Schlagwort-Archive: Video Blinks

EGOciety by Ina Kutulas, Hanna von Beeskov & Asteris Kutulas

EGOciety – 365 DAYS | 365 SHORT POEMS | 365 VIDEO BLINKS

EGOciety, Ina Kutulas, Asteris Kutulas, Hanna von Beeskov

A work-in-progress video art diary by Ina Kutulas, Hanna von Beeskov and Asteris Kutulas 

EGOciety, Ina Kutulas, Asteris Kutulas, Hanna von Beeskov
EGOciety still frame

EGOciety | Ina, Hanna and Asteris, the three main protagonists of EGOciety, merge their individual diaries into a video manifesto of subjectivity.

EGOciety, Ina Kutulas, Asteris Kutulas, Hanna von Beeskov
EGOciety still frame

Ina writes a tristichon – a three-liner – every day for a year, 365 short poems in total, while Hanna and Asteris record their impressions on film every day. All three are self-confessed creative egoists, nervous and restless, each for himself, each in company. Walking down the street, crossing squares, working at the table and in the sky, sound material, plastic, rice, Immortelle, screen, housewares, plaster, sleep, acrylic, fibers, scissors, spray, liquid … control room door.

EGOciety, Ina Kutulas, Asteris Kutulas, Hanna von Beeskov
EGOciety still frame

Not a well-rehearsed team moving through the months, weeks and days, through changes of weather, light and mood. Each in their own space, but all three in Berlin, the city where they express themselves and where their individual artistic languages permeate and connect with each other. 

EGOciety, Ina Kutulas, Asteris Kutulas, Hanna von Beeskov
EGOciety still frame

EGOciety | A poetry-movie-installation with 365 video blinks on 365 short poems (German, English & Greek versions)

EGOciety, Ina Kutulas, Asteris Kutulas, Hanna von Beeskov
EGOciety still frame with Hanna von Beeskov

The common, invisible point of the EGOciety project is like something out of a fairy tale: The three gather, stick three knives into a tree stump, walk away, and when one or another of them returns, the knife blades are shiny or rusty. The process involves selective reassurance of each other, otherwise the three scatter in all four directions, in all four seasons, in the United States of Love.

EGOciety, Ina Kutulas, Asteris Kutulas, Hanna von Beeskov
EGOciety still frame

EGOciety – the very own thing, the relationship box, the power room of existence and being here.

CREDITS
Poems by Ina Kutulas
Concept by Asteris Kutulas
Films by Hanna von Beeskov & Asteris Kutulas
Directed by Asteris Kutulas & Hanna von Beeskov

Many thanks to WestBam, Georgios Kolios, Achilleas Gatsopoulos, Malvina Lorida, Marcell Besir, Patrick Barleben, Mike Geranios, The Greek Film Festival in Berlin and many others

THE GREEK FILM FESTIVAL IN BERLIN work-in-progress preview: 21.-23.3.2024 | 6pm to midnight | Babylon, Mirror Room, Rosa Luxemburg Square, Berlin

EGOciety, Ina Kutulas, Asteris Kutulas, Hanna von Beeskov
Preview poster for the test screening of „EGOciety“ (part 1)

EGOciety – 365 Video-Blinks mit 365 Kurzgedichten für alle und niemand

EGOciety, Ina Kutulas, Asteris Kutulas, Hanna von Beeskov
EGOciety still frame

Ina fängt seit mehr als einem Jahr ihre ganz persönlichen Impressionen eines jeden Tages in lyrischen Tristichen und in Bildern ein. Hanna  fotografiert, filmt und plastiziert ebenfalls täglich, genauso wie Asteris Tag um Tag fotografiert, filmt, schneidet, designt, produziert, schreibt.

EGOciety, Ina Kutulas, Asteris Kutulas, Hanna von Beeskov, Malvina Lorida
EGOciety still frame with Malvina Lorida

Alle Drei bekennende schöpferische Egoisten, nervös und rastlos, täglich unterwegs, jeder für sich, jeder in Gesellschaft. Wege-Gehen, Straßen-Ablaufen, Plätze-Überqueren, Arbeit am Tisch und am Himmel, Klangmaterial, Kunststoff, Reis, Immortellen, Bildschirm, Homeware, Gips, Schlaf, Acryl, Fasern, Schere, Spray, Liquid … Regieklappe Zimmertür.

EGOciety, Ina Kutulas, Asteris Kutulas, Hanna von Beeskov
EGOciety still frame

Kein eingespieltes Team, das sich hier durch alle Monate, Wochen, Tage bewegt, durch Wetter-, Licht- und Stimmungswechsel. Jeder in seinem Aktionsraum, doch alle Drei in Berlin, in der Stadt, in der sie sich ausagieren und ihre individuellen Kunst-Sprachen sich durchdringen und miteinander verbinden lassen. Permanente Anfremdungen und Versammnisse.

EGOciety, Ina Kutulas, Asteris Kutulas, Hanna von Beeskov
EGOciety still frame

Was der gemeinsame, unsichtbare Punkt bei diesem Work-In-Progress-Projekt ist, das mutet an wie in einem Märchen: Die Drei versammeln sich, stecken drei Messer in einen Baumstumpf, gehen fort, und wenn eine oder einer von ihnen dorthin zurückkehrt, glänzen die Messerklingen oder sie sind rostig. Der Prozess beinhaltet das punktuelle Einander-Rückversichern, ansonsten verstreun sich die Drei in alle vier Himmelsrichtungen, in allen vier Jahreszeiten, in den United States of Love.

EGOciety – das ganz eigene Ding, die Beziehungskiste, der Kraftraum des Daseins und Hierseins.

EGOciety, Ina Kutulas, Asteris Kutulas, Hanna von Beeskov
EGOciety still frame

EGOciety by Ina Kutulas, Hanna von Beeskov & Asteris Kutulas

Many thanks to WestBam, Georgios Kolios, Achilleas Gatsopoulos, Malvina Lorida, Marcell Besir, Patrick Barleben, Mike Geranios, The Greek Film Festival in Berlin and many others

© Asti Music, 2024 | info@asti-music.de

Electra 21 – A Liquid Staging installation

Video Blinks – Ein Konzeptkunst-Projekt (2013-19)

Artist’s Statement – Die Apassionata Video Blinks

Die Apassionata-„Video-Blinks“ sind ein Konzeptkunst-Filmprojekt, eine Art „Video-Tagebuch“ – mein subjektiver Blick auf Details der Apassionata-Show, die für mich besonders emotional, besonders spannend und besonders „künstlerisch“ sind. Ich „erschaffe“ mir meine Ideal-Show in kleinen kaleidoskopartigen „Schnipseln“, die für mich eine riesige Collage ergeben. Jeder Video-Blink ist wie der Vers eines Gedichts – ein Gedicht voller Melancholie, Schönheit und Dynamik.

Die „Video-Blinks“ (2013-19) wie auch die „Satellite Clips“ zu meinem Film „Dance Fight Love Die“ (2018) gehören für mich zum „Manifest der Emotion“ gegen das Kalt-Abstrakte der meisten mir bekannten Bühnen-Produktionen.

Hier, bei den Apassionata-Proben, schaue ich in die Gesichter der Tänzerinnen und Tänzer, der Reiterinnen und Reiter. Ich habe atmende Menschen vor der Kamera, die nicht nur „funktionieren“, sondern deren Individualität ich durch das Objektiv umso deutlicher sehe. Der tagelange Prozess, bei dem diese Menschen nicht von der ersten Stunde an ihre Show-Kostüme tragen, sondern deren Körper anfangs ganz anders eins sind mit den Körpern der Pferde und mit dem „Körper“ der Show, mit der Musik.

Die Luft, die aufgeladen ist, das Licht, das alles mit seiner Kraft verwandelt, der Augenblick der Transformation, wenn die Requisiten und Kostüme alles zu einer Geschichte machen – diese tagelange Entwicklung von morgens bis nachts nicht nur zu begleiten und mitzugestalten, sondern sie ab und zu mit der Kamera einzufangen, bedeutet auch für mich selbst Verwandlung.

Darum produziere ich seit etwa sechs Jahren – neben der Probenarbeit und wenn ich Zeit habe – diese „Video-Blinks“, die offenbaren, wie ich als Dramaturg und künstlerischer Berater die Apassionata-Show sehe, also seit wir sie – meiner Meinung nach – zu einem eigenständigen „Genre“ gemacht haben. 

© Asteris Kutulas, 2019

Video Blinks 2015 „Im Bann des Spiegels“ Show

Video Blinks 2016 „Cinema of Dreams“ Show

Video Blinks 2017 „Der Traum“ Show

The Apassionata Video Blinks Showcase

Meine Apassionata-Story, Teil 3 (Riesa-Tagebuch 2018)

„Apassionata Pferdeshow – Tagebuch, Riesa, 20. Oktober

Apassionata Pferdeshow Produktion „Der magische Traum“

Mittags: Pferde lügen nicht

Die Welt der Pferde und der Reiter ist eine ganz eigene, mir bis heute fremd gebliebene Welt, obwohl ich seit zehn Jahren mit der Apassionata beruflich so sehr verbunden bin. Kerstin Brein zum Beispiel war in meiner Vorstellung immer unsere „Pferdeflüsterin“ – bis zum heutigen Tag jedenfalls. Als ich Kerstin beim Mittagessen fragte, wie sie das macht mit dem „Flüstern“, bekam ich die für mich erstaunliche Antwort: „Wieso … Ich sage nichts zu den Pferden. Ich flüstere ihnen auch nicht zu. Ich höre ihnen zu.“ Die „Pferdeflüsterin“, die also gar keine ist, sagte das mit so einer mich verblüffenden Selbstverständlichkeit, dass ich gleich noch mal nachfragen musste: „Und wie kommunizierst du mit ihnen?“ Jetzt schaute mich Kerstin sehr verständnisvoll an, als würde sie gleich beruhigend meine Hand in ihre Hände nehmen. Dann erklärte sie mir: „Wenn ich zum Beispiel ein Pferd auffordere, nach vorn zu gehen, höre ich es sofort antworten. Zum Beispiel: Also jetzt hab ich gar keine Lust dazu! Oder das Pferd sagt zu mir: Endlich geht es los! Oder: Kannst du mich das vielleicht in fünf Minuten nochmal fragen? … Ich höre das einfach.“

Ich konnte mir die Frage nicht verkneifen: „Du verstehst die Pferde, als wären sie Menschen?“ – „Weißt du“, erwiderte Kerstin, „Menschen sind meistens skrupellos, aber Pferde lügen nie.“

Ich zeigte auf eines ihrer Pferde: „Was sagt dir der da?“ – „Ach, der Schimmel steigt sehr gern während der Show. Er liebt das!“ – „Und der da?“, wollte ich wissen. „Das Pony? Na ja, das Pony ist gerade unzufrieden mit seiner Situation und sagt zu mir: Das ist nicht mein Ding! Also lass ich es in Ruhe und frage es morgen noch mal …“ – „Und was ist mit dem da?“ Kerstin lächelte: „Der Fuchs verbeugt sich super und möchte das immer wieder tun.“ – „Und sie?“ – „Die Stute mag ihre Kollegen gerade nicht und beschwert sich bei mir über sie.“ Eine Frage musste ich noch loswerden: „Gibt es zwischen dir und den Pferden Reibereien?“ Und Kerstin antwortete mir geradeheraus: „Asteris, weißt du, was bei den Pferden so toll ist? Sie lügen nicht, und sie sind auch überhaupt nicht nachtragend. Auch untereinander nicht.“

„Hans, das Pferd“ schaute kurz zur Tür herein, durch die man aus dem Hof in’s Catering kommt, schüttelte wie besessen seine Mähne und trabte dann davon, völlig uninteressiert an unserem Gespräch.

Nachmittags: Das „Game of Thrones“ der Apassionata Pferdeshow

2009 war ich zum ersten Mal mit Apassionata in Riesa. Dieses Jahr bin ich zum zehnten Mal hier. Zehn Premieren habe ich bereits in Riesa erlebt. Eine Art Jubiläum. Heute gab es während einer nachmittäglichen Kaffeepause mit langjährigen Apa-Weggefährten eine Unterhaltung über diese letzten zehn Jahre. In der Runde auch mehrere Reiter und Klaus, ein Freund, den ich schon seit 1999, also seit meiner frühen Gert-Hof-Zeit kenne. Er fasste die Situation treffend zusammen: „Innerhalb von nur zwei Jahren verliert Peter Massine seine Firma „Apassionata World GmbH“ und das Apa-Park-Projekt in München an die „Chinesen“, seine Marke „Apassionata“ wird von seinen alten Partnern und die „Chinesen“ durch dutzende Gerichtsprozesse in Frage gestellt, Massine selbst ist „bankrott“ und hoch verschuldet, hat immense Anwaltskosten und keinen Plan. Ist doch Wahnsinn! Alles aus dem Ruder gelaufen … Alles.“ Klaus fasste sich an den Kopf.

Abends: Die Ästhetik der Melancholie

Die Probe ist vorbei, tiefe Stille im Hotelzimmer, langsam komme ich zu mir. Probenzeit ist Adrenalin-Zeit. Alles in der Show muss ineinandergreifen, alles muss sich „vollenden“. Außerdem ist es die Zeit, in der die Nerven blank liegen, die Zeit der Gefühlsaufwallungen und Krisen. 100 Menschen stehen unter Druck, viele haben Stress, manche kommen klar mit der Situation, andere nicht. Es ist wichtig zu vermitteln, zu beruhigen, Mut zu machen und zuversichtlich zu sein. „Alles wird gut.“

Dramaturgie bei der Apassionata Pferdeshow

Meine Aufgabe als Dramaturg und als künstlerischer Berater bestand darin, Strategien für die Show zu entwickeln und als Sparring-Partner den Regisseur jedes Jahr auf’s Neue auf dem Weg zur jeweils aktuellen Show zu begleiten und ihn beim intensiven, monatelangen, schöpferischen Prozess zu unterstützen. Ich sorgte dafür, dass der Video-Content „filmischer“ und interaktiver wurde und dass mit den Jahren die „Reiter“ immer mehr als „Darsteller“ gesehen und eingesetzt wurden. Das Licht wurde emotionaler und „bühnen-gemäßer“ eingesetzt, der Tanz, also die Choreographie, erhielt eine immer wichtigere Rolle. Der von Holger Ehlers entwickelten Storyline-Skizzen gaben die Autorin Ina Kutulas und ich eine immer größere Tiefe, was bis zum Einsatz recht anspruchsvoller literarischer Texte ging, die spezifisch für unsere Show und unser Publikum von Ina Kutulas entwickelt und geschrieben wurden. Hier das zentrale Gedicht der Show „Der Traum“ von 2017 und „Der magische Traum“ von 2018:

Ina Kutulas
Zoes Gedicht für die Welt

Ich träum, wie die Welt das Leben erträumt
Ich träum, wie die Milchstraße all ihre Sterne
aufziehen lässt über der atmenden Erde
Und ein Wort dringt an mein Ohr – Liebe
So singt es das Lied einem jeden,
der sich des Lebens Fülle erdenkt,
Traum, der sich wieder und wieder schenkt
Ich träum von deiner Liebe
wie der Fluss von seiner irdischen Quelle
wie der Kristall von Sonnenhelle
wie die Feder von des Vogels Flug
wie das Schwert, das nicht gezogen wird
so scharf es auch ist
Ich träume von dir – Wie nah du bist
Ich träum, wie die Welt das Leben erträumt
ein Leben, das keinen Tag versäumt
Ich träum von deiner Liebe
die mir erblüht wie diese Rose
Immer steht sie im duftenden Licht des Gartens
in dieses Gartens ergrünendem Raum
wo alle Linien, wo alle Zweige
einander berühren, einander begegnen
wie in einem Herzen, zu dem alle Wege führen
Hoffendes Herz – von ihm spricht ein jeglicher Baum
 
Ich hör es schlagen, dein Herz
wie wenn wieder und wieder ein Tropfen fällt
aus des Himmels Meer in des Gartens Welt
Ich träum, wie die Welt das Leben erträumt
Ich weiß von der Liebe, denn ich weiß von den Bäumen
Lass mich mit dir vom Erblühen träumen
Es ist keinen Tag für das Leben zu spät
Ich weiß von den Bäumen: Jeder Winter geht
gibt die Erde ihr Schwarz den Lichtstrahlen preis
Ich sag dir, was ich vom Leben weiß
Liebe – ein Wort, und es bricht dunkles Eis.

Was den TANZ anbelangt, sind wir so weit gegangen, dass wir ab 2017 mit Katherina Markowskaja und Maxim Chashchegorov zwei Solisten von Weltrang engagierten, die vom Bayerischen Staatsballett kamen, und erstmalig setzten wir einen „Tanzboden“ ein, um diesen Höhepunkt der Tanzkunst in unserer Show zeigen zu können. Plötzlich war es möglich, dass in einer Arena auf Spitzen getanzt und sogar klassisches Ballett aufgeführt werden konnte. Eine kleine Sensation.

Strategie für eine Apassionata 2.0

Die strategische Frage, die Peter Massine mir 2009 gestellt hatte, und die ich damals als Berater beantworten musste, lautete: Jedes Jahr zeigen dieselben Pferde dieselben Dressuren, mit minimalen Variationen in der Darbietung. Wie können wir erreichen, dass die Menschen mehrmals, im besten Fall jährlich, zur Show kommen, ohne sich irgendwann fürchterlich zu langweilen? Und wie kann so eine Show auch für diejenigen zum Erlebnis werden, die keine Pferde- oder Tierliebhaber sind?

Ich entwickelte 2010 die Strategie für eine Apassionata 2.0 – also eine Show, die 1) für ein großes (nicht nur Pferde-affines) Publikum bestimmt war, die 2) zugleich immer auf der Höhe der Zeit sein sollte und die 3) so unikal sein musste, dass kein Konkurrent sie kopieren konnte. Nur dadurch konnte das Überleben der Apassionata langfristig gesichert werden. Der Kern dieser Strategie bestand darin, einen Künstler zu finden, der sie umsetzen und damit der Show seinen Stempel aufdrücken konnte, wie es Guy Laliberté mit dem Cirque du Soleil getan hatte.
Wie ich bereits in meinem vorherigen Tagebucheintrag schrieb, war dieser Künstler für mich Holger Ehlers, ein „Prol“ unter den Show-Machern, ein „Underdog der Szene“, ein authentischer, spontan-emotionaler Künstler, ein Naturtalent, der ein sehr feines Gespür für das Publikum hat.

Die Entscheidung für dieses Konzept mit Holger als Kreativ-Direktor, das ich Peter damals vorschlug und das er letztendlich mittrug, hatte zur Folge, dass Holger mit meiner Unterstützung die gesamte Show seit 2010 immer mehr auf Wirkung und auf Emotion hin ausrichtete. Dadurch wurde Apassionata im Laufe der letzten 10 Jahre im Hinblick auf die Publikumsresonanz immer erfolgreicher, und auch die Presse bewertete unsere Show immer positiver. „Im Bann des Spiegels“, „Cinema of Dreams“ und „Der magische Traum“ waren die Höhepunkte. Holger Ehlers hat – zusammen mit mir – sowohl die Vision dieses neuen Genres entwickelt, als auch – vor allem durch die Kompositionen – das ganz spezifische „Apassionata-Feeling“ kreiert, das neben der Musik durch Holgers Bildwelt, seine Kostümvorgaben, sein Regiekonzept und seine Philosophie – die Pferde als „emotionale Props“ einzusetzen – definiert wird.

Wie ich bereits schrieb, bin ich davon überzeugt, dass wir ab etwa 2013 ein „neues Genre“ kreiert haben, indem wir ein Gleichgewicht zwischen Mainstream und künstlerischem Anspruch herstellten, um unser Publikum zu erreichen, zu begeistern und die Besucherzahlen zu erhöhen. Uns ist das gelungen, weil wir schrittweise folgende Elemente der Show ausgebaut bzw. neu in die Show eingebracht haben:

MUSIK | Eine sehr ausgefeilte, auf die Pferde und das Apassionata-Publikum abgestimmte Musik
DRAMATURGIE | eine dramaturgische Linie, die immer perfekter wurde und durch Straffung und Abwechslungsreichtum dazu angetan war, den Spannungsbogen zu halten und weiter zu erhöhen
EQUIPEN CROSSOVER | Mix-Bilder unterschiedlicher Pferde-Rassen wurden generiert, die es bis dahin in noch keiner anderen Pferdeshow gegeben hatte
PFERDE-„BILDER“ | Eigenständige, Show-affine Pferde-„Bilder“ wurden von uns entwickelt, die zuvor in keiner anderen Show zu sehen gewesen waren
VIDEO-CONTENT | Ein immer „filmischerer“ Video-Content wurde kreiert, der immer „interaktiver“ und publikumswirksamer eingesetzt werden konnte
LICHT | Durch das Konzept für eine neue Licht-Ästhetik und einfache Innovationen im Bereich der Bühnenkonstruktion konnte die Arena-Bühne intimer und „theatralischer“ gestaltet werden
TANZ | Es erfolgte eine absolute Aufwertung der Tanzeinlagen und der Choreographie, die nicht Lückenfüller blieben, sondern die zu eigenständigen Show-Elementen wurden und seitdem sowohl als Solo-Nummern als auch in Korrespondenz mit den Pferde-Choreografien funktionieren etc. etc.

All diese Elemente, die heute selbstverständlich sind, mussten ab 2009 schrittweise und gegen große Widerstände des „Apassionata-Establishments“ durchgesetzt werden. Das hing u.a. damit zusammen, dass sowohl die Equipe-Chefs als auch die Apassionata-„Bürokratie“ (die noch unter dem Schock der Gert-Hof-Produktion von 2008 standen) keine Veränderungen wollten.

2009 gab es noch etliche Dogmen: Wir hatten u.a. zu kämpfen mit erheblichen Restriktionen im Hinblick auf die Reiter-Kostüme. Es durfte während der Pferde-Auftritte kein bewegtes Licht in der Arena und überhaupt kein Licht auf dem Arena-Boden eingesetzt werden. Es gab keine Verschmelzung von Tanz- und Pferde-Nummern. Und wie lang eine jede Dressur-Nummer war, das lag im Ermessen des jeweiligen Reiters etc. etc. etc.

Die Equipen wurden hofiert und gehätschelt und eben nicht wie normale „Darsteller*innen“ behandelt, die den Regeln und Anforderungen des Kunstbetriebs zu folgen hatten. Bis 2009 (mit Ausnahme der Gert-Hof-Show) standen nicht die SHOW und auch nicht die PFERDE im „Mittelpunkt“ , sondern die jeweiligen Equipe-Chefs mit ihren Traditionen und Befindlichkeiten. Zudem „gehörte“ die damalige Apassionata-Revue – durch die Aussparung bzw. Nivellierung des künstlerischen Elements – ALLEN, die „irgendwie“ mitmachten. Alle, vom Pförtner bis zum Buchhalter, durften ihre Meinung sagen und sich „einbringen“. Der Herrschaft des Mittel- und des Zehntel-Maßes war Tür und Tor geöffnet. Bekanntlich ist Kunst aber eine „diktatorische“ Angelegenheit. Oder um es anders auszudrücken: Kunst muss immer den Fingerabdruck eines Künstlers haben.

Zäsuren bei der Apassionata Pferdeshow

Gert Hofs Inszenierung von 2008 hatte das absolut, deshalb machten wir, was die künstlerische Seite anbelangte, enorm wichtige Erfahrungen. Aber Gerts Show scheiterte unter anderem an einem – damals scheinbar peripheren und deshalb von etlichen unterschätzten – Detail, das – von mir angeregt – Holger Ehlers zwei Jahre später grundsätzlich veränderte: Das Primat der Musik mit einer vom Autor und Komponisten der Show festgelegten Länge war 2008 noch nicht gegeben, so dass Gert seine Inszenierung dramaturgisch nicht wirklich hatte „planen“ und umsetzen können. Die Inszenierung war zu jener Zeit letztendlich noch immer der Willkür der variierenden Pferdenummern-Länge unterworfen.

2010 setzte ich mit Holger erstmals durch, dass die Show sekundengenau auf die vorgegebene Musik programmiert wurde, von Anfang bis Ende – und alle Equipen hatten sich daran zu halten. Das war die Revolution, unsere „kopernikanische Wende“, wie ich es nannte. Von da an konnte man die Show kontrollieren und dramaturgisch-künstlerisch ausgestalten, und erst ab da war es möglich, in „Bildern“ zu denken und wie auf einer Theater- oder Opernbühne zu inszenieren! Natürlich gibt es Riesenunterschiede zwischen einer Theaterbühne und einer Arena-Situation, wie man sie bei Apassionata hat. Trotzdem war es erforderlich, Bühnenästhetik-Erfahrungen zu nutzen, um ein neues Konzept für eine Apassionata zu entwickeln, von der sich nicht alsbald das Publikum verabschieden sollte, weil es schon x-mal das Gleiche gesehen hatte. Denn Apassionata war bis dahin eine einfache Pferde-Nummern-Show. Und Pferde-Nummern-Shows – das konnte nicht nur Apassionata.

Um nicht missverstanden zu werden: Natürlich stehen die „Pferde“ weiterhin im Mittelpunkt der Apassionata. Allerdings überwiegt der „künstlerische Aspekt“ inzwischen sowohl akustisch als auch optisch und vor allem in der Gesamtwahrnehmung. Seit 2010 nutzt Holger das emotionale Element der „Melancholie“ – wie bereits Gert Hof 2008 – in seinen Inszenierungen und befreit dadurch die Pferde davon, „nur als Vorzeigeobjekte benutzt“ zu werden. Sie sollen als freie, selbstbewusste Wesen, die sie sind, präsentiert werden. Holger bettet die Pferde-Dressuren ein in einen sie kontrapunktisch umhüllenden musikalischen Kontext, wobei die spezifische Ausgestaltung von Melodik, Harmonik und Rhythmus entscheidend ist.

Die Apassionata-Shows „Im Bann des Spiegels“, „Cinema of Dreams“ und „Der magische Traum“ sind – als Höhepunkte der oben beschriebenen Entwicklung – jede für sich einzigartig, jede ein künstlerischer Fingerabdruck des Autors und Regisseurs Holger Ehlers und seines Teams.

Nachts: Vision „Freiheit“

Es ist inzwischen spät in der Nacht. Ich erinnere mich an mein mittägliches Gespräch mit unserer „Pferdeflüsterin“ Kerstin Brein. Ihre letzte Frage an mich lautete: „Asteris, welche ist denn deine Vision von einer idealen Apassionata-Show?“ Worauf ich sofort und ohne zu überlegen antwortete: „Eine Show wie im „Theater“. Bestehend nur aus „Freiheits-Nummern“. Also eine Show nur mit „Pferdeflüsterern“ und ihren Pferden. Auch mit Trickreiten, Comedy-Nummern und sogar mit „klassischen Dressuren“ – alles, was möglich ist, aber ohne schmerzhafte Dressurmethoden, ohne Peitschen, Kandaren, Sporen, keine Rollkur. Ohne Gewalt. Mit Pferden, die nicht lügen, aber auch mit Menschen, die freigeistig und nicht skrupellos sind.“ Kerstin wurde still und nachdenklich, und ich merkte ihr an, dass sie meinen Gedanken gut fand. Wir gingen lächelnd unserer Wege – sie zu ihren Pferden, ich zu meinem Laptop. Die Apassionata wie ein großes Gedicht. „Schreibe ich deinen Namen … „. Paul Éluard kam mir plötzlich in den Sinn. „Freiheit … “ Liberty.

© Asteris Kutulas
Riesa, 18.-20.10.2018

Meine Apassionata-Story – Tagebuch, Teil 1 (Oktober 2018)
Meine Apassionata-Story – Tagebuch, Teil 2 (Oktober 2018)
Meine Apassionata-Story – Tagebuch, Teil 3 (Oktober 2018)
Meine Apassionata-Story – Tagebuch, Teil 4 | Das Ende (Oktober 2019)
Meine Apassionata-Story – Tagebuch, Teil 5 | Das Nachspiel (Oktober 2021)

Apassionata – Der Vorhang fällt (Riesa-Tagebuch 2019)

Apassionata – „Der Traum“: Video-Diary/Tagebuch 2017

Rehearsal Video Blinks „Apassionata – DER TRAUM“ Show

Four video blinks I have shot with my iPhone 6s during the rehearsals of the Apassionata show „Cinema of Dreams“ in Riesa (October 2017). This show was created and directed by Holger Ehlers. I was involved in this show production as a dramaturg and an artistic consultant.

Asteris Kutulas, Riesa, 23.10.2017

Riesa, 26.10.2017

Riesa, 27.10.2017

Riesa, 28.10.2017

Apassionata-Tagebuch, Riesa, 22. Oktober 2017 (fast Mitternacht)

Produktion „Apassionata – Der Traum

Apassionata, Asteris Kutulas
Daphne De Visser mit ihrem Pferd

Bei Apassionata heißt jeder Raum: SaniTATsraum. Denn bei Apassionata ist die TAT immer eine Gute Tat, eine Nützliche Tat, eine Rettende Tat, und am heutigen Sonntag ist dieses Tun als Sonntagsgebet zu verstehen. “Wir müssen dankbar sein.” Unser tägliches Brot rhythmisiert seine Krumen zusammen mit Lampes Lichtern, mit den Waschmaschinen, die im Schleudergang singen, mit dem Kurzschluss, der einen feuerlosen Blitz auslöste und nachfolgend blitzschnelle Handlungen an der Tafel, auf der die Teller bereitstehn. Ob es mittags warmes Essen geben wird, ist keine Frage. Den Cateringbereich fasst das sanfte Schwingen der Vorhänge ein. Ist eine Plastik farbig bemalt, heißt es auch, sie sei “farbig gefasst”.

Apassionata Der Traum, Asteris Kutulas
Proben in Riesa, 2017

Gefasstheit – darauf schwört Steffen, der Produktionsleiter. Gefasstheit – darauf schwört Matze, der Stage-Manager. Gefasstheit – darauf ist das große Portal eingeschworen, das die Projektionen einrahmt. Im Cateringbereich erneuert sich die Gefasstheit der Crew. Das weite Weiß – die Farbe des Friedens, gepaart mit Blau. Das weite Weiß hat sich seinen Einflussbereich geschaffen. Das Blau in den Ecken. So, wie das Luftschiff die Briefe in die Ecken der Welt trägt, von wo Rettung für die Erde nahen wird, so bildet das Blau hier Raumecken, aus denen sich ausgleichende Stimmung speist. Ein wahrer Speise-Raum also. Schöner als je zuvor.

Apassionata Der Traum Asteris Kutulas
Proben in Riesa, Oktober 2017

Der weiße Flanell macht sich gut. Diese unangestrengte Feng-Shui-Energie besänftigt das Große Ganze. Dreimal am Tag. Die Wirkung bleibt nicht aus. Scharfe Kanten fehlen. Scharfe Worte fallen nicht. Scharfe Zungen schweigen. Scharfe Gedanken zur richtigen Zeit. Das Gulasch hat die nötige Schärfe. Der Basilikumtopf wird mit Wasser bedacht. Hund Woppi kämpft um nichts und bekommt seinen Wiesenspaziergang. Hannah begegnet Mascha. Die Küche gibt alles und wechselnde Musik mit Prophezeiungen. Gestern hieß es: “Diese Welt geht endlich unter”. Heute ist heute und Sonntag, heute geht die Sonntagswelt auf, Gott will Blues hören, und des Himmels Geschenk ist diese neue Welt unter der Sonne und in der Halle.

Text & Fotos © Ina & Asteris Kutulas

„Cinema of Dreams“ Apassionata Show – Video Blinks 2016

Rehearsal Video Blinks Apassionata „Cinema of Dreams“ Show 2016

The Apassionata Video Blinks are a concept art film project, an artificial „video diary“ – my subjective look at details of the Apassionata show that were particularly emotional, particularly exciting and particularly „artistic“ for me. Small kaleidoscopic „snippets“ that make up a huge collage. Each Video Blink is like the verse of a poem – a poem full of melancholy, beauty and dynamics. || I produced in this way 2016 – alongside rehearsal work and when I had time – 4 Video Blinks, that is, 4 video snippets that reveal my view as executive producer and since 2013 as the dramaturg of the show. The 4 video blinks I have shot with my iPhone during the rehearsals of the Apassionata show „Cinema of Dreams“ in Riesa (October 2016). I was involved as a dramaturg and an artistic consultant. 

Postskriptum zu meinen Video-Blinks

Die Apassionata-„Video-Blinks“ sind ein Konzeptkunst-Filmprojekt, eine Art „Video-Tagebuch“ – mein subjektiver Blick auf Details der Apassionata-Show, die für mich besonders emotional, besonders spannend und besonders „künstlerisch“ sind. Ich „erschaffe“ mir meine Ideal-Show in kleinen kaleidoskopartigen „Schnipseln“, die für mich eine riesige Collage ergeben.

Jeder Video-Blink ist wie der Vers eines Gedichts – ein Gedicht voller Melancholie, Schönheit und Dynamik. Hier, bei den Apassionata-Proben schaue ich in die Gesichter der Tänzerinnen und Tänzer, der Reiterinnen und Reiter. Ich habe atmende Menschen vor der Kamera, die nicht nur „funktionieren“, sondern deren Individualität ich durch das Objektiv umso deutlicher sehe.

Der tagelange Prozess, bei dem diese Menschen nicht von der ersten Stunde an ihre Show-Kostüme tragen, sondern deren Körper anfangs ganz anders eins sind mit den Körpern der Pferde und mit dem „Körper“ der Show, mit der Musik. Die Luft, die aufgeladen ist, das Licht, das alles mit seiner Kraft verwandelt, der Augenblick der Transformation, wenn die Requisiten und Kostüme alles zu einer Geschichte machen – diese tagelange Entwicklung von morgens bis nachts nicht nur zu begleiten und mitzugestalten, sondern sie ab und zu mit der Kamera einzufangen, bedeutet auch für mich selbst Verwandlung. Darum produziere ich seit 2014 – neben der Probenarbeit und wenn ich Zeit habe – diese Apassionata „Video-Blinks“, die offenbaren, wie ich als Dramaturg die Apassionata-Show sehe, also seit wir sie – meiner Meinung nach – zu einem eigenständigen „Genre“ gemacht haben. Die Apassionata „Cinema of Dreams“ Video Blinks zeugen auch von diesem Prozess.

Asteris Kutulas

„Im Bann des Spiegels“ Apassionata Show – Video Blinks 2015

https://asti-blog.de/2017/10/31/apassionata-kutulas-diarytagebuch-traum/

„Im Bann des Spiegels“ Apassionata Show – Video Blinks 2015

Rehearsal Video Blinks „Im Bann des Spiegels“ Show

Video blinks: my view of some rehearsal moments of the Apassionata show in Riesa in October 2015. This show was created and directed by Holger Ehlers. I was involved as dramaturg and artistic consultant. I have shot these blinks with my iPhone during our rehearsals. With Lana, Olena, Joazi, Andreas, Laurent, Giulia, Gilberdan, Maia, Michal, Angelina, Iury and all others from our phantastic Apassionata team.

Asteris Kutulas, Riesa, October 2015

Postskriptum zu meinen Video-Blinks

Die Apassionata-„Video-Blinks“ sind ein Konzeptkunst-Filmprojekt, eine Art „Video-Tagebuch“ – mein subjektiver Blick auf Details der Apassionata-Show, die für mich besonders emotional, besonders spannend und besonders „künstlerisch“ sind. Ich „erschaffe“ mir meine Ideal-Show in kleinen kaleidoskopartigen „Schnipseln“, die für mich eine riesige Collage ergeben.

Jeder Video-Blink ist wie der Vers eines Gedichts – ein Gedicht voller Melancholie, Schönheit und Dynamik. Hier, bei den Apassionata-Proben schaue ich in die Gesichter der Tänzerinnen und Tänzer, der Reiterinnen und Reiter. Ich habe atmende Menschen vor der Kamera, die nicht nur „funktionieren“, sondern deren Individualität ich durch das Objektiv umso deutlicher sehe.

Der tagelange Prozess, bei dem diese Menschen nicht von der ersten Stunde an ihre Show-Kostüme tragen, sondern deren Körper anfangs ganz anders eins sind mit den Körpern der Pferde und mit dem „Körper“ der Show, mit der Musik. Die Luft, die aufgeladen ist, das Licht, das alles mit seiner Kraft verwandelt, der Augenblick der Transformation, wenn die Requisiten und Kostüme alles zu einer Geschichte machen – diese tagelange Entwicklung von morgens bis nachts nicht nur zu begleiten und mitzugestalten, sondern sie ab und zu mit der Kamera einzufangen, bedeutet auch für mich selbst Verwandlung. Darum produziere ich seit 2015 – neben der Probenarbeit und wenn ich Zeit habe – diese Apassionata „Video-Blinks“, die offenbaren, wie ich als Dramaturg die Apassionata-Show sehe, also seit wir sie – meiner Meinung nach – zu einem eigenständigen „Genre“ gemacht haben.

Asteris Kutulas, 29.6.2016

„Cinema of Dreams“ Apassionata Show – Video Blinks 2016