dreaming”, using the “Love”, and choosing to “Create” in the immediate, in the now, despite darkness and antagonism —despite what seem to be limitations and discouragement; despite a sense of uselessness, fear and unsureness—, that allows us to find in others, in connection, that which inspires us. And it is by taking action now, creating now, spreading the light we found represented and embodied in the choice of others to take action, as did the Olympiacos team for their region, as did the creators of the mythology which, passed for millennia, still burns with meaning on the team’s flag, that we become the Light for the next one who needs it; “Lights of Hope” in the dark, like Asteris, for Humanity across the World and all of Time.

Nana Trandou and Daniel J. Hyde

 

Sag: Himmel. Auch wenn keiner ist (Über Jannis Ritsos)

„Eine gute Maske für schwierige Zeiten: der Mythos“ – Über Jannis Ritsos

Als Vorwort zum Jannis Ritsos Film

Der griechische Dichter Jannis Ritsos, der 1909 geboren wurde und 1991 starb, notierte in einem seiner Gedichte: „Mein Beruf: Worte und Worte. Lumpensammler nannte man mich …“ Ritsos war tatsächlich zuallererst Lyriker, allerdings nicht einfach nur „Lyriker“, sondern er lebte wie kaum ein anderer ein „poetisches Dasein“, Tag um Tag, Gedicht um Gedicht, Zeile um Zeile. Er berief sich immer wieder auf die Hunderten von Dramen, die Aischylos oder Euripides geschrieben hatten, und verteidigte sich gegen den (leisen) Vorwurf, ein „Vielschreiber“ zu sein, mit dem Postulat, sich als „Arbeiter des Worts“ zu verstehen. Er war tatsächlich ein homerischer Dichter, der aus allem Poesie machte, der eine unerschöpfliche Phantasie hatte und den eine scheinbar automatische Schreibweise ständig drängte, immer neue irre Bilder, tiefgründige Metaphern und glasklare Verse zu erschaffen.

Mit zwölf verlor Ritsos seinen Bruder und seine Mutter, die innerhalb von drei Monaten starben, mit 17 erkrankte er an Tuberkulose, die ihn zu insgesamt sieben Jahren Sanatoriumsaufenthalt in Tbc-Asylen (zwischen 1927 und 1936) zwang. Nachdem er den gesellschaftlichen Ruin seiner einst adligen Familie aus Lakonien miterlebt hatte, schloss er sich Anfang der dreißiger Jahre der kommunistischen Bewegung Griechenlands an. Und trotzdem blieb er Zeit seines Lebens – ähnlich Pier Paolo Pasolini, dem er mehrere Gedichte widmete – der Bohemien der dreißiger Jahre, der noch während der Verbannung auf den Gefängnisinseln Jaros und Leros Ende der sechziger Jahre in einem Pelzmantel herumlief – sehr zum Befremden vor allem seiner Genossen, und Jahrzehnte schon, bevor die Rapper-Generation dieses Outfit popularisierte. Diese Abgrenzung war notwendig, denn Ritsos hatte zwar das riesengroße Glück, durch die Theodorakis-Vertonungen seiner Gedichtzyklen „Epitaph“ und „Griechentum“ weltbekannt zu werden, aber er hatte auch das riesengroße Pech, in den Augen vieler zur Literatur-Ikone der kommunistischen Linken zu erstarren. Und kein anderer hat darüber so offen, desillusioniert, aber auch humorvoll geschrieben, wie er selbst.

Würde man die innere Zwiesprache, die Ritsos über sechzig Jahre mittels seiner Dichtung geführt hat, nachvollziehen, würde sich die unsichtbare Biografie des Dichters durchaus rekonstruieren lassen: die sehnsuchtsvolle Melancholie der dreißiger Jahre; die ironisch-verzweifelte Sicht auf Krieg und Bürgerkrieg, die „Reinheit“ als Überlebensstrategie in den Vierzigern; die existenzialistische Nachdenklichkeit der fünfziger Jahre; die Flucht in den Mythos, in die als notwendig empfundene Maskierung der sechziger Jahre; Fragmentarismus und die Auseinandersetzung mit dem Tod als soziales Phänomen Anfang der siebziger Jahre; die Entdeckung der neuen Einfachheit und der Dialog mit dem Tod als individuelles Phänomen in den Achtzigern.

Diese – hier grob und schematisch skizzierte – innere Zerrissenheit und außerordentliche geistige Flexibilität blieben bei Ritsos zeitlebens hinter einem in der Öffentlichkeit konsequent vertretenen dialektisch-marxistischen Standpunkt verborgen. Für den Dichter keineswegs ein Widerspruch, denn möglicherweise war diese Fixierung, „ein Dichter des Volkes“ zu sein, wie er populistisch (aber auch voller Sympathie) genannt wurde, für Ritsos die Voraussetzung, seine geistigen Experimente und poetischen Phantasien – gleichsam vor aller Augen im Verborgenen – auszuleben: „Eine gute Maske für schwierige Zeiten: der Mythos“.

© Asteris Kutulas

Cover-Photo © by Asteris Kutulas
Jannis Ritsos Film Poster-Foto © by Privatier/Asti Music

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Ich habe meine Begegnungen mit Jannis Ritsos zwischen 1982 und 1989 in meinen Tagebüchern dokumentiert. Asteris Kutulas 

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Jannis Yannis Ritsos "Sag Himmel: Auch wenn keiner ist"
Plakatentwurf für den Film „Sag Himmel: Auch wenn keiner ist“ (Photo by Privatier/Asti Music)

Sag: Himmel. Auch wenn keiner ist – Begegnungen mit Jannis Ritsos

Directed by Joachim Tschirner
Written by Asteris Kutulas & Joachim Tschirner
Music by Mikis Theodorakis

Cinematography by Rainer Schulz | Editing by Karin Schöning | Dramaturgy by Beate Schönfeldt | Production Management by Hans-Christian Johannsen | Sound Mix by Peter Dienst | Graphics by Margot Hoppe | Motion Graphics by Moser&Rosié
Historic footage from the movie „The Document“ by Tassos Lertas
Many thanks to Pantelis Giatzizoglou and Vaso Kostula (Athens)
Produced by DEFA-Studio für Dokumentarfilme (East Berlin)

57 minutes | 35mm | 1984
Premiere: 10.10.1985, 34th International Film Week Mannheim
Original German title: „Sag: Himmel. Auch wenn keiner ist – Begegnungen mit Jannis Ritsos“ 

Jannis Ritsos Film Erstausstrahlung im DDR-Fernsehen (1.Programm): 12. Mai 1985

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Film-Rezensionen

Mannheimer Morgen, 11.10.1985
Bericht über die Internationale Mannheimer Filmwoche
„… Dem Regisseur Joachim Tschirner (DDR) gelingt es ohne falsches Pathos, ohne eine erzwungene ideologische Botschaft, einen Künstler zu porträtieren, der sich zeit seines Lebens dem einfachen Volk der Fischer und Bauern verbunden fühlte und die Leiden der Armen und Erniedrigten in seinen Versen und Zeichnungen umsetzte. Mit Hilfe von alten Photos und historischem Filmmaterial werden die Stationen im Leben von Ritsos aufgezeichnet, dessen Leidensweg in die Verbannung gleichzeitig für die Geschichte des ganzen griechischen Volkes steht … Beeindruckend sind besonders die Gespräche mit dem Künstler in seiner Athener Wohnung, der ohne viel große Worte zu machen eine beseelte Ausstrahlung besitzt. Ein Künstler, der noch mit 75 Jahren seinen Kampf führt, ‚gegen die Verzweiflung und für das Leben'“. 



Rhein-Neckar-Zeitung, 11.10.1985
… Jannis Ritsos ist bei allem engagierten Widerstand und lautstarkem Protest in seinen Werken und seinem Leben ein ruhiger, nach Harmonie strebender Mensch. Der Film über sein Leben trägt diesem Aspekt Rechnung. Tschirner vermeidet Hektik und Unruhe in seinem Porträt. Bei der Zusammenstellung von Interview-Szenen, Dokumentarmaterial und Landschaftsbetrachtung geht er behutsam vor. Für den Menschen Ritsos, dessen Leben sich in der Umgebung und Historie widerspiegelt, nimmt er sich mit langen Einstellungen viel Zeit. Dafür braucht man Mut. So erkennt Tschirner auch, daß der Dichter Ritsos und die Geschichte Griechenlands nicht voneinander zu trennen sind. Die Biografie des Künstlers ist gleichzeitig ein sensibel umgesetztes Porträt seines Heimatlandes.“

Begegnungen mit Jannis Ritsos (Tagebücher 1982-1989)

 

Hellas Filmbox Berlin – Ein Statement

[Ich muss zunächst vorausschicken, dass ich weder Ahnung habe vom griechischen Film noch jemals daran interessiert war, Festivaldirektor zu werden – darum blieb ich es nur für ein Jahr (2015/16), dann übergab ich die Festival-Direktion an Sandra von Ruffin, die eine Mit-Begründerin von Hellas Filmbox Berlin und im ersten Jahr Vize-Festivaldirektorin war. Ich blieb weiterhin als Berater von Hellas Filmbox tätig und war von 2016 bis 2019 auch Creative Director des Festivals.] 

Hellas Filmbox Berlin Statement von Asteris Kutulas
Plakat Hellas Filmbox 2017 mit Stathis Papadopoulos, fotografiert von DomQuichotte, Creative Director Asteris Kutulas, Art Director Achilleas Gatsopoulos

Hellas Filmbox Idee

Als Ina Kutulas und ich Anfang 2014 den Gedanken hatten, ein griechisches Filmfestival zu gründen, geschah das aus dem Impuls heraus, zu reagieren auf eine für uns unerträgliche, hysterische Situation in Deutschland. Zum ersten Mal seit dem 2. Weltkrieg wurde sowohl von einem Großteil der deutschen Medien als auch von deutschen Politikern und Regierungsmitgliedern nicht die Politik eines anderen Landes, wurden nicht bestimmte politische Entscheidungen oder Parteien eines anderen Landes kritisiert, sondern ein Volk insgesamt stigmatisiert. Dieser Zustand der Herabsetzung und Verteufelung „der Griechen“ dauerte von 2010 bis 2015. Wenn man sich die Verlautbarungen der deutschen Medien und der deutschen Politik aus diesen fünf Jahren ansieht, wird man erschlagen vom Tonfall, aber auch von der Denkungsart, die sich mit diesem „Griechen“-Bashing offenbart.

Wir wollten 2014 mit unseren Mitteln als Künstler darauf reagieren und dem etwas entgegensetzen. Wir beschlossen, das Bild eines „realen“ Griechenland – gesehen durch die Augen griechischer Filmemacher – in der deutschen Hauptstadt zu präsentieren. Ein Jahr später, Anfang 2015, war es soweit: Gemeinsam mit einigen Partnern, Kollegen und Freunden gründeten wir zusammen die Deutsch-Griechische Kulturassoziation e.V. – und Ina Kutulas fand den Namen für das Festival: HELLAS FILMBOX BERLIN. Dann, im Januar 2016, die erste Edition von Hellas Filmbox Berlin. Auf dem Höhepunkt des Griechenland-Bashings machten wir eine klare Aussage: „Die Griechen kommen!“ Und noch ein Slogan, der es in sich hatte: „71 Filme in 4 Tagen – Soviel Griechenland hast du noch nie gesehen“! 

Ich schreibe das, um kenntlich zu machen, warum die Voraussetzungen dieses Festivals im Vergleich zu denen der meisten anderen Festivals so unikal sind und weil das erklärt, warum unser Festival so geworden ist, wie es ist.

Hellas Filmbox Marketing

Um unser Ziel zu erreichen, mussten wir unseren Fokus erstens auf die deutsche Presse und zweitens auf das deutsche Publikum richten. Es würde zu weit führen, hier die Kampagne zu umschreiben, die uns zum Ziel führte, ausserdem habe ich das bereits im Artworking Hellas Filmbox-Text umrissen.

Und die andere wichtige Komponente war, dass wir von vornherein unser Festival als „Event“ und eben nicht als ein „traditionelles Filmfestival“ vermarktet haben. Diese Herangehensweise hatte mehrere Konsequenzen:

Punkt 1: Um das deutsche Publikum und die deutsche Presse überhaupt zu erreichen, mussten wir die Filme deutsch untertiteln. So bekamen von den 132 Filmen, die wir bei den ersten beiden Festivals gezeigt haben, 65 Filme deutsche Untertitel. Wer etwas Einblick hat in den Prozess des Übersetzens und des Untertitelns, ahnt, was das für eine Mammutarbeit und was das für eine kulturelle Leistung war (auch für die deutsch-griechischen Beziehungen).

Punkt 2: Wir mussten Ideen für Home-Stories, Bilder und Slogans entwickeln, die eine Chance hatten, von der deutschen Presse als Text und Bild überhaupt wahrgenommen und veröffentlicht zu werden. Auf diesem Feld waren wir so sehr erfolgreich, dass wir schon durch die ca. 250 Presse-Veröffentlichungen bei jedem Festival der ersten drei Jahre zum größten kulturellen Ereignis außerhalb Griechenlands geworden sind. Zusätzlich haben wir tatsächlich erreicht, das negative Image Griechenlands auszugleichen dadurch, dass wir das positive und kreative Griechenland wieder erfahrbar machen konnten, weil wir diesem Griechenland eine starke Präsenz in Deutschland verschaffen konnten. Wir schafften es – vor allem mit Hilfe von Sandra von Ruffin –, dass in der „Bild“, der damals mit 10 Millionen Lesern auflagenstärksten Zeitung Europas, in der Neujahrsausgabe 2015/16 über HELLAS FILMBOX BERLIN geschrieben wurde. Das war die erste positive Berichterstattung über Griechenland in der „Bild“ seit 2010.

Sandra von Ruffing wurde zum „Gesicht“ des Festivals, seine Botschafterin. Es folgten Veröffentlichungen in „Stern“, „Focus“, „Süddeutsche Zeitung“, „Tagesspiegel“, „TAZ“ und anderen Printmedien sowie in vielen Fernseh- und Radio-Sender, bis hin zu einer ganzen Seite in der „Zeit“ unter der Überschrift „Die kleine griechische Berlinale“. Wer von Werbung eine Ahnung hat, weiß, dass wir hier einen Werbe-Effekt für Griechenland und auch für dessen Filmkunst erzielen konnten, der einem mehreren Millionen-Wert entspricht.

Hellas Filmbox Berlin Statement von Asteris Kutulas
Plakatentwurf von Achilleas Gatsopoulos für das erste Hellas Filmbox Berlin im Januar 2016

Punkt 3: Voraussetzung dafür, dass wir unser Ziel erreichen konnten, viele Menschen ins Kino zu holen und den griechischen Film für ein deutsches Publikum attraktiv zu machen, war es, HELLAS FILMBOX BERLIN nicht als Filmfestival, sondern als ein Event zu vermarkten. HELLAS FILMBOX BERLIN – das war 2016 und 2017 ein kulturpolitisches Statement; wenn man so will: eine „kulturelle Unabhängigkeitserklärung von der Tagespolitik“. In der aufgeheizten Atmosphäre und in Anbetracht des sehr gespannten zwischenstaatlichen Verhältnisses von 2015 lautete der Slogan für das erste HELLAS FILMBOX Festival: „71 griechische Filme an 4 Tagen“. Das war eine klare kulturpolitische Message, die Eindruck machte. Denn über „die Griechen“ wurde damals sehr viel gerichtet, ohne dass sie selbst zu Wort kommen konnten. Das kreative Griechenland existierte nicht mehr in der deutschen Berichterstattung. Dieses kreative Griechenland brachten wir durch HELLAS FILMBOX BERLIN in die deutsche Hauptstadt (zurück).

Hellas Filmbox Berlin

Das Projekt HELLAS FILMBOX BERLIN war so erfolgreich, dass im Januar 2018 unser Partnerkino in Berlin, das „Babylon“, als „Warm up“ zu unserem Festival 30 griechische Filme in 70 Screenings gezeigt hat, also einige Filme mehrmals. Das lässt deutlich werden, dass HELLAS FILMBOX BERLIN den griechischen Film so wettbewerbsfähig in Berlin gemacht hat, dass eine deutsche kulturelle Einrichtung auf eigenes Risiko zahlreiche griechische Filme zeigte. So etwas hat es, meines Wissens nach, in diesem Umfang nirgendwo anders gegeben – vor allem, wenn man bedenkt, dass sich dieser Prozess auf der Grundlage des Interesses eines nicht-griechischen Publikums vollzog.

Basis dieses Erfolgs war und ist das Engagement eines passionierten Teams – und zwar eines Teams, das jahrelang ehrenamtlich und ohne finanzielle Einnahmen gearbeitet hat. Das, was an „Honoraren“ gezahlt werden konnte, waren höchstens Unkostenpauschalen.

Dank

An dieser Stelle möchte ich zwei Institutionen und einem Konzern danken, ohne die es HELLAS FILMBOX BERLIN so nicht gegeben hätte. Wir haben natürlich – wie oben schon erwähnt – auch von einer Vielzahl anderer Personen, Firmen und staatlicher Stellen kleinere Beträge und Unterstützung unterschiedlicher Art bekommen, aber ohne die Zuwendungen der Niarchos Foundation, der Bundeszentrale für politische Bildung (für die Übersetzungen) und von Audi City Berlin hätte das Festival nicht als ein Kultur-Event durchgeführt werden können, das überhaupt irgendeine nennenswerte Aufmerksamkeit erzielt hätte. So aber konnte auf dem Gebiet der Kunst ein deutliches Zeichen für die Verständigung der Menschen aus beiden Ländern gesetzt werden. Allerdings … selbst mit dieser Unterstützung durch die Niarchos Foundation, die Bundeszentrale für politische Bildung, Audi etc.  würde das HELLAS FILMBOX BERLIN Festival nicht bestehen, ohne das Kernteam von etwa zwanzig Engagierten – größtenteils Griechen und einige Deutsche –, ein Team, das Herz und Seele dieses Festivals war und ist. Ihnen gilt mein Dank und mein Respekt.

Asteris Kutulas, 27.1.2018

(Asteris Kutulas initiierte zusammen mit  Ina Kutulas das Filmfestival Hellas Filmbox Berlin und war Festivaldirektor der 1. Edition im Januar 2016 sowie von 2015 bis 2019 Creative Director des Festivals)

Hellas Filmbox Berlin Statement von Asteris Kutulas

 

Hellas Filmbox Berlin Statement von Asteris Kutulas
Artwork Hellas Filmbox 2018, mit Sandra von Ruffin & Friedrich Liechtenstein, fotografiert von DomQuichotte & Achilleas Gatsopoulos, Kostüme Heike Hartmann & Annabell Johannes, Art Director Achilleas Gatsopoulos, Creative Director Asteris Kutulas

Hellas Filmbox Berlin Statement von Asteris Kutulas

 

 

Recycling Medea – Film-Rezensionen & Kritiken

Recycling Medea | A film by Asteris Kutulas | Music by Mikis Theodorakis | Choreography by Renato Zanella | With Maria Kousouni as Medea 
Süddeutsche Zeitung

… Asteris Kutulas hat einen Film über die Krise gedreht, über die Proteste und die Geschichte Medeas, der Kindermörderin im antiken Mythos. Es ist aber kein Dokumentarfilm geworden, sondern eher ein filmischer Essay, eine bildgewaltige Collage, die Protestmärsche und eine Ballettinszenierung der Medea zusammenspannt. Mit erschütterndem Effekt, denn die Präsenz der Primaballerina Maria Kousouni, kombiniert mit den brennenden Strassen Athens, erweist sich als geschickter Kunstgriff mit den entsprechendem Pathos. Und dann ist da noch Mikis Theodorakis, der Komponist, der hier nicht als Urheber des Soundtracks stumm bleibt, sondern auch zu Wort kommt: “Wenn ich heute jung wäre, würden sie mich auch einen Terroristen nennen”, sagt er …
Andreas Thamm, 15.11.2013

cinetastic.de

… Keinen „Opern-Ballett-Film“ habe er drehen wollen, hat Regisseur Asteris Kutulas mit Blick auf die rebellische Haltung seines Essays gesagt. Aber zum Glück ist das nicht die volle Wahrheit. „Recycling Medea“ ist ein Fest für die Sinne, also in gewissem Sinne eben doch auch ein Opern-Ballett-Film. Getragen wird er von der für Theodorakis charakteristischen, wuchtigen Orchestermusik, den lyrischen Gesangsstimmen, der ausdruckstarken Primaballerina Maria Kousouni und den verzauberten Landschaftsszenen mit der „Unschuld“, die ein wenig an die filmische Naturpoesie eines Terrence Malick erinnern. Trotz seiner bewusst modernen Interpretation schlägt „Recycling Medea“ zeitlos-tragische Töne an. Sehr zu seinem Vorteil verlässt sich der Film auf die nie endgültig ausdeutbare Substanz seines Stoffes, der seit mehr als 2000 Jahren Künstler aus allen Gattungen herausgefordert hat.
Aus heutiger Sicht haben die tagesaktuellen Bezüge in Kutulas‘ Assoziationsräumen ihre Brisanz verloren. Was aber bleibt, ist der geänderte Blickwinkel, mit dem er an die Geschichte der Medea herangeht. Kaum jemand hat bisher so konsequent aus der Sicht der Kinder erzählt, die den Konflikt ihrer Eltern ausbaden müssen, und zwar auf die denkbar grausamste Weise. Wer hat je der Opfer gedacht, wenn er im Theater über die Motive der rasenden Ehefrau rätselte? Wer hat sich vorgestellt, welche Zukunft sie hätten haben können? Welche Träume sie verwirklichen wollten? Die Leerstelle ist nun gefüllt, auf eine ebenso vielschichtige wie eindringliche Weise.
Peter Gutting, 14.9.2021
cinetastic.de

SWR Fernsehen

Recycling Medea ist ein faszinierendes Filmdokument! Eine Film-Collage, die in großartiger Weise die Musik von Mikis Theodorakis, die Ballett-Choreographie von Renato Zanella mit der Krisensituation in Griechenland verbindet. Der Filmessay von Asteris Kutulas überträgt die Geschichte Medeas, der Kindermörderin aus der Tragödie von Euripides vom Jahr 431 vor Christus, auf die heutige Krise in Griechenland als bildgewaltige Collage: Medea rächt sich für die Ungerechtigkeit, die ihr widerfuhr, indem sie ihre Kinder tötet. Zwischen den perspektivlosen Jugendlichen und der Polizei in Athen kommt es zu dramatischen Auseinandersetzungen auf den Straßen. Die Frustration der “verlorenen Generation” trifft auf Polizeigewalt. Verrät der Staat seine Jugend? Und wie rächt sich diese? Der Film hat neben seiner künstlerischen Dimension auch eine “tagespolitische Brisanz”.
SWR, 18.3.2015

FAZ (Premierenkritik)

… Die Schlüsselszene des Balletts ist auch die des gesamten Films, sie ist seine Quintessenz: Jason verstösst Medea, weil er eine Andere heiraten wird. Ein «Wertewandel», der uneingeschränkte Freiheit verlangt. «Wenn du frei sein willst,» prohezeit ihm da Medea, «wirst du deine Kinder verlieren.»
Maria Kousouni, die Primaballerina, ist Athenerin und eine grossartige, eine phantastische Medea. Renato Zanella, dessen meisterliche Choreographien in der Vergangenheit schon in Stuttgart, Berlin und besonders in Wien zu bewundern waren, beherrscht mit seinem Ensemble Kutulas’ Film… Hineingeschnitten in den strengen Totentanz Zanellas haben Kutulas und seine Cutterin Babette Rosenbaum harsche Szenen vom physischen Einsatz der griechischen Jugend gegen die Regierungspolitik. In schwarz-weiss gefilmten dokumentarischen Sequenzen, in denen nur bisweilen das Orange der brennenden Strassen aufleuchtet, lässt Kutulas sie gegen die Staatsmacht ziehen. Es ist dies ein anderes Ballett: Das der trampelnden Polizeistiefel, der leichtfüssigen Turnschuhläufer und das der zu Boden schlagenden, verletzten menschlichen Körper.
Kutulas’ Leistung, die seiner Equipe, ist das nahtlose Zusammenfügen dieser Tanz- und Strassenszenen. Das nahezu wortlose, von Theodorakis’ kraftvoller Musik getragene Erzählen der Geschichte der leidenden Mörderin, das ins Bild gesetzte Auftauchen Medeas aus ihrer grässlichen Vergangenheit, das Hineingeraten des Zuschauers in die scheussliche Gegenwart des alltäglichen Generationenkrieges vor der blendenden Fassade des Parlamentsgebäudes am Syntagma-PLatz …
1.200 Zuschauer, die meisten junge Menschen, waren zur Filmpremiere in das Athener «Theater Badminton» gekommen. Ein gewaltiger Erfolg insofern, als diese Weltpremiere weitgehend ohne Ankündigung, ohne Reklame auskommen musste: Das staatliche Fernseh- und Radioprogramm ERT, das als Werbeträger vorgesehen war, hatte – auf Anweisung der Regierung – mehr als eine Woche zuvor sein Programm eingestellt. Begeistert feierte dieses Publikum nicht nur Kutulas und seine Tänzer, sondern vor allem den greisen Theodorakis, den Helfer in einem Rollstuhl ins Theater geschoben hatten. In eine der wüsten Kampfszenen des Films hineingeschnitten, lässt der 53 Jahre alte Regisseur den 87 Jahre alten Komponisten seufzen : «Wäre ich heute jung, dann würden sie auch mich einen Terroristen nennen.»
Was ist das nun für ein Werk ? Ein Musik- oder ein Ballett-Film? Ein politischer oder ein Dokumentarfilm? Er sei all das und doch nichts von alledem sagt der Regisseur. Doch es ist in dem von ihm gewählten Kontext wohl in erster Linie ein politischer Film …
Hansgeorg Hermann, 4.7.2013
Frankfurter Allgemeine Zeitung

artechock.de

Recycling Medea ist eine Verschmel­zung des klas­si­schen und modernen Tanzes mit aktuellen Bildern von jungen, gegen die Spar­maß­nahmen protes­tie­renden Menschen. »Grie­chen­land mordet seine Jugend, indem es deren Zukunft zerstört«, so die Beschrei­bung des kraftvollen Film­ex­pe­ri­ments … Aus der asso­zia­tiven und von der Musik gelei­teten Montage von Tanz­auf­nahmen mit Bildern von zarten und zornigen Jugend­li­chen entsteht eine filmische, iden­ti­täts­stif­tende National-Hymne über die Ereig­nisse der heutigen Zeit, die in der Krise den Mythos neu erzählt.
Dunja Bialas, 14.11.2013
www.artechock.de

Recycling Medea by Asteris Kutulas & Mikis Theodorakis
Plakatentwurf von Apostolos Tziovaras mit der Tänzerin Maria Kousouni (Photo © by Stefanos Kyriakopoulos) 
plärrer

Die Gesellschaft: dieses machthungrige, seine Kinder mordende Wesen. In diesem Falle Griechenland. Asteris Kutulas sah in Athen vor zwei Jahren die “Medea”-Choreographie von Renato Zanella, Chef des Athener Nationalballetts. Sie inspirierte ihn zu diesem filmischen Experiment, dass er sehr wohl auch als aktuelle Spiegelung der griechischen Verhältnisse versteht: Medea als tragische Figur, die sich mörderisch für den Verrat des Geliebten – aus Habgier und Geltungssucht begangen – rächt. Die großartige Primaballerina Maria Kousouni verkörpert in Zanellas “Medea” die Titelfigur, und sie ist wesentlicher Teil dieses Films, der eigentlich zwei Choreographien zeigt: die künstlerische und die spontane. Kutulas kontrapunktiert nämlich die getanzten Szenen immer wieder mit Aufnahmen von griechischen Jugendlichen bei Protestaktionen wider den Staat, der ihnen die Zukunft geraubt hat …
J.S., 12/2013
plärrer, Nürnberg

Junge Welt

»Recycling Medea« ist ein aufwühlender Film über die kindermordende Gesellschaft von heute… »Der Medea-Film«, sagt Theodorakis, »ist für mich ein griechisches Kunstwerk«. Das stimmt. Und weil es griechisch ist, erzählt es – in großer Manier – vom Ursprung. Von uns allen.
Junge Welt, 27.06.2013 (Feuilleton)

tanznetz.de

Asteris Kutulas Filmgedicht „Recycling Medea“ entwirft konsequent aus dem Blickwinkel der verlorenen Kinder kühne, manchmal kryptische Assoziationsketten. Interagierend mit einer hochkarätig emotionalen Opern-Einspielung führt die Regie die griechische Tragödie (431.v.Chr.) Vers für Vers metaphorisch mit der aktuellen Tragödie Griechenlands und der verlorenen Generationen von Heute zusammen.
Regisseur Kutulas montiert – bestechend in Kameraführung und Bildschnitt − den antiken Mythos im „Ballett als Bühnenstück“ mit dem „Ballett der Straße“ und kreiert durch diese Collage eine völlig andere Art Opern-Ballett-Dokumentar-Kunst-Film …
Doch Kutulas Film dokumentiert nicht das Bühnenstück, sondern konzentriert sich in mehrfachen, teils rätselhaften Brechungen auf die getanzte Tragödie Medeas im Angesicht der Straße mit vermummten Jugendlichen, bewaffneten Hundertschaften und brennenden Autos. Die Zeit der Unschuld ist vorbei. „Recycling Medea“ beleuchtet mehrschichtig Zeiten des Widerstandes, des Schuldigwerdens, der Perspektivlosigkeit. Text- und Bildfragmente (inspiriert von Lars von Trier, Pasolini, Carlos Saura, Theo Angelopoulus u. a.) eröffnen Gedankenräume. 
Die epische Erzählweise wird bis in die Typografie betont; gegen die Härte der Euripides-Zitate sind comic-Zeichen gesetzt. Auch die überraschend interpolierte Zitat-Ebene der 15 Jährigen blonden „Unschuld“ – Bellas innerer Monolog sind authentische Zitate aus dem Tagebuch der Anne Frank 1943/44 – konturiert eine plakative Yellow-press Schönheit als Vision ohne Zukunft …
Zeitübergreifend katapultiert Kutulas´ melancholisches Epos „Recycling Medea“ unterschwellig Grundfragen der menschlichen Schuld der Elterngeneration in die Gegenwart.
Karin Schmidt-Feister, 18.1.2014
www.tanznetz.de

Recycling Medea by Asteris Kutulas & Mikis Theodorakis
Filmstill aus „Recycling Medea“
prinz.de

In seinem ungewöhnlichen Film zieht der Regisseur Asteris Kutulas überraschende Parallelen zwischen einer klassischen griechischen Tragödie und der gesellschaftlichen Tragödie des heutigen Griechenlands. Durch die Kombination aus expressivem Tanz, der zutiefst bewegenden und überaus dynamischen „Medea“-Opernmusik von Mikis Theodorakis und aktuellen Filmaufnahmen von dramatischen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Polizisten in den Straßen Athens, sowie die Einführung weiterer inhaltlicher Ebenen ist eine Filmcollage entstanden, die nicht nur aufgrund ihrer inhaltlichen Komplexität dazu einlädt, den Film wiederholt sehen zu wollen, sondern es ist vor allem die intensive Emotionalität, die bereits viele Zuschauer begeisterte. Für einen Opern-Ballett-Film ist das außerordentlich. Der Regisseur bezeichnete RECYCLING MEDEA allerdings von vornherein als “not an opera ballet film”. RECYCLING MEDEAein faszinierendes Filmdokument, das die Trostlosigkeit einer Gesellschaft reflektiert, die ihre Kinder zu dem gemacht hat, was sie doch niemals werden sollte: die Verlorene Generation.
prinz.de, 01/2014

Provokantes Opus …

Auf der Basis der »Medea«-Choreographie von Renato Zanella, Chef des Athener Nationalballetts, realisierte Asteris Kutulas einen herben Kontrast: getanzte Kunst in Analogie mit der spontanen Choreographie auf der Straße. Junge Griechen, die bei Demonstrationen in Athen wider die Phalanx der staatlichen Ordnungskräfte anrannten – aus Wut über den Verrat an ihrer Zukunft. Mit schier unglaublicher Präsenz und Ausdrucksfähigkeit verkörpert in dem visuell starken Film die Tänzerin und Primaballerina Maria Kousouni die Rache-Elegie der betrogenen Medea und von Mikis Theodorakis stammt die emotionsgeladene Ballettmusik auf der Basis seiner Oper “Medea” nach Euripides…
Plärrer, 01/2014

Berliner Morgenpost

Asteris Kutulas verarbeitet die Krise in seiner Heimat mit einem poetischen Film, der Straßenkämpfe der Jugend mit dem Mythos der Kindermörderin Medea vereint.
Medea windet sich tanzend zur Musik von Mikis Theodorakis. Die mythische Figur ringt verzweifelt mit der Entscheidung, ihre Kinder aus Rache an ihrem untreuen Ehemann zu töten. Schnitt. Tränengas zieht durch das Zentrum Athens. Junge Leute schleudern Brandbomben. Polizisten hinter Schilden. Schnitt. Ein junges elfenhaftes Mädchen auf grünen Wiesen. Die verlorene Unschuld. So wie die Wiege der europäischen Zivilisation in der aktuellen Krise seine Unschuld verloren hat. Die Lage in Griechenland hat Asteris Kutulas zu diesen Bildern inspiriert … Das Resultat dieser Erfahrungen ist kein Spielfilm, kein Ballettfilm und kein Polit-Streifen. Eher eine poetische Collage, ein 76-minütiger Video-Clip …
Joachim Fahrun, 18.1.2014
Berliner Morgenpost

Medeas Schultern

… Der Film zeigt das Medea-Ballett mit der Musik von Mikis Theodorakis und der Choreographie von Renato Zanella. Kampfszenen aus dem heutigen Griechenland zwischen Demonstranten und Polizei sind dazwischen montiert. Der Anne-Frank-Mythos wird eingearbeitet. Das Staatliche Akademische Orchester und der Chor St. Petersburg spielen und singen. Theodorakis dirigiert. Es ist eine gewaltige, eine hinreißende Musik. Kutulas zeigt, wie sich die Tänzer schminken, zeigt den Choreographen, wie er mit den Tänzern arbeitet und wie er seine Intentionen erläutert. Die Musik trägt den Film, wirbelt ihn in virtuelle Höhen und Tiefen. Und, ich scheue mich nicht zu sagen, auch die Schultern der Primaballerina Maria Kousouni tragen den Film. Es sind Schultern von unglaublicher Kraft, Militanz und Verletzbarkeit, Schultern von großem Glanz. Sie symbolisieren die Abgründe des Medea-Mythos und die Wucht, die leidenschaftliche Frauen in die Waagschale zu werfen haben. Das muss man gesehen haben.
Kopkas Tagebuch, Movie Star, 19.1.2014
kopkastagebuch.wordpress.com

Recycling Medea by Asteris Kutulas & Mikis Theodorakis
Plakatentwurf von Apostolos Tziovaras mit Andre Hennicke und Bella Oelmann (Photo © by Ina Kutulas) 
Abendzeitung München (AZ)

Recycling Medea ist ein Filmexperiment … : Die klassische Tragödie um die Zauberin Medea wird verarbeitet, die ihre Heimat verlässt für einen Mann, der untreu wird, woraufhin sie mordet. Durch Verschmelzung von klassischem Ballett, modernem Tanz und aktuellen Bildern vom Zorn junger Menschen in Griechenland entsteht ein künstlerisches Zeitporträt von Griechenland heute.
Abendzeitung München, 1.2.2014

der Freitag

Jede Generation schafft sich ihre eigene Medea. Die Medea meiner Jugend war ein Monument gegen Duldsamkeit. In “Recycling Medea”, einem Film von Asteris Kutulas, vertritt die Ungehaltene Griechenland. Medea ist aber die berühmteste Ausländerin der Weltliteratur, sie folgt Iason und seinen Argonauten aus einem Barbarenreich (in Sicht der Griechen) am Schwarzen Meer nach Iolkos. Da lässt sie sich zur Tänzerin ausbilden: in Kutulas’ Lesart des Mythos. Recycling Medea verschränkt Proben- und Premierenstimmungen einer klassischen Verwandlung des Dramas in Bewegung mit Straßenkampfszenen.
… Jeder wird Recycling Medea als Kommentar zur griechischen Krise deuten. Doch der Film ertrinkt in seinen Bildern. Seine Aspekte erscheinen zunehmend disparat. Collage, Montage. Filmgedicht. Das Kino als Mobile – ich suche ein Wort, das meine Eindrücke rettet. Ich halte mich an Zanella und seine Compagnie. Ich sehe Mythos und Arbeit. Die Frauen gebären “gegen den Anmarsch der Würmer” (Heiner Müller). Medea, “die Kennerin der Gifte”, kriegt spitz, dass ihr Iason zu Glauke geht. Sie leuchtet der Tochter des Kreon heim, wie dann auch allen anderen. Das ist ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der ganz bestimmt kein betäubter Wille steht.
Jamal Tuschick, 20.01.2014
der Freitag

Neues Deutschland

… „Recycling Medea“ beleuchtet mehrschichtig Zeiten des Widerstandes, des Schuldigwerdens, der Perspektivlosigkeit. Die Kinder sind tot, das Land stirbt. Theodorakis mit Gasmaske unter den Demonstranten. Medea schaut in die erleuchteten Theaterränge. Ein Vermummter blickt in die Kamera. Kunst und Realität greifen ineinander. Asteris und Ina Kutulas widmen ihren zeitenübergreifenden melancholischen Film „den Eltern, die ihre Träume verloren haben und der verratenen Jugend, die um ihre Zukunft kämpft.“
Neues Deutschland, 18.01.2014

artechock.de

Manchmal braucht es ein paar Abstrak­ti­ons­ebenen mehr als Geschichts­bücher und Nach­richten, um Ereig­nisse, aktuelle wie histo­ri­sche, annähernd zu begreifen. Mutige Expe­ri­mente der Filmkunst wie “Recycling Medea” nehmen den Zuschauer mit auf solche Ebenen. “Recycling Medea” ist eine multi­me­diale drama­ti­sche Moritat von der Jugend Grie­chen­lands, die die Gesell­schaft im Zuge der Finan­z­krise um ihre Zukunft bringt, wie es Medea in der grie­chi­schen Mytho­logie mit ihren Kindern gemacht hat.
Natascha Gerold, 23.01.2014
www.artechock.de

Sächsische Zeitung

Kunstvolles und Authentisches paart „Recycling Medea“. Der griechische Regisseur Asteris Kutulas, dessen Lebenswege eine Zeit lang gleichsam durch Dresden führten, erschuf einen Hybrid aus Dokumenten, Spiel- und Musikfilm sowie politischer Reportage. Durch die Kombination aus expressivem Tanz, „Medea“-Opernmusik von Mikis Theodorakis, Statements sowie aktuellen Aufnahmen von Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Polizisten in den Straßen Athens, zeigt er überraschende Parallelen zwischen einer klassischen griechischen Tragödie und der gesellschaftlichen Tragödie des heutigen Griechenlands.
MkF, 21.5.2015
Sächsische Zeitung

Unsere Zeit

Kutulas’ 2014 fertiggestellter Beitrag „Recycling Medea“ ist ein politisch-künstlerischer Filmessay über die griechische Krise. Er verschränkt den Probenprozess 2012 für das „Medea“-Ballett (Choreographie: Renato Zanella, Primaballerina: Maria Kousouni) mit den heftigen Polizeieinsätzen gegen massive Troika-Proteste in Athen. In der Zeit dieses „abfärbenden“ Erarbeitungsprozesses für die Bühne hatte sich der Komponist im Rollstuhl an die Seite der Demonstranten bringen und schützen lassen. Trotz der damals übergestülpten Gasmaske leidet er bis heute an den Verletzungen durch Tränengas.
Hilmar Franz, 14.8.2015
UZ

Recycling Medea Plakat von Asteris Kutulas
Plakatentwurf von Apostolos Tziovaras mit Bella Oelmann (Photo © by Ina Kutulas) 
Theodorakis, Kutulas und die recycelte Medea

… Es wird still im Publikum, als Asteris Kutulas beeindruckender Film auf die Leinwand geworfen wird. „[E]ine bildgewaltige Collage, die Protestmärsche und eine Ballettinsszenierung der Medea zusammenspannt. Mit erschütterndem Effekt […]“, schrieb Andreas Thamm 2013 in der Süddeutschen Zeitung. Dem möchte ich mich anschließen: Chaos, Krise, Kunst, Medea – und dazu Theodorakis, der einen musikalischen Feuerreigen als Soundtrack geliefert hat, und immer wieder Teil des Filmgeschehens wird. Überwältigt, nachdenklich und ein bisschen ratlos stapfe ich durch die Göttinger Kälte nach hause. Es ist mittlerweile 22 Uhr…

Dennis M. Dellschow, 11.12.2015
Göttinger Kulturbüro

Recycling Medea by Asteris Kutulas & Mikis Theodorakis

… Es ist wirklich ein sehr schöner Film geworden. Es war keinen Moment zu lang oder langweilig. Auch die verschiedenen Situationen waren wunderbar aufgeteilt. Und auch die großartige Primaballerina schaffte es, mit sehr klassischem Tanzvokabular diese schwierige Rolle der Medea glaubhaft rüberzubringen!!! Auch das junge Mädchen als die Unschuldige war sehr berührend + faszinierend. 
Ich kann Ihnen nur wünschen, dass dieser Film viel gesehen wird.

Susanne Linke, Tänzerin & Choreografin

… wenn die Schönheit verschwindet

Dieser Film könnte als Ergebnis eines idealen wechselseitigen künstlerischen Befruchtung verschiedener Generationen und verschiedener Talente aus den Bereichen Theater, Musik, Tanz und Film gelten.
Ein Gigant der Sprachkunst und des Theaters war es, nämlich Euripides, der “Medea” schrieb. Nur als Autor solchen Ranges konnte er damals so ein Werk verfassen, ohne gesteinigt zu werden. Auf der Text-Grundlage von Euripides’ “Medea” komponierte Mikis Theodorakis eine dem Theaterwerk ebenbürtige lyrischeTragödie.
Das Wirken dieser beiden Koryphäen war die Basis für das Wirken der Jüngeren. Der Choreograph Renato Zanella interpretiert Theodorakis’ lyrische “Medea”-Tragödie mit seinem Ballett und die fantastische Tänzerin Maria Kousouni tut dies in der Rolle der Medea. Der Regisseur Asteris Kutulas bringt diese Tragödie, durchdrungen von einer besonderen Art der Sensibilität, ins Kino. Er verleiht ihr durch seine filmische Umsetzung eine tiefere gesellschaftliche und politische Dimension …
Der Film von Asteris Kutulas wird seinen Weg nehmen durch die Äonen, zusammen mit Euripides, Theodorakis, Zanella, Maria Kousouni und der Sopranistin Emilia Titarenko. Immer dann, wenn die Überheblichkeit der Mächtigen den Menschen an sich und die Völker erniedrigt, immer dann, wenn die Schönheit verschwindet und die Größe des Individuums schrumpft, werden die Menschen zu diesem Film greifen und ihn sich ansehen, um ihre Schönheit und Größe wiederzuerlangen.

Nikos Tzimas, Regisseur
Athen, Januar 2014

diastixo.gr
„Ein Punkt“ von Ioanna Karatzaferi

In der griechischen Geschichte − wie sie uns in der Schule beigebracht wurde und in der Dramaturgie, was meine Erfahrung als Zuschauerin betrifft − gibt es keine andere Medea vor und nach der von Euripides, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht; vielleicht hat diese Tragödie das Wort “Kindsmörderin” eigentlich hervorgebracht. Keine griechische Kindsmörderin, sondern eine Barbarin aus Kolchis; Tochter eines Königs, die ihrem Mann Jason mit ihren Kindern nach Korinth gefolgt ist. Der Mythos ist bekannt und die möglichen Interpretationen unterschiedlich; vorherrschend ist das Interesse von Euripides für die Probleme und die Situation der Frauen in einer Männerwelt.
Als ich den Film “Recycling Medea” schaute, fühlte ich die Zeit − oder besser die zeitlose Geschichte − zusammenschrumpfen und zu einem Punkt werden. Fühlte die Gewalt der Vergangenheit und der Gegenwart die Zeit durchlaufen und sich in einem Punkt zusammenschrumpfen.
Es geht um die entgegengesetzte Synthesenform der Künste, der Rede − trotz ihrer Abwesenheit in dem Film −, der Musik, der Geste.
Die Symbolisierungen könnten aber willkürlich sein. Solange wir die Erde und auch unsere Heimat “Mutter Erde” und “Mutter Heimat” entsprechend nennen und solange wir sie wegen des Kriegs, der Konflikte, des Verrats und der Untreue als eine Kindsmörderin verurteilen, bestätigen die Zwischenszenen die Aussprüche. In dem Film gibt es keine sprachlichen Dialoge. Die sind von aufeinander folgenden Bildern und der musikalischen Darbietung ersetzt. Die Begleitmusik des Filmes − die Musik von Mikis Theodorakis für die gleichnamige Oper − wird vom St. Petersburg-Akademie-Orchester dargeboten. Jede Note wird zu Geste; eine unzertrennliche Identifikation.
Die Fingerspitzen der unsichtbaren Musiker − die die Instrumenten berühren um Ton zu produzieren − und die Gliedmaßenspitzen der sichtbaren Tänzer quellen durch ihr tiefstes Gefühl und erweitern sich ad infinitum, um sich damit zu vereinigen. Die optische Identifikation des Tanzes − mit Maria Kousouni als die Chorführerin (Medea) − mit der Begleitmusik ist so intensiv und harmonisch, dass sie nicht nur Bewunderung hervorruft, sondern auch einen inneren Schmerz einflößt.
Die Schönheit des Bildes und die Harmonie der Musik, ein Punkt, wird temporär von den externen Gewaltszenen unterbrochen oder erschüttert; Konfliktszenen von Bürgern, die sich gegen die angewandte Wirtschaftspolitik erheben; gegen die Macht, die einige ihrer Kinder gegen andere Kinder aufhetzt, denen Mikis Theodorakis, wie wir im Film sehen, beisteht. Es könnte ein entgegengesetzter Regisseurtrick sein im Vergleich zu diesen, wo Lockerungsmomente dem Höhepunkt folgen, so dass das Publikum Zeit hat, um zu der Handlung zurückzukommen, und bis zum Ende des tragischen Werkes durchhalten kann. Der Film wurde im Apollo Theater − das sogenannte La Piccola Scala − in Ermoupoli auf der Insel Syros gedreht. Auf der Bühne und unter der Leitung von Choreografen Renato Zanella, dem Direktor des griechischen Nationalballetts in Athen, geht es um eine Kürzung von Zeit, Musik, Gesten, Gefühlen, Liebe, Hass, Leben und Tod, von 431 v. Chr., als Medea von Euripides zum ersten mal präsentiert wurde, bis 2014, als Medea von Asteris Kutulas präsentiert wurde, die den Kontrast von Aufstand und Unterdrückung wiedergibt.
Durch diesen Hochgenuss von Bild, Ton, Farbe und Geste, der sprachlich nicht wiedergegeben werden kann − wie der Geschmack von bitter oder süß, der nur durch die physische Fähigkeit der Sinne verstanden wird − tauchen Gefühle, Gedanken und Erwartungen für eine Wende der Ausdrucksmittel der Künste und des Filmschaffens, der sogenannten “siebenten Kunst”. Ab und zu halte ich mich für glücklich.

Ioanna Karatzaferi, 25.6.2014
diastixo.gr

Recycling Medea by Mikis Theodorakis & Asteris Kutulas

Film der Gegensätze

… Es handelt sich um einen sehr eigenen, besonderen Film, der sich nicht einem der gängigen Filmgenres zuordnen lässt, sondern vielmehr einer dreifachen nicht-linearen Narration folgt, einer narrativen Struktur der Choreographie, der Musik und der Einbindung dokumentarischer Momentaufnahmen, die uns aus der hochästhetischen Welt der Kunst immer wieder in die harte und gewaltsame Realität zurückversetzen, wie sie heute auf den Straßen von Athen in Kameraaufnahmen festgehalten wird.

Der Film ist eine Collage von Szenen, die nicht allein sowohl die urbane Landschaft als auch die Natur, sondern ebenso die Ästhetik des Tanzes und der Musik einzufangen vermögen. Ein Film der Gegensätze, der die Paradoxa und das Erodierende der griechischen Realität widerspiegelt und aufgrund seiner besonderen Ästhetik und der Fragen, die er aufwirft, nur als Kunstfilm bezeichnet werden kann; ein Film, der das Publikum mit Fragen konfrontiert, und dabei überhaupt nicht didaktisch ist …

Eva Kekou, Kuratorin & Kunsthistorikerin, 2016

Recycling Medea | A film by Asteris Kutulas | Music by Mikis Theodorakis | Choreography by Renato Zanella | With Maria Kousouni as Medea 

Recycling Medea Website

Mikis Theodorakis zu „Recycling Medea“

Im Papiland mit Johannes Jansen & Frank Lanzendörfer

Johannes & flanzendörfer

Während der Vorbereitungen zur Produktion des 1. Bandes des Zeitschriftenprojekts „Bizarre Städte“ brachte Johannes Jansen seinen Freund Frank Lanzendörfer 1987 zu uns nach Pankow. Lanzendörfer hatte die Idee zu einem sehr ungewöhnlichen, im Grunde autobiografischen Text, der sich u.a. damit befassen sollte, dass es von ihm gar keine Fotos aus der Kindheit gab. Er wusste also nicht, wie er als Kind ausgesehen hatte. Ich fand seine Idee auf Anhieb großartig und bot ihm an, dafür die Möglichkeiten meines Atari-Computers zu nutzen und wann immer er wolle, zu kommen und daran bei uns zu arbeiten.  

Ich erinnere mich, dass Lanzendörfer bei dieser, unserer ersten Begegnung ein rotes, weißgepunktetes Halstuch trug. Er reagierte, kaum in unsere Küche eingetreten, sehr allergisch auf das dudelnde Radio und forderte mich auf, es sofort auszuschalten. Später fiel noch der Satz, er stamme von Zigeunern ab. Schon während dieser ersten Begegnung beeindruckte mich sein flüchtiges Wesen; er besuchte mich noch ein paar mal, wir trafen uns manchmal auf der Straße, bei Lesungen, auf U-Bahnhöfen, vor allem auf U-Bahnhöfen – doch am „wirklichsten“ erschien er mir in seinen Texten.

ich treffe niemand
niemand sagt mir:
niemand zu hause
also gehe ich
&
niemand ist da
öffnet die tür
& ich
setze mich zu niemand
& sitze
sagt niemand zu mir:
  geh, keiner da
  bleibe, sagt keiner
ich gehe

Für „Bizarre Städte“ schrieb er das (wie ich als Germanist sagen würde) „autobiografische Poem“  GARUNA, ICH BIN!, ein großartiger Wurf, der mir allerdings die meiste Kritik einbrachte, wenn es um den 1.Band ging; mit einigen wenigen Ausnahmen. Lanzendörfer arbeitete nicht nur verläßlich, es machte ihm sichtlich Spaß, einen Auftrag auszuführen, der ihm freie Hand ließ, sich so auszudrücken, wie er es wollte. So saß er tage- und stundenlang an meinem Computer bei mir zu Hause in Pankow und schrieb, druckte aus, malte, collagierte … Ich hatte ihn um einen zehnseitigen Text gebeten, bekam von ihm aber eine 28seitige Collage im Din-A4-Format – bestehend aus Fotos, Grafiken, Schrift, verschiedenen Texten und Gedichten –, die mich so sehr überzeugte, daß ich sie so, wie sie war, xerokopierte und in den 1.Band aufnahm.

Eine Seite aus flanzendörfers Autobiographie „Garuna, ich bin“, die er für Bizarre Städte, Band 1, 1987 geschaffen hatte

Frank Lanzendörfer

… nannte sich aber flanzendörfer, wahrscheinlich um seine Verwandtschaft mit pflanzlichen und dörflichen Existenzen zu assoziieren, und gehörte zu den wenigen, die ich kannte, für die Schreiben nichts anderes war, als eine zum Extrem verbogene Lebensform.

Lanzendörfer lernte ich durch Johannes Jansen bei der Arbeit an der in der DDR „inoffiziellen“ Zeitschrift BIZARRE STÄDTE kennen. Lanzendörfer gestaltete für den ersten Band der „Bizarren Städte“ eine Collage aus Texten, Fotos, Grafiken und Überarbeitungen mit dem Titel GARUNA, ICH BIN gestaltete. Es war die Autobiographie eines anonymen ICH, so unentschieden zwischen Lanzendörfer und flanzendörfer, dass der Autor mit drei Kreuzen unterschrieb.

Lanzendörfer litt nicht nur an seinem Einzelgängertum sondern auch an der ihn umgebenden Vormundschaft – durch Freunde und Feinde. Im Mai 1988 kam es in meiner Pankower Wohnung zu einer Begegnung der dritten Art, als zwei Stasileute plötzlich bei mir auftauchten und Lanzendörfer, der gerade bei mir zu Besuch war, augenzwinkernd grüßten: „Ach, Herr Lanzendörfer, Guten Tag!“ Woraufhin ich verdutzt fragte: „Sie kennen sich?“ Der jüngere erwiderte: „Kennen, ist gut gesagt! Was, Herr Lanzendörfer! Ich dachte, Sie sind schon längst weg!“ – und spielte damit auf einen längst zurückgezogenen Ausreiseantrag Lanzendörfers an. Die beiden Stasileute wurden unsicher, wie immer, wenn ihnen die konspirative Grundlage genommen war: Ich schwieg, da ich nichts von ihnen wollte, Lanzendörfer saß stumm kippelnd auf einem Stuhl, diese Stummheit dem Raum regelrecht aufzwingend. Nach etwa fünf Minuten einer immer unerträglicheren Stille standen die beiden Stasileute auf und gingen fort.

Diesen Terror der Stille – wie ich es nennen würde – kultivierte Lanzendörfer geradezu, ja diese Art des Terrors gehörte zu den beliebten „Instrumenten“, derer er sich bediente, um sich Spannung in den sonst für ihn langweiligen und trostlosen Augenblick zu holen; ähnliche Szenen, in ganz anderen Zusammenhängen, erlebte ich mit ihm immer wieder. Aber er experimentierte – vor allem – an sich selbst und an allen um sich herum, abstands- und kompromisslos. Bis er abhob und sich in die Tiefe stürzte … Und dabei wollte er doch nur fliegen.

Asteris Kutulas

*** *** ***

Johannes Jansen
„Ich habe keine Lust mehr auf Täuschland“
Briefe von der Front
Vom Armeedienst des braven Jot Jot

Briefe von Johannes Jansen an Ina & Asteris Kutulas, während seines Armeedienstes in der DDR

06.11.85

Lieber Asti & Liebe Ina!

Ich danke Euch noch einmal für das schöne Fest, das gute Essen und die Logie. Das war ein richtig schöner Abschluß. In den letzten Tagen musste alles sehr schnell gehen und im Moment besteht der ganze Lebensinhalt des Soldatseins darin, zu warten und auf Pfiffe zu lauschen. Ich „wohne“ in einem Betonklotz und wenn ich aus dem Fenster sehe, starrre ich auf einen anderen Betonklotz, der schwarze Fenster hat und die ganze Aussicht ist. Das Warten ist nervend und aus Langeweile habe ich angefangen, meine „Stubenkameraden“ zu zeichnen. Ich bin mit 3 Leuten auf dem Zimmer. Zwei waren im Knast wegen Körperverletzung und Alkoholmissbrauch. Ich komme recht gut mit ihnen klar. Sie haben interessante Gesichter, traurige Gesichter. Sie sind ganz glücklich, wenn ich sie zeichne.

Ansonsten ist alles sehr ungeordnet. Keiner weiß, was er eigentlich hier soll und niemand sagt etwas … Angeblich geht übermorgen das Kriegspielen los.

Seid lieb umarmt In Peace
Der brave Soldat Johannes (Jot Jot)

08.12.85

Lieber Asteris!

Herzlichen Dank für Deinen Brief. Habe mich sehr gefreut. Ritsos ist groß (muß ich noch ein paar mal lesen) … Ich habe inzwischen einige Gleichgesinnte gefunden, ein Unteroffizier ist auch dabei. Gestern Nacht haben wir uns bis halb zwei im Photolabor eingeschlossen (weil der Regimentsphotograph auch unter uns ist). Wir haben Texte gelesen, Tee getrunken und über die Schizophrenie im deutschen Militär gesprochen und mußten uns dann heimlich durch die Hintertür ins Bett schleichen, damit kein „Pope“ was mitkriegt, denn „Zusammenrottungen“ dieser Art sind natürlich verboten. Ansonsten ist jeder Tag hier wieder feldgrau. Das einzig gute ist die viele frische Luft. ABER WO IST DER FEIND? Morgen muß ich auf Wache ziehen. LANG LEBE DAS PAPILAND ……………

WER SITZT DANACH AM STRASSENRAND
UND WEINT ………
DER KLASSENFEIND
(Jot Jot)

FEUER!
Kanonier
FEUER!
Kanonier
FÜR DIE HEIMAT
FÜR DIE LIEBE
FÜR DEN KUSS

Kanonier (aus einem Soldatenlied)

Muß Schluß machen.
Viele liebe Grüße auch an Ina
Seid beide lieb umarmt.
Herzlich in Peace Euer (Dein und Dein) braver Soldat und großer Beschützer des Papilandes
JOHANNES (JOT JOT)

DEZEMBER (Arbeitsfassung)

Niemand kommt
klar wie sau
über die tage
vorm fest
sind zuerst
die schweigen
an kandarre und trog

majutka
teilweise
verwitwet
jetzt erst
recht solo
für blinde spiegel
gespendet
das grab der männer
gedeckt und geschändet

Anmerkungen zum Text:
– „kommt klar wie Sau“: Soldatenredeweise (einer der gut zurecht kommt)
– „Majutka“: Name einer Panzerabwehrrakete
– „Ich traf Majutkja mit dem ersten Schuß“: Anspielung auf die Initiative TREFFEN MIT DEM ERSTEN SCHUSS.

Ich fuhr die Straße hinunter und sah die Lichterketten an den Laternen, und die Schützenpanzer fuhren durch meinen Kopf. Ich traf Majutka mit dem ersten Schuß, und Majutka verfehlte ihr Ziel um 2 Millimeter. SPENDET DEN LEIDENDEN UND DEN STERBENDEN …

…. NUR KÜCHEN-
ABFÄLLE.

Unter dem Schnee war schwarzer Schlamm während des Eilmarsches versank ich knietief im Boden. (Ein Film vom Aresfeld / rückwärts)

Regiment Hohenstücken
5.12./7.12.85

Absender: Soldat Jot Jansen, 1800 Brandenburg, PF 23421/B-2

21.12.85

Liebe Ina, lieber Asti!

Hiermit wünsche ich Euch ein fröhliches Weihnachten und ein gesundheitlich gesundes neues Jahr und möchte Euch gleichzeitig zu einem Fest im kleinen Kreis am 5. Januar 86 gegen 19.00 (oder 20.00) einladen. Es wird eine Art vorträgliche Geburtstagsparty in meiner Wohnung, mit der ich meinen Sonderurlaub abfahre. Bringt bitte etwas zu trinken mit und so was wie gute Laune. Ich wäre sehr froh über Eure Anwesenheit.

Herzlich In Peace
Euer Johannes (z.Zt. braver Soldat und Beschützer des Papilandes)

16.1.87

Liebes Ehepaar Kutulas.

Ich danke Euch ganz herzlich für die Neujahrsglückwünsche. Ich sende Euch auch welche von den kältesten Orten Deutschlands, den Kriegsspielplätzen unserer ruhmreichen Armee. Die kälteste Nacht habe ich im Graben verbracht. Was sich die Menschen so ausdenken, um sich zu quälen. Mir wird ganz taub davon. Ich komme gerade von 14 Tagen Feldlager zurück und bin nicht sicher, ob ich noch lebe (was heißt „leben“). Ich habe keine Lust mehr. „Der Frontberichterstatter stirbt immer zu früh. Sein weißes Gesicht leuchtete kurz blau auf wie eine Neonwerbung bevor das Eis über ihm zusammen schlug. Ein Kojote und ein deutscher Soldat sind gestorben in einer Nacht. Es ist zu kalt in diesem Land.“ Ich habe keine Lust mehr auf Täuschland. Wie fühlt man sich in den eigenen Betten mit meinem Schutz im Rücken? Scheiße.

 Jot Jot Johannes

22.2.87

Lieber Asteris!

Ich bin zur Zeit für einen Monat in ein anderes Objekt kommandiert, wo ich was arbeiten sollte. Aber es gibt anscheinend nichts zu arbeiten. Es gibt nur zwei Dinge hier, schlafen und fressen, was dazwischen liegt ist der Versuch, sich abzulenken davon, daß nichts passiert. Einige führen belanglose Gespräche, andere pflegen ihre Fingernägel oder zählen die Wasserflecken an den Wänden. Ich liege auf meiner Pritsche und versuche mit dem Zeigefinger die längliche Form der Neonröhre zu verdecken, indem ich den Finger vor die Augen halte und mir Dunkelheit einbilde. Das Objekt ist fernab jedweder Zivilisation mitten auf einem Feld. Das nächste Dorf ist 5 km weg. Es ist ein Gefängnis mit einer Mauer drumherum und einem Hochspannungszaun, der tödlich ist und ich glaube daran, der Mensch ist ein Schwein. Es liegt viel Schnee hier. Hin und wieder, wenn Wind geht, kann ich das Surren des Zaunes hören. Die Farbe des Himmels wechselt selten. Ich sehe stundenlang auf einen Punkt, ohne daß dort etwas ist, was sich zu beobachten lohnt.

Ich danke Dir für das Buch, für das menschliche Zeichen inmitten dieser Einöde. Die letzten Tage sind die schlimmsten, 64 an der Zahl. Ich werde diese Zeit wohl nie los werden, aber das ist ganz gut. Es ist richtig, wenn man sich merkt, was der Mensch mit dem Menschen macht. Draußen passiert ja auch nichts anderes. Wir vergessen zu schnell. Ich grüße Dich so gut ich kann und Deine Frau auch.

Dein Jot Jot Jansen

*** *** ***
ICH
WEISS
SCHWARZ
GRAUT
DAS PAPIER
VOR AUGEN
UND
WIR TAUGEN
NICHT
FÜR DEN RÜCKWEG
GEFÄHRTEN
LASST EUCH
SEHEN
GEGEN MORGEN
GEHT KEINER
NACH HINTEN LOS.

Jot Jot

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Diese Briefe schrieb mir Johannes Jansen während seiner Armeezeit. Wir hatten uns einige Jahre vorher in Schwerin kennengelernt. Anlass war einer meiner Poetik-Seminare über Jannis Ritsos. Während eines dieser Seminare stellte ich ihm – genauso wie den anderen Seminarteilnehmern – die Aufgabe, auf der Basis einer Interlinearübersetzung eine Nachdichtung anzufertigen. Einige Monate später schickte er mir folgenden Text zu:

SEHR FREIE NACHDICHTUNG
Nach einem Gedichtfragment von Jannis Ritsos
Hommage a Asteris Kutulas


Ich fürchte mich vor der wiederkehrenden Harmonie
Ständig veränderte ich meine Position um anwesend zu bleiben
So vertrat ich die gleiche Meinung über unsere politischen Veränderungen
Und wechselte die Küchengeräte (Töpfe, Pfannen usw.)
Ich trug sehr moderne Regenmäntel haltbare
Und den schweren Schal vom Fallschirm des russischen Piloten aus den Jahren der Okkupation den ich auf einem verschneiten Gebirgskamm fand
Und da war noch jener getippte Beschluss der illegalen Parteiversammlung
Wo die Genossen mit brüderlicher Behutsamkeit
Gewisse metaphysische Bilder in meinen neuen Gedichten kritisierten
Und ich antwortete mit viel metaphysischeren Gedichten die einen tieferen Realismus besaßen
ähnlich jenem Shdanovs aber zusammen mit den verfehmten Katzen der Achmatowa
Ich glaube sie waren schwarz saßen ausgehungert hinter dem Fenster und betrachteten die Gewässer der Newa oder Moskwa ich erinnere mich nicht genau
Mit breiten Augen wie zwei erstarrte Zeitalter


Schwerin, den 8. August 1984
Johannes Jansen

Zeichnung von Johannes Jansen
Zeichnung von Johannes Jansen

Mauthausen | Songs of Humanity Tour 2020 (Farantouri & Kacholi)

Holocaust Memorial Tour

Ich bin eigentlich schon längere Zeit aus dem Konzertbusiness heraus, aber dieses Jahr hatte ich das Bedürfnis, eine Ausnahme zu machen: Anlässlich des 75. Jahrestages der Beendigung des 2. Weltkrieges und der Befreiung zahlreicher Konzentrationslager im Jahr 1945 organisiere ich zusammen mit Alexandros Karozas für Anfang 2020 eine Holocaust Memorial Konzerttournee mit der griechischen Sängerin Maria Farantouri (Athen) und dem israelischen Tenor Assaf Kacholi (Tel Aviv). Im Mittelpunkt des Konzerts steht der „Mauthausen“-Zyklus von Mikis Theodorakis. 

Holocaust Memorial Tour, directed by Asteris Kutulas
„Songs of Humanity“ Tour Plakat 2020

Hass und „United States of Love“

Für mich wurde es seit einigen Jahren immer beklemmender und furchteinflößender, miterleben zu müssen, wie sich der Hass um mich herum, in Deutschland, in Griechenland, in ganz Europa zunehmend ausbreitete und was er mit den Menschen macht. Wie dieser unsägliche Hass ausbrach und wie diese Hassausbrüche sich mehrten, was fortan beständig dazu führte, dass die Grenzen zur sprachlichen Gewalt und zur körperlichen Gewalt durchlässig und überschritten wurden.

Wir, die wir das Berlin der „United States of Love“ einen Lidschlag lang hatten genießen dürfen und glaubten, in ganz Deutschland wäre „Berlin“ zu erleben, schienen es jäh zu verlieren. Ich schreibe von Berlin, weil Berlin so oft zerrissen war, doch weil aus dieser Zerrissenheit immer wieder große Träume geboren wurden, Hoffnungen. Und daraus kam die Kunst – etwas, das Hoffnung an sich bedeutet. Darum wollten jahrzehntelang so viele nach Berlin. Was auch hieß: durch Berlins Türen in die Welt. Vielleicht kann man hier in Berlin sehr gut Abschied nehmen. Vieles, was ich tue, hängt mit dem zusammen, was ich in Berlin gefunden habe, in Ostberlin, in Westberlin, in Gesamtberlin: ungerade Lebensläufe, Veränderung als Lebensart.

Asteris Kutulas Anti Holocaust Text
Antifaschistisches Poster im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg

„Gespräch über Bäume“

Die Idee zu dieser Tour ist im veränderten Berlin entstanden. Berlin hat sich gewandelt, weil Deutschland sich gewandelt hat. Die Konzerte von Maria Farantouri und Assaf Kacholi sollen dazu beitragen, dass ein Ereignis wie das, zu dem es unlängst in Halle kam, nicht als kleiner Zwischenfall betrachtet wird. Diese Tour soll stattfinden als Bekenntnis unserer Wachheit und Sensibilität. Wir haben uns an solche Attacken wie die in Halle nicht gewöhnt. Eine jede dieser Attacken ist eine Zäsur, sie beschädigt das friedliche Zusammenleben, sie droht einem ganzen Land mit Einschüchterung. Keine dieser Attacken lässt uns ratlos verstummen. Jede löst Fragen und Unterhaltungen aus. Dem terroristischen Akt begegnet im Konzert das Lied. Brecht schrieb: „Was sind das für Zeiten, wo / ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist. / Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“ Wir meinen, es sind Zeiten angebrochen, die das Lied und damit unbedingt auch das „Gespräch über Bäume“ brauchen, weil dessen Humanität das Inhumane deutlich werden lässt.

Wahrhaftige Kunst schließt körperliche Gewalt aus. Wir machen diese Tour, um an jedem der Konzertabende, an jedem Veranstaltungsort ein „Gespräch über Bäume“ zu führen, statt in der Schockstarre zu verharren. Ängstliches Schweigen kann es nicht aufnehmen mit hasserfülltem Gebrüll. Die Stille zwischen zwei Noten oder zwischen zwei Liedern sehr wohl. Diese Stille ist stärker als jeder Lärm.

Mein Freund Jörg Krause brachte mich mit dem wunderbaren Sänger und großartigen Menschen Assaf Kacholi aus Tel Aviv zusammen, den viele als Tenor der Cross-Over-Band Adoro kennen, und zusammen mit Ina Kutulas und Alexandros Karozas entwickelten wir das Konzept für diese Tour.

Holocaust Memorial Tour, directed by Asteris Kutulas
Der Tenor Assaf Kacholi aus Tel Aviv

Maria Farantouri und Assaf Kacholi werden sich in ihrem Konzert für „einen Moment“ der dunklen Vergangenheit zuwenden. Sie wollen mit den Liedern des Mauthausen-Zyklus’ von Mikis Theodorakis, basierend auf den Texten von Jakovos Kambanellis, ein helles Licht tragen durch eine finstere Zeit. Diese Musik ist ein Aufleuchten. Melodien sind stärker als Furcht.

75 Jahre nach der Befreiung der Konzentrationslager Auschwitz, Mauthausen, Buchenwald, Dachau, Bergen-Belsen und unerträglich vieler anderer Lager erinnern die beiden Solisten an das Leid und zugleich an die Lebenssehnsucht der Millionen Menschen, die einer mörderischen Zeit ausgeliefert waren. Niemand blieb unberührt von diesem Terror. Niemand konnte frei wählen. Im bis vor Kurzem noch satten Europa hatte die Erinnerung sich Jahrzehnte nach 1932 eingerichtet wie in einem Wohnzimmer mit Schrankwand. Wie geht jetzt Hoffnung? Wie macht man Zuversicht? Mit Maria Farantouri und Assaf Kacholi können wir erleben, dass das Lied immer wieder Antwort gibt.

Asteris Kutulas, 15.11.2019