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Lights of Hope – The Olympiacos Stadium Celebration 2020

With this video clip I would like to thank from the bottom of my heart the team and the fans of Olympiacos for their enthusiasm and amazing support when last July I was assigned to create and to direct the celebration for winning the 2020 championship entitled „Lights of Hope“. For me as an artist this production was something very special although difficult given the conditions of a threatening pandemic. I would like to thank everyone who participated and helped create such a fantastic work of art in such a short time, especially Ross Ashton, Georg Tellos, Daniel Brune, Achilleas Gatsopoulos, Pavlos Nanos and of course Penny Lagka and Antonis Dimitriadis. Enjoy!

Asteris Kutulas, Berlin

Με αυτό το βίντεο κλιπ θα ήθελα να ευχαριστήσω από τα βάθη της καρδιάς μου την ομάδα και τους οπαδούς του Ολυμπιακού για τον ενθουσιασμό και τη εκπληκτική υποστήριξή τους όταν τον περασμένο Ιούλιο μου ανατέθηκε να σχεδιάσω τη γιορτή για την κατάκτηση του πρωταθλήματος του 2020 με τίτλο „Lights of Hope“. Για μένα ως καλλιτέχνη αυτή η παραγωγή ήταν κάτι το πολύ ξεχωριστό αν και δύσκολο δεδομένων των συνθηκών μιας απειλητικής πανδημίας. Θα ήθελα να ευχαριστήσω όλες και όλους που μετείχαν και βοήθησαν στη δημιουργία ενός τέτοιου φανταστικού έργου τέχνης σε πολύ σύντομο χρονικό διάστημα.

Αστέρης Κούτουλας, Βερολίνο

LIGHTS OF HOPE
From Olympiacos FC to the World
Karaiskaki Stadium | Piraeus | Greece | July 19th, 2020

A Liquid Staging Show
Created & Directed by
Asteris Kutulas
Music by
Marios Joannou Elia

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Projection Art: Ross Ashton
Laser Motion Design: Achilleas Gatsopoulos
Light Design: George Tellos
Laser Design: Daniel Brune
Pyro Design: Pavlos Nanos

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Musical Director: DJ Antonis Dimitriadis
Choir of Municipal Conservatory of Piraeus
Solist: Alexandra Dermati | Chormaster: Maria Spanou

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Technical Director: Aris Koudouris
Music Production: Nick Elia
Laser Programming: Merlin Schaadt
Light Programming & Operator: Makis Anastasakis
Projection Technicians: Bernd Gröger & Robert Foerster
Lighting Coordinator: Irene Samartzi

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Pyro & Fireworks: Nanos Fireworks Greece
Laser Equipment: laserfabrik GmbH
Local Production, Light & Sound Equipment: Tempo Events
Logistics: Oliver Schulze & Uwe Foerster

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Many thanks to Olympiacos FC & NOVA TV

Special thanks to Penny Langka, Alexandros Karozas, Kostas Karapapas, George Mandalos, Dimitris Tsingos, Athina Gkizi, Ina Kutulas, Ralph Larmann, Nana Trandou, MEGA TV, Dimitris Koutoulas and to many others

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Cameras: Ralph Larmann, NOVA TV, Asteris Kutulas
Editors: Asteris Kutulas, Nikos Arapoglou, Allexandros Alevras

Directed by Asteris Kutulas

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Video by Asti Music, 2020

Lights of Hope – Interview von Lisa Schaft (pma) mit Asteris Kutulas

Titel-Story „Lights of Hope“ in der pma-Zeitschrift (06/2020), Photos von © Ralph Larmann

Olympiacos FC – Lights of Hope Event 2020
by Asteris Kutulas (Interview mit Lisa Schaft)

pma: Herr Kutulas, können Sie uns Ihre Showdesign-Grundidee etwas näher erläutern, die Sie entwickelt haben für den Stadion- und den Hafen-Event anlässlich der Siegesfeierlichkeiten der 45. Griechischen Fußball-Meisterschaft in Athen?

Kutulas: Ich wollte in dieser außerordentlichen Zeit von Covid-19 etwas sehr Emotionales kreieren und die Olympiakos-Mannschaft, ihre Fans und das TV-Publikum wenigstens symbolisch zusammenbringen und sie auf diese Weise gemeinsam feiern lassen. Um das zu erreichen, habe ich beim Stadion-Event einen Live-Act mit Projektions-Kunst, mit Licht-Design, mit Musik und mit Laser-Kunst zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzen.

In Piräus inszenierte ich den Pasalimani-Hafen „amphitheatralisch“, indem ich diese wunderbare Landschaft und die Architektur des Hafens durch 5 symmetrisch angelegte Punkte, die mit Pyro, Feuerwerk und Laser bestückt waren, tatsächlich zum Leuchten gebracht habe.

Ergebnis waren der Stadion-Event und der Hafen-Event am selben Abend. Die polymediale Show im Stadion ergab ein tolles Gesamtbild und zugleich spannende Detailperspektiven. So konnten die Kameraaufnahmen vom Event für das Fernsehen wie ein Videoclip geschnitten und wie ein solcher gezeigt werden. Immerhin haben wir ja in einem Stadion mit pandemiebedingt leeren Sitzreihen für Millionen von Fernsehzuschauern emotionale Botschaften der Freude und der Hoffnung produziert. Auch der Hafen-Event war für das Fernsehen konzipiert, aber durch die Größe des Hafens konnten viele Menschen diese Augenblicke auch live – zusammen mit der Olympiakos-Mannschaft – erleben.

Titel-Story „Lights of Hope“ in der pma-Zeitschrift (06/2020), Photos von © Ralph Larmann

pma: Über welchen Zeitraum reden wir, wenn wir von der Entwicklung der Ursprungsidee und dem Beginn der organisatorischen Vorbereitungen bis hin zur endgültigen Umsetzung dieser fantastischen Show sprechen?

Kutulas: Es gab gar keinen „Zeitraum“. Ich bekam am 25.6. eine Einladung, am übernächsten Tag nach Athen zu fliegen, mich mit den Verantwortlichen von Olympiakos zu treffen und innerhalb kürzester Zeit ein Konzept vorzulegen, weil der Event drei Wochen später stattfinden sollte. Ich flog nach Athen, entwickelte innerhalb von zwei Tagen das Konzept für einen Doppel-Event im Stadion und im Hafen und erarbeitete dann mit meinem Team und dem Team von Olympiakos die Kalkulation. Die positive Entscheidung fiel am 6.7., also 13 Tage von dem Event. Es war eine – im wahrsten Sinne des Wortes – Wahnsinns-Herausforderung und eine unglaubliche Leistung des gesamten Teams, in der Kürze der Zeit parallel zwei Events einer solchen Größenordnung zu stemmen. Mir kam sowohl meine frühere Produzententätigkeit bei den mehr als 40 Gert-Hof-Events zwischen 1999 und 2010 zugute als auch der Umstand, dass ich mich in den letzten drei Jahren intensiv mit Show-Ästhetik, Bühnen-Design und Konzept-Kunst beschäftigt habe. Ich hatte also fertige Ideen im Kopf, die „nur noch“ auf die Umsetzung warteten.

Live-Act des Events: Kinderchor Piräus & DJ Antonis Dimitriadis, Photo von © Dionissis Koutsis

pma: Es steckt viel Arbeit in einem Design für so eine spektakuläre Show wie diese. Wie viele Menschen bzw. Teams waren daran beteiligt? Wer hat an der Erarbeitung des Designs und an der Umsetzung mitgewirkt?

Kutulas: Ich konnte mich bei diesem Doppel-Event auf phantastische Kollegen stützen, die innerhalb kürzester Zeit wahrlich „gezaubert“ haben. Ich meine den Projektions-Künstler Ross Ashton aus London, den Lichtdesigner George Tellos und den Feuerwerksdesigner Pavlos Nanos aus Athen, den Grafiker Achilleas Gatsopoulos aus Berlin und den Laserdesigner Daniel Brune aus Hürth. Und natürlich die beiden Komponisten Marios Joannou Elia aus Zypern und Alexandros Karozas aus Frankfurt, aber auch DJ Antonis Dimitriadis aus Athen. Für mich ist die Musik immer die „Mutter“ einer jeden Show, weil sie unmittelbar die Emotionen der Zuschauer anspricht und die Dramaturgie für den gesamten Event bestimmt.

Titel-Story „Lights of Hope“ in der pma-Zeitschrift (06/2020), Event-Photos von © Ralph Larmann, Asteris Kutulas Photo von © Guido Karp

pma: Bei jedem Showdesign ist das künstlerische Anliegen von Bedeutung. Was möchten Sie mit dem Showdesign dieses Events bewirken? Welche emotionale Dimension ist Ihnen wichtig?

Kutulas: Ich habe diesem Doppel-Event den Titel LIGHTS OF HOPE gegeben. Was den Pasalimani-Hafen in Piräus anbelangt, so ist damit erstmals nach der Covid-19-Anfangswelle 2020 ein Public/TV-Event in einer solchen Größenordnung realisiert worden. Ich wollte mit LIGHTS OF HOPE ein Zeichen der Zuversicht von Piräus in die Welt aussenden. Sowohl der Sport als auch die Kunst bringt Menschen zusammen, also habe ich diese beiden Welten „zusammengebracht“, um genau das zu vermitteln: Haltet zusammen! Kämpft! Liebt! Verliert nicht die Hoffnung!

pma: Gab es Hindernisse, die bei der Organisation und Planung (sowohl des Stadion- als auch des Hafen-Events) berücksichtigt werden mussten bzw. mit denen man rechnen musste? Wenn ja – wie konnten diese Schwierigkeiten bewältigt werden?

Kutulas: Die Situation der Covid-19-Pandemie schwebte ständig über der gesamten Organisation – wie ein Damoklesschwert –, was sehr viele dadurch bedingte Einschränkungen zur Folge hatte. Aber das größte Problem stellte die Kürze der Zeit, die weder für den Stadion- noch für den Hafen-Event eine Generalprobe zuließ. Das nur als ein Beispiel von mehreren. Wir mussten quasi „blind fliegen und landen“. Aber wir haben es geschafft. Das Olympiakos-Organisationsteam war großartig; ich habe die letzten sieben Nächte vor dem Event fast gar nicht geschlafen, Ross Ashton schickte die letzten Einzelbildsequenzen für die Projektion am Tag der Show, Daniel Brune erfuhr seine finalen Standorte 24 Stunden vor dem Event und war dadurch gezwungen, sein Laser-Design völlig neu zu justieren und zum Teil neu zu programmieren, Oliver Schulze musste im Stundentakt den Projektions-Content neu einspielen und testen lassen, George Tellos stellte 40 Stunden vor Show-Beginn fest, dass falsche Lampen geliefert worden waren, und der ziemlich komplizierte Aufbau am Hafen wurde erst am vorletzten Tag genehmigt. Das alles klingt doch nach einer recht sportlichen Leistung – oder?

Das Interview führte Lisa Schaft (pma)

Titel-Story „Lights of Hope“ in der pma-Zeitschrift (06/2020), Photos von © Ralph Larmann

CREDITS | Lights of Hope
From Olympiacos FC & Piraeus to the World

Created & directed by Asteris Kutulas
Music Marios Joannou Elia, Alexandros Karozas & DJ Antonis Dimitriadis

Piraeus Children Choir conducted by 
Projection Art Ross Ashton
Laser Motion Design Achilleas Gatsopoulos
Light Design George Tellos
Laser Design Daniel Brune
Pyro & Fireworks Design Pavlos Nanos
Musical Directors DJ Antonis Dimitriadis & Alexandros Karozas
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Technical Director Aris Koudouris | Music Production Nick Elia & Alexandros Karozas | Light Programming & Operator Makis Anastasakis | Lighting Coordinator Irene Samartzi | Laser Programming | Bas Verstraelen & Merlin Schaadt | Media Technician Bernd Gröger | Projection Technician Robert Foerster | Technical Director Light & Video Equipment Oliver Schulze | Logistics Uwe Förster
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Pyro & Fireworks Nanos Fireworks Greece | Laser Equipment laserfabrik GmbH | Projection & Light Equipment OS-VT Veranstaltungstechnik | Light & Sound Equipment Tempo Events

Rehearsing the laser show at the Pasalimani Harbor, Piraeus
„Lights of Hope“ Event, Pasalimani Harbor Piraeus, Photos by © Ralph Larmann

 

„Lights of Hope“ Event, Pasalimani Harbor Piraeus, Photos by © Ralph Larmann

Lights of Hope – From Olympiacos to the World

Braving Covid-19 with a polymedial Olympiacos FC championship celebration | 19.7.2020 | Piraeus, Greece 
 
It was a big honor to create and to direct the double event „From Olympiacos and from Piraeus to the World“ on the occasion of winning the 45th championship of the Greek Superleague 2020 by Olympiacos FC.
Through two multimedia live TV shows (NOVA & MEGA) from Karaiskaki Stadium and from Pasalimani Piraeus harbor I wanted to unite all of them: the players, the fans, the people of Piraeus, all of Greece and the world.
 
Olympiacos FC – Lights of Hope Event, Karaiskakis Stadium, Piraeus
Especially under the difficult and extreme conditions of the Corona pandemic it was important for us to give a sign of hope and confidence. Sport and also the arts unite people in these uncertain times. That’s why I have given my show the name „Lights of Hope“.
 
I would like to thank all my friends and colleagues and the fantastic Olympiacos team for the great cooperation.
 

About the Olympiacos double event

On the 19th July, Olympiacos Football Club celebrated their 45th Championship title by winning the Greek Super League Trophy.  Taking place amidst an unprecedented crisis and pandemic in Greece, Olympiacos FC wanted this event to be a message of hope and optimism from Olympiacos to Piraeus, from Piraeus to Greece, and from Greece to the World.

They brought in Greek-German artist and director Asteris Kutulas to create a double event, both inside and outside the Georgios Karaiskakis Stadium in Piraeus.  His brief was to create the cup presentation event, and to send a message of strength, optimism, perseverance and hope.  The event was made up of two parts. 

The Super League Cup presentation ceremony took place inside the stadium.  The cup presentation ceremony inside the G. Karaiskakis Stadium featured 3D projection mapping, lights, lasers and pyro.  This was synchronised to a symphonic soundtrack composed by Marios Joannou Elia.

Live-Act of the event: Children Choir Piraeus & DJ Antonis Dimitriadis, Photo by © Dionisis Koutsis

Outside in Piraeus Harbour there was a public event for the fans. The events inside the stadium were sent out to LED screens, whilst there was a separate show of lasers, lights and pyro around the water’s edge.  The music was remixes by Alexandros Karozas and DJ Antonis Dimitriadis.

Lights of Hope | From Olympiacos FC & Piraeus to the World
Created & directed by Asteris Kutulas

19.7.2020 | Piraeus, Greece 

Music by Marios Joannou Elia, Alexandros Karozas & DJ Antonis Dimitriadis 

Projection Art Ross Ashton
Laser Motion Design Achilleas Gatsopoulos
Light Design George Tellos
Laser Design Daniel Brune
Pyro & Fireworks Design Pavlos Nanos

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Technical Director Aris Koudouris
Music Production Nick Elia & Alexandros Karozas
Light Programming & Operator Makis Anastasakis
Lighting Coordinator Irene Samartzi
Laser Programming Bas Verstraelen & Merlin Schaadt
Media Technician Bernd Gröger
Projection Technician Robert Foerster
Technical Director Light & Video Equipment Oliver Schulze
Logistics Uwe Förster
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Pyro & Fireworks Nanos Fireworks Greece
Laser Equipment laserfabrik GmbH
Projection & Light Equipment OS-VT Veranstaltungstechnik
Light & Sound Equipment Tempo Events

(Photos © by Ralph Larmann)

Rehearsing the show at the Karaiskaki Stadium, Photos by © Ralph Larmann

Rehearsing with the Chlidren Chior Piraeus, DJ Antonis Dimitriadis & Asteris Kutulas
Lights of Hope Event, Pasalimani Harbor, Piraeus, Photos by © Ralph Larmann

Lights of Hope Event, Karaiskakis Stadium, Piraeus, Photo by © Ralph Larmann
 

Gert Hof: Regisseur, Lichtarchitekt, Künstler

On the road with a friend (1998 bis 2012) || 

Dimitris Koutoulas, Periklis Koukos, Gert Hof auf der Akropolis, 1999 – Photo © Asteris Kutulas

Als ich Gert 1998 bei einem Theodorakis-Projekt in Berlin kennenlernte, schien er mir irgendwie abgehoben und gleichermaßen bodenständig, arrogant, ein Arbeiter vor dem Herrn, unfreundlich, einnehmend, sehr konkret in seinen Vorstellungen, divenhaft, genialisch.

Mich beeindruckten jedenfalls seine unachahmliche Art und seine konsequenten Denkstrukturen, und wir beschlossen, weiter zusammenzuarbeiten. Gert entpuppte sich als Kontrollfreak, als Seismograph für menschliche Verhaltensmuster. Egal, ob es um Verhandlungen mit unseren verschiedenen Partnern ging oder um die Planung eines nächsten Events – er lehrte mich, das Panoptikum menschlicher Unzulänglichkeiten klar zu erkennen. Seine bohrenden und gnadenlosen Fragen über jedes Detail, sein Analytikerhirn, brachten nach kürzester Zeit die wahren Fähigkeiten – und vor allem Unfähigkeiten – vieler unserer Partner zutage. Ich hasste ihn für diese offenbarende Art, gewöhnte mich aber schnell daran, mich in der Arbeit einsam zu fühlen. Die Luft in der Liga, in der wir zu arbeiten begannen, das merkte ich bald, war sehr dünn. Ich musste, durch Gert dazu getrieben, viele Entscheidungen treffen, die mein Leben veränderten. In den ersten Monaten unserer Zusammenarbeit dachte ich oft, Gert sei größenwahnsinnig, bis ich mich seinem Größenwahn anschloss. Ab da betrachtete ich unsere Projekte nicht nur als Produzent und Manager, sondern auch – und vor allem – als Künstler, so dass auch meine eigene Ästhetik tief von dieser Zusammenarbeit geprägt wurde. 

Denn Gert hatte mir, gleich als wir uns kennenlernten, sein Konzept einer gigantischen Lichtschow erläutert. Ich begriff, dass tatsächlich weltweit noch keine Eventform existierte – außer der des Feuerwerks -, die von Hunderttausenden oder gar Millionen live miterlebt werden konnte. Es gab zwar Mega-Konzerte, bei denen Laser und Licht eingesetzt wurden, aber keine Show, die die Möglichkeit bot, eine ganze Stadt einzubeziehen und zu entertainen. Monate später, nach unseren Events in Berlin, Athen, Budapest und Peking, konnten dann alle, die das erlebt hatten, feststellen, dass selbst die größten Musikshows winzig wirkten im Vergleich zu dem, was wir inzwischen realisiert hatten.

Mit Gert Hof in New York, 2000 – Photo © Asteris Kutulas

Und ich erkannte, dass nicht das gewaltige Equipment diese Schows so außerordentlich machte, sondern der Umstand, daß wir es hier mit einer INSZENIERUNG zu tun hatten, die mehrere Elemente (u.a. Musik, Pyrotechnik, Neonarchitektur, Feuerwerk, Licht, Heliumballons, Statisten) vereinte. Viel wichtiger als die Hardware waren also das kreative Potenzial im migränegeplagten Kopflabor von Gert, seine 25jährige Theater-Erfahrung, seine über 20jährige Arbeit im Musik- und Filmgeschäft, seine architektonischen Visionen.

Mit Mario Adorf und Gert Hof, 2008 – Photo © Asteris Kutulas

Denn es gab in der vor-hofschen Ära keine ausgeprägte „Ästhetik des Lichts“ – jedenfalls nicht in dieser Dimension und schon gar nicht im Outdoor-Event-Bereich -, vor 1999 interessierte sich keiner für dieses Phänomen, außer in Gesprächen über Dritte-Reich-Symbolik. Das „Licht“ führte ein Nischendasein. Gert hat es davon befreit, er befreite es auch aus der speerschen-nationalsozialistischen Umarmung, er machte es „hof“fähig für die moderne Kunst, fürs Entertainment, verlieh ihm die visionäre Kraft einer „Architektur am Himmel“, er schuf in gewisser Weise ein neues Kunstgenre, und er brachte es in die Feuilletons. Das ist vielleicht Gerts größtes Verdienst – er hat den Weg frei gemacht.

Well done, my friend, well done …

© Asteris Kutulas, 2012

Peripherials

Gert liebt Architekturbücher, Thüringer Bratwurst, Musikhören, Kaffeetrinken, deutsche Lyrik, Zigarettenrauchen, Formel-1-Rennen, durchgeknallte Freaks und guten Kuchen. Vor allem mit gutem Kuchen kann man bei ihm viel erreichen. 

Gert Hof mag keine Partys, keine Geflügelgerichte, keine leeren Versprechen, kein Mittelmaß.

Gert Hof ist ein unglücklicher, sehr einsamer Mensch. Ein liebevoller Zyniker. Ein Eremit, sich und alle anderen um sich herum treibend. Er hat einst die Nacht geschaut und ist seitdem auf der Flucht vor ihr.

Die Band Rammstein gehört zu Gert wie der Ouzo zu den Griechen. Was für ein Name auch: rammstein – der hätte übrigens eine Idee von Gert sein können, der nicht nur Wassertrinker ist, sondern auch ein Schöpfer von Worten, gemacht mit Hammer und Amboss.

Gert liebt schwarze Sachen. Er geht immer in Schwarz. Vielleicht steht ihm ja auch keine andere Farbe. Unsere chinesischen Partner schenkten ihm in Peking einen grünen Militärmantel, damit er bei minus 20 Grad nicht friert. Er liebte diesen Mantel, fand aber dessen grüne Farbe unerträglich. Der Versuch, ihn schwarz zu färben, schlug fehl. Der Mantel war nicht mehr zu gebrauchen und musste entsorgt werden. Große Trauer bei Gert.

Gert Hof ist ein exzessiver (manchmal gnadenloser) Mensch – nicht nur in seiner Lebenshaltung, sondern auch in seinem Denken. Er braucht „Verrückte“ um sich herum, anders funktioniert unser ganzes Experiment nicht. Kaum bekannt ist sein Engagement für den Schutz von vom Aussterben bedrohten Tieren.

Mit Gert Hof in Antholz (Alpen), 2005 – Photo © Asteris Kutulas

November 1999. Im Washingtoner Holocaust Museum soll Gert für die „Mauthausen-Kantate“ von Mikis Theodorakis, gesungen von Maria Farantouri, Licht und Bühne machen. Eine Benefiz-Veranstaltung. Die Möglichkeiten vor Ort sind spärlich. Er bittet mich, 100 große Kerzen zu besorgen – für die Seelen der Ermordeten, sagt er. Gert ordnet sie auf der Bühne. Das Konzert findet in dieser Atmosphäre statt, wie in einem Kirchenschiff. Ein Requiem für die Opfer des Nationalsozialismus.

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Februar 2000. Wir besuchen das Konzentrationslager Auschwitz in Polen. Christoph Heubner, ein guter Freund und ein wunderbarer Lyriker, der das deutsch-polnische Jugendforum Auschwitz leitet, zeigt uns die Gedenkstätte. Durch seine detaillierten und kenntnisreichen Berichte geht uns das Ganze sehr unter die Haut. Gert ist besessen von der Idee, in Auschwitz-Birkenau einen Memorial-Event zu machen. Für ihn eine Art Lebensaufgabe. In einem Brief an das Auschwitz-Komitee schreibt er: „Es ist von eminenter Bedeutung für die Gegenwart und die kommenden Generationen, die Erinnerung an das Konzentrationslager Auschwitz als Synonym für das größte Verbrechen in der Geschichte der Menschheit geographisch zu lokalisieren und die materiellen stummen Zeugen jener Zeit visuell identifizierbar zu machen. Das Konzentrationslager Auschwitz – die Todesstätte von Millionen unschuldiger Opfer vieler Nationalitäten, von denen 90% Juden waren – verlangt nach einem außergewöhnlichen Signal …“ Gert fängt an, Ideen zu entwickeln. Grundlage für die ästhetische Umsetzung einer Installation in Birkenau müsse die Wahrung der Würde der Opfer und ihrer Hinterbliebenen sein. Er nennt seinen ersten Konzeptentwurf „Nie wieder Auschwitz!“ und spricht von einer Spurensicherung. 

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Dezember 2000. Gert inszeniert die Theodorakis-Oper „Die Metamorphosen des Dionysos“ am Griechischen Nationaltheater. Es geht um den letzten Tag im Leben des Dichters Kostas Karyotakis, der sich umbrachte. Die Szenen der Oper sind surreale Zeiteindrücke, historische Verkürzungen und schonungslose Abrechnungen. Der Schmerz bricht immer wieder durch, die Bilder werden schief, überzeichnet, revuehaft grotesk. Gert kommt nach Athen und weiß vom ersten Augenblick an, wie die Oper abzulaufen hat. Er ist in die Musik verliebt und hält obsessiv an seinem Konzept fest. Er schafft schnelle Abläufe, spannende Bilder, spielfilmhaft, ganz anders als bei herkömmlichen Opern-Aufführungen.

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Februar 2003. Wieder in Auschwitz. Reden mit der Museumsleitung und dem Internationalen Auschwitz-Komitee. Beide sind von der Idee Gerts angetan. Wir wissen, dass noch niemals in Auschwitz-Birkenau irgendeine Veranstaltung stattfinden durfte und es ein politisch brisantes Unterfangen ist. Nun liegt die Entscheidung bei der polnischen Regierung.

Gert schreibt in seinem Konzeptentwurf, dass das Medium Licht im Konzentrationslager Auschwitz eine besondere Rolle spielte. Der Suchscheinwerfer, Todesinstrumentarium der SS, diente zur Eingrenzung des Lagers, zur Bewachung und zur Verfolgung flüchtender Häftlinge. Der Flüchtende, der von einem Suchscheinwerfer aus der Nacht gemeißelt wurde, war dem Tod anheim gegeben. Gert will mit 200 Großraumscheinwerfern diese Bedrohung und den Terror visualisieren und nachempfinden lassen, denn die menschliche Sprache sei zu arm, um das Grauen zu beschreiben, dem die Opfer ausgesetzt waren. Also müssen assoziierende Metaphern geschaffen werden. Er spricht von der Stille als einem wesentlichen Bestandteil der Dramaturgie. Gert möchte außergewöhnliche, emotionale und eindringliche Metaphern zum Gedenken an den Holocaust erschaffen – als Mahnung gegen jegliche Art von Faschismus, heute und morgen, allerdings Bilder, die in Verbindung mit der Musik vor allem Jugendliche ansprechen. 

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Juli 2003. In Zypern fällt die „Mauer“, die Grenze zwischen Zypern und dem türkisch-besetzten Nord-Zypern wird nach 30 Jahren wieder geöffnet. Zülfü Livaneli, der bedeutendste türkische Komponist und Liedermacher, und Maria Farantouri aus Griechenland geben an der „grünen Linie“ ein Benefiz-Konzert, mit dem dieser historische Moment gefeiert werden soll. Gert bekommt eine Einladung, das Bühnen- und Lichtdesign zu machen. Wir fliegen sofort nach Zypern, und Gert arbeitet Tag und Nacht. Die Techniker vor Ort sind zunächst überfordert mit dem Know-how und dem künstlerischen Anspruch, den es für Gert durchzusetzen gilt. Stundenlang erklärt er den Leuten wieder und wieder geduldig, worauf es ankommt. Ich erlebe die Leute dann euphorisiert. Das Konzert wird zu einem unglaublichen Erlebnis. Griechen und Türken vereint. Wie in einem Traum.

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Mai 2004. Eine Bekannte fragt Gert, ob er sich vorstellen könnte, eine Inszenierung am Schloss Ludwig II. in Bayern zu machen. Wir fahren hin und sehen uns die Landschaft an. Gert beginnt sofort, Ideen zu entwickeln. Ein „Lichtschloss“ soll über dem Forggensee und Neuschwanstein entstehen und letzteres über einen Lichtbogen mit dem neuen Musicaltheater verbinden. Die Devise ist: Natur, Romantik, Faszination. Ein Denkmal für König Ludwig II. und Richard Wagner. Gert denkt an den „Ring der Nibelungen“; ihm gehen assoziative Bilder durch den Kopf: „Die Lichtburg des Parzival“ oder „Der Lichtschwan des Lohengrin“ oder „Das Gralswunder aus Licht und Feuer“. Einer unserer Zukunft-Projekte.

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November 2004. Phillipshalle Düsseldorf. Gert macht Licht- und Stagedesign für Motörhead. Das Ganze wird aufgezeichnet und soll nächstes Jahr auf DVD erscheinen. Diese Band ist ein Naturereignis. Mörderisch laut, ungeschminkt, krachig, straight. Gert fühlt sich „zu Hause“. Lammy, nach dem Konzert mit einem nassen Handtuch über der Schulter, scheint glücklich zu sein.

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Januar 2005. Mitten in den Vorbereitungen des Events zur 1.200-Jahr-Feier von Magdeburg erfahren wir, dass wir aus Budget-Gründen auf Licht-Equipment ganz verzichten müssen. Jetzt ist wenigstens Klarheit geschaffen. „Ich komme nicht weiter, ich verbrenne“, hatte mir Gert einige Tage zuvor gesagt – das Schlimmste für ihn: wenn mitten in der Arbeit Entscheidungsprozesse stocken. Er entschließt sich, einen reinen Feuerwerks-Event zu machen, aber mit seinen ästhetischen Kriterien. „Ich werde ein ganz anderes Feuerwerk hervorzaubern“, sagt er. „Denn ich bin ja kein Feuerwerker …“ Er hört sich tagelang Musik an, Gesualdo, Hildegard von Bingen, Telemann, Vivaldi, Puccini, Carl Orff und Hanns Eisler. Er würde gern einen Ausschnitt aus Eislers „Kuhle-Wampe-Suite“ von 1928 nehmen, aber die Verantwortlichen wollen keine Ostalgie-Diskussion haben. Überhaupt, die richtige Musik finden: für die eigene Inspiration, für die Menschen – damit ihr Herz berührt wird –, für die Show, die Auftraggeber. Aber eigentlich doch nur für die Menschen. Einer der wichtigsten Momente in der Entstehungsphase seiner Events. „Die Musik ist die Mutter“, sagt er immer.

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September 2005. Ein heiß-schwüles Neu-Delhi. Gert ist Gastredner beim Kongress der indischen Lichtdesigner. Der stellvertretende indische Tourismusminister stellt ihn vor, dann spricht Gert. Das Publikum ist begeistert, hängt regelrecht an seinen Lippen. Wir werden am nächsten Tag von der Regierung nach Taj Mahal eingeladen. Eine übersinnliche Schönheit, eine geheimnisvolle Energie geht von diesem Bau aus. Das ist was für mich, sagt Gert, hier will ich was machen. Ein weiterer Plan für die Zukunft.

Mit Udo Lindenberg und Gert Hof, Hamburg 2005 – Photo © Asteris Kutulas

Februar 2006. Udo Lindenberg und Gert, der UFOnaut und der Lichtpapst. Ich frage mich: Warum hat es das nicht eher gegeben? Warum musste Linde seinen 60.Geburtstag abwarten, um sich mit dem Schwarzen Mann zu vereinen? Jetzt jedenfalls, haben sie sich gefunden und werden die Welt verändern.

© Asteris Kutulas, 2006