Archiv der Kategorie: Liquid Staging (Bühnen-Ästhetik)

Lights of Hope – Interview von Lisa Schaft (pma) mit Asteris Kutulas

Titel-Story „Lights of Hope“ in der pma-Zeitschrift (06/2020), Photos von © Ralph Larmann

Olympiacos FC – Lights of Hope Event 2020 by Asteris Kutulas

pma: Herr Kutulas, können Sie uns Ihre Showdesign-Grundidee etwas näher erläutern, die Sie entwickelt haben für den Stadion- und den Hafen-Event anlässlich der Siegesfeierlichkeiten der 45. Griechischen Fußball-Meisterschaft in Athen?

Kutulas: Ich wollte in dieser außerordentlichen Zeit von Covid-19 etwas sehr Emotionales kreieren und die Olympiakos-Mannschaft, ihre Fans und das TV-Publikum wenigstens symbolisch zusammenbringen und sie auf diese Weise gemeinsam feiern lassen. Um das zu erreichen, habe ich beim Stadion-Event einen Live-Act mit Projektions-Kunst, mit Licht-Design, mit Musik und mit Laser-Kunst zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzen.

In Piräus inszenierte ich den Pasalimani-Hafen „amphitheatralisch“, indem ich diese wunderbare Landschaft und die Architektur des Hafens durch 5 symmetrisch angelegte Punkte, die mit Pyro, Feuerwerk und Laser bestückt waren, tatsächlich zum Leuchten gebracht habe.

Ergebnis waren der Stadion-Event und der Hafen-Event am selben Abend. Die polymediale Show im Stadion ergab ein tolles Gesamtbild und zugleich spannende Detailperspektiven. So konnten die Kameraaufnahmen vom Event für das Fernsehen wie ein Videoclip geschnitten und wie ein solcher gezeigt werden. Immerhin haben wir ja in einem Stadion mit pandemiebedingt leeren Sitzreihen für Millionen von Fernsehzuschauern emotionale Botschaften der Freude und der Hoffnung produziert. Auch der Hafen-Event war für das Fernsehen konzipiert, aber durch die Größe des Hafens konnten viele Menschen diese Augenblicke auch live – zusammen mit der Olympiakos-Mannschaft – erleben.

Titel-Story „Lights of Hope“ in der pma-Zeitschrift (06/2020), Photos von © Ralph Larmann

pma: Über welchen Zeitraum reden wir, wenn wir von der Entwicklung der Ursprungsidee und dem Beginn der organisatorischen Vorbereitungen bis hin zur endgültigen Umsetzung dieser fantastischen Show sprechen?

Kutulas: Es gab gar keinen „Zeitraum“. Ich bekam am 25.6. eine Einladung, am übernächsten Tag nach Athen zu fliegen, mich mit den Verantwortlichen von Olympiakos zu treffen und innerhalb kürzester Zeit ein Konzept vorzulegen, weil der Event drei Wochen später stattfinden sollte. Ich flog nach Athen, entwickelte innerhalb von zwei Tagen das Konzept für einen Doppel-Event im Stadion und im Hafen und erarbeitete dann mit meinem Team und dem Team von Olympiakos die Kalkulation. Die positive Entscheidung fiel am 6.7., also 13 Tage von dem Event. Es war eine – im wahrsten Sinne des Wortes – Wahnsinns-Herausforderung und eine unglaubliche Leistung des gesamten Teams, in der Kürze der Zeit parallel zwei Events einer solchen Größenordnung zu stemmen. Mir kam sowohl meine frühere Produzententätigkeit bei den mehr als 40 Gert-Hof-Events zwischen 1999 und 2010 zugute als auch der Umstand, dass ich mich in den letzten drei Jahren intensiv mit Show-Ästhetik, Bühnen-Design und Konzept-Kunst beschäftigt habe. Ich hatte also fertige Ideen im Kopf, die „nur noch“ auf die Umsetzung warteten.

Live-Act des Events: Kinderchor Piräus & DJ Antonis Dimitriadis, Photo von © Dionissis Koutsis

pma: Es steckt viel Arbeit in einem Design für so eine spektakuläre Show wie diese. Wie viele Menschen bzw. Teams waren daran beteiligt? Wer hat an der Erarbeitung des Designs und an der Umsetzung mitgewirkt?

Kutulas: Ich konnte mich bei diesem Doppel-Event auf phantastische Kollegen stützen, die innerhalb kürzester Zeit wahrlich „gezaubert“ haben. Ich meine den Projektions-Künstler Ross Ashton aus London, den Lichtdesigner George Tellos und den Feuerwerksdesigner Pavlos Nanos aus Athen, den Grafiker Achilleas Gatsopoulos aus Berlin und den Laserdesigner Daniel Brune aus Hürth. Und natürlich die beiden Komponisten Marios Joannou Elia aus Zypern und Alexandros Karozas aus Frankfurt, aber auch DJ Antonis Dimitriadis aus Athen. Für mich ist die Musik immer die „Mutter“ einer jeden Show, weil sie unmittelbar die Emotionen der Zuschauer anspricht und die Dramaturgie für den gesamten Event bestimmt.

Titel-Story „Lights of Hope“ in der pma-Zeitschrift (06/2020), Event-Photos von © Ralph Larmann, Asteris Kutulas Photo von © Guido Karp

pma: Bei jedem Showdesign ist das künstlerische Anliegen von Bedeutung. Was möchten Sie mit dem Showdesign dieses Events bewirken? Welche emotionale Dimension ist Ihnen wichtig?

Kutulas: Ich habe diesem Doppel-Event den Titel LIGHTS OF HOPE gegeben. Was den Pasalimani-Hafen in Piräus anbelangt, so ist damit erstmals nach der Covid-19-Anfangswelle 2020 ein Public/TV-Event in einer solchen Größenordnung realisiert worden. Ich wollte mit LIGHTS OF HOPE ein Zeichen der Zuversicht von Piräus in die Welt aussenden. Sowohl der Sport als auch die Kunst bringt Menschen zusammen, also habe ich diese beiden Welten „zusammengebracht“, um genau das zu vermitteln: Haltet zusammen! Kämpft! Liebt! Verliert nicht die Hoffnung!

pma: Gab es Hindernisse, die bei der Organisation und Planung (sowohl des Stadion- als auch des Hafen-Events) berücksichtigt werden mussten bzw. mit denen man rechnen musste? Wenn ja – wie konnten diese Schwierigkeiten bewältigt werden?

Kutulas: Die Situation der Covid-19-Pandemie schwebte ständig über der gesamten Organisation – wie ein Damoklesschwert –, was sehr viele dadurch bedingte Einschränkungen zur Folge hatte. Aber das größte Problem stellte die Kürze der Zeit, die weder für den Stadion- noch für den Hafen-Event eine Generalprobe zuließ. Das nur als ein Beispiel von mehreren. Wir mussten quasi „blind fliegen und landen“. Aber wir haben es geschafft. Das Olympiakos-Organisationsteam war großartig; ich habe die letzten sieben Nächte vor dem Event fast gar nicht geschlafen, Ross Ashton schickte die letzten Einzelbildsequenzen für die Projektion am Tag der Show, Daniel Brune erfuhr seine finalen Standorte 24 Stunden vor dem Event und war dadurch gezwungen, sein Laser-Design völlig neu zu justieren und zum Teil neu zu programmieren, Oliver Schulze musste im Stundentakt den Projektions-Content neu einspielen und testen lassen, George Tellos stellte 40 Stunden vor Show-Beginn fest, dass falsche Lampen geliefert worden waren, und der ziemlich komplizierte Aufbau am Hafen wurde erst am vorletzten Tag genehmigt. Das alles klingt doch nach einer recht sportlichen Leistung – oder?

Titel-Story „Lights of Hope“ in der pma-Zeitschrift (06/2020), Photos von © Ralph Larmann

 

CREDITS | Lights of Hope | From Olympiacos FC & Piraeus to the World

Created & directed by Asteris Kutulas
Music Marios Joannou Elia, Alexandros Karozas & DJ Antonis Dimitriadis

Piraeus Children Choir conducted by 
Projection Art Ross Ashton
Laser Motion Design Achilleas Gatsopoulos
Light Design George Tellos
Laser Design Daniel Brune
Pyro & Fireworks Design Pavlos Nanos
Musical Directors DJ Antonis Dimitriadis & Alexandros Karozas
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Technical Director Aris Koudouris | Music Production Nick Elia & Alexandros Karozas | Light Programming & Operator Makis Anastasakis | Lighting Coordinator Irene Samartzi | Laser Programming | Bas Verstraelen & Merlin Schaadt | Media Technician Bernd Gröger | Projection Technician Robert Foerster | Technical Director Light & Video Equipment Oliver Schulze | Logistics Uwe Förster
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Pyro & Fireworks Nanos Fireworks Greece | Laser Equipment laserfabrik GmbH | Projection & Light Equipment OS-VT Veranstaltungstechnik | Light & Sound Equipment Tempo Events

Rehearsing the laser show at the Pasalimani Harbor, Piraeus
„Lights of Hope“ Event, Pasalimani Harbor Piraeus, Photos by © Ralph Larmann

 

„Lights of Hope“ Event, Pasalimani Harbor Piraeus, Photos by © Ralph Larmann

Lights of Hope – From Olympiacos to the World

Braving Covid-19 with a polymedial Olympiacos FC championship celebration | 19.7.2020 | Piraeus, Greece 
 
It was a big honor to create and to direct the double event „From Olympiacos and from Piraeus to the World“ on the occasion of winning the 45th championship of the Greek Superleague 2020 by Olympiacos FC.
Through two multimedia live TV shows (NOVA & MEGA) from Karaiskaki Stadium and from Pasalimani Piraeus harbor I wanted to unite all of them: the players, the fans, the people of Piraeus, all of Greece and the world.
 
Olympiacos FC – Lights of Hope Event, Karaiskakis Stadium, Piraeus
Especially under the difficult and extreme conditions of the Corona pandemic it was important for us to give a sign of hope and confidence. Sport and also the arts unite people in these uncertain times. That’s why I have given my show the name „Lights of Hope“.
 
I would like to thank all my friends and colleagues and the fantastic Olympiacos team for the great cooperation.
 

 

About the Olympiacos double event

On the 19th July, Olympiacos Football Club celebrated their 45th Championship title by winning the Greek Super League Trophy.  Taking place amidst an unprecedented crisis and pandemic in Greece, Olympiacos FC wanted this event to be a message of hope and optimism from Olympiacos to Piraeus, from Piraeus to Greece, and from Greece to the World.

They brought in Greek-German artist and director Asteris Kutulas to create a double event, both inside and outside the Georgios Karaiskakis Stadium in Piraeus.  His brief was to create the cup presentation event, and to send a message of strength, optimism, perseverance and hope.  The event was made up of two parts. 

The Super League Cup presentation ceremony took place inside the stadium.  The cup presentation ceremony inside the G. Karaiskakis Stadium featured 3D projection mapping, lights, lasers and pyro.  This was synchronised to a symphonic soundtrack composed by Marios Joannou Elia.

Live-Act of the event: Children Choir Piraeus & DJ Antonis Dimitriadis, Photo by © Dionisis Koutsis

Outside in Piraeus Harbour there was a public event for the fans. The events inside the stadium were sent out to LED screens, whilst there was a separate show of lasers, lights and pyro around the water’s edge.  The music was remixes by Alexandros Karozas and DJ Antonis Dimitriadis.

Lights of Hope | From Olympiacos FC & Piraeus to the World
Created & directed by Asteris Kutulas

19.7.2020 | Piraeus, Greece 

Music by Marios Joannou Elia, Alexandros Karozas & DJ Antonis Dimitriadis 

Projection Art Ross Ashton
Laser Motion Design Achilleas Gatsopoulos
Light Design George Tellos
Laser Design Daniel Brune
Pyro & Fireworks Design Pavlos Nanos

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Technical Director Aris Koudouris
Music Production Nick Elia & Alexandros Karozas
Light Programming & Operator Makis Anastasakis
Lighting Coordinator Irene Samartzi
Laser Programming Bas Verstraelen & Merlin Schaadt
Media Technician Bernd Gröger
Projection Technician Robert Foerster
Technical Director Light & Video Equipment Oliver Schulze
Logistics Uwe Förster
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Pyro & Fireworks Nanos Fireworks Greece
Laser Equipment laserfabrik GmbH
Projection & Light Equipment OS-VT Veranstaltungstechnik
Light & Sound Equipment Tempo Events

(Photos © by Ralph Larmann)

Rehearsing the show at the Karaiskaki Stadium, Photos by © Ralph Larmann

Rehearsing with the Chlidren Chior Piraeus, DJ Antonis Dimitriadis & Asteris Kutulas
Lights of Hope Event, Pasalimani Harbor, Piraeus, Photos by © Ralph Larmann

Lights of Hope Event, Karaiskakis Stadium, Piraeus, Photo by © Ralph Larmann
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Holger Ehlers, Show Creator (Interview)

An interview film by Asteris Kutulas (Deutsch/English subtitles)

Bei „Apassionata“ arbeitete ich zunächst als Executive Producer (2010-14) und ab 2013 als Dramaturg zusammen mit dem Show-Creator Holger Ehlers, der seitdem alle „Apassionata“-Produktionen als künstlerischer Direktor (Buch, Komposition, Regie) verantwortet. Die ständige Weiterentwicklung, die die „Apassionata“ in den letzten Jahren durch Holger Ehlers auch mit meiner Hilfe erfahren hat – nämlich von einer Pferde-Nummern-Revue hin zu einer phantasmagorischen Family-Entertainment-Show von Weltformat –, machte sie zu einer immer ausgefeilteren und komplexeren Aufführungsform, die zugleich – und das ist das Beachtliche daran – immer publikumsaffiner wurde.
Parallel dazu kreierten wir mit Holger Ehlers zwischen 2014 und 2016 für ein Theater-Projekt eine kongeniale Show mit dem Titel MONDWIND. Diese Show war wie dafür geschaffen, mein seit über zehn Jahren entwickeltes Konzept des „Liquiden Bühnenbilds“ (Liquid Staging) in einem Theater konkrete Gestalt annehmen zu lassen.
Im Stück MONDWIND erzeugen Musik und Sound als Klangerlebnis ein „emotionales Grundrauschen“, das ergänzt wird vom – wie ich es nennen würde – „Storyboard eines modernen Grimmschen Märchens“. Holger Ehlers benutzt als drittes Element seine eigene spezifische Bildwelt, um jene Wärme eines Zuhause zu erzeugen, in dem er seine Geschichten erzählen kann. Mein Konzept des „Liquiden Bühnenbilds“ vermag es schließlich, jenen emotionalen Raum der Illusion zu erschaffen, den dieses neue Genre braucht, um sich in idealer Art und Weise zu präsentieren.

Asteris Kutulas

Gert Hof & Asteris Koutoulas, 11 Jahre

Liebe Partner, Kollegen & Freunde,

ich möchte Euch hiermit mitteilen, dass Gert und ich nicht mehr im Managementverhältnis zueinander stehen. Wir haben uns im guten Einvernehmen geeinigt, stattdessen projektgebunden zu kooperieren.

Wir möchten Euch für das jahrelange Vertrauen in unsere Zusammenarbeit danken.

Asteris Koutoulas, 22.9.2009

P.S. Was uns beiden jedenfalls bleibt, nach 11 rasanten Jahren, ist die unglaubliche Story einer unglaublichen Beziehung und eines unglaublichen Werdegangs. Hier die short-Variante:

Nach so viel gemeinsam verlebter Zeit ist es also nicht verwunderlich, dass auch ein Grossteil meiner Homepage Meister Gert gewidmet ist, seinen/ unseren gemeinsamen Unternehmungen der letzten zehn Jahre. Da ist einiges zusammengekommen. Wir haben die halbe Welt umrundet und einige Licht-Zeichen gesetzt. Viel gelernt und viel gelacht. Und unsäglich viel Stress gehabt. „Der Schmerz ist dein Freund.“ Das Leben, wie es ist und wie es sein soll in der besten aller möglichen Welten. Das falsche im richtigen Leben oder umgekehrt, das ist die Frage. Halte aus. Halte durch. Bleib nicht stehen. Salute, capitano Gert!

Und noch ein Dankes-Wort an Meister Gert

Ich habe sehr, sehr viel von Gert gelernt. Die Weiterentwicklung einer Idee habe ich besonders ihm zu verdanken, obwohl ich mich nur einmal mit ihm darüber unterhalten habe. Bereits 1999 – als Gert eine neue Art der multimedialen Licht-Show kreierte und ich außerdem bei der Dionysos-Opernproduktion als Dramaturg und Regieassistent arbeitete –, entwickelte ich die Idee eines „liquiden Bühnenbildes“, das dem Medium Film eine neue Rolle in einer entsprechend gestalteten „Theaterbühne“ geben und eine neue Art von Show-Produktion ermöglichen würde. Der Grundgedanke dieses „Liquid Staging“-Konzepts besteht darin, dass man einen „FILM“ für die Bühne produziert, also nicht das Medium Film benutzt, um ein bereits bestehendes Stück oder eine bereits bestehende Show-Produktion damit – wie auch immer – „zu vervollständigen“. 

Und im Gegensatz zu Gerts Ästhetik, die von Brecht beeinflusst und auf dem deutschen Bauhaus-Prinzip beruhte, also mehr „abstrakter Natur“ war, folgte meine Idee dem Weg des „Einfühlens“, entsprechend der US-amerikanischen Film-Tradition. Schon 1991, während meines Studiums, hatte ich „Abstraktion und Einfühlung“ – Wilhelm Worringers Dissertation von 1907 – gelesen und fühlte mich dem antiken klassischen „Einssein mit der Welt“ (Einfühlung) mehr verbunden als der „dualistischen Trennung von Geist und Materie“ (Abstraktion).

Ich habe inzwischen dieses Konzept entwickelt für ein Theaterbau-Projekt, und ich hoffe, dass eine erste konzeptionelle architektonische Umsetzung bald umgesetzt werden wird. Gert, danke für die inspirative Zeit mit Dir!

Asteris Kutulas, 22.9.2009

(Photo with Gert Hof & Asteris Kutulas 2008, Philharmonie Berlin by © Anja Pietsch)