Theodor Storms Novelle „Hans und Heinz Kirch“

Theodor Storms Novelle „Hans und Heinz Kirch“
Ein Essay von Asteris Kutulas (1981)

I

„Auf einer Uferhöhe der Ostsee liegt hart am Wasser hingelagert eine kleine Stadt, deren stumpfer Turm schon über ein Halbjahrtausend auf das Meer hinausschaut.“ (364) Gefangennahme der Phantasie; sacht, aber unerbittlich werden die Sinne hineingezogen in diese Stimmung einer „abgeschlossenen Einsamkeit“. Die „kleine Stadt“ am Meer, gleichsam ruhig, ohne Lärm, nur im „Frühling“ durch das „unablässige Geschrei der Strand- und Wasservögel“ in ihrer scheinbaren Trägheit etwas gestört. Schöne Landschaft – Eindruck einer Idylle, in der Veränderung kaum denkbar; der Turm ist schon seit einem „Halbjahrtausend“ stumpf, die Leuchttürme „entzünden“ wie von allein „ihre Feuer“. Doch dann der leise Hauch einer Bewegung: „die sogenannte Bürgerglocke“ hängt nicht mehr „wie seit Jahrhunderten“ im Kirchturm auf dem Markte. Das „Gesinde“ oder auch der „Haussohn“ brauchen sich nicht mehr der absoluten Herrschaft des Familienoberhauptes unterzuordnen.

Dann die Entschuldigung der „tüchtigen Menschen“ für ihre, „noch vor kurzem“ bestehende, Rückständigkeit. Es ist der Hinweis auf die Bewohner der „kleinen Stadt“, „unabhängig von dem Gelde und dem Einfluss der umwohnenden großen Grundbesitzer“, aus „alten Bürgergeschlechtern“ (364 f.) stammend. Die gleichen genetischen Wurzeln münden in die gegenwärtige Agonie zwischen einem „kleinen Patriziat“ mit stattlicheren Wohnungen und den anderen Bewohnern in den „niedrigeren Häuserreihen“ (365). Und dann erscheint ein „Aber“, wie zur Beruhigung, dass auch die jetzt Reichen noch „bis zum letzten Jahrzehnt“ sich ihre „Wohlhabenheit“ auf dem gleichen „Weg“ wie ihre „Vorfahren“ erworben haben. Die Aussage braucht nur weitergeführt zu werden: Jetzt müssten die Söhne nicht mehr diesen Weg gehen…

Der Auseinanderfall zwischen Arbeit und Reichtum, zwischen Reichtum und Rechtschaffenheit überschattet die Beziehungen zwischen den Bürgern der Stadt. Der zwingende „Stufengang der bürgerlichen Ehren“, dessen eine Stufe ihren Ausdruck im privilegierten Schifferstuhl mit dem „Barkschiff“ hat, lässt sogar „statt der Andacht ein ehrgeiziges Verlangen“ im „kleinen Bürgerstande“ aufkommen. Die dadurch ihrem Wesen entfremdete Kirche führt statt zu „gottseligen Gedanken“ (365 f.) zu „erregten weltlichen Entschlüssen“ (366). Die Horizonte und die Ideale – ihre eigentlichen Grenzen.

Theodor Storm Hans und Heinz Kirch von Asteris Kutulas
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II

Rückversetzung in die Zeit davor. Zeit zwischen Zeiten: erzählte Zeit. Die „Abschaffung der Bürgerglocke als eines alten Zopfes war in der Stadtverordnetenversammlung von einem jungen Mitgliede zwar in Vorschlag gebracht worden, aber zwei alte Herren hatten ihr das Wort geredet … Und nach wie vor, wenn es zehn vom Turm geschlagen hatte, bimmelte die kleine Glocke hinterdrein“ (389). Fünfzehn Jahre vor diesem Sieg der alten Herren über den Geist der neuen Epoche verabschiedete Hans Kirch seinen Sohn Heinz zu einer mehrmonatigen Bewährungsreise als Matrose. Dass der nicht wiedergekommen, liegt an der Eigenheit einerseits des Vaters, der dem Sohn einen zornigen Brief mit Vorwürfen über dessen Verhalten am Vorabend der Fahrt schreibt und andererseits des Sohnes, der daraufhin, in der Überzeugung, zu Unrecht beschuldigt worden zu sein, nicht nach Hause zurückkehrt, sondern eine „neue Heuer“ annimmt, so seinem Vater trotzend. Doch „je weiter die Zeit verrann, desto fester wurzelte der Groll“ in Hans Adams Herzen, so dass er, als ein Jahr später ein unfrankierter Brief des Sohnes ankommt, diesen ungeöffnet zurückweist. Die Rückkehr des Heinz, auch vom Vater heimlich gewünscht, findet somit auch in den nächsten fünfzehn Jahren nicht statt – währenddessen die Mutter stirbt und seine Schwester Lina die Ehe eingeht.

Nach insgesamt siebzehn Jahren Trennung erfährt Familie Kirch, dass der Totgeglaubte sich in Hamburg unter falschem Namen aufhält. Dem „alten Schiffer …ist, als fühle er eine erkaltende Hand, die den Druck der seinigen erwarte“: Das Versprechen, das er seiner sterbenden Frau gegeben, ist das „Perpendikel“ für ihn, seinen Sohn nach Hause zu holen, der, zwar „widerstrebend“, ihm aber doch folgt, denn auch er muss „Gott weiß was, herunterspülen“.

Jedoch „kostet es Künste, in diesem Burschen mit dem roten Bart den alten Heinz herauszufinden“ (406), wie der Vater bemerkt, nachdem in der Stadt ein Gerücht seine Kreise zieht, „der Heimgekehrte sei gar nicht Heinz Kirch, er sei der Hasselfritz, ein Knabe aus dem Armenhause, der gleichzeitig mit Heinz zur See gegangen war“ (404). Da sich zudem der Zurückgekommene nicht „heimisch“ fühlt, ihn die Hausangelegenheiten „wie etwas Fremdes“ anmuten und eines abends „allerlei in seiner Erinnerung“ aufwacht, so dass sein Wesen hervorbricht und er die Nacht in einer verrufenen Kneipe verbringt, glaubt sich der Vater gezwungen, einen Schlussstrich zu ziehen und „hastig“ (422) den Sohn fortzuschicken. Diesen hält ebenfalls nichts mehr in seiner Heimatstadt: Wieb, seine Kinder- und Jugendliebe, ist inzwischen verheiratet. So reist er ab, ohne „the alms“ (424) des Vaters anzunehmen. Letzterer, gedrückt und gebrochen jetzt, erfährt durch eine Vision vom Tod seines Sohnes, „und der Tote hatte alle Rechte, die er noch eben dem Lebenden nicht mehr hatte zugestehen wollen.“ Buße mit Hilfe und an der Seite Wiebs, deren Mann „sich totgetrunken“. Der alleinige Gewinnende aus dieser Familienkatastrophe: der Schwiegersohn Christian Martens.

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III

Nachdem der Ort und die Einwohner vorgestellt, charakterisiert der Erzähler die Hauptfigur: „Zu diesen strebsamen Leuten gehörte Hans Adam Kirch“ (366). Ein Mann, der ein Ziel hat und alles „rastlos“, „eilfertig“ darauf zusteuert – den „Platz im Schifferstuhle hatte er sich errungen; jetzt schwebten höhere Würden … vor seinen Sinnen“ –, ein Mann im sozialen Aufstieg begriffen, der alles diesem Aufstieg unterordnet, „denn auch die Sitze im Magistratskollegium, wenn sie auch meist den größeren Familien angehörten, waren mitunter von dem kleineren Bürgerstande aus besetzt worden“ (367). Dem entspricht die Darstellung seiner Familienverhältnisse, seines Eigentums: das Haus „aus der väterlichen Erbschaft… ein Stück Wiesenland … Eine Frau hatte Hans Kirch sich im Stillen vor ein paar Jahren schon genommen; zu der Häkerei … kam nun noch eine Milchwirtschaft: auch ein paar Schweine“ (366). Einbeziehung der Frau in die Aufzählung, um das Verständnis dieser patriarchalischen Familienform zu offenbaren.

Einerseits strebt Hans Kirch nach Reichtum und nach politischer Macht, andererseits sind in seinem Innern eine „angeborene Rechtschaffenheit“ sowie ein „Ehrgeiz“ fest verwurzelt, die ihn als einen „zuverlässigen Geschäftsmann“ (367) charakterisieren. Zwei Tatsachen, die unter den neuen, durch den Erzähler am Anfang skizzierten gesellschaftlichen Entwicklungen einander ausschließen.

Zu der Zeit, in der die Handlung der Novelle angesiedelt ist, in dieser „Zwittergesellschaft“, sind die Erwirtschaftung eines Schiffes und das Ablegen eines Steuermannexamens möglich, „aber auch die schon in die Kaufmannschaft Übergetretenen, die ersten Reeder der Stadt, hielten … hier oben unter den anderen Kapitänen ihren Gottesdienst“ (365). Hans Kirch muss in seinem Versuch scheitern, ehrlich zu Reichtum und Macht gelangen zu wollen. Seine Schwester Jule wird dies, nach der Wahl des Bäckermeisters, „mit dem er freilich weder an Reichtum noch an Leibesgericht sich messen durfte“, in einem von Kirch beanspruchten Ratsherrnstuhl aussprechen: „Du hast einen scharfen Kopf, und den können die regierenden Herren nicht gebrauchen, wenn er nicht zufällig auf ihren eigenen Schultern sitzt; da passt ihnen so eine blonde Semmel besser, wenn sie denn doch einmal an uns Mittelbürgern nicht vorbeikönnen.“ (380) Das ist deutlich genug! Und darin liegt die Ursache für einen Konflikt zwischen Hans Adams Wesen, seinem Ideal und dessen Realisierung.

In seinem Sohn Heinz spiegelt er sich, spiegelt er den Sinn seines Lebens wider, „sagen die Leute doch, er sei sein Ebenbild“ (367). Wollte er diese Einstellung verwerfen, müsste er sein Leben verwerfen. Er muss eins sein mit dieser Einstellung, „glaubte er doch selber nur den Erben seiner aufstrebenden Pläne in dem Sohn zu lieben“ (369). Jedoch bleibt noch eine Möglichkeit: Hans Kirch „glaubte … nur“. Denn, und das wird am Schluss der Novelle deutlich, ist in ihm noch eine andere Art Liebe verwurzelt, eine Liebe des Vaters zum Sohn, die zuerst mit der Liebe zum Erben (also zu sich) zusammenfällt, unsichtbar in seinem Innern harrt, sich jedoch schließlich von diesem löst und verselbständigt. Dieser innere Konflikt ist der dramatische Höhepunkt, das psychologische Zentrum der Novelle.

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IV

Kurz bevor Heinz das Elternhaus für immer verlassen soll, wird dieser scheinbar unsichtbare Konflikt „hervorgekehrt“: „Plötzlich fuhr er auf, seine grauen Augen öffneten sich weit: ‚Hans! Hans!’ hatte es gerufen; hier im leeren Zimmer, wo, wie er jetzt bemerkte, schon die Dämmerung in allen Winkeln lag. Aber er besann sich; nur seine eigenen Gedanken waren über ihn gekommen; es war nicht jetzt, es war schon viele Jahre her, dass ihn diese Stimme so gerufen hatte …“ (422). In diesem „leeren Zimmer“ ist er allein, allein mit sich, und die Stimme ruft aus ihm heraus, als würde sie Besinnung fordern seitens des anderen Ich’s, das Kirch wie eine äußere Gewalt vorkommt. Hans Kirch verstößt gegen die „Ewigkeit“ (434), verstößt gegen die ewigen menschlichen Gesetze, gegen das „Sittengesetz in uns“ und muss so seinen Sohn verlieren.

Erst als Heinz für ihn stirbt, kann es zu einem Erkennen seines Irrtums kommen – meisterhafte Gestaltung dessen durch Storm. Erst nachdem „die letzten Trümmer lang gehegter Lebenspläne“ (422) weggeräumt sind in ihm, als es „in der grauen Zukunft keine Hoffnung mehr für ihn“ (427) gibt, erst nach Heinz’, als er in ihm nicht mehr den Erben sehen kann, ist die Grundlage geschaffen, den menschlichen Sohn zu erkennen.

Abstrakt gefasst, vollzieht sich die innere Auseinandersetzung des Hans Kirch zwischen den historisch determinierten Werten, Normen und den dem Menschen wesenseigenen Gefühlen. Storm schreibt am 12. Dezember 1885 an Wilhelm Petersen, dass der Stoff der Poesie „nicht auf vorübergehenden Zuständen beruhen soll, sondern auf rein menschlichen Konflikten, die wir ewig nennen“. (Briefe 2, 342)

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V

Der Titel der Novelle weist uns auf den äußeren Konflikt hin, jedoch bedeutet er mehr. Erwartet der Vater absoluten Gehorsam von Heinz, so muss dessen Persönlichkeitsentwicklung unvermeidlich zu einer Kollision führen. Der Aufeinanderprall als Mittel, den inneren Konflikt auszulösen. Heinz’ erste Handlung ist passiv: „Erstaunt und furchtsam“ (369) sieht er zum Vater hoch, der die Hand gegen ihn erhoben hatte. Dieser duldete keinen Widerstand vom Sohn, und so kommt die „Zärtlichkeit des … (Vaters) gleicherweise immer seltener zutage, je mehr der eigene Wille in dem Knaben“ (369) wächst. Dessen Passivität verschwindet und macht einer charakteristischen Persönlichkeitsentwicklung Platz. Im sechsten Lebensjahr ist die Charakterentwicklung noch in einem kleinen „aber“ enthalten: „Als Heinz das sechste Jahr erreicht hatte, nahm ihn der Vater zum ersten Mal mit sich auf die Fahrt, als ‚Spielvogel’, wie er sagte…; der Knabe aber freute sich über sein blankes Hütchen und lief jubelnd über das schmale Brett an Bord …“ (367)

Ein Jahr später, mit sieben, tritt sie schon deutlicher zutage, musste Heinz doch „mit Gewalt an Bord gebracht werden …“ – „Er fürchtete seinen Vater und trotzte ihm … zugleich.“ (369) Heinz war wohl des Vaters „Ebenbild: die fest auslugenden Augen, der Kopf voll schwarzbrauner Locken seien väterliche Erbschaft, nur statt des krummen Rückens habe er den schlanken Wuchs der Mutter.“ (367) Aussehen als entäußertes Wesen: der nicht gebeugte Rücken. Und der Ausspruch des Pastors – „Seeleute und Studenten, das waren die freien Männer“ (406) – trifft so auf das Wesen des Heinz Kirch zu. Natürlich war es die erzwungene Freiheit eines Ausgestoßenen, eines von „Vaters Hand“ Verstoßenen. Er erfährt in der Novelle einen so großen Individualitätsgewinn, dass er sein „altes Gesicht“ verliert. Deshalb ist es für Hans Kirch unwichtig, ob dieser sein Sohn ist, er „war in dieser Gesellschaft für jetzt nicht wohl zu präsentieren“, und über die Vergangenheit Heinz’ „frug er so leise, als ob es niemand hören dürfe“.

Die Einheit von äußerer Erscheinung und innerem Wesen wird auf die Spitze getrieben: Heinz’ Unkenntlichkeit ist Ausdruck seiner ausgeprägten Individualität als Abgrenzung von der heimatlichen Umwelt, in der er aufgewachsen ist. Der Pessimismus Storms, der hier zutage tritt (als einzige Alternative bleibt die „Piraterie“), zeigt das Fehlen jeglicher Alternative. Der Tod Heinz’ wird notwendig – übrig bleibt eine Hoffnung im Sinne humanistischer Aufklärung: Erst nachdem die Vaterliebe, durch den Tod Heinz’ ermöglicht, in Hans Kirch gesiegt, als dieser die volle Persönlichkeit seines Sohnes in der Person der Wieb anerkennt, wird er selbst zum menschlichen Individuum: „’Er ist tot’, sagte er, ‚ich weiß es jetzt gewiss; aber – in der Ewigkeit, da will ich meinen Heinz schon wiedererkennen’.“ Damit ist allerdings eine andere „Ewigkeit“ gemeint als die in den „Köpfen alter Weiber“ (434), die ihm der alte Tischler und „Sozialdemokrat“ (433) Jürgen vorwirft. 

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VI „Die Macht des bloßen Geredes …“ (Theodor Fontane)

Hans Adams Hoffnungen haben ein vergegenständlichtes, zeitgeronnenes Ideal. Die „Marmorbürste eines stattlichen Mannes in gewaltiger Allongeperücke …; gleich seinem Heinz nur eines Bürgers Sohn, der gleichwohl als Kommandeur von dreien seiner Majestät Schiffen hier in die Vaterstadt zurückgekommen war“ (375). Dieses allgemein-gültige Ideal, in der Kirche aufgestellt, offenbart die verweltlichte Funktion dieser Institution, aber auch das Verschmelzen der kirchlichen und der weltlichen Macht unter der Herrschaft des Geldes. Wie sehr die Geschicke des Sohnes durch die Pläne des Vaters, aber auch durch die Zwänge der Gesellschaft bestimmt wurden, zeigt ein Ausspruch des Pastors gegenüber Hans Kirch: „… und wenn er kommt, er ist ja von Ihrer Art, Herr Nachbar, so wird es nicht mit leeren Händen sein!“.

„Plötzlich, Gott weiß woher, tauchte ein Gerücht auf und wanderte emsig von Tür zu Tür …“ So tritt punktuell eine Bewusstseins-Verdopplung in Kraft, die Hans das Erkennen seines eigenen Sohnes nicht gestattet. Die Entwicklung seines Vater-Seins ist die Verwirklichung seines Wesens als privates bürgerliches Individuum. Zweimal verstößt Hans Kirch seinen Sohn von zu Hause, beide Male steht als Anlass und als konsequente Ursache die „öffentliche Meinung“ (als Sprachrohr und als Ausdruck gesellschaftlicher Organisierung) dahinter, beide Male personifiziert durch seine Schwester Jule. Und immer wird diese Beeinflussung begleitet von einer persönlichen Verstimmung und geschäftlicher Einbuße. „Verdrießlich war er eben aus einer Deputiertensitzung gekommen“ (379), da der Bäcker auf dem Ratsherrnstuhl saß, als Jule ihm mit dem Vorurteil gegen „die schmucke Wieb, die kleine Matrosendirne“ den Anstoß gibt, „einen Brief an seinen Sohn“ zu schreiben, „in welchem in verstärktem Maße sich der jähe Zorn ergoss, dessen Ausbruch … verhindert worden“ (382) war.

Dann kommt der unfrankierte Brief in dem Augenblick, als er „mit seinem Verlustkonto beschäftigt“ war, „das sich diesmal ungewöhnlich groß erwiesen hatte“ (385). Und wieder schiebt sich zwischen ihn und den Sohn seine Weltanschauung, sein Ideal: „Nicht mal das Porto hatte er gehabt! Und der, der sollte im Magistrat den Sitz erobern, der für ihn, den Vater, sich zu hoch erwiesen hatte!“ (386). Hans Kirch – in seiner Beschränktheit, in seinen festgefahrenen Horizonten, erkennt nicht bzw. kann nicht erkennen, was er an diesem Sohn hat, obwohl sich in seinem eigenen Haus, vor seinen Augen die normale, gesetzmäßige Entwicklung der Gesellschaft abspielt.

Der „Ehrgeiz“ hat sich in „anderer Form“ (392) entwickelt, der durch die jüngere Generation, durch seinen Schwiegersohn Christian verkörpert wird. Dabei tritt ein dem kleinbürgerlichen Geist immanenter aristokratischer Drang nach Repräsentation immer mehr hervor: Für „einen feinen Mann gelten, mit den Honorationen einen vertraulichen Händedruck wechseln, etwa noch eine schwergoldene Kette auf brauner Sammetweste“ schienen ihm notwendige Bedürfnisse zu sein. Das ist aber sogar Hans Adam mit seinem patriarchalischen Verständnis fremd, und so „drängte (es) ihn nicht mehr, in den Gang der kleinen Welt, welche sich um ihn her bewegte, einzugreifen.“ (427). Aber auch die erste Seite „seines Wesens“ verwirklicht er nicht mehr, „hatte er das Steuer … in der Hand des jüngeren Teilhabers der Firma übergehen lassen“ (427). Die Teilung des Individuums in zwei Wesen und, gerade diese Spaltung (hier privates Geschäft, dort öffentliches Wohl) ist bekannt. Das Auftreten von Entfremdungserscheinungen ist nicht zu verkennen „Die Spaltung des Menschen in den öffentlichen und in den Privatmenschen“ geht durch die Persönlichkeit von Hans Kirch. Indem er sich von beiden Wesen lossagt, da er dem neuen Nützlichkeitsprinzip nicht huldigen kann, überwindet er auf diese Art und Weise die beschränkte bürgerliche Individualität in sich und kommt zur wahren Menschlichkeit. Die Entwurzelung von seinen bisherigen Lebensprinzipien ist die Grundlage, aus der Endlichkeit der bürgerlichen Gesellschaft geistig in die „Ewigkeit“ des Menschseins zu gelangen, weiterhin aber in der alten Welt physisch verwurzelt zu bleiben. Womit er die neu geschaffenen Lebensinhalte ablehnt.

Der Name „Harmoniegesellschaft“ (392) ist bezeichnend; „Harmonie“, da doch bekannt ist, „dass nur angesehenere Bürger zugelassen“ werden. Die Differenzierung der Gesellschaft ist im Verlauf der Handlung der Novelle spürbar geworden. Man „spricht schon von dem ‚reichen’ Christian Martens, und Hans Adams Tochtername wird der Stadtrat nicht entgehen“ (435). Das ist er – der Weg, den Hans Kirch für seinen Sohn vorgesehen hatte, der Sinn seines Lebens. Dahinter steckt Zwang. Denn nur dieser Weg, dieser Lebensinhalt bleibt ihm übrig, will er mit seinem relativ kleinen Vermögen sich und seine Familie ernähren, will er überleben. Das bedeutet für ihn also Schutz, eine Absicherung vor dem Verfall; gleichzeitig aber gibt es Momente, in denen er seinen Sohn, dessen Ungebändigtsein er beneidet, vielleicht versteht, hatte sich doch auf „Hans Adams Antlitz … mehrmals bei solcher Auskunft ein recht ungeeignetes und fast befriedigendes Lächeln gezeigt“ (374). Dass „Heinz … mehr lernen (sollte), als jetzt noch in der Rektorschule für ihn zu holen war“ (370), ist auch Ausdruck für das Streben Hans Adams, seinem Sohn die Möglichkeit zu geben, sich aus seiner, des Vaters Welt, freizumachen. Jedoch geht das nicht auf ehrliche, menschlich-reine Weise. Das ist die wahre, die große Tragik des Hans Adam Kirch: Der Unternehmer, der kalt kalkulierende Kapitalist, handelt. Er, dem „die Verschollenheit des Haussohnes … wenigstens den zweiten Grund zum Werben um Hans Adams Tochter abgegeben“ (397) hat, ist der Aktive, der Überlebende, der Gewinner: Christian Martens.

Resignation des Dichters, die Abkehr des Hans Kirch von der Welt, die Besinnung auf sein wahres Ich (die Einbeziehung der „Sterne“ (434), des Universums seiner Anschauung) kann und muss als Kritik verstanden werden, aber auch diese recht zweifelhafte Auswegmöglichkeit kann nur unter der Voraussetzung des Todes von Heinz wahrgenommen werden.

Dass die „Werther“-Alternative von Storm aufgeworfen wird, ist erstaunlich. Außerhalb der Gesellschaft ist jedoch für ihn menschliche Existenz unmöglich bzw. nur unter Preisgabe dieser denkbar. „Bleib lieber in deines Vaters Stor und spiel mit deines Nachbars Katze.’“ – der Verweis, innerhalb der Gesellschaft zu bestehen, kommt von Heinz Kirch selbst … In dieser aber gehen die menschlichen Bindungen, die menschlichen Bande der Familie durch die Versachlichung der Beziehungen und durch die aufkommende Doppelmoral der Gesellschaft zugrunde. Und Storms Sympathie gilt eindeutig auch dem Hans Kirch, denn dessen „Schuld“ wurzelt in seiner „angeborenen Rechtschaffenheit“, die in diesem Zeitalter zu seinem Untergang führen muss. Die Wehmut, die sich in dieser Novelle entäußert – Ausdruck eines humanistischen Pessimismus –, zeugt von einer absoluten Ausweglosigkeit, von dem Sehnen nach einer „intakten Vergangenheit“ und von einer verlorenen Identität.

© Asteris Kutulas, Leipzig, 18.5.1981

Anmerkungen: Alle Zahlenangaben in Klammern beziehen sich auf Theodor Storm, Sämtliche Werke in vier Bänden, Berlin 1978

PorNO & Erotische Kultur von Frauen – Interview mit Claudia Gehrke

 

Claudia Gehrke ist eine spannende und sehr interessante Frau (… und das nicht nur als Chefin des Tübinger Konkursbuchverlags). Sie hat mit dazu beigetragen, Anfang der achtziger Jahre Kunst, Erotik und Rebellion zu einer neuen Art von „feministischer Lebensphilosophie“ zu verschmelzen.

Claudia hat durch ihre zahllosen anti-sexistischen und frauen-freiheitlichen Publikationen vielen Denkmustern und Denkansätzen, die heutzutage durch das Porno-Entertainment sowie Texte wie „Feuchtgebiete“ etc. allgegenwärtig sind, den Weg bereitet. Wo wäre die deutsche Kultur-Welt ohne ihren feministisch-revolutionären Konkursbuchverlag mit dem „Heimlichen Auge“ und Autorinnen wie die hardcorigen Krista Beinstein, Cleo Uebelmann etc.? 

Das folgende Interview führte ich mit Claudia 1990 – als Herausgeber der Monatszeitschrift Sondeur, wo es auch in drei Folgen in den Heften 6-8 abgedruckt wurde.  Asteris Kutulas, 2008

Claudia Gehrke und Asteris Kutulas

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„Der Blick auf Männer mit erigierten Schwänzen“Claudia Gehrke befragt von Asteris Kutulas, Tübingen 1990 

Asteris Kutulas: Du hast dich wiederholt eingesetzt für eine „Politik erotischer Kultur“ von Frauen. Was willst du darunter verstanden wissen?

Claudia Gehrke: Ich plädiere dafür, daß Frauen versuchen, sich Bilder zu machen von ihren sexuellen Wünschen, von ihrer sexuellen Praktik und daß sie das sozusagen in künstlerischer Form tun, in Bildern, in Texten, und nicht immer Angst davor haben, daß das, was sie machen – das ist ja bei uns so ’ne Debatte – männlich besetzt sein könnte, weswegen sie lieber gar nichts machen oder erst mal nur die Bilder, die sie ablehnen, bekämpfen sollten. Und mir geht es einfach darum, daß es wichtig ist, auf dem Gebiet der Sexualität eine Sprache zu finden und damit umzugehen, darüber reden zu können, ohne daß es peinlich oder komisch wird, wie das ja sehr oft der Fall ist. Und das ist vielleicht – das hoffe ich zumindest – Frauen eher möglich, weil sie eben noch nicht so eine vermuffelte Pornosubkultur haben. Das ist ja eine Männerkultur, diese Art der existierenden Pornofilme.
Natürlich gibts auch Frauen, denen diese Filme gefallen oder einige Stellen darin, das will ich jetzt nicht verallgemeinern, aber ich denke, daß Frauen dadurch, daß sie da noch nicht so festgelegt sind – weil es ihnen ja historisch nicht zugestanden wurde, sich Bilder über Erotik zu machen – eine größere Chance haben. Andererseits gibt es natürlich – alles hat immer seine zwei Seiten und auch eine lange Geschichte – erotische Literatur von Frauen. Ich hab für einen Sammelband gearbeitet, in dem erotische Texte von Frauen veröffentlicht wurden, geschrieben seit dem Mittelalter bis heute. Ich habe dabei sehr viel Material gefunden und festgestellt, daß Frauen doch darüber nachgedacht haben und daß es ganze Kulturen gab, Salons, wo nur über Erotik geredet und daß darüber geschrieben wurde, und zwar nur von Frauen. Es ist also eine rein weibliche Sicht auf diese Dinge z.B. aus dem 16./17. Jahrhundert, festgehalten in wunderbaren, zehntausend Seiten dicken Romanen. Das ist die andere Seite. Es gab also eine Geschichte, nur ist die eben – wie alles – untergegangen; man kennt sie nicht, weil die männlichen Produkte im Bewußtsein geblieben und die weiblichen verschütt gegangen sind.

Kutulas: Nun gibt es in dieser Diskussion die Tendenz zu sagen: dieses oder jenes Thema sei „männlich besetzt“; zum Beispiel die Pornokultur. Und es bedeutet eigentlich, wenn ich dich recht verstanden habe, im Sinne der Frauen etwas „Negatives“, Un-Eigenes, jedenfalls etwas Problematisches. Wo würdest du den Unterschied festmachen wollen, daß das von Frauen Gemachte anders ist? Kommt es daher, dass es für Frauen gemacht wurde und nicht für Männer, oder gibt es auch qualitative Unterschiede?

Gehrke: Ich bin sicher, daß es qualitative Unterschiede gibt. Nur sind die natürlich jetzt ganz schwer in so einem Gespräch festzumachen. Ich müßte dann Bilder zeigen, und ich mache ganz oft nach Vorträgen den Test, daß ich Bilder ohne Namen verteile und dann die Leute suchen lasse, und die „Chance“, daß richtig getippt wird, so beim ersten Hinschauen, ist groß; Sachen von Frauen werden tatsächlich in den meisten Fällen als solche identifiziert.

Kutulas: Akzeptieren die Künstlerinnen diese Festlegung auf „Frauenkunst“? Ist das nicht eine neue Diskriminierung?

Gehrke: Natürlich sagen viele Frauen/Künstlerinnen, ich möchte weg davon, „Frauenkunst“ zu machen – darum geht es ja auch nicht, sondern darum, ob es bei dieser erotischen Abbildung vielleicht doch ’nen anderen Blick gibt, der sich auch wieder historisch gebildet hat und der auch andere Bilder erzeugt, obwohl die – also, ich spreche natürlich jetzt paradox – auf den ersten Blick nicht so zu erkennen sind. Natürlich sieht man auch deftige sexuelle Dinge, wenn Frauen die Bilder machen, oder es wird sehr Deftiges, Sexuelles erzählt, was sie sich ja oft nicht eingestehen, daß sie das dürfen …

Kutulas: Pornographie von Frauen …

Gehrke: Ja, das meine ich mit deftig sexuell, also es kommt zur Sache, zum Geschlechtsakt.

Kutulas: Das ist eben das Problem. Wie definierst du dann die „männliche Pornographie“?

Gehrke: Ich kann das nicht verallgemeinern, aber was ich an pornographischen Produkten gesehen habe, womit viele Frauen – und ich auch – nichts anfangen können, ist für einen voyeuristischen Blick von außen inszeniert worden. Es wird sich immer in die Kamera hineinverrenkt, was mich nach ’ner Weile einfach langweilt. Aber vielleicht funktionieren Männer da anders, für sie hat das ’ne bestimmte symbolische Bedeutung: daß eben „alles funktioniert“. Aber Frauen funktionieren offensichtlich sexuell nicht so, als daß man für sie – die Story ist eh nicht wichtig – einfach bestimmte Bilder inszeniert, und dann ist das ein Kitzel … Wenn Frauen was machen, dann ist das mehr von innen heraus inszeniert. Ich verallgemeinere natürlich, es gibt immer Gegenbeispiele.

Erotik & Bewegung

Ich mach jetzt ein Buch über Filme, und zwar suche ich erotische Filme oder Videos, die von Frauen gemacht wurden. Da geht es um Bewegung, und Bewegung hat ja unmittelbar mit Erotik zu tun – deswegen interessieren mich Filme. Ich merke, daß in vielen dieser weiblichen Filme wirklich Lust inszeniert wird, und die Kamera – da kann man natürlich sagen, das kommt daher, daß es zumeist Laienproduktionen sind –, die Kamera steht irgendwie nicht so weit außen. Da wird nicht alles für einen „anderen“ Blick inszeniert, sondern da passiert etwas für einen selbst. Diese Lust ist natürlich auch inszeniert, und es sind oft langwierige Produktionen, aber es passiert etwas in den Bildern, wodurch ich diesen berühmten Sog stärker spüre; ich bin da plötzlich mit drin. Allerdings ist es schwer, so abstrakt, ohne ein Beispiel darüber zu reden …

Kutulas: In deinem Gespräch mit der Filmemacherin Ulrike Zimmermann erklärt sie, wie frau/man durch die Möglichkeit des Standbildes eines Videorecorders sich aus einem beliebigen („männlichen“) Pornofilm eine eigene Variante erstellen kann. Das ermögliche ihr/ihm, z.B. beim Höhepunkt während der Selbstbefriedigung das richtige Bild abzurufen.

Gehrke: Ja, das heißt natürlich – und das ist das Spannende bei Ulrikes Feststellung –, daß bei Frauen die Lust, die durch Sehen erzeugt wird, letztlich ähnlich funktioniert wie bei Männern. Das heißt: man sieht etwas und kommt dadurch zu einem sexuellen Höhepunkt, oder frau sieht etwas und kommt dadurch zu einem sexuellen Höhepunkt, nur muß sie sich ihre Bilder anders zusammensetzen, damit das Raster bei ihr funktioniert. Und dieses „anders zusammensetzen“, das ist eben wichtig, und das ist dann vielleicht in den Sachen auszumachen, die von Frauen produziert werden. Aber es gibt natürlich Texte und Filme von Frauen, die eben auch so aufgebaut sind, daß es dazu kommt, und auch die haben natürlich ’ne gewisse Spannung.

Claudia Gehrke und Asteris Kutulas

Erotik & Abenteuer

Für mich ist allerdings Erotik, erotische Kultur eigentlich eine viel weitere Sache, als jetzt etwas zu produzieren, womit ich zum Orgasmus gelangen kann – das ist nur ein kleiner Punkt innerhalb der Erotik. Ich denke, daß dazu noch mehr gehört. Erotik hat für mich auch immer was mit Abenteuer zu tun. Ich meine jene Gefühle, die du während irgendwelcher Abenteuer in der Kindheit hattest oder die du empfandest, als du Abenteuergeschichten gelesen hast … Und für mich ist wichtig, daß so kleine Geschichten inszeniert werden, die dieses Prickeln des Abenteuers erzeugen. Ich glaube, daß diese besonders bei Frauen ausgeprägte Kultur, sich kleine Abenteuer zu inszenieren, auf ’ne bestimmte Art mehr Vielfalt hat als die männliche, die in der Regel wirklich nur darauf zielt, daß das jetzt mit dem Orgasmus klappt – und damit ist es dann beendet.

Kutulas: Ich bin aber sicher, daß auch Männer eine andere Art von Lust empfinden können?

Gehrke: Die Männer haben doch in ihrer Geschichte ganz viel verloren an Lustpotential. Das war nicht immer so, daß die auf den Schwanz fixierte Sexualität vorherrschte. Ich will da jetzt nicht konkret werden, aber es gibt ja noch ganz andere Lustbereiche, wenn wir nur den Körper betrachten, selbst den der Männer. Und ich denke nicht, daß die Geschlechter prinzipiell unterschiedlich sind. Nur haben Frauen, weil ihnen in ihrer Geschichte Lust offiziell nicht zugestanden wurde, einfach vielleicht auch verspieltere Möglichkeiten. Das ist so die eine positive Seite. Die andere, negative ist, daß viele Frauen ja erst mal dazu kommen wollen müssen, daß sie überhaupt Lust empfinden, also wirklich diese sexuelle Lust zulassen.

Kutulas: Ich habe keine Frau kennengelernt, die nicht ihre Lust frei empfinden wollte …

Gehrke: Aber für viele Frauen trifft es zu. Das denke ich schon, daß die Geschichte in den Knochen sitzt und im Prinzip die Lust für die Männer reserviert ist. Frauen sind im gewissen Sinne die „Dienenden“. Da gibt es sicher kulturelle Unterschiede aller Art auch in der Gegenwartskultur.

Erotik & Spaß

Was der Erotik ein bißchen verloren gegangen ist – und da sehe ich eher bei Frauen, daß dies wiedergefunden wird –, ist das Spiel, der Spaß, den man/frau damit hat. Zelebriert wird immer so ein sexueller Ernst. Wenn Paare zusammen sind, sich lieben, hat das eher mit diesem sexuellen Ernst, mit „Leidenschaft“ zu tun. Klappen muß alles, lachen darf man dabei schon gar nicht … Daß mal was schiefgeht, worüber auch gelacht werden kann, ist nicht vorgesehen. Auch nicht, daß man über Sexualität spricht, indem man sich Geschichten erzählt. Und ich denke, daß da Frauen – einfach weil sie auch eine andere Gesprächskultur besitzen – vielleicht ’ne größere Chance haben, sozusagen im Kleinen wieder verspieltere Möglichkeiten einzubringen, mit Sexualität und Erotik umzugehen … Ich spreche jetzt nicht darüber, ob man monogam lebt oder ganz viele Freunde hat – darum geht’s nicht, sondern um die Formen.

Kutulas: Ist die eigene „Gesprächskultur“ eine eine wichtige Komponente für die von dir beschworene erotische Kultur von Frauen?

Gehrke: Das würde ich mir wünschen. Ich versuche mit meinem Verlag einfach auch diese Möglichkeiten zu eröffnen. Es ist natürlich so, daß es so viel auch noch nicht gibt. Ich merke, daß es doch immer mehr so „subversive“ Frauen gibt, die ich durch meine Verlagsarbeit zufällig treffe, die wirklich ihre Art von Sexualität in inszenierten Räumen und in „Gesprächszusammenhängen“ leben.

Kutulas: Da fallen mir zwei Bücher ein, die in deinem Verlag erschienen sind, das eine von Cleo Uebelmann, das zweite von Christa Beinstein, die „inszeniert“ sind, das ist nicht nur Sex in Reinform, sondern da findet auch ein Spiel statt …

Gehrke: Deswegen ist diese Form der Sexualität auch eher abbildbar, weil sie sozusagen mit kleinen Geschichten zu tun hat. Das ist allerdings auch eine Sexualität, die sehr oft abgelehnt wird, weil man sagt, das hat mit Gewalt zu tun. Christa Beinstein und Cleo Uebelmann machen ja auf sehr unterschiedliche Weise, was man so klassisch unter sadomasochistischen Inszenierungen versteht. Ich möchte da noch mal auf den Unterschied kommen.

Sexualität & Schmerz

Bei Christa Beinstein sind das wirklich Abenteuer, kleine inszenierte Geschichten; das hat viel mit Verkleidung zu tun, wo alle Beteiligten für eine bestimmte Zeit in einen bestimmten Raum gehen, den sie ausstatten mit Spielzeugen. Obwohl Christa nicht will, daß ich das Wort „Spiel“ verwende, weil es schon sehr ernst ist, gefährlich auch, denn es gibt schon diese Grenzüberschreitung zu wirklichem Schmerz. Aber im Grunde ist das Ganze – und das sieht man auch den Gesichtern auf den Fotos an, wenn man genau guckt – ein freiwillig inszeniertes Spiel, wo einfach bestimmte Sachen vielleicht erlebt werden, die sonst nicht erlebt werden können. Sexualität hat ja mit Hingabe zu tun, und Hingabe in einem nichtbewußten Sinn hat auch schlimme Seiten. Es gibt diese Abhängigkeitsverhältnisse, wo Frauen von Männern wirklich abhängig sind, sexuell oder wie auch immer, umgekehrt auch … und das aber oft so ’n unbewußtes Ausleben dieser ganzen Hingabeproblematik ist. Denn in der Sexualität ist es ja etwas sehr Schönes, daß du dich in die Hände eines anderen begibst oder einer anderen, der oder die dir Lust macht, und du lieferst dich dem aus, und du kannst wirklich mal für Momente sozusagen embryonal sein und einfach von einem anderen was gemacht bekommen, und das hat natürlich auch immer mit Erwartung, mit Spannung, mit Schmerz und mit Erlösung zu tun … Und ich glaube, daß dieser bewußte Umgang mit dem Problem „Hingabe“ viel besser ist, weil man dann auch über seine psychischen Abhängigkeiten anders nachdenkt und selbstbewußter damit umgeht.

Kutulas: Was meinst du damit?

Gehrke: Zum Beispiel, wenn du Fesselungsspiele mit deiner Freundin machst, wie die zwei Frauen in dem Buch von Cleo Uebelmann – bei ihr ist es aber ’ne inszenierte Sache, es geht dabei gar nicht um die Realität, aber es geht immer um die Fesselung. Während einer solchen Fesselung bin ich sozusagen in mich gekrümmt, was eigentlich auch körperlich ’n sehr schöner Zustand ist – dieses sich an sich selbst reiben –, es sind nur noch ganz kleine Bewegungen möglich. Das Ganze existiert auch als Film, der darum sehr erotisch ist, weil diese kleinen Bewegungen stattfinden.

Fesselung & Lust

Also die Frau liegt in dieser embryonalen Haltung, und ihre Beine bewegen sich ganz leicht, ihr Po bewegt sich ganz leicht, und das strahlt eine ungeheure Schönheit und eine ungeheure erotische Spannung für mich aus. Und diese kleinen Bewegungen sind nur deswegen möglich, weil sie auf eine bestimmte Art gefesselt und ihr Bewegungsspielraum begrenzt ist. Diese Bildern erzeugen Lust, denn nur dadurch, daß der Bewegungsspielraum begrenzt ist, kann sie sich durch diese kleinen Bewegungen in sich einkringeln.
Ganz anders die andere Person, die immer in Erwartung ist und wie ein Löwe um sie herumläuft und sich ihr nähert, aber es passiert nichts. Diese Erwartung erzeugt in der gefesselten Person, die auf eine Berührung wartet oder darauf, daß die Fesseln gelöst werden, auch eine ungeheure Spannung, die wiederum mit sexueller Lust zu tun hat. Das kann man in solchen Räumen, wenn sich beide über dieses „Spiel“ – um wieder das Wort zu verwenden – klar sind, inszenieren und vielleicht auch wesentlich besser genießen, als wenn es unbewußt ablaufen würde wie in der normalen Sexualität. Ich möchte aber auf keinen Fall behaupten, diese Form der Sexualität sei die einzige. Es ist eine Möglichkeit unter vielen.

Claudia Gehrke PorNo
Claudia Gehrke befragt von Asteris Kutulas, in: Das Blatt, 27/90, 23.8.1990

Kutulas: Du gibst ja in deinem Verlag das Jahrbuch für Erotik „Mein heimliches Auge“ heraus, wo du dein „demokratisches“ Verständnis aller sexuellen Formen gleichsam editorisch formulierst.

Gehrke: Mit „Mein heimliches Auge“ möchte ich, daß alle sexuellen Lebensformen – also das ist die eine Seite dieses Buches – gleichwertig nebeneinander vorkommen. Daß die Menschen die Möglichkeit haben zu wählen, also wirklich frei zwischen diesen klassischen heterosexuellen oder schwulen Formen zu entscheiden. Und daß es in gewisser Hinsicht als gleichwertige Möglichkeit erscheint, ’ne Liebesbeziehung einzugehen. Und die andere Seite des Buches „Mein heimliche Auge“ besteht darin, darauf hinzuweisen, daß Erotik immer so was Doppeltes hat: Einmal ist es etwas Geheimnisvolles (die Lust und warum sie plötzlich zwischen zwei Menschen entbrennt) und der Versuch, dieses Geheimnis in Bildern und Texten einzufangen, zum anderen jedoch hat Erotik – und das wird gerne übersehen – auch mit Technik zu tun, mit Wissen darum, wie es geht. Und dafür haben wir eigentlich nur so eine psychotherapeutische, aber keine literarische, poetische, bildnerische Sprache. Zur literarischen Sprache über diese Techniken möchte ich animieren, und zwar tatsächlich Frauen wie Männer gleichermaßen – ich gebe den Frauen etwas mehr Raum wegen der historischen Ungerechtigkeit, aber es ist keine prinzipielle Geschlechtertrennung.

Kutulas: In der Noch-DDR in der Übergangsphase wurde viel über Pornographie diskutiert und wie man sich dazu stellt, wenn Geld eine Rolle spielt. Also wenn eine moralische Instanz das Ganze in Frage stellt – für viele Leute in der Nicht-mehr-DDR ist das ein Problem. Wie stehst du dazu?

Sexualität & Liebe

Gehrke: Das ist ein allgemeines Problem, daß wir eigentlich Sexualität nur dann als wahr erkennen, wenn sie mit wahrer Liebe zu tun hat. Ein romantisches Ideal also, das in unser aller Köpfe sitzt: daß wir den Richtigen oder die Richtige finden, mit dem/der wahre Sexualität möglich ist, ohne jeglichen materiellen Hintergrund. Natürlich gibt es diese Märchenprinzessin und den Märchenprinzen, es gibt diese Liebe und diese Liebesgeschichten, und die sind ganz wichtig auch für Erotik, weil es dann eine besondere Lust ist, sich zu vereinigen. Aber auch das andere, daß sozusagen Sexualität eingetauscht werden darf gegen Geld, was ja leider immer nur von Männern benutzt wurde. Die altmodische Erklärung benennt diesen Vorgang als „Ausbeutungsverhältnis“, aber man könnte dem entgegensetzen, daß sich die Prostituierten mit Lust ihr Geld verdienen, was nicht heißt, mit Lust an der Arbeit, sondern sie nutzen umgekehrt die Männer aus. Ich denke, man sollte darüber moralisch nicht so schlecht denken, denn warum sollen eben alle anderen Formen eines kulturellen Genusses wie ins-Theater-gehen, ein-Buch-kaufen, Musikhören anders bewertet werden? Das hat ja auch alles mit Sinnlichkeit zu tun und wird trotzdem ohne schlechtes Gewissen mit Geld bezahlt. Ich gehe ins Theater und gebe 50 Mark aus. Warum soll ich nicht für etwas Sexuelles, was ja auch ein sinnlicher Genuß ist (für mich gleichwertig mit einem Theaterbesuch – ich will ja auch die Sexualität nicht über alles stellen), auch Geld ausgeben dürfen. Unsere ganze verkrampfte Haltung zur Sexualität kommt daher, daß wir sie aus den anderen kulturellen Zusammenhängen herauslösen.

Kutulas: Aus vielen deiner Texte lese ich den Appell an die Frauen heraus, selbst mal in einen Männerpuff zu gehen. Die Zuspitzung akzeptiere ich. Ist das Problem aber wirklich so einfach zu lösen?

Gehrke: Weil es eben nur die Männer können, ist es nicht unproblematisch. Frauen werden immer noch mißachtet, wenn sie das umgekehrt tun. Auch abgesehen davon, daß es vielleicht keine Lust macht, auf Männer zu schauen. Doch das ist jetzt eine andere Frage, ob es nur kulturell bedingt ist, daß das keine oder weniger Lust macht. Frauen schauen gern auch immer wieder auf Frauen …

Kutulas: Dann wollen Frauen gar nicht in eine Männer-Peep-Show gehen?

Lust auf Männer mit erigierten Schwänzen

Gehrke: Das weiß ich nicht. Es ist eben wirklich die Frage, ob das ein kultureller Druck ist, der auf uns wirkt, weil wir das nicht dürfen: Lust, Zeigelust zu entwickeln an Männern. Dorothea Thums hat einen schönen literarischen Text im HEIMLICHEN AUGE 4 geschrieben, in dem sie diese Lust für sich einklagt, Lust nur auf die Sexualität der Männer, Lust im Blick auf Männer mit erigierten Schwänzen. Ich bin mir da selbst noch unsicher, ob wir uns diese Lust nur nicht eingestehn oder ob sie bei uns mehr auf das Weibliche gerichtet ist, weil es einfach irgendwie „ästhetischer“ ist … Da hab ich ein schönes Erlebnis bei einer Veranstaltung gehabt. Es saßen vierzig Frauen zwischen 40 und 70, verheiratet, die mit dem Thema nicht so viel zu tun hatten. Wir machten eine kleine Einführung in Form eines Gesprächs und lasen anschließend die erste deftig sexuelle Geschichte. Da saßen sie alle noch etwas verklemmt und unsicher auf ihren Stühlen. Wir sprachen dann darüber, daß Frauen das dürfen, sich nur des erotischen Genusses wegen solche Geschichten anzuhören.
Natürlich war es wichtig, daß ausschließlich Frauen anwesend waren. Mit Männern im Raum wäre es gar nicht möglich gewesen. Jedenfalls wollten sie nur noch diese scharfen Geschichten hören. Sie gestanden sich plötzlich ein: Ja, wir dürfen das. Dann hab ich was Diskreteres gelesen, wo überhaupt nichts Sexuelles passiert, was aber trotzdem sehr erotisch war. Doch das wollten sie gar nicht hören, sie wollten nur noch Sachen, die auf den Punkt kommen. Das heißt, diese Lust gibt’s auch bei Frauen, wenn sie zugelassen wird, irgendwo schon.

Kutulas: Das ja, aber ich komme wieder auf meine Frage zurück – nach dem Geld, das ja auch mit dem männlichen Voyeurismus zu tun hat …

Gehrke: Das ist schon eine prinzipielle Sache, die man erst mal kulturell befragen sollte: Was ist mit dem Geld – wofür wird gezahlt und wofür nicht? Dann die geschlechtsspezifische Komponente. Immer sind es die Frauen, die bezahlt werden. Ob als Hausfrau oder als Prostituierte, diese Zweiteilung gibt es ja irgendwie immer noch … Sie werden immer irgendwie bezahlt für ihre sexuellen Leistungen. Also sie sind – wie sagt man dazu – die Empfangenden und werden dafür bezahlt. Das ist noch mal ein anderer Themenkomplex, denn auch Frauen zahlen natürlich dafür, ihre sexuellen Gelüste zu befriedigen. Sie kaufen ja meine Bücher. Mehr als die Hälfte der Abonnenten vom HEIMLICHEN AUGE sind Frauen. Und sie zahlen.

Kutulas: Dieser Vorgang stünde dann im Gegensatz zur PorNO-Kampagne von EMMA …

Gehrke: Ja, weil ich dafür plädiere, daß Frauen ihre eigenen erotischen Dinge produzieren und daß diese Produktion genauso ernstgenommen wird wie die der Männer. Daß also genauso viele Sachen von Frauen verkauft, gefilmt, gefördert werden, daß zum Beispiel im Filmbereich – womit ich mich gerade beschäftige – frei auch „Pornos“ produziert werden können, und zwar, wie sie Frauen, nicht Männer verstehen. Vielleicht ist das ja etwas ganz anderes. Vielleicht sind das für Männer gar keine Pornos. Aber schon, wo es um Sexualität im direkten Sinne geht. Manche Sachen von Frauen sind nämlich erstaunlicherweise viel härter. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Kutulas: Was ist das eigentliche Anliegen dieser PorNO-Kampagne?

PorNO-Kampagne

Gehrke: EMMA ist damals angetreten – was ich auch unterstütze – die Bilderwelt der Männer zu bekämpfen, in der Frauen immer in einer bestimmten, meist dümmlichen Position dargestellt werden. Das ist zum Beispiel in den Gesichtern im PLAYBOY oder in den ganzen Beate Uhse-Heften oft zu sehen: das ärgert mich viel mehr als sichtbare Schamlippen – die sind ja eigentlich was Schönes und werden immer retuschiert. Aber bei den Gesichtern zeigt sich der eigentliche Umgang der Männer mit diesen Frauen-Bildern.
Die Art von dummen Gesichtern, die anscheinend nur darauf warten, daß irgendein Idiot ihre plastikpuppenhaften Körper fickt. Und diese Art von Dummheit, die den Frauen da ins Gesicht geschrieben wird in den Männer-Bildern – die nenne ich jetzt nur als Beispiel – die möchte ich auch bekämpfen. Aber ich möchte sie nicht in der Art wie EMMA bekämpfen, die versuchen will, diese Bilder irgendwie zu verbieten, obwohl man sie gar nicht verbieten kann. Außerdem glaube ich nicht, daß durch Verbot etwas unmöglich wird, sondern – wenn überhaupt – nur durch das Entgegensetzen anderer Bilder. Natürlich ist die Gefahr groß, daß wir vielleicht erstmal die selben Bilder produzieren, weil wir nicht frei sind …

Asteris Kutulas: Das will ich meinen …

Claudia Gehrke: Niemand kann frei sein. Auch eine Frau nicht. Das ist ein Prozeß. Nur, ich glaube, die Vorstellung, diesen Prozeß durch Verbotskampagnen in Gang zu setzen, ist ganz gefährlich. Verbotskampagnen, die dann irgendwie staatlich reglementiert werden, sind letztlich doch immer, auch wenn es Zivilrechtsgeschichten sein sollen – also nicht sofort der Staatsanwalt klagt, sondern eine Person –, eine politische Angelegenheit. Und je nachdem, wie die politische Lage gerade ist, wird dann entschieden.

 
 
abgedruckt 1990 in Sondeur Nr. 6, Nr. 7, Nr. 8
Erstveröffentlichung: Die inszenierte Lust der Frauen. Pornographie – hinsehen oder wegsehen? Claudia Gehrke befragt von Asteris Kutulas, in: Das Blatt, 27/90, 23.8.1990

Bizarre Städte Diskurs

Eine Erwiderung auf Michael Thulin (1988/89)

Zunächst muß betont werden, dass ich Michael Thulins allgemeinen Frust verstehe und seine theoretischen  Prämissen akzeptiere, obwohl sie die meinen nicht sind. Allerdings erhoffte ich mir eine kritische Würdigung oder eine würdige Kritik (je nach dem) der ersten drei Bücher der „Bizarren Städte“ (weiter: BS), weil, wie in meinen Vorworten festgehalten, das Projekt für uns ein Experiment war. Aber auch weil Thulin vom „Unvermögen“ seiner zwei Kollegen Peter Wawerzinek und Olaf Nicolai, die drei Bücher „richtig“ einzuordnen, ausgeht, also von einer Behauptung, die nur durch eine fundierte Analyse der BS-Bücher aufrechterhalten werden könnte. Und schließlich erwartete ich bei der Beurteilung der Produktion der drei Bücher und  der Arbeit der Autoren, Grafiker und Fotografen eine gewisse Sensibilität, besonders wenn man bedenkt, auf welch unsicherem  Terrain sich der autonome Literaturbetrieb in der DDR bewegen muss.

Seriöse Kritik?

Ich spreche nicht von weniger, sondern von fairer, ernsthafter Kritik. Doch Thulins Behauptungen und Unterstellungen werden de facto durch die in den letzten drei Monaten fertiggestellten vier neuen BS-Bücher  (Sonderheft 1 und 2,  Dresden-Heft, Band 4) widerlegt. Diese Art der Entgegnung entspricht mir – einem „Macher“ – mehr, als mich theoretisierend ins Weltgeschehen einzubringen. Trotzdem möchte ich Thulins „Kritik“ (die mich an T.S. Eliots Feststellung erinnerte, die meisten Kritiker bemühten sich nur um Vernebelung, indem sie u.a.  behaupten, der einzige Unterschied  zwischen ihnen und den anderen  liege darin, dass sie selber nette Menschen und die andern recht zweifelhaften Rufes seien) zum Anlass nehmen, ein paar allgemeine Bemerkungen zu der Geisteshaltung zu machen, die sich dahinter verbirgt.

Wegen der Vernebelung, die Thulins „kritischer“ Methode eigen ist, meint man, einen Krimi zu lesen, der in London spielt und in dem  die  Polizei mit einer extra dafür konstruierten Maschine Nebel produziert, um darin zu verschwinden und nicht als Verbrecher entlarvt zu werden; was es tatsächlich gegeben haben soll. Wachtmeister Thulin  geht wie folgt vor: Er unterscheidet nicht zwischen den drei BS-Büchern als fertige Produkte – für die der Herausgeber ohne  weiteres „belangt“ werden könnte – und den bezeiten geführten Gesprächen: Den sich verändernden, widersprechenden verbalen Aussagen zwischen März und April 1988 – die, ihrer Natur gemäß, nichts Apodiktisches besaßen – verschiedener am Projekt beteiligter Autoren und  Grafiker, den Herausgeber mit eingeschlossen.

Das Gespenst der Aufklärung

Thulin macht nichteinmal den Versuch,  Licht in diese düstere Affäre zu bringen und läßt im Dunkeln, worauf er seine >Dekonstruktionen< stützt: auf die drei BS-Bücher mit den darin versammelten Texten? Auf Gespräche? Auf eine Diskussion? Auf Gerüchte? Die  Verwirrung beginnt bereits bei den Begriffen; so geht – nach Thulin – ein Gespenst in der Gesellschaft um, das allerdings – nach Thulin – gescheiterte Gespenst der >Aufklärung<. Was er darunter versteht (Landläufiges, Weltläufiges, Prenzelbergläufiges?), verschweigt der Meister. Zudem bleibt Thulin die Erklärung schuldig, wie sein Wahn-Gebilde, obwohl (fast) tot, noch so viel Unheil unter den Lebenden anrichten kann, aber wahrscheinlich will er uns vor Nekrophilie schützen, vor solch verwerflichem Gedankengut: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus der  selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen,  sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines  andern zu bedienen …“ (aus: Immanuel Kant, „Was ist Aufklärung?“)

Die gescheiterte Aufklärung

Also warnt Wachtmeister Thulin vor  dem Grufti Immanuel Kant und deutet – nach durch ihn heimlich begangenem Mord – auf die Leiche: Diese >Aufklärung ist gescheitert<! (Der  Widerspruch wird deutlich, wenn Thulin selbst als ein „restlos Aufgeklärter“ auftritt,  so dass man die Horkheimer/Adorno-Feststellung: „Aufklärung ist totalitär  wie nur irgendein  System“ leicht auf sein eigenes Gedankengebäude anwenden kann.) Ähnlich konfus, ohne ihrer Begrifflichkeit Herr zu werden, verwendet er auch andere Wörter, zum Beispiel >Selbstverständnis<, >Lebensweise<; und wenn er gar das bittere Ende  der BS prophezeit, greift er zum Polizistenjargon: >wenn es je so etwas wie ein authentisches Gesicht (des Editionsunternehmens BS; A.K.) gegeben hat, – sieht man einmal von  der Aufmachung ab –,  dann ist ihm der Boden unter den Füßen entzogen<, um zu beweisen, dass nicht nur Lügen, sondern auch Gesichter kurze Beine haben, was aber Thulins  wachendem Auge  nicht entgeht, genausowenig wie der Umstand, dass  sich hinter einer ordinären >Aufmachung< ein >authentisches Gesicht< verbergen kann.

Bizarre Städte, Asteris Kutulas
Einband von Trak Wendisch für Bizarre Städte, Band 3 (1988)
Literatur & Politik

Der Sinn jeder seriösen Kritik – und gerade einer Gegenkritik, die anhand des besprochenen Gegenstandes die andere Meinung postuliert! –,  hätte für mich darin bestanden, die Texte (hier: in den BS), den inneren Zusammenhang jedes Heftes, die inhaltliche Klammer des gesamten Projekts etc. zu untersuchen. Aber nicht für Thulin: kein Wort über die Autoren, kein Wort über die Struktur der Beiträge, über die formale und inhaltliche  Entwicklung von Band 1 bis Band 3, nichts über Art und Prinzip der Edition. Sind es überhaupt die BS, für die  sich Thulin interessiert? Denn, seltsam genug, er argumentiert “politisch” und nicht literarisch, obwohl er nicht müde wird zu behaupten, ihm ginge es nur um „Literatur“.

Zunächst „beweist“ er, wie beschränkt die  beiden Kritiker Olaf Nicolai und Peter Wawerzinek sind, die sich bislang zu dem Projekt geäußert haben. Dann zeigt Thulin, auf welch verlorenem Posten die BS stehen, mit einem  Hinweis auf das gegenüberliegende leuchtende Ufer der „ariadnefabrik“ (die ich übrigens schätze) und der anderen von ihm gelobten Zeitschriften. Und zu guter Letzt entlarvt er den Herausgeber als >Manager<, der die Autoren nur beim Denken und Arbeiten stört. Man gewinnt den Eindruck, liest man  Thulins Untersuchungsbericht, dass  der Herausgeber – dem es >um das Verteilen (sic!) und Verlegen von Literatur (geht), wenn die anderen (die  schutzlosen Autoren!  A.K.) von  ihren  eigenen Problemen  sprechen< wollen – aus dem nicht-öffentlichen  Verkehr gezogen werden muß.

flanzendörfer, Böthig, Hensel, Jansen, Schmidt u.a.

Dabei muß man nur einen Blick in die BS werfen, um zu sehen, dass die BS zumindest eins erreicht haben, was Legitimation genug für ihr Bestehen (das Bestehen jeder beliebigen  literarischen Zeitschrift) ist: Es sind im Auftrag der Redaktion Texte, Grafiken und Fotos entstanden: so der längste Text, den Frank Lanzendörfer, angeregt  auch von Johannes Jansen, je geschrieben hat: die 25seitige aus Gedichten,  Fotos  und Zeichnungen bestehende Collage „garuna, ich bin!“, genauso wie der im 4. Band abgedruckte Text „zwischen hoffnung und resignation“, weiterhin Peter Böthigs „kleiner versuch über den  schaden“,  Walsdorfs  „frauen  ohne  unterleib“, Kathrin Schmidts „der um die Ecke einbog“, Bernd Janovskis „photobiographischer versuch über die szene“, Johannes Jansens grafisch-poetischer Beitrag „Fang“, Kerstin Hensels „Anschläge über das  Literaturinstitut“, Uwe Lummitsch‘ „Zwiesprache“, Gregor Kunz‚ „Messer im Kopf“, Steffen Menschings „Die Stadt“, Gerd Adloffs „Bemerkung“, Schwarz‘ „Splittersammlung“ etc.etc. Ganz abgesehen von den Grafiken,  Zeichnungen, den beiden Kassetteneditionen, der Grafikmappe mit dem dafür geschriebenen Text von Elmar Jansen und natürlich den Erstveröffentlichungen von fast allen Texten (darunter immerhin Volker Brauns „Freizeitpark“ und „Schiff im Land“, Adolf Endlers „Bubi Blazezaks  gedenkend“, Bert Papenfuß-Goreks „remembering cerstin“, Heinz Czechowskis „Das Zwingende“ und „Tag im Februar“, Menschings  „Wetterbericht“). Das  alles ist Thulin keiner Erwähnung wert. Viel wichtiger scheint ihm  dagegen, diese gesamte  Produktion auf den Begriff der >kulturpolitischen Pauke< zu reduzieren – tatsächlich: >inhaltlich  ist  damit leider noch nicht viel gesagt< (sic!) –,  was ihm zumindest ermöglicht, den Herausgeber ob seines anti-literarischen Verhaltens zu rügen.

Thulins Diffamierungen

Da  Thulin es ist, der von Wawerzinek und Nicolai eine durchdachtere Kritik des Experiments BS verlangt, erwartet man diese verständlicherweise von ihm: vergebens: Nach „politischen“ Unter-die-Gürtellinie-Schlägen gegen Olaf Nicolai – auf dessen  harmlosen Satz hin: „der verlust von gesellschaftlichem  interesse an kunst führt zu elitären zirkeln, die in der folge selbst ein mangelndes interesse an bestimmten gesellschaftlichen prozessen sich zueignen“ sich Thulin zur Behauptung hinreißen läßt, hier spräche ein Shdanow (sogar ein Seferis, ein Eliot und ein Enzensberger, denen man schwerlich Stalinismus vorwerfen kann, hätten diesem Satz zugestimmt!) – und gegen Peter Wawerzinek – der aufgefordert wird, seine nächste Kritik doch im „Sonntag“ zu  veröffentlichen – (deutlich in beiden Fällen ein Angriff auf der Ebene der (im weitesten Sinne) politischen und persönlichen Diffamierung) sieht sich Thulin dem Dilemma gegenüber, behaupten zu müssen, dass die Autoren, Maler und Fotografen (wie Jan Faktor, Trak Wendisch, Hans Brinkmann, Fritz-Rudolf Fries, Ulrich Burchert, Horst Hussel, Wenzel, Erika Stürmer-Alex etc.) sich vom Herausgeber haben einwickeln und benutzen lassen. Er kommt nicht auf die Idee (und will nicht sehen), dass diese – im Gegenteil – mit ihrer Mitarbeit einen Versuch unterstützt haben, der ihnen wichtig war. Thulin hat für deren Mittun eine gewichtige  Erklärung parat: Sie alle seien dem Herausgeber >auf den Leim<  gegangen, >geblendet von der gediegenen Aufmachung<! Doch Wachtmeister Thulin eilt herbei, die hier versammelte getäuschte   Autorenschaft der DDR vor dem gerissenen Griechen zu warnen und dessen Treiben ein Ende zu setzen! Denn: in den BS >geht (es) um allerlei, bloß nicht um Literatur<!

Bizarre Städte, Asteris Kutulas
Originalsiebdruck von Karsten Nicolai für Bizarre Städte, 1988
Worum es uns ging

Ich habe es eher so empfunden: Für die meisten Autoren von BS war es wichtig, dass „Literatur“ im Verständnis des Herausgebers mit Mündigkeit und Freiheit, mit Phantasie und Toleranz zusammenhängt.  Literatur in BS hatte und hat nichts mit Engstirnigkeit und Borniertheit zu tun, die den eigenen Literaturbegriff als alleinigen Maßstab anerkannt wissen und die „Literatur an sich“ damit in Beschlag nehmen will. Der Herausgeber hält es mit Bloch, mit einem jener von Thulin verabscheuten und für tot erklärten Aufklärer: Literatur hat allemal  mit Utopie zu tun, die Thulin – daraus mache  ich  ihm keinen Vorwurf, ich lese es nur aus seinem Text heraus – völlig fehlt. Anliegen der BS ist, Voreingenommenheit und Verhärtung, Isolation und fehlende Gesprächsbereitschaft zwischen Autoren abzubauen, zwischen ihnen zu über-setzen, „Aussagen zur Zeit“ zu dokumentieren, und sich zum andern gegen die „industrielle“ Ver-Wertung von „Idealen“, ausgedrückt in der offiziellen Doktrin der Interessenvertretung des ganzen Volkes durch die monopolistisch geführten Massenmedien (als wäre das  möglich!) zu wehren. Die vor einem Jahr fertiggestellten drei Bände – in denen (erstmals so breit) wenigstens Ko-Existenz möglich war – haben die Grundlage für Kommunikation (noch  nicht: Dialog) geschaffen, die in den nächsten Büchern in Form von Interviews und neuen  Konzepten angestrebt wird. Das steht (mehr oder minder deutlich) in den Vorworten.

Moralisches Aus

Aber  Thulins „kritische Methode“ ist nicht in erster Linie durch die frappierenden Unterlassungen gekennzeichnet, die ich angedeutet habe,  auch nicht durch die versuchte  Verwischung seines eigentlichen Anliegens, worauf ich noch zurückkomme, sondern durch die eklatante Unfähigkeit, auch nur eine einzige stimmige Argumentationskette aufzubauen. Ich möchte das an einem Beispiel erläutern, und zwar an einem wichtigen Punkt seiner „Kritik“: >Das Anliegen der BS ist, wie  die Vorworte zeigen, zunächst einmal ein kulturpolitisches: Veränderung der Druck- und Veröffentlichungspraxis, eine Autorenzeitschrift. Glasnost, um Kutulas zu zitieren. Aus diesem Grunde geht es den Heften weder um die darin versammelten Autoren, noch um die  Individualität und spezifische Qualität der einzelnen Beiträge. Autoren und Beiträge sind Makulatur, sie sind heranzitiert und versammelt zur Demonstration eines Beweises …< Wie die Vorworte  zeigen? Thulin zitiert? Aber vergebens sucht man in den Vorworten  die Worte >Glasnost<,  >Autorenzeitschrift<; auch keine Spur von dem in Thulins Augen unzüchtigen Anliegen, die Druck- und Veröffentlichungspraxis zu verändern (geschweige denn die Forderung danach (meine diesbezügliche Meinung steht hier nicht zur Debatte). Also aus diesen – nichtvorhandenen – Gründen unterstellt Thulin dem Herausgeber ein  Verhalten, das, wenn es ruchbar würde, sein moralisches und damit faktisches Aus bedeutete. Ich will es bei diesem Beispiel belassen. (Angesichts der pejorativen Belastung dieser Begriffe, kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren,  Thulin sei gegen Glasnost, gegen eine Liberalisierung und Demokratisierung  der Druck- und Veröffentlichungspraxis etc., wenn ich sehe, wie blind er um sich schlägt, als wolle er nicht argumentieren, sondern provozieren – den BS so eine Art politische Plattformbildung unterstellend).

Bizarre Städte Statement

Obwohl, wie gesagt, das Wort „Autorenzeitschrift“ in keinem der Vorworte  auftaucht – weil die ersten drei Bände der BS diesem Namen nicht gerecht würden –, möchte ich jenes Prinzip (das auch eine solche  Zeitschrift charakterisieren würde) erläutern, das von Anfang an die  editorische Praxis der Redaktion bestimmte: Ziel war, ein Forum für das Schreiben und Denken von verschiedenen Autoren zu schaffen, eine  offene Konzeption nach allen Seiten hin zu vertreten (sich nur verweigernd  dem „rechten“ und „linken“ Opportunismus) – all das geleitet von einem elementaren Respekt vor dem Autor/Künstler und seiner Produktion. Eine Zeitschrift also, die  sich als unabhängiges Blatt/Medium für  das  geschriebene und gedachte/gesprochene Wort ihrer Autoren versteht – und die auch so von den verschiedensten  Autoren angenommen und befördert wurde.

Bizarre Städte, Asteris Kutulas
Siebdruck-Plakat von Erika Stürmer-Alex zur Vorstellung von Bizarre Städte Nr.1 bis 3 in der Akademie der Künste, 1988
Elfenbeintürme

Während einer Lesung in der Akademie der Künste berichtete Christa Wolf über Gespräche,  die sie mit Franz Fühmann (wenn ich mich recht  entsinne) darüber geführt hatte, was sie gemeinsam geschrieben, welche Themen sie angepackt hätten, wäre  ihnen eine Spalte in einer  Wochen- oder Tageszeitung angeboten worden. In einem Land, das sich leisten kann, auf solche Angebote nicht zu reagieren, ja, sie gar nicht wahrzunehmen, ist es, gelinde gesagt, unverantwortlich, so blauäugig für andere  Elfenbeintürme (oder Gefängnisse?) in die Landschaft  stellen zu wollen, in denen man sich Ende des 20. Jahrhunderts als Schriftsteller eh nur selbstkasteien kann. Ich habe nichts dagegen,  wenn Thulin für sich einen  solchen Turm errichtet – ich werde der letzte sein, der ihn daran hindert. 

Der Standpunkt,  den Thulin angreift – die eher provokativ gestellte Forderung während zweier Lesungen (nicht nach >Institutionalisierung<, sondern:) nach einer unabhängigen, ausschließlich von Autoren herausgegebenen  Publikation, was Thulin wohlweislich verschweigt, also eine Forderung, die so in der DDR,  soweit mir bekannt, noch nicht gestellt wurde –, hat nicht nur nichts mit dem konkreten Projekt zu tun und wird in keinem der drei Bücher vertreten, er ist auch als verbaler Standpunkt seit fast einem Jahr nicht mehr im Gespräch. Das Weiterbestehen von BS hing für die Redaktion von der Bewahrung des autonomen Charakters des Projekts ab. Das Interessante an Thulins Kritik ist die a priori mitgemeinte Diffamierung des Begriffs „Institution“, interessant, weil sie einerseits vom demokratischen Impetus der BS absieht (es würde zu  weit führen, und es ist nicht unser Thema, darzustellen, wie die BS produziert wurden), weswegen überhaupt viele der Autoren sich am  Projekt beteiligt haben, und andererseits von der dogmatischen Praxis auch jeder nichtoffiziellen „Institution“, die es in der imaginären „Szene“ (ich weiß, ein ungenauer Begriff), die Thulin  beschützen möchte,  in vielerlei Gestalt gab und zum Teil noch gibt,  und von der auch die von ihm genannten Zeitschriften (genauso wie die BS) gar nicht frei sein können, was Adolf Endler in seiner Besprechung  des  Buches „Sprache & Antwort“ als Gefahr für einige dieser Blätter auswies, „ins schwiemelige Abseits des Sektiererhaften und Dumpf-Provinziellen“ zu geraten.   

Demagogie

Thulins Demagogie erreicht in dieser Hinsicht einen (ungewollten) Höhepunkt: Einerseits wirft er den BS vor, ein fatales  Öffentlichkeitsverständnis zu haben, andererseits übersieht er geflissentlich, dass eine repräsentative Auswahl aus „mikado“ in einer Auflage von mehreren Tausend als Taschenbuch bei „Luchterhand“ vertrieben  wird;  einerseits behauptet er, die von ihm gelobten Zeitschriften wendeten sich vor allem >an den Kreis ihrer Autoren< und der unmittelbar Interessierten (>Mehr möchte man nicht …<!), andererseits verschweigt er, dass eine Reihe von Gesprächen aus dem „schaden“ in der „Collection S. Fischer“ veröffentlicht wurden (das von Egmont Hesse herausgegebene  interessante Buch „sprache & antwort“); einerseits regt sich Thulin auf, weil BS versucht haben, neue – unabhängige – Freiräume und Möglichkeiten für Kommunikation zu schaffen, andererseits stört es ihn überhaupt nicht, dass „ariadnefabrik“, „schaden“ etc. in westlichen  Gazetten wie „Niemandsland“ sowie die literarische, musikalische  und künstlerische „AvantgardeSzene“ drüben genauso wie neuerdings auf hiesigen Veranstaltungen vereinnahmt und vermarktet werden (was  nicht in jedem Fall im Sinne der Künstler ist,  aber es geht mir  um die Tendenz); Thulin reicht es einerseits, dass während eines Gesprächs, das verbale Angebot gemacht wird, man möge sich doch überlegen, ob in der DDR ein oder mehrere Publikationsorgane möglich wären, die selbständig von Autoren herausgegeben werden, um diesen Gedanken als >Schwachsinn< und als >nebulöse Globalforderung< abzutun, entdeckt aber andererseits  keine >konzeptionelle Unaufrichtigkeit< im Ver-Öffentlichen jener von ihm hochgelobten (angeblich) öffentlichkeitsabstinenten Literatur beim Aufbau-Verlag, in „Sinn und Form“, sogar im Verlag Neues Leben etc., also einer Literatur, die seinem Verständnis zufolge für einen erlauchten Kreis von Auserwählten geschrieben wurde – eine Ansicht, der ich nicht folgen kann. (Papenfuß‘ Band „dreizehntanz“ z.B. war nicht nur längst „fällig“, er gehört außerdem zu den herausragenden Veröffentlichungen der letzten Zeit.) Und, so viel ich weiß, gibt es auch keine abstrakte „Zeitschrift“, unabhängig von  ihren Texten und der Intention der Autoren!

Bizarre Städte, Asteris Kutulas
Aus Johannes Jansen Textcollage „FANG“, Bizarre Städte, Band 2 (1988)
Die „Brisanz der Gegenwart“

Thulin übersieht schließlich, dass die meisten der von ihm doktrinär vereinnahmten Autoren eine mehr oder minder konträre Haltung zu seiner Position erkennen lassen. Ich bezweifle, dass Reiner Schedlinski, Egmont Hesse, Andreas Koziol, Ulrich Zieger etc., die Thulin in Beschlag nimmt, einen Anwalt wie ihn brauchen, besonders wenn ich an theoretische Texte von Hesse und Schedlinski denke. Da halte ich mich lieber an ihre Bücher und Schriften – und nicht an die Karrikatur, die Thulin von ihnen zeichnet. Immerhin plädiert Schedlinski in einem Brief an den Verlag Neues Leben für die größte Öffentlichkeit literarischer und essayistischer Texte, wenn er  auf  deren Publikation in der Tages- und Wochenpresse der westlichen Kulturlandschaft (seit einigen Jahren auch der Sowjetunion) als einen normalen geistigen Zustand  aufmerksam macht. Und die Herausgeber der Zeitschrift „mikado“ Uwe Kolbe, Lothar Trolle, Bernd Wagner beschreiben im Vorwort des äußerst aufschlußreichen Buches „Mikado oder Der Kaiser ist nackt“ den gesellschaftlichen Kontext,  der sie zum editorischen Selbsthelfertum geführt hat: „Es bedurfte etlicher Winter der Depression, einer Bibliothek voll ungedruckter Texte und schließlich des Zurückgewiesenwerdens einer gesamten Schriftstellergeneration,  bevor der Blick überhaupt in  eine solche Richtung gehen konnte“. Der für sie wichtige Ansatz – „Wir suchten die Brisanz der Gegenwart  in der Sprache, diesseits und jenseits des Vokabulars der Macht und der Anpassung“ – könnte genauso für die  BS gelten. 

Bizarre Städte, Asteris Kutulas
Aus flanzedörfers Werk „Garuna, ich bin“ aus Bizarre Städte, Band 1 (1987)

Ich habe den Eindruck, dass es Thulin nicht darum gegangen ist, darzustellen, was in den BS versucht wurde, diesen Versuch mit anderen zu vergleichen und anschließend zu werten, sondern die  Tatsache, dass etwas versucht wurde, von vornherein zu verurteilen,  weil es nicht mit seiner bornierten und dogmatischen Konzeption übereinstimmt. (: Eine Methode, die er mit der hierzulande weit verbreiteten orthodoxen Literatursoziologie gemein hat:) Das treibt dann in seinem Text   absonderliche Blüten: >Literatur wird (in den BS;  A.K.) lediglich benutzt, um ein außer ihrer Produktionssphäre liegendes Ziel – nämlich die Veränderung des Institution Kunst – zu bewirken<. Um Gottes willen! Und weiter: >Kunst … wird durch dieses Anliegen instrumentalisiert und  mit einer genau umrissenen Funktion belegt: als Mittel der Aufklärung und Durchsetzung kulturpolitischer Zwecke<! Kein Kommentar.

Thulins „Gegen-Kritik“ stellt die Daseinsberechtigung der BS in Frage, und zwar nicht aufgrund einer ernsthaften Auseinandersetzung – man sucht vergebens den Willen dazu und die  dafür erforderliche analytische Genauigkeit –, sondern durch eine moralische Denunziation: Was er in seinem  Beitrag angreift ist – schlicht und einfach und kaum kaschiert – die Integrität des  Herausgebers und der Redaktion, also die Grundlage für solche   Editionsarbeit außerhalb der „zentralisierten Öffentlichkeit“ (Böthig). In der DDR ist es scheinbar gang und gäbe, so etwas zu tun,  indem man den Herausgeber der Zusammenarbeit mit der Stasi, der FDJ, oder, wie bei Thulin (etwas abgeschwächter!, danke!), mit dem Schriftstellerverband  und den Verlagen bezichtigt. Aber die Zeit, für die Thulin streitet, ist längst vorbei, der Zug, auf den er wartet, abgefahren.

Bizarre Städte Diskurs

Diese Erwiderung, das merke ich jetzt, war mir wichtig, um auf jenes „kulturpolitische Terrain“ hinzuweisen, auf dem sich Thulin bewegt. Sie sollte auch zeigen, worum es ihm eigentlich geht: nämlich nicht  um eine Kritik der literarisch-editorischen Arbeit, sondern um eine Kritik der Gesinnung (was sich u.a. hinter der ganzen Aufklärungs-Diskussion verbirgt, die einer gesonderten Erwiderung bedürfte). Die ideologische Brille hat Thulin die Sicht auf BS getrübt, und die beiden Besprechungen von Nicolai und Wawerzinek waren ihm ein willkommener Vorwand, seine ideologischen Vorbehalte gegen die Haltung, die er als Grundlage für das Projekt BS vermutet, auszuspielen.  Mir ist klar, dass es zwei und mehr „Sprachen“ gibt, dass gewisse Differenzen bestehen. Darüber kann man sich einigen. Doch das ist ein anderes Thema.

Asteris Kutulas, Eggersdorf, 12.-14. Februar 1989

Anmerkung: Die in > < eingefaßten Wörter bzw. Sätze entstammen Michael Thulins Feder. 

Veröffentlicht in: Bizarre Städte, Band 4, Hrsg. von Asteris Kutulas und Gerd Adloff, Eggersdorf 1989

Titelbild: Zeichnung von Johannes Jansen für Bizarre Städte, 1988.

Der bürgerliche Name von Michael Thulin ist Klaus Michael, Autor, Publizist und Mit-Herausgeber der inoffiziellen Zeitschrift „Liane“ (1988-89). Zu diesem Diskurs vergleiche auch:

http://asteriskutulasblog.live-website.com/2017/08/13/bizarre-stadte-interview/

Griechische Literatur in Deutschland – Ein Interview

Der bittere Geschmack der Freiheit

Axel Dielmann im Gespräch mit Asteris Kutulas über die griechische Literatur in Deutschland, Frankfurt/Main 2001

Axel Dielmann: Asteris Kutulas, seit wann übersetzen Sie aus dem Griechischen ins Deutsche?

Asteris Kutulas: Meine ersten Übersetzungsversuche machte ich 1975, allerdings beschäftigte ich mich seit 1979, als ich mein Germanistik-Studium begann, immer intensiver damit. Ich habe damals in der DDR gelebt, wo eine andere »Übersetzungskultur« existiert hat als in der Bundesrepublik Deutschland. Ich will nicht sagen: besser oder schlechter, auf jeden Fall war es eine andere.

Nachdichten in der DDR

Das hatte einige praktische Konsequenzen, zum Beispiel die, dass man in der DDR als Nachdichter und Übersetzer relativ gut bezahlt wurde – was in der Bundesrepublik nur partiell der Fall war und ist –, zu 99 Prozent beruht das Ganze auf Selbstausbeutung. Diese »Arbeit« ist sehr aufwendig und so zeitraubend, dass man im Normalfall selbst bei den großen etablierten Verlagen kaum eine Chance hat, wirklich das an Honorar zu bekommen, was man an Knowhow, Zeit und Gefühl reinsteckt. Vor allem bei klar nicht-kommerziellen Projekten, um die es bei uns zumeist geht. Aber das weiß ja jeder Übersetzer vorher, und wir sprechen hier ohnehin über eine Sache, die sehr viel mit Passion zu tun hat.

Zum anderen gab es einige bedeutende Literaten in der DDR, unter anderem Erich Ahrend, Stephan Hermlin, Franz Fühmann, Sarah Kirsch oder Heinz Czechowski, die sich intensiv mit der literarischen Übersetzung beschäftigten, so dass das Nachdichten zu einer Art Kult in der literarischen Szene wurde. Das hatte natürlich auch mit dem Eingeschlossensein in der DDR zu tun. Alles von »draußen« hatte den Geschmack von Freiheit, zugegeben einen ziemlich bitteren Geschmack. Also hatte das Übersetzen auch einen meta-literarischen, gesellschaftlichen Stellenwert. Dieser Aspekt war damals sehr wichtig für mich.

Dielmann: Wenn Sie diese Zeitspanne seit den siebziger Jahren überblicken: Was hat sich am – gegenseitigen deutsch-griechischen – literarischen Interesse verändert oder getan?

Asteris Kutulas: Sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik ist griechische Literatur nach dem 2. Weltkrieg selektiv und mehr zufällig rezipiert worden und hatte immer mit dem persönlichen Einsatz bzw. den Vorlieben und dem Geschmack von drei, vier Übersetzer-Persönlichkeiten zu tun, wie z.B. Isidora Rosenthal-Kamarinea oder Helmut von den Steinen. Ohne diese und zwei, drei andere Leute gäbe es fast gar nichts aus den fünfziger und sechziger Jahren. Sie haben in gewisser Weise Pionierarbeit geleistet.

Übersetzt wurde bis Ende der sechziger Jahre natürlich und vor allem Nikos Kazantzakis – und dann hört es fast schon auf. Eine wichtige Veröffentlichung war 1962 der Gedichtband von Georgios Seferis, sogar ein Jahr, bevor er den Literaturnobelpreis verliehen bekam, was sehr für den Herausgeber Hans Magnus Enzensberger und den Übersetzer Christian Enzensberger spricht. Im selben Jahr kam auch die Kavafis-Übersetzung von Helmut von den Steinen bei Suhrkamp heraus. Daneben erschienen noch Bücher von Pantelis Prevelakis, Stratis Myrivilis, Elias Venesis und ein paar anderen. Ich habe jetzt nicht alles genannt, aber es waren insgesamt etwa 30 Bücher in 25 Jahren. In der DDR erschienen noch weniger griechische Bücher, wobei fast ausschließlich sogenannte »linke« Autoren berücksichtigt wurden, wie Melpo Axioti, Elli Alexiou, Dimitris Chatzis, Menelaos Ludemis und Andreas Frangias.

Nach meiner Einschätzung gibt es seit dem 2. Weltkrieg in der Rezeptionsgeschichte der griechischen Literatur in Deutschland drei Zäsuren.

Erste Zäsur: Junta

Die erste Zäsur setzte die Junta-Zeit. Zwischen 1967 und 1974 – als die Obristen an der Macht waren und Griechenland ohnehin in den Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit rückte – kulminierte in beiden deutschen Staaten das Interesse an der griechischen Literatur. Das fiel mit der 68er Bewegung hierzulande zusammen. Viele deutschsprachige Künstler, wie Hap Grieshaber, Günter Wallraf, Heinrich Böll, Günter Grass, Margarete Hannsmann, Joseph Beus und andere, solidarisierten sich mit ihren griechischen Kollegen, die in die Gefängnisse und Verbannungslager verschleppt worden waren. Die Musik von Theodorakis war in Griechenland verboten, der Komponist selbst im Gefängnis, und Jannis Ritsos wurde auf die Inseln Jaros und Leros verbannt und später jahrelang unter Hausarrest gestellt – um die zwei prominentesten Beispiele zu nennen.

Jannis Ritsos

Ritsos kam damals mit einigen Übersetzungen auf den deutsch-deutschen Markt, wurde aber leider mehr als »politischer Autor« gesehen, obwohl er seine »Mondscheinsonate« – für mich ein Höhepunkt der griechischen Literatur dieses Jahrhunderts – bereits 1958 veröffentlicht hatte. Ritsos musste sich lange mit dem Image eines »politischen Autors« herumschlagen, bis weit in die 80er Jahre hinein, bis er sowohl aus der Sicht der bundesdeutschen als auch der DDR-Dichtung als nationaler griechischer Dichter neben Seferis, Elytis und Kavafis akzeptiert wurde. Während der Junta-Zeit kamen in Deutschland Bücher u.a. von Vassilis Vassilikos, Kostas Kotzias, Antonis Samarakis, Melina Mercouri und Giorgos Theotokas heraus. Es trat auch eine neue Übersetzer- und Herausgeber-Generation auf den Plan, zu der u.a. Günter Dietz, Danae Coulmas, Gisela von der Trenck, Vangelis Tsakiridis, Hans Eideneier und Argyris Sfountouris gehörten.

Nach dem Sturz der Obristen 1974 wurde es in Deutschland um die griechische Literatur wieder ruhiger. Hervorzuheben ist die systematische Veröffentlichung der Werke von Odysseas Elytis durch den Suhrkamp-Verlag, nachdem Elytis 1979 der Nobelpreis verliehen worden war.

Zweite Zäsur: Romiosini Verlag

Die zweite Zäsur war die Gründung des Kölner Romiosini-Verlages durch Niki Eideneier Anfang der achtziger Jahre, der seitdem über 150 Titel auf den Markt brachte. Ich wage die Hypothese, dass Griechenland wohl kaum 2001 in den Genuss gekommen wäre, Gastland der Frankfurter Buchmesse zu sein, wenn es diesen Verlag nicht gäbe. Ich weiß, dass der Romiosini-Verlag viel Kritik einstecken musste, aber was er an Basis-Arbeit für die Propagierung der griechischen Literatur in Deutschland geleistet hat, überwiegt bei weitem. Zur gleichen Zeit, also in den achtziger Jahren, wirkten in der DDR drei Autoren, die systematisch griechische Lyrik und Prosa übersetzten und herausgaben, Thomas Nicolaou, Georg Aridas und ich. In dem Zusammenhang sind zwei DDR-Verlage zu nennen, der Verlag Volk und Welt und insbesondere der Reclam-Verlag mit Horst Möller als verantwortlichem Lektor für antike, byzantinische und neugriechische Literatur. Bei mir genießt dieser Mann Kultstatus. Es gab aber in der DDR auch den fundamentalen Ritsos-Essay von Günter Kunert kurz vor seiner Übersiedlung nach Westdeutschland und die wegweisenden Kavafis-Nachdichtungen von Adolf Endler. Letztere sind unter Neogräzisten sehr umstritten, aber ich habe viel bei Endler gelernt.

Anfang der neunziger Jahre wurde der dialogos-Verlag gegründet, der zwar nur zwei, drei Jahre durchhielt, aber immerhin über zehn griechische Bücher in deutscher Übersetzung herausbrachte, sowie die Berliner Monats-Zeitschrift »Chronika«, die seitdem eine imposante Reihe von Übersetzungen, Nachdichtungen und Porträts griechischer Autoren veröffentlichte.

Dritte Zäsur: Buchmesse

Die dritte Zäsur schließlich war die Frankfurter Buchmesse 2001 – natürlich eine einmalige Gelegenheit, die griechische Literatur in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses in Deutschland zu rücken. Innerhalb eines Jahres wurden so viele griechische Bücher publiziert wie in den gesamten letzten zehn Jahren zusammen, ganz abgesehen vom PR- und Marketing-Effekt. Das von meiner Seite aus ganz kurz zur Geschichte.

Jannis Ritsos von Asteris Kutulas
Essayband von Jannis Ritsos, herausgegeben und übersetzt von Asteris Kutulas, Kiepenheuer Verlag 1989

Dielmann: Was könnte deutsche Bücherwürmer an der griechischen Literatur besonders reizen? Was wäre für hiesige Leser lesenswert? Was macht die griechische Literatur wichtig?

Asteris Kutulas: Griechische Literatur ist – wenn sie gut ist – genauso wichtig und reizvoll wie jede andere Literatur. Das, was sie spezifisch macht, nämlich die griechische Sprache, die seit fast dreitausend Jahren kontinuierlich gesprochen und geschrieben wird, ist ohnehin in einer anderen Sprache nicht vermittelbar. Das andere Charakteristische ist die »Bürde« für viele griechische Schriftsteller, dass bereits vor etwa 3000 bis 2500 Jahren ein Euripides, eine Sappho und ein Homer in derselben Sprache geschrieben haben.

Klischees

Zum anderen gibt ein paar Klischees im Hinblick auf die griechische Literatur, die meiner Meinung nach zum Teil der Realität entsprechen. Das eine Klischee ist, dass die neu-griechische Literatur kaum herausragende Dramatik, kaum herausragende Prosa – ich betone »kaum«! –, aber sehr viel herausragende Lyrik hervorgebracht hat. Ich meine Lyrik von Weltformat, und ich denke, das stimmt einfach. Kavafis, Ritsos, Seferis und einige Gedichtbände von Elytis – denn nicht jede Lyrik ist »adäquat« ins Deutsche übertragbar –, kann ich jedem empfehlen.

Bei der Prosa gibt es natürlich die große Ausnahme des quasi Klassikers Nikos Kazantzakis, der ja der meistübersetzte griechische Autor ist, ich glaube in über 50 Sprachen, und dessen Bücher sich überall auf der Welt sehr gut verkauft haben. Aber wenn man von ihm absieht, bleibt nicht viel übrig. Das heißt, man kann sehr viel entdecken in der griechischen Lyrik und sehr wenig, von einer höheren Warte aus gesehen, in der griechischen Prosa und noch weniger in der neueren Dramatik. In der globalisierten Welt mit einer inzwischen globalisierten Literatur werden natürlich viele Dinge auch quantitativ entschieden. Wenn 500 Millionen Menschen Englisch sprechen und davon 1 Million schreibt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Genie darunter ist, weitaus größer, als in einem Land mit 10 Millionen Einwohnern, von denen 20.000 Menschen schreiben. Unter diesem Aspekt stehen wir mit zwei Literaturnobelpreisen – im Übrigen für zwei Lyriker – innerhalb der letzten vierzig Jahre blendend da!

Dielmann: Gibt es denn Zeitgenossen, vielleicht sogar junge Autoren in Griechenland, die Sie uns hier ans Herz legen würden – den Verlegern wie den Lesern?

Asteris Kutulas: Aus dem, was ich bisher gesagt habe, geht bestimmt hervor, dass ich zu den eher konservativen Literatur-Rezipienten gehöre. Außerdem bin ich nicht so bewandert in der jüngsten Prosa. Ich kann mir kein Urteil anmaßen. Es gibt bestimmt 30, 40 interessante Autoren, die einfach gut sind. Aber meiner Meinung nach ist keiner von Weltformat darunter, über dessen Buch man sagt: Dieser Roman ist so genial geschrieben, den muss man einfach gelesen haben! Wie das etwa weltweit mit »Der Gott der kleinen Dinge« von Arundhati Roy passiert ist. Unter den heute lebenden Lyrikern gibt es natürlich Altmeister Manolis Anagnostakis, ein ganz großer europäischer Dichter, sowie eine Reihe anderer bedeutender Autoren, wie Titos Patrikios oder Kiki Dimoula. Schließlich will ich doch zwei Romane empfehlen, allerdings älteren Datums und von zwei ausgesprochenen Lyrikern geschrieben: »Die Kiste« von Aris Alexandrou und »Die Wache« von Nikos Kavadias.

„Griechische“ Buchmesse

Wegen der »griechischen« Frankfurter Buchmesse bestand ein natürlicher »Zwang« zur Übersetzung und Veröffentlichung, und das ist ja auch Sinn der Sache gewesen. Aber die neue – »junge, dynamische, gutaussehende« – Schriftstellergeneration wird sich behaupten müssen. Auf jeden Fall erhielten durch Frankfurt sowohl viele griechische Autoren als auch das deutsche Lesepublikum die hervorragende Gelegenheit, einander kennenzulernen. Im Nachhinein stelle ich fest, dass das Interesse an griechischer Literatur kaum nachhaltig und eher wie ein Strohfeuer war. Es gibt zwar Ausnahmen, aber ich habe den Eindruck, dass wir im Grunde eine Chance verpasst haben.

Dielmann: Gibt es in Griechenland so etwas wie eine literarische Szene? Und falls ja: Ist die eher überaltert oder eher jünger? Im Sinne von literarischen Zirkeln, Stichwort ”Kaffeehaus-Literatur« und so weiter. Also, wenn wir beispielsweise an Engonopoulos und an das Umfeld denken …

Asteris Kutulas: Es gab seit den 30er Jahren eine stark ausgeprägte Künstler-Szene, die bis in die 60er Jahre hinein aktiv war – die Kaffeehäuser »Flokas«, »Zonars«, »Rossiko«, »Dolce«, »Brasil« und ein paar andere in Kolonaki sind dadurch berühmt geworden. In den dreißiger Jahren war es der Kreis um Georgios Katsimbalis, Georgios Seferis, Jannis Zaruchis, Andreas Embirikos, Odysseas Elytis, später kamen Nikos Engonopoulos, Manos Chatzidakis, Nikos Gatsos, der Maler Nikos Chatzikiriakos-Ghikas und die Choreographin Rallou Manou dazu. Diese Symbiose zwischen Komponisten, Malern und Dichtern hat in Griechenland eine äußerst wichtige Rolle gespielt. In den dreißiger Jahren entstand aus dieser Symbiose die berühmte Zeitschrift »Nea Gramata«, in den fünziger Jahren das »Griechische Ballett«. Dieser Künstlerkreis entdeckte Anfang der dreißiger Jahre die naive Malerei um Theophilos, die Volksdichtung und die »Memoiren« des General Makrijiannis sowie in den vierziger Jahren die Rebetiko-Musik. Das betrifft das »bürgerliche Lager« der Intellektuellen.

Die linken Autoren

Auf der anderen Seite hatten die vielen linken Autoren und Intellektuelle kaum die Gelegenheit, »Kaffeehaus-Literatur« zu zelebrieren, da sie seit der Metaxas-Diktatur 1936 zu den Verfolgten gehörten. Bis Anfang der 50er Jahre hatten sie es mit Krieg, Bürgerkrieg und Verbannungslagern zu tun. Jannis Ritsos kam erst 1952 frei, nach über fünf Jahren Haft, und hatte auch lange Publikationsverbot – um 1967 wieder eingesperrt zu werden. Ähnlich erging es Tassos Livaditis, Michalis Katsaros, Manos Katrakis, Aris Alexandrou, Nikiforos Vrettakos, Takis Sinopoulos, Manos Elefteriou und vielen anderen linken Intellektuellen. Daraus resultierte ein anderes Klischee, das ja zum Teil auch der Wirklichkeit entspricht, nämlich, dass der überwiegende Teil der griechischen Autoren links angesiedelt ist – beziehungsweise war; denn inzwischen hat sich das auch alles geändert. Aber wir sprechen in diesem Augenblick noch von den 50er, 60er Jahren, und damals war das sicherlich so. Jedenfalls hatten sie kaum Gelegenheit, sich in literarischen Zirkeln zu treffen.

Griechische Literatur Seferis von Asteris Kutulas
Essayband, herausgegeben und übersetzt von Asteris Kutulas, Reclam Verlag 1988

Dielmann: Womit hat solch ein Phänomen zu tun wie dieses: Dass eine griechische Dichterin wie Kiki Dimoula in Publikums-Zeitschriften – vergleichbar dem Stern oder der Bunten – über sechs, acht, zehn Seiten hinweg porträtiert wird? Das wäre hier kaum denkbar, kommt aber in Israel bei­spielsweise auch nicht selten vor – gibt es auch in Griechenland so etwas, das der Israeli Yehuda Amichai einmal die »mediterrane Dichtungs- und Dichterliebe« genannt hat?

Asteris Kutulas: Ja, das ist richtig. Die großen Zeitungen bringen regelmäßig zum Teil sogar ganze Beilagen über Dichter und Schriftsteller. Das liegt sicher in der griechischen Tradition begründet. Zeitschriften und Zeitungen haben sich seit jeher mit den großen nationalen Dichtern geschmückt. Das hat damit zu tun, dass Griechenland noch ein sehr junger Nationalstaat ist, noch keine 200 Jahre alt, zum Teil – siehe Kreta und Nordgriechenland – keine 100 Jahre. Erst 1830 befreite sich Zentralgriechenland von der osmanischen Herrschaft und konstituierte sich als Nationalstaat. Bis zur Zeit nach dem 1. Weltkrieg kamen dann immer mehr Teilgebiete dazu, bis es zu dem Griechenland, wie es heute existiert, wurde. Wir sprechen also über einen noch sehr jungen Staat, der sich über seine Dichter auch im Nationalbewusstsein definiert. Diesen Faktor darf man nicht unterschätzen.

Dielmann: Wenn du im Vergleich mit Deutschland die Verlags-Landschaft beschreiben solltest: Wie sieht die in Griechenland aus?

Asteris Kutulas: Es gibt in diesem kleinen Land – wenn man es sich genau überlegt, sind es ja nur zwei Städte, nämlich Athen und Thessaloniki – verblüffend viele Verlage, die verblüffend gut aufgemachte Bücher herausbringen. Die Aufmachung, der Druck, Papier-Qualität, zum Teil auch von Kleinverlagen, ist sehr gut. Verblüffend ist auch die Anzahl der Verlage und dass sie offenbar überleben – aber fragen Sie mich nicht, wie sie das machen!

Dielmann: Gut, die Frage muss ich mir dann wohl leider verkneifen. – Spielen Literatur-Zeitschriften eine Rolle?

Asteris Kutulas: Literatur-Zeitschriften spielen in Griechenland eine große Rolle. Vor allem die führenden »Lexi«, »Dendro«, »Endefktirio« und »Diavaso«. Aber es gibt noch viele andere. Sehr beliebt und sehr gut gemacht sind deren thematische Ausgaben, die bestimmten Dichtern oder literarischen Epochen gewidmet sind. Die finden auch den besten Absatz.

Dielmann: Welchen Einfluss haben die griechischen Feuilletons? Ist der ähnlich stark wie hier, so dass da regelrechte Lese-Marschrichtungen festgelegt werden?

Asteris Kutulas: Sie sind wichtig. Aber inwieweit sie nun die Lesergemeinde wirklich beeinflussen, kann ich nicht sagen. Ich habe nicht das Gefühl, dass das Feuilleton eine ähnlich große Rolle spielt wie in Deutschland. In Griechenland ist vielmehr die Mund-zu-Mund-Propaganda von außergewöhnlicher Bedeutung.

Dielmann: Wenn wir die Blickrichtung umdrehen: Welche deutsche Literatur wird in Griechenland gelesen oder wahrgenommen? Und, über Deutschland hinaus, welche europäische oder auch sonstige ausländische Literatur ist präsent?

Asteris Kutulas: Das ist sehr breit und bunt und geht in jede Richtung. Noch einmal: Ich finde es erstaunlich, was alles erscheint und gemacht wird – im Verhältnis zu dem kleinen Markt, um den es da geht. Vor allem in den letzten Jahren gehen die großen Verlage systematischer vor: Sie beobachten genau, was jenseits der Grenzen gut läuft und gut ankommt, um die Rechte an diesen Büchern zu erwerben und sie zu übersetzen. Als ich letztes Mal in Griechenland war habe ich die übersetzte Ausgabe der Memoiren von Reich-Ranicki gesehen.

Dielmann: Wenn wir einmal – wie haben Sie es vorhin genannt? – von dieser Zäsur, von der Buchmesse absehen: Was wären, in Ihren Augen, wünschenswerte Aspekte einer intensiveren und längerfristig auch wirkungsvollen gegenseitigen Kultur- und Literatur-Vermittlung?

Asteris Kutulas: Die großen deutschen Verlage haben sich, was die griechische Literatur angeht, in den letzten Jahrzehnten sehr zurückgehalten. Man kann das nun beklagen oder nicht, ich jedenfalls bin mir sicher, dass inzwischen, wenn irgendwo auf der Welt gute Texte entstehen, diese auch übersetzt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wirklich bedeutende Geschichten aus irgendeinem Land heute unübersetzt bleiben. Insofern wünsche ich mir als Grieche natürlich, dass alle Sachen übersetzt werden. Aber das ist eine mehr platonische Vorstellung. Ich bin Realist genug zu sehen: Es gibt so viele Literaturen, und es wird so viel ins Deutsche übersetzt, dass man schon gute Bücher vorweisen muss, um im internationalen Vergleich bestehen zu können.

Dielmann: Ich nähere mich, ohne ihn gesehen zu haben, Ihrem Schreibtisch. Rein handwerklich gefragt: Viele Ihrer Übersetzungen sind Koproduktionen mit Ihrer Frau Ina. Ich kenne das etwa auch von Paulus und Lydia Böhmer, die gemeinsam aus dem Ifrit / Israelischen übersetzen – wie arbeiten Sie zusammen? Wie geht das vonstatten? Wie stellt man sich die gemeinsame Übersetzens-Arbeit vor?

Übersetzen mit Ina

Asteris Kutulas: Das ist gewachsen. Ich habe ja vor vielen  Jahren alles allein übersetzt, später aber auch mit Steffen Mensching und anderen zusammen Nachdichtungen gemacht. Und obwohl ich nun schon sehr lange in Deutschland lebe und hier auch Germanistik und Philosophie studiert habe, überkam mich oft das Gefühl, dass ich Texte zwar sachlich »richtig«, aber in der Sache »unrichtig« übersetzt hatte. Seit Inas Mitarbeit ist dieses Gefühl allmählich in den Hintergrund getreten, weil sie Lösungen findet, die meiner Ratio zwar »falsch«, meinem poetischen Empfinden aber als »richtig« erscheinen. Und dann lassen wir das so stehen. Dasselbe passierte auch bei der Zusammenarbeit mit anderen Autoren. Ina geht ganz anders als ich an die Texte heran. Sie ist eine deutsche Autorin, eine deutsche Lyrikerin. Sie hat verschiedenes veröffentlicht, u.a. zwei Bücher, einen Lyrik- (Herbstzeitlose) und einen Prosa-Band (Vielleicht Athen – Berlin vielleicht), dazu viel in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien. Ihre Distanz zu meinen Übersetzungen kommt mir also sehr entgegen, obwohl sie andererseits Griechisch spricht und den Klang dieser Sprache vernommen hat. Ihre Variationen lösen sich natürlich oft vom Original oder, besser gesagt, von dem, was ich für das Original halte, aber ich muss gestehen, dass ich mit der Zeit immer mehr ihren Vorschlägen folge. Früher war ich restriktiver und klebte auch mehr an der griechischen Vorlage. Jedenfalls kann man inzwischen unsere Arbeit nicht mehr auseinanderhalten. Um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen, will ich am Schluss betonen, dass es uns beiden natürlich immer um den Sinngehalt geht, den der Originaltext beinhaltet. Wir hatten zudem das Glück, mit einigen griechischen Autoren, deren Bücher wir übersetzt haben, gut bekannt bzw. sehr befreundet gewesen zu sein, wie z.B. mit Mikis Theodorakis, Jannis Ritsos oder Odysseas Elytis. Wir haben viele Stunden mit ihnen verbracht, und oft ging es um Poesie und um konkrete Gedichte, die wir gerade übersetzten.

Dielmann: Sie sind ja nun in der spannenden Situation, mehrere Berufe neben dem des Literaten und des Übersetzers zu haben. Sie sind unter anderem Musik-Produzent und Veranstaltungs-Organisator. – Was, meinen Sie, könnte man aus diesen Bereichen übertragen in die Literaturwelt, was könnten die dort von den anderen Bereichen lernen?

Asteris Kutulas: Die Verleger können sehr viel lernen von der Lifestyle-Marktsegmentierung, die der Musikbranche zugrunde liegt. Menschen mit unterschiedlichem Lifestyle hören unterschiedliche Musik – es ist doch auch klar, dass sie unterschiedliche Literatur lesen. So kann man davon ausgehen, dass einer, der World-Musik hört, zu einem ganz anderen Bücherregal gehen wird, als ein Britney-Spears-Fan. Natürlich kann man – eingedenk des universalen Anspruchs der Literatur – zu dem Schluss kommen, dass die Literaturwelt lernen soll, dies gerade nicht zu lernen. Wie dem auch sei. Ich denke, man kann etliches, z.B. Lesungen, Präsentationen, Pressekonferenzen, spannender gestalten – Literatur spannender vermitteln. Das „Hehre“, das noch immer über dem Literaturbetrieb schwebt, gehört, hinweggefegt zu werden. Die Zukunft wird anders aussehen.

Dichtung und Musik

Was Griechenland angeht, so sollte man diese unglaubliche Nähe und Verquickung zwischen Musik und Dichtung nutzen, um die Literatur weltweit bekannt zu machen. Zum Teil ist das ja auch passiert. Ich nenne ein Beispiel: Mikis Theodorakis hat »Axion esti« von Odysseas Elytis zwischen 1960 und 1964 vertont. Diese Platte war in Griechenland ein riesiger Erfolg und hat dann auch vor allem während der Junta-Zeit 1967 bis 1974 einen internationalen Durchbruch gehabt. In den verschiedenen Ländern wurden die Textpassagen der vertonten Teile auf den Schallplattenhüllen abgedruckt, so dass diverse Verlage dieses Werk entdeckt und es vollständig übersetzen und in regulären Buchausgaben haben erscheinen lassen. Der schwedische Nachdichter von »Axion esti« hat sogar eine sangbare Nachdichtung geschaffen, so dass das Werk in schwedischer Sprache auf verschiedenen Platten veröffentlicht wurde und einen Riesenerfolg hatte. Daraufhin erschien das gesamte Poem in einer schwedischen Buchausgabe. Das passierte genau drei Jahre, bevor die Schwedische Akademie Odysseas Elytis für diese Gedichtkomposition den Literaturnobelpreis verlieh.

Viele Literaten sind in Griechenland und weltweit einem größeren Publikum durch Lied-Vertonungen vor allem von Theodorakis, aber auch von Manos Chatzidakis, Thanos Mikroutsikos, Jannis Markopoulos etc, bekannt geworden. Und das ist eine Chance, die Griechenland hat, und es ist, glaube ich, das einzige Land, das diese Chance so hat – durch Musik die Literatur bekannt zu machen.

Konstantin Kavafis von Asteris Kutulas
Essay- und Lyrik-Band von Konstantin Kavafis, herausgegeben von Asteris Kutulas

Dielmann: Ich springe noch einmal zurück an Ihren Schreibtisch: Welche Ihrer eigenen zahlreichen Übersetzungen ist Ihnen die liebste?

Asteris Kutulas: Das ist schwer zu beantworten. Eines der fundamentalsten Werke, die ich herauszugeben und zu übersetzen das Glück hatte, war der Band »Deformationen. Eine innere Biografie« (Romiosini Verlag) mit Gedichten, Texten und Interviews (1930-1990) von Jannis Ritsos, der bald in einer überarbeiteten und erweiterten Ausgabe herauskommen wird. An diesem Buch habe ich mehr als zehn Jahre gearbeitet. Ähnlich essentiell sind die Seferis-Essays im Band »Alles voller Götter« (Suhrkamp Verlag).

Eine Entdeckung für mich, und auch – wie ich hoffe – für das deutsche Lesepublikum, ist die wunderbare Poesie von Nikos Engonopoulos (Dielmann Verlag). Außerdem war es ein hartes Stück Arbeit. Über zwei Jahre haben wir für diese paar Gedichte gebraucht. Das Komplizierte bestand darin, diese surrealistische Sprache im Deutschen wiederzugeben und ihr gleichzeitig diese originäre Leichtigkeit zu verleihen.

Sehr wichtig sind mir schließlich der höchst spannende »Kreta-Roman« (Insel Verlag) von Mikis Theodorakis sowie der einzige Roman von Seferis, »Sechs Nächte auf der Akropolis« (Suhrkamp Verlag), der im Athen von 1928 spielt. Jetzt merke ich gerade, dass ich in meiner Aufzählung weitermachen müsste, also höre ich an dieser Stelle auf.

Dielmann: Asteris Kutulas, dann wünschen wir Ihnen und uns und vor allem allen griechischen Autoren viele deutsche Leser. Und wir danken dir herzlich für das Gespräch!

Frankfurt am Main, 2001

Das Interview gab ich Axel Dielmann 2001. Es wurde vollständig veröffentlicht in der Zeitschrift Listen/ Rezensionszeitschrift, Heft 62, Frankfurt 2001 – aus Anlass der Frankfurter Buchmesse mit dem Schwerpunkt Griechenland. A.K.

Konstantin Kavafis – Genealogie

Familie Kavafis

Konstantin Kavafis setzte sich über einen sehr langen Zeitraum seines Lebens mit seiner Familiengeschichte (Genealogie) auseinander und verwendete sehr viel Energie und Geduld auf die Studien bezüglich seiner Herkunft und seiner Vorfahren. Er beschäftigte sich mit dieser Thematik mindestens von 1882 bis 1911, ließ dann aber das zusammengetragene Material als unfertiges Dokument liegen, möglicherweise, weil er es zu einem späteren Zeitpunkt vervollständigen und vielleicht veröffentlichen wollte. Gegen letztere Hypothese spricht allerdings, dass Kavafis Informationen über sein Privatleben grundsätzlich nicht einmal an Bekannte und Freunde, geschweige denn an Dritte weitergegeben hätte. Insofern gleichen die gesammelten Notizen über seine Familiengeschichte eher einem Zettelkasten, den er womöglich später, nach 1911, wenn alle gewünschten Informationen beisammen gewesen wären, aus einem inneren Bedürfnis heraus, vervollständigt und geordnet hätte. Dazu kam es nicht. Das unfertige Manuskript der „Genealogie“ erschien 1948 in der Zeitschrift „Nea Hestia“ und 1983, zusammen mit allen anderen Angaben, in dem Buch von Karajannis, das mir als Arbeitsgrundlage diente.

Kavafis’ Notate zu seiner Familiengeschichte offenbaren nicht nur eine in Deutschland bisher unbekannte Seite des Dichters, sondern auch viel von der psychischen Verfassung des Menschen Kavafis. Bezeichnend sind die innige Beziehung zu seiner Mutter, die distanzierte Sicht auf den Vater und die fast beschwörerische und charakteristische Feststellung: „Aber meine Familie stammt aus Byzanz“. Bezeichnend ist außerdem der Satz, er kenne die türkische Bedeutung seines Namens nicht. Einige Kavafologen haben daraus den Schluss gezogen, Kavafis hätte dies in einem Anflug von Eitelkeit behauptet, da Kavafis im Türkischen „Schuhmacher mit nur gering entwickelten Fähigkeiten“ bedeute und im allgemeineren Sprachgebrauch auch Synonym für „unfertiger, niederer Mensch“ sei.

Charakteristisch sind auch die überschwänglichen Worte im Hinblick auf seinen Bruder, den „Erleuchteten“. Von all seinen Verwandten war dieser Bruder John derjenige, mit dem ihn die Liebe zur Literatur verband. John Kavafis veröffentlichte einen eigenen Gedichtband („Early Verses by John C. Cavafy“) und übersetzte viele Gedichte seines Bruders Konstantinos ins Englische. Im Kavafis-Archiv finden sich neun Hefte mit diesen Übersetzungen, sowie ein Briefwechsel der beiden Brüder zur Problematik des Übersetzens. Außerdem unterstützte John seinen Bruder jahrelang finanziell.

© Asteris Kutulas

Konstantin Kavafis Genealogie von Asteris Kutulas
Konstantin Kavafis: Familie Kavafis, Herausgegeben von Asteris Kutulas im Dielmann Verlag

Konstantin Kavafis Genealogie

Ich habe aus dem teilweise ungeordneten Material der Karajannis-Studie eine Auswahl getroffen und sie für eine deutsche Veröffentlichung in eine mir günstig scheinende Reihenfolge gebracht. Mir ging es darum, die Zeugnisse der wunderbaren Passion des Dichters – nach seinen Wurzeln zu suchen – dem Leser zugänglich zu machen:

Konstantin Kavafis, Familie Kavafis, Herausgegeben und mit einem Nachwort von Asteris Kutulas, Übertragen von Asteris und Ina Kutulas, Dielmann Verlag, Frankfurt am Main 2002

Hier daraus der Text über seine Mutter:

„Chariklia Fotiadis-Kavafis wurde 1835 in Genikioi geboren und heiratete mit 14 Jahren. Die ersten beiden Jahre ihrer Ehe verbrachte sie in Konstantinopel im Haus ihrer Schwiegermutter. Dieser Aufenthalt dort war für die junge Braut nicht sehr angenehm. 1852 zog sie zusammen mit ihrem Ehemann nach England. Auf dem Weg dorthin blieben sie längere Zeit in Paris, was die junge Frau sehr beeinflusste, die bis dahin nichts von der Welt gekannt hatte außer den Ort Peran. Sie und ihr Mann blieben für einige Monate in London. In Liverpool wohnten sie dann in der Bedford Street. Sie lebten ruhig und zurückgezogen, keinesfalls entsprechend den Bedürfnissen einer 18jährigen. Chariklia schloss nur wenige Bekanntschaften, wovon die engsten die mit Frau Skilitsis und Frau Rallis waren. Petros Ioanis engagierte Lehrer für seine Frau Lehrer, die Französisch, Englisch und Zeichnen lernte. 1854 oder 1855 ging sie mit ihrem Ehemann nach Alexandria, eine Stadt, die sich gerade zu entwickeln begann. Es gab erst wenige Europäer in der Stadt. Die griechische Gemeinde war damals schon die größte, und sie ist es noch heute. Die griechische Gemeinde zählte damals noch nicht mal 3.000 Mitglieder. Jetzt, 1903, hat sie mehr als 30.000. Das Leben der Stadt konzentrierte sich in der Gegend um den Großen Platz herum … In Alexandria ging es recht munter zu, zumal die meisten Neuankömmlinge erfolgreiche Börsianer und Händler waren. Tanzveranstaltungen und Bankette waren an der Tagesordnung. Chariklia Kavafis hatte ihren Einstand auf dem großen Ball von Herrn Pastres … Die Abkömmlinge dieser Familie – jetzt Comtes Pastre – leben in Paris … Die alexandrinische Gesellschaft sah in Chariklia Kavafis die schönste Frau der Stadt. Einige Fotos aus jener Zeit zeigen sie – trotz der damals recht problematischen Art und Weise zu fotografieren – als eine wirklich sehr schöne Frau. 

Als die Familie nach Alexandria kam, war Said Pascha der Vizekönig von Ägypten. Sein Nachfolger wurde Ismail Pascha, der in Kairo einen „europäisierten Hof“ unterhielt, und bei allen Veranstaltungen machte der Vizekönig Chariklia Kavafis den Hof und bot ihr oft auch seinen Arm.

Das Haus, das sie anfangs bewohnte, lag am Großen Platz. Dann zog sie um in ein Haus auf der Serif Pascha Straße, das 14 Zimmer hatte und wo sich die gute Gesellschaft Alexandrias traf. Jedes Jahr unternahm sie mit ihrem Ehemann Reisen nach Europa, und so besuchte sie die meisten Städte Italiens und Frankreichs. Sie besuchte auch Korfu und Malta.“ (Aus: Konstantin Kavafis Genealogie)

© Übersetzt von Asteris und Ina Kutulas

Konstantin Kavafis von Asteris Kutulas
Konstantin Kavafis

Matthias „Baader“ Holst & Peter Wawerzinek über Rockmusik, die DDR, deutsche Texte und Schlager

Ein Gespräch, das ich mit „Baader“, einem sehr eigenwilligen und höchst talentierten Verrückten, und Peter Wawerzinek, einem anderen eigenwilligen und höchst talentierten Verrückten über die DDR, Rockmusik und Lyrik während der Wende-Zeit geführt hatte. Baader starb wie er gelebt hatte: er wurde einige Wochen nach diesem Gespräch im Morgengrauen eines feuchten Junitages in Pankow von einer Straßenbahn erfasst und erlag wenig später im Krankenhaus seinen Verletzungen.

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Matthias „Baader“ Holst & Peter Wawerzinek & Asteris Kutulas

„Aus dem Nichts heraus kommen, aus dem Nichts heraus was machen“

Gespräch über Rockmusik, die DDR, Schlager und Lyrik, Frühjahr 1990

Asteris Kutulas: Wir wollen uns zunächst über „Rockmusik“ unterhalten, darum als erstes die Frage nach eurer Beziehung zu diesem Genre.

Matthias „Baader“ Holst: Ich hab in einer Punk-Band mitgemacht, bei „Den letzten Recken“. Und letztes Jahr noch ’ne Leibach-Variante: „Frigitte Hodenhorst Mundschenk“ als Sänger und Texter.

Peter Wawerzinek: Ich hab schon als Sänger, Texter und Schauspieler gearbeitet. Ich interessiere mich für Rockmusik, weil ich mal selber Sänger werden wollte. Und da musste ich erstmal sehen, was die anderen alle machen, damit ich das nicht auch mache. Außerdem habe ich mich nicht nur für Rockmusik, sondern auch für die Texte interessiert, damit ich das singen kann, was ich wirklich meine.

Kutulas: Was mir nach einigen Gesprächen aufgefallen ist: eure sehr eigene „Beziehung“ zur Rockmusik, also eigentlich zur Rockmusik in der DDR. Ihr habt eure Haltung zu dem, was ihr unter Rock versteht, und ihr habt eure Meinung zu dem, was andere darunter verstehen.

Holst: Auslöser unserer Diskussion waren vor über einem Jahr der Film „Flüstern und Schreien“ und die Rock-Texte, die ich von verschiedenen Gruppen gekriegt hab. Da war von vornherein so ein Abstand zu diesen Schallplatten, zu diesem modischen Kram. Der Abstand kommt aus einer natürlichen „Rockhaltung“, und auch, weil man vielleicht irgendwelche Sachen verteidigen will, die inzwischen eben in so ’nem ganzen Modekram untergegangen sind.

Matthias Baader Holst, Peter Wawerzinek, Asteris KutulasKutulas: Das Wichtige an diesem Film über die Punk-Musik in der DDR war nicht so sehr, was die Musiker machen … klar, das spielt auch ’ne Rolle, dieses Lebensgefühl, sondern dass die Leute, die das hören, das als echtes Lebensgefühl annehmen.

Holst: Das war eben die Gefahr bei dem ganzen Ding. Wir kommen aus einer ganz anderen Generation als diese Siebzehnjährigen und haben den Punk vor zehn Jahren ganz anders erlebt. Da war das noch keine Mode, da war das noch keine Geschichte, da war nicht jeder Dritte Punk. Das ist ja auch in dem Film so, wo der eine sagt: „Ich seh aus wie ein Autonomer, aber ich bin kein Autonomer.“ Und ich seh aus wie ein Punk, aber ich bin kein Punk. Oder wie ’n Skinhead, aber bin kein Skinhead. Das ist so ’n Lebensgefühl. Und da kommen wir eigentlich schon aus ’ner anderen Richtung.

Wawerzinek: Also bei mir ist der „Hass auf die Rockmusik“ eher Neid. Weil: ich neide das den Leuten, dass die einfach mehr Publikum haben als ein normaler Lesender. Und das ist ’ne andere Sache. Da kann man dann wirklich Leute oder die Masse erreichen. Ich bin bloß nicht davon überzeugt, dass das irgendwie einen Sinn hat. Es ist schon ’ne Faszination da, wenn du vierhundert, fünfhundert oder tausend Leute vor dir hast, und du kannst ein, zwei Texte loskriegen. Deswegen stört es mich, dass diese Gelegenheit nicht genutzt wird, wenigstens zwei, drei Texte rüberzukriegen, die zeigen: dieser Meinung sind wir; sondern dass immer wieder Texte gemacht werden, die dem Publikum gefallen sollen. Deswegen glaube ich, wenn man irgendwie was nicht mag, dann sollte man sich richtig damit beschäftigen, dass irgendwas dabei rauskommt. Jemand hat mal gesagt: Du musst den Blues hassen, um guten Blues zu machen.

Holst: Man muss das im Zusammenhang mit den Texten sehn, die damals in der Zeitschrift „Temperamente“ abgedruckt worden sind. Wir kriegten stapelweise Rocktexte von diesen ganzen Bands. Das war echt erschreckend. Ich hatte die Meinung: na die Gruppen sind okay, gute Musik. Oder die Musik machte mich in dem Moment an. Aber die Texte gingen so: „Gorbi, Gorbi“ im Bogo-Rhythmus, „Gorbi, Gorbi ist die Hoffnung“.

Wawerzinek: Ich bin mit diesem Problem auch nicht klargekommen. Ich hatte nämlich die ganze Zeit das Gefühl, dass es bedauerlich ist, dass ich die Texte nicht verstehe, weil die Musik sie immer überschrie, und die kümmerte sich wenig um die Texte. Und ich dachte immer, das müsste zumindest rüberkommen, dass ich das auch verstehe. Dann hatte ich das plötzlich schwarz auf weiß vor mir, und dann saßen wir zu dritt (mit Baader und Mario Persch) zusammen und dann war gar nischt. Wo jeder genau wusste: Also, dazu brauch man gar nichts sagen, das ist so flach und so banal, dass ich jetzt sage: Ein Glück, dass man öfter die Texte nicht versteht!

Matthias Baader Holst, Peter Wawerzinek, Asteris KutulasKutulas: Ihr sprecht jetzt vor allem über die sogenannten Neuen Bands, wie man sie vor zwei, drei Jahren in der DDR noch nannte. Interessant ist doch, dass jetzt international verstärkt Bands aus den Sechzigern ihr Comeback feiern. Das sind Bands, die eine „Message“ in den 60ern und Anfang der 70er hatten, als die Texte noch ’ne relativ große Rolle spielten, natürlich mit einem ganz anderen sozialen Background. Jetzt treten diese Bands wieder auf. Zum Teil mit neuen Songs, zum Teil auch mit den alten. Das Publikum setzt sich zusammen aus 30- bis 40- jährigen, die sich das leisten können, für 50, 60, 80 Mark ins Konzert zu gehen, aber auch aus vielen jungen Leuten. Seht ihr einen Zusammenhang zwischen den jetzt aktuellen Bands, egal, ob sie Disko, Punk oder Rap machen, und den alten Bands, die wieder im Kommen sind?

Holst: Das hängt mit dem Raum zusammen, in dem man lebt. Ich meine, es ist ja nun mal ein postmoderner Raum, in dem sich die Werte total verschieben und in dem es das gibt und das und das. Es gibt keine eindeutige Tendenz, dass man sagen könnte: in die Richtung gehts. Dass man sagen könnte: die Leute wollen eine Message. Also das ist, glaube ich, die Schwierigkeit, da jetzt ’ne Tendenz hinzukriegen und zu sagen: So ist es oder so. Und ich glaube, dass ein Teil der neuen Bands auch beeinflusst ist durch die 60er zum Beispiel. Dadurch verstärkt sich natürlich auch wieder diese Tendenz zur Message. Daß die Leute eben dastehen und wieder den Messias haben wollen.

Wawerzinek: Ich bin für jede Wiederentdeckung, also auch für jede Rückbesinnung, nur vermisse ich oft, dass dann das, was wirklich mal wichtig gewesen ist und was wirklich mal der gute Ansatz war, auch wiederentdeckt wird. Das bleibt meist bei solchen Dingen, die sich zu Wellen ausweiten, dann bleibt das wieder liegen.

Und mich interessiert am meisten der Zustand, wo sich Dichter oder Lyriker oder Texter mit anderen Musikern oder mit Malern oder mit Filmemachern zusammengesetzt haben und gemerkt haben: alleine nur die Texte rüberbringen, schafft nicht genug Raum, sie rüberzubringen. Und gesagt haben: Na, 20 Minuten, und dann ist die Aufmerksamkeit weg, bei Musik kannst du bis zu 20 Stunden und wenn es immer besser wird, noch länger. Und da gab’s ja verdammt viele gute Sachen in dieser DDR, auch in den 70er Jahren. Da ging es doch los.

1976 begannen Lyriker mit Musikern oder sogar allein zu spielen, nur, um wenigstens diesen Pegel der Aufmerksamkeit etwas anzuheben. Und wenn das in der Rückbesinnung irgendwie mal wiederentdeckt wird, was Tom die Roes, Sascha Anderson oder Papenfuß gemacht haben, dann sähe ich ein ganz kleines bisschen Hoffnung, dass diese leere Insel ausgefüllt wird, und dass man dann wieder mehr Strukturen hat. Bloß, ich vermute, dass das nicht so kommen wird.

Matthias Baader Holst, Peter Wawerzinek, Asteris KutulasKutulas: Es ist vor allem im Westen viel über diese Aktivitäten in der ehemaligen DDR geschrieben worden. Und nicht zu vergessen sind ja auch die Maler, die sich sehr stark mit Musik, Film und Aktion beschäftigt haben. Ralf Winkler zum Beispiel hat auf vielen Schallplatten als Musiker gespielt. Oder Helge Leiberg, Frank Lanzendörfer, Johannes Jansen und viele andere. Und bei euch selbst ist es ja auch so, dass ihr Lyrik, Aktion und Musik zu verbinden versucht, immer wieder dieser Bezug zur Malerei, zur Fotografie. Warum braucht ihr noch eine andere Dimension? Als Abgrenzung zu den Bands, die auf die Bühne gehen und „Musik“ machen?

Holst: Weil es einfach eine Sache von verschiedenen Medien ist, die auch mit den eigenen Tendenzen zusammenhängen. Dass du eben Lust hast, jetzt mal zu malen oder meinetwegen Musik zu machen oder zu texten oder was anderes eben. Aber deswegen werden wir ja auch angegriffen, denn in dem Moment, wo wir nicht sensibel mit der Rotweinflasche am Herzen sitzen, haben die anderen Leute einfach den Verdacht: einer, der aktiv ist und der was auf der Bühne macht, ja, der muss einfach schlechte Texte machen oder der lenkt von seinem Text ab durch seine Aktion. Aber das ist nur ein Verdacht. Warum kommt keiner drauf, wenn sich ein sensibler Lyriker hinsetzt und seine Strohhalmgedichte irgendwie abstottert? Da sagt jeder: Na ja, gut, der macht das aber wenigstens, und das kann ich hören; der andere aber lenkt ab. Es gibt auch Leute, die einfach texten und zum Beispiel mit Musik irgendwas machen wollen, weil sie merken, dass die Wirkung stärker ist. Vielleicht ist es auch einfach eine Eitelkeit, daß man sagt: man kann damit Leute erreichen. Das sind ja alles Sachen, die dazukommen. Jedenfalls geht es mir so und bestimmt auch anderen: Wenn man in so einem Raum ist, dann fühlt man sich schon in einem Medium irgendwie eingeengt, oder man kann in diesem einen Medium nicht allein leben oder pipapo …

Und, klar, es scheint ein Verfall der Werte zu beginnen. Dadurch, dass der Raum offen ist, bist du erstmal anderen Provokationen ausgesetzt, aber du unterliegst auch anderen Einflüssen und hast damit natürlich ganz andere Möglichkeiten für deine eigenen Sachen.

Wawerzinek: Ich kann sogar für mich formulieren, dass ich es ablehne, für einen puren Literaten gehalten zu werden, für einen puren Sänger oder puren Clown oder Faxenmacher. Ich würde aber gern alles sein: Sänger, Schauspieler, Faxenmacher. Dann muss man mit den Musikern nämlich auch reden, damit man in deren Festlegung reinkommt. Die wollen ja dann Musiker sein, und dann haben die ganz bestimmte Vorstellungen. Wenn du jetzt wieder einen Musiker hast, der nicht nur ein Musiker sein will, dann kommt Zusammenarbeit auf. Dann geht das klar. Dann kann man es probieren, und dann hat es auch am meisten Spaß gemacht für beide oder für drei. Aber die Schwierigkeit, die ich in letzter Zeit gesehen hab und die auch jetzt nichts mit der Wende zu tun hat, war – und das sehe ich auch als Schwierigkeit demnächst noch –, dass man sich jetzt festlegen muss, welche Richtung man einschlägt. Angeblich ist alles möglich jetzt, und komischerweise engt das ein. Man besetzt Märkte, man will Marktlücken entdecken oder weiß der Teufel, was da die Gedanken sind. Und das behindert dann natürlich schon das, was du vorhin gesagt hast, dass nämlich plötzlich nicht jeder mehr seinen Charakter und seine persönliche Stimme nach außen trägt, an den Mikrophonen.

Holst: Weil nun wieder der Streit der Medien losgeht. Und da geht das wieder so, dass die Leute, die eben ihre dreitausend Fans haben, natürlich ganz andere Möglichkeiten haben als andere, die nur fünfzig Fans haben. Und das halte ich eben für eine Gefahr, gerade für die sogenannte „Underground“-Kultur; „underground“ ist aber kein guter Begriff … dass in so einem Raum eine Konkurrenz einsetzt, was ich nicht gut finde, weil man sich jetzt zur Zeit, also auch im Osten, gegenüber diesem ganzen Westquatsch absetzen und trotzdem auch mit den Einflüssen umgehen kann, und nicht darum kämpft, die sechste Gruppe von Ute Arne zu werden. Das kann nicht mein Ding sein. Ich kann doch nur versuchen, an meinem eigenen Ort, auf meinem eigenen Terrain, mit meinen eigenen Phantasien, Visionen, wie man das auch immer nennen will, was zu machen, damit umzugehen. Und nicht, dass ich versuche, mich zu integrieren. Das habe ich ja vorher auch nicht gemacht.

Es ist doch ein Unterschied, ob ich mich irgendwo einklinke und sage, das ist hier mein Raum … Denn mit 25 oder mit 30 oder mit 35 habe ich zumindest auch unter diesen Bedingungen in diesem Lebensraum und mit diesen Erfahrungen gelebt. Da kann ich nicht einfach umkippen, weil irgendwo da hinten jetzt ein Markt ist, wo ich irgendwie was machen könnte. Das ist halt falsch, wenn man versucht, das so für sich mitzunehmen und ’ne totale Umkehr macht. Das kann nur schiefgehen, wenn man jetzt dem Druck nachgibt und sich vornimmt: Ich will jetzt international sein, ich will jetzt über die Anklamer Straße hinauskommen. Völliger Blödsinn. Also, entweder ich mache das und es ist für mich ein natürliches Ding und ich lebe mit diesem Riss und diesen Provokationen, diesen Umsetzungen, oder ich lebe eben nicht drin. Aber immer mit diesem Druck leben … Ich halte das nicht für gut.

Matthias Baader Holst, Peter Wawerzinek, Asteris KutulasKutulas: Schappi, du hast vorhin gesagt, dass es eigentlich darum geht, Text rüberzubringen …

Wawerzinek: Also, ich hab was zu sagen, und ich muss andere Medien nutzen. Ich will keine supergroße Zusammenarbeit anstrengen. Aber wenn es Musiker gibt, die mit mir was zusammen machen wollen, denen es aber piepegal ist, was da rüberkommt von mir und nur ihre Musik dazu machen, dann kann man die Zusammenarbeit auch abbrechen, die nicht stattgefunden hat. Und wenn das nur mit einem Maler ginge, dann muss ich mir eben den Maler suchen, mit dem es mir wirklich Spaß macht, das, was ich soundso zu sagen hab, in dieser Form rüberzubringen.

Kutulas: Könnte man das, was ihr macht, „Pop Art“ nennen, im Sinne von Papenfuß‘ „Pop Art Periode“, als er Konzerte gemacht hat und es ihm auf Kommunikation ankam? Sind eure Auftritte „Pop Konzerte“?

Wawerzinek: Letztendlich so, wie es nachher ankommt, sind sie zu dem geworden. Das kann man so sagen. Aber dieser Begriff … Ich nehm den mal so an, so heikel, wie er ist. Auch weil Bert Papenfuß das in einem Interview so benannt hat, weil es auch wirklich stimmt.

Nur, das andere Problem ist, dass ich Schwierigkeiten habe, meine Texte selber erstmal zu verstehen und dass ich das wirklich dann fast schon als Zumutung empfinde, wenn ich nun noch von anderen verlange, die sollen es auch noch verstehen. Aber jeder Auftritt mit einer Gruppe oder mit einem Musiker zusammen ist ein Versuch, mich selbst mehr zu verstehen, oder er wird zu einem Dilemma: dass ich zum Schluss gar nichts mehr verstehe. Und das andere: dass man dabei auch auf Entdeckung geht zu sich selber. Ich hätte mir zum Beispiel nie im Leben vorgenommen, Phonetik zu machen, aber vor tausend Leuten ist mir das plötzlich dann aufgefallen, dass man jetzt auch mal was Unverständliches sagen müsste, damit man endlich mal verstanden wird. Und dann habe ich irgendwelche „uet uet uet“ gemacht, also irgendwelche Geräusche, und plötzlich war das das, woran sich die Leute erinnerten. Da kam dann plötzlich irgendjemand zu mir und hat gesagt: Hier ist ein Mikrophon. Und dann noch jemand vom Rundfunk, und der hat dann gesagt: Wir machen Phonetik, und du bist uns empfohlen worden als der Phonetiker. „Lautgedichte“ hab ich da plötzlich gemacht. So ist das entstanden. Und da hat es auch seine Wirkung gehabt. Ich würde mich aber jetzt nie hinsetzen bei Kerzenschein und Rotwein, dann geht ein Lichtchen an, man wird vorgestellt und dann trägt man sein Gedichtchen vor. Denn für mich ist ja wichtig, dass man, wenn man sowas macht, nicht bloß sagt, was man sowieso zu sagen hat, sondern auch etwas, was man vorher gar nicht vermutet hat, dass es auch noch sagbar ist oder dass es aus einem rauskommt. Mario Persch von „Expander des Fortschritts“ hat das so gefasst, was ich gut finde: „Aus dem dem Nichts heraus kommen, aus dem Nichts heraus was machen“, das finde ich eine schöne Dopplung. Kannst du gleich als Überschrift nehmen, als Forderung und als Arbeitsmonogramm …

Holst: Das ist eigentlich die Möglichkeit, um noch mal zurückzukommen auf Konversation und das, was Papenfuß sagte, das ist schon die Chance, dass man, desto offener die Räume sind und je mehr Mut man hat, diese Räume zu betreten und auch auszuprobieren, man auch merkt, dass der Kreis diesen kommunikativen Charakter verstärkt.

Asteris Kutulas, AthensKutulas: Wir sind uns im klaren, dass es nun nicht um Kommunikation mit einer „Masse“ geht, sondern um eine mehr oder minder substantielle Kommunikation, die danach strebt, weg von drei Leuten hin zu fünfzig zu kommen … Ich wollte noch mal die Ebene klar benennen.

Wawerzinek: Also weg von drei?

Kutulas: Weg von „drei“, hin zu „fünfzig“ …

Wawerzinek: Nicht mehr als fünfzig …

Holst: Also, der Wahnsinn dieser Medien ist, dass es soundsoviel Medien gibt, die nur diese Kreise erreichen – das ist völlig klar. Es gibt eben nicht DAS Medium. Es ist klar, dass du mit Lyrik nicht mehr als fünfzig Leute erreichst. Das hängt auch mit dem Raum zusammen, in dem wir leben.

Wawerzinek: Wichtig ist auch irgendwie für mich, dem Vorwurf „Das kann ja jeder!“ durch Machen zu entkommen. Wenn das stimmt, dann muss man es machen, dann muss man alles machen. Aber das ist nicht das Ziel. Es ist viel produktiver, wenn einer zu dir kommt, und sagt, dass kann ja jeder, und du gehst dann los, und sagst: Na, werd ich mal sehen, ob ich’s kann, ob ich’s nicht auch machen kann. Farbe ranschmeißen an die Leinwand kann eigentlich jeder. Bloß, es macht nicht jeder. Am wenigstens die, die es dauernd den Leuten vorwerfen, dass es jeder machen kann. Die tun am wenigsten.

Kutulas: Wie ist eure Beziehung zum Schlager? Im Gegensatz zur Rockmusik, der sich mehr an eine „Gruppe“ wendet, richtet sich der Schlager (und die Disco-Musik als dessen Ableger für die Teenager) mehr an den „Einzelnen“. Wenn Adamo singt „Ich liebe Dich“, fühlt sich jede einzelne Frau persönlich angesprochen. Andererseits ist es nicht zufällig, dass im Rockkonzert versucht wird, ein gemeinschaftliches Hochgefühl beim zumeist jungen Publikum zu bewirken. Das will ich nicht bewerten. Es ist für mich nicht ’ne Frage von Bewertung, sondern von Funktionalität. Das ist etwas völlig anderes. Darum sprach ich von Adamo, der nicht fünfzig, sechzig oder hunderttausend meint. Der spricht jede Zuhörerin persönlich an.

Wawerzinek: In Wirklichkeit meint er vielleicht nur sich selber …

Kutulas: Das Gefühl habe ich eher bei euren Auftritten. Wenn ich an Konzerte von „Expander des Fortschritts“ oder von „Schappi und Baader“ denke, dann werde ich den Eindruck nicht los, ihr wendet euch weder an den Einzelnen, noch an eine Gruppe, Menge. Es ist eine seltsame Geschichte. Eigentlich wendet ihr euch nur an euch selbst.

Wawerzinek: Da sollte es hingehen. Ich fänd es wunderbar, wenn ich sagen könnte auf der Bühne: Seht mich an, ich liebe mich! – und es würde ein wahnsinniger Tanz nach dem Motto „Er liebt sich, er liebt sich“ oder „Er hasst sich, er hasst sich“ losgehen. Sie können ja auch abhauen. Aber wenn dann die Frage beim Zuschauer entsteht, wie ist das denn mit mir, liebe ich mich auch oder hasse ich mich auch, wenigstens wie der auf der Bühne, oder liebe ich mich anders, oder hasse ich mich anders. Dann hat was stattgefunden. Aber es findet nichts statt, wenn du sagst, du bist schön, ich liebe dich und jeder hört sich das an, dann wirds eben zu diesem komischen Phänomen.

Kutulas: Es ist tatsächlich ein seltsamer Widerspruch zwischen „Einfühlung und Abstraktion“, eine seltsame Ausgewogenheit, die durch den Umstand des „Produzierens“ hergestellt wird. Es ist, wenn ich an „Schappi und Baader“ denke, eigentlich ein schizophrener Zustand. Und wer setzt sich gern einem solchen aus – auch wenn er einem hilft, „sich selbst besser kennenzulernen“?

Holst: Das ist aber auch ’ne Frage der Identität. Ich meine den Vorwurf, den ich nicht als solchen verstehe, dass man in diesem Widerspruch eigentlich auch lebt, dass man weder den Einzelnen noch die Gruppe in irgendeiner Weise vertritt und wo natürlich die Frage der Identität ungeklärt bleibt. Also ich weiß nicht, wie Peter Alexander oder Adamo oder Bernd Klüwer dazu stehen, ob das nicht so ihr Ding ist, wenn sie sagen: „Ich liebe mich“ oder „Ich liebe dich“. Diese Pseudo-Einfühlung, die da passiert, hat natürlich ’ne ganz andere Richtung. Dadurch kriegt das Ganze einen kollektiven Wahn und kommt als pseudoindividualistisches Ding daher. Aber das ist so ’ne Sache, wo mehr die Plattenfirma oder der Raum was damit zu tun hat als Bernd Klüwer persönlich. Ich weiß nicht, ob Peter Alexander und die alle so starke Individualisten sind …

Wawerzinek: Das Verrückte an der ganzen Sache ist, dass die Leute meistens denken, es ist ein Glückszustand, wenn man eine Bühne und ein Medium hat, um irgendwas an die Massen zu bringen. Das ist nämlich eigentlich das Dilemma, ’ne Bühne zu haben und ein Medium und ein Mikrophon, und diese Schizophrenie können wir nicht auflösen, weil das alles schon da ist. Du wirst aber gewertet, wenn du auf einer Bühne stehst, nämlich, dass du es geschafft hast, auf der Bühne zu stehen. Aber anders kommst du an die Menschen nicht ran. Du kannst doch nicht ewig in ’ner Kneipe rumsitzen.

Matthias Baader Holst, Peter Wawerzinek, Asteris KutulasKutulas: Für mich war eine wichtige Erfahrung, als ich Thomas Anders, den früheren Sänger von „Modern Talking“, auf einer Tournee durch die Noch-DDR als Tour-Manager begleitet habe. Die Jugendlichen, vor allem die Mädchen, haben geschrieen vor Begeisterung. Es schien, als wäre für viele dieses Konzert eine Art Höhepunkt in ihrem Leben – und das war sicher nicht nur den spezifischen DDR-Bedingungen geschuldet. Bei Peter Alexander oder bei Adamo tritt das sicher nicht so auf, aber gerade in der Disco und Popmusik, wo bewusst für Teenager produziert wird, erreicht die Identifikation ein wahnsinniges Ausmaß. Sie wollten Thomas berühren, wollten Sachen von ihm haben, kannten die Songs auswendig – für sie ist das ’n Lebensinhalt.

Wawerzinek: Bei uns tritt das in der Masse nicht auf. Bloß die Leute, die nach der Lesung kommen und sagen, es war toll, und die sogar stehen bleiben, bis du endlich aufgehört hast zu plappern und dann zu dir kommen, das sind dieselben Anfasser. Bloß, wenn so ’ne Masse auftritt, denkt man, das muss gut sein, das muss wahnsinnig gut sein, was auf der Bühne geboten wird.

Kutulas: Es gibt natürlich einen gewaltigen Unterschied.

Wawerzinek: Die Macher sollen den Nerv treffen, den vorbereiteten Nerv treffen. Es muss wieder Einer kommen, und dann kommt Er und dann ist Er da.

Holst: Es funktioniert wie das Aufbauen eines Politikers. Man soll sich doch nicht wundern, wo Millionen drinnen stehen, es ist völlig klar, da kann ich alles machen, weil ich ja auch die Inhalte verschieben kann, weil es in diesem Raum immer irgendwelche Leute gibt, die mit diesen Inhalten oder Nicht-Inhalten auch einfach spielen können. Du kannst immer jemanden aufbauen, und dann brauchst du ihn den Leuten nur jeden Tag reindonnern fünfmal am Tag, so, und dann sind die Höschen feucht – das ist auch okay, und dann kommt Thomas Anders, bringt 30 Hemden mit, und das Ding ist gelaufen, und dann sagen alle: Das is ’n wunderbarer Typ, der sagt, was ich denke – was ja unter Nichtdenkenden kein Problem ist. Der braucht die Folgen nicht zu tragen. Das ist ja auch ’n Unterschied, der kommt ja nicht als Individuum. Und das ist auch das Problem dieser ganzen Identität. Identität fängt nur dort an, wenn es etwas Namenloses ist.

Wawerzinek: Du siehst das ja bei Michael Jackson … Wie viel der sich umoperieren lassen muss, das ist doch nicht nur sein Interesse, bloß, weil er schön aussehen will, sondern weil er zu dieser Plastikpuppe werden musste, weil das Individuum nicht mehr interessiert … Bei Michael Jackson ist das für mich sogar erschreckend, was der jetzt noch so alles macht. Ich glaube, wenn ihm jetzt die Hintermänner sagen: Du musst jetzt langsam trauriger werden, du musst langsam Brüste kriegen, dann ist das zwar nicht sein Problem, aber er wird sich Brüste anschaffen, und er wird mit ihnen auf der Bühne wackeln, und alle werden kreischen … Nur, wenn das alles wirklich sein Problem wäre, dann hätte er noch wenigstens Glück gehabt in diesem ganzen Geschäft.

Holst: Dann hätte er natürlich keine Chance, weil nur mit Namenlosigkeit können Millionenauflagen erreicht werden. Du stehst oder sitzt auf der Bühne und bringst deine Traurigkeit rüber, dann ist es völlig klar, es würde dich keiner anhören – gut, fünf sind vielleicht betroffen. Ich meine: Wenn du dein namenloses Leid in die Gegend wirfst oder dein namenloses Glück – zum Beispiel „Herzen haben keine Fenster“ – kann jeder Idiot sagen, na wunderbar, das ist auch mein Lebensgefühl irgendwie.

Im Gegensatz dazu merkst du schon, wenn du dich im Underground bewegst – das ist schon irgendwo ein Rahmen, wo ’ne ganze Menge an Reibung und Tötung und Öffnung läuft, dass das schon nicht stimmt, also auch von der Direktheit her. Weil man sich schon täglich damit auseinandersetzt, seine täglichen Erfahrungen macht. Ich glaube, dass da ’ne Menge ablief. Eine Liebe ist es schon deswegen, weil es – ich will das nicht verallgemeinern – unter Druck entstand und viel direkter war. Ich weiß nur nicht, ob es wirklich auch das ist, was in der Vergangenheit war.

Wawerzinek: Ich komme nie ins Schwärmen beim Thema Underground. Ich glaube, es gab nie was, was sich jetzt beweisen müsste, dass es doch sowas gab. Das ist ja die aktuelle Forderung dieser Zeit: wirklich mir klarzumachen, es hat doch sowas gegeben. Es muss was gegeben haben, was Sascha Anderson heißt. Es muss was gegeben haben, was Papenfuß, Lorek usw. heißt. Was das überhaupt war. Ganz wissenschaftlich muss man das jetzt irgendwie machen. Ich hoffe, wenn sozial etwas mehr Schärfe reinkommt, dann wird die soziale Orientierung des Publikums stärker auf einen Dialog hinauslaufen.

Matthias Baader Holst, Peter Wawerzinek, Asteris KutulasKutulas: Wobei der „Dialog“ durch den verstärkten Einzug der englischen Sprache sehr eingeengt wird. Die deutsche DDR-Rockmusik wird verschwinden. Nur wenige werden es sich leisten können, qualitativ gute deutsche Texte zu machen. Diese Ausnahmen gibt es natürlich. Aber die Bundesrepublik ist heutzutage das einzige europäische Land, in dem man das Radio einschaltet und nicht erkennt, dass man in Deutschland ist, da zu 95% nur englischsprachige Titel laufen. In allen anderen Ländern Europas ist das anders, von Griechenland, über Italien, Spanien, bis nach Frankreich und Schweden, wo zum Teil klare Quotenregelungen bestehen. Ich hoffe sehr, dass sich das auch in Deutschland ändert.

Wawerzinek: Weißt du, wie wichtig das dann wird, wenn mal einer deutsch singt. Ich würde das sogar positiv bewerten, wenn 95% nur Englisch machen, dann wird’s bei den restlichen 5% hier passieren müssen. Deshalb ist es wichtig, wenn mal wieder jemand auf deutsch singt, dass er dann aber auch weiß, dass ihm nur 5% gehören, und dann kann er sich so einen Schwachsinn nicht erlauben.

Kutulas: Oder es passiert das Gegenteil: Die deutschen Texte werden noch schlechter – wenn das möglich ist –, um zu bestehen, und die englischen werden das neue authentische Lebensgefühl wiedergeben …

Wawerzinek: Wenn du dich in England das erste Mal verliebt hast oder dich ein Mädchen aus England eingefangen hat, so dass es zu dir gehört, wenn du dich mit Mutter/Vater auf Englisch gestritten hast, dann werde ich es dir nicht übelnehmen, wenn du darüber auf Englisch singst. Aber wenn du damit nicht gelebt hast, dann ist das ja Anschiss. Dann stinke ich ab bei der Flachheit, die übernommen wird aus dem Sumpf der Klischees. Wenn man also keinen Anteil hat an dieser Sprache, dann empfinde ich das als Betrug.

Berlin, Frühjahr 1990

© Asteris Kutulas

Foto von Peter Wawerzinek by © Asteris Kutulas

Zeitschrift Sondeur (1990-91) – Bibliographie & Editorials

Das Inhaltsverzeichnis aller 12 Ausgaben (April 1990 bis März 1991) der Zeitschrift „Sondeur – Monatsboulevard für Kultur und Politik“:

SONDEUR Nr.1

Matthias Biskupek – Mürrische Rede. Unlust. Schnauze voll
Yury Winterberg – Wer hat Angst vor Markus Wolf?
Elisabeth Wesuls – Ärzte zum Schwangerschaftsabbruch 1990
Claudia Gehrke – Plädoyer für scharfe Schamlippen
Ulrike Zimmermann – Frauen und Pornografie
Adolf Endler – Bubi Blazezak und der Berliner Fernsehturm
Fritz Rudolf Fries – Wiederbelebung
Kathrin Schmidt – Der eben um die Ecke …
Heinz Czechowski – Dresden, 13. Februar 1990
Niemandsland DDR – Asteris Kutulas im Interview mit Rainer Fetting und Trak Wendisch
Steffen Mensching – Notate im November 1989
Fritz Rudolf Fries – Braucht die neue Republik neue Autoren?
Heinz Czechowski – Zur Situation von Literatur in der DDR
Lothar Trolle – Gerede eines alten Mannes
Peter Wawerzinek – Mudular Hans Müller
Matthias Holst – Ist es einfach, punk zu sein?
Elmar Jansen – Stadt-Bilder, Traum-Bilder
Uwe Kolbe – Über das Gelegenheitsgedicht
Mulack – Gitarre für Anfänger
K.-P. Schwarz – Die „NVA“, Böll & ich
Asteris Kutulas – Nachgestelltes Geleitwort

SONDEUR Nr.2

Freymuth Legler – President debilee
Claudia Gehrke – Pornografie/ Hinsehen oder Wegsehen?
Ulrike Zimmermann – Frauenschaulust und Gewaltpornos
Elfriede Jelinek – Schamgrenzen?
Barbara Frischmuth – Dünger für mein Augenfeld
Yury Winterberg – Denk ich an Keuschland in der Nacht
Matthias Biskupek – Wie ein DDRler jetzt sprechen lernen sollen müßte
Robert Rauschenberg – Wenn das keine Kunst ist, mag ich es (Interview)
Jurij Koch – Die Schmerzen der endenden Art
Ziemer-Jackisch – Akropolis Nr.13 (Reportage)
Fritz Rudolf Fries – Die Westmark fällt weiter. Eine Utopie?
Holger Jackisch – Über das Leipziger Literaturinstitut
Matthias Holst – chingachgook/ein ghetto voller petersilie
Peter Wawerzinek – In der Schwein Welt

SONDEUR Nr.3

Ulrike Zimmermann – Pornos und andere Filme von Frauen
Yury Winterberg – Verfolgte Randgruppen/Heute: Der Fleischer …
Thomas Rosenlöcher – Kreischbild mit Bundeskanzler
Horst Hussel/Lothar Trolle – Stoßgebet der Frau Pastorin
Matthias Biskupek – Wirklicher und Geheimer Rat in Tartu
Mikis Theodorakis – Für einen vierstündigen Arbeitstag
John Cage – Stille als Klangform des Dunkels (Interview)
Odysseas Elytis – Zur Collagen-Technik
Annemirl Bauer – Feminismus, Frankreich, Fandarole (Interview)
Matthias Flügge – Inseln, die nur eines tragen
Gert Neumann – Toccata
Kerstin Hensel – Welsch
Hans-Eckardt Wenzel – Die Entstehung des Marsches …

Asteris Kutulas, Sondeur
Redaktionssitzung der Zeitschrift SONDEUR: Ina Kutulas, Marina Bertrand, Tilo Köhler und Asteris Kutulas 1990 in Charlottenburg

SONDEUR Nr.4

Yury Winterberg – Sündimentale Reise in den Wilden Osten
Thomas Böhme – Leipzig-Abtnaundorf
Freymuth Legler – Reise in den Zwischenraum
Fritz Rudolf Fries – Shop kaputt
Lothar Trolle – Erinnerung an eine HO Gemüseverkaufsstelle
Hans-Eckardt Wenzel – Die vergessenen Dörfer Vorpommerns
Matthias Baader Holst – Wieder Berlin
Gerd Adloff – Café Wolff
Gregor Kunz – Bunte Republik (Äußere) Neustadt Dresden
Barbara Köhler – Dresden der klassische Blick
Thomas Haufe – zurück&kein zurück
Michael Wüstefeld – Meißen 1988
Matthias Biskupek – Mitten in der Rinde
Horst Hussel – Der Ort
Uwe Hübner – Länder oder Über die ewige Völkerwanderung
Thomas Rosenlöcher – Schaum
Annett Gröschner – Niederndodeleben
Till Sitter – Bin ich ein Schlüpfer-Fetischist?
Balduin Baas – Der grüne Penis
Sabine Kebir – … geschlechterfrieden?
Gudula Ziemer – Die Probe
Charlotte Oberwasser – Unter Blitzlicht
Doris Ziegler – Das Private, das Politische und die Malerei
Jan Skacel – Trennung
Heinz Czechowski – Dem Gedenken Jan Skacels
Andreas Hüneke – DAfDADAt? DAtDADAtDAf!
Johannes Baader – Brief an Johannes Schlaf (Erstveröffentl.)
Rainer Schedlinski – Das Sägen am eigenen Ast
Peter Wawerzinek – Hirn einschalten beim Schweigen

SONDEUR Nr.5

Bernd Nitzschke – Die Wut gegen Pornographie
Mircea Dinescu – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Wolfgang Kröber – Jämmerliche Kultur des Jammerns
Rainer Schedlinski – Was ist das Linke am Sozialismus?
Rabea Graf – Aus Postkarten meiner reiselustigen Freunde
Peter Wawerzinek – Abschied ist ein dunster Ort
Andreas Klich – Über Camburg
Barbara Köhler – Wieder Chemnitz
Angela Hampel – Vom Geheimnis im Bild (Interview mit Asteris Kutulas)
Eine Vergewaltigungsgeschichte oder Die Aggressionen der Kritiker
   Annett Gröschner – Maria im Schnee
   Freymuth Legler – Wer viel und laut übers Bumsen redet …
   Kerstin Hensel – Vor der Schlafzimmertür
   Tilo Köhler – Der Schrei um Hilfe
   Klaus Laabs – „Im Kopf eine verwüstete Landschaft“
   Elisabeth Wesuls – Neunmalklug ist auch wieder dumm
   Annett Gröschner – Anekdoten
Frank Lanzendörfer – techtels & mechtels
Peter Böthig – Subverstanden (Über F.L.)
Ina Kutulas – In einem dunklen dunklen Wald. Zu Lanzendörfer

Asteris Kutulas und Tilo Köhler
Die beiden Redakteure der Zeitschrift SONDEUR Tilo Köhler (rechts) und Asteris Kutulas bei einer Sondeur-Veranstaltung in Berlin Ende 1990

SONDEUR Nr.6

Stefan Heym – Rette sich wer kann
Gudula Ziemer – Was ich in Rom sah oder hörte
Mitch Cohen – I Tell Ya
Ursula Ziermann – Männer als Maschinen
Claudia Gehrke – „Das Sichtbare ist das Geheimnis“ (Interview mit Asteris Kutulas)
Charlotte Oberwasser – Die erogene Zone
Fritz Rudolf Fries – Cuba Libre mit viel Liebe in New York
Matthias Biskupek – Mitleid für die abgefederten Sieger
Stefan Heym – Ausstellungseröffnung
Peter Schönhoff – Georg Baselitz‘ Arschlöcher
Angela Hampel – Ich hört ein Sichlein rauschen … (Interview mit Asteris Kutulas)
Ines Eck – Wenn ich tot bin, warst Du es
Eva Bartsch – Die Chance, grenzenlos verkannt zu werden
Thomas Bischoff – Thesen zum (Theater-)Naturalismus in der DDR
Fritz Rudolf Fries – Miles Davis/ Die Autobiographie
Matthias Baader Holst – Old Shatterhand oder Die Wohnungsfrage

SONDEUR Nr.7

Tilo Köhler – Der Untergang des Abendlandbrotes
Klaus Rahn – Das Glas Marmelade
Detlev Opitz – Eva-Mania
Claudia Gehrke – Die inszenierte Lust der Frauen (Interview mit Asteris Kutulas)
Peter Wawerzinek – 14 Pornotizen
Yury Winterberg – Schreiben als Perversion
Stephan Ost – Die Rivalin im Teppich
Fritz Rudolf Fries – Die hohe Kunst der Korruption
Adolf Endler – Neues von Bubi Blazezak
Elke Erb – Ein Jahrzehnt mit Endler
Gert Neumann – Brief in die DDR

SONDEUR Nr.8

Robert Gernhardt – Triste Überdosis
Alban Nicolai Herbst – Börsenbrief (Literatur)
Milan Kundera – Das spannende Auge Gottes
Jannis Ritsos – Camera obscura
Eberhardt Häfner – Die Verelfung der Zwölf
Claudia Gehrke – Der verpönte Blick (Interview mit Asteris Kutulas)
Gala Breton – Die Ostmuschis kommen
Peter Brasch – Die Entgleisung
Branko Cegec – Melancholische Annalen
Yury Winterberg – Der Hauptmann im Triebkrieg/ A. Stramm
Wolfgang Opitz – Ralf Winkler und die Sechziger in Dresden (Interview mit Asteris Kutulas)
Jan Faktor – Ein Satz zu Adolf Endlers Schichtenflotz
Horst Hussel – 6 Briefe an Herrn S.
Mitch Cohen – Papierflieger
Heinz Czechowski – Früher/ Drei Texte
Gert Neumann – Eröffnungstext

Sondeur, Asteris Kutulas
Sonder-Lesung mit Peter Böthig, Fritz Rudolf Fries, Gala Breton und Asteris Kutulas, 1990 in Berlin

SONDEUR Nr.9

Lothar Trolle – Frau Minister mit besonderen Aufgaben
Jose Ortega y Gasset – Das zweigeteilte Deutschland
Rainer Schedlinski – Der dogmatische Schlaf der Vernunft
Friedrich Kröhnke – Eine letzte Satire
Hermann Nitsch – Ich bin kein Instinkttäter
Jannis Ritsos – Nach dem Ende / 3 Texte
Jörg-Michael Koerbl – Jugenddivision „Onanierende Zukunft“
Reinhard Jirgl – Tantalos an der Götter Tafel
Yury Winterberg – Vom Inzest mit Gehirntieren (Schmidt)
Autonome Huren – Besuch aus dem hohen Norden
Alban Nicolai Herbst – Deutsche Literaturbörse: Dezemberbrief
Cornelia Sachse – before LISA in america
Alain Jadot – Nicht übertragbar
Elke Erb – Brief aus der DDR
Die Redaktion – Danksagung

SONDEUR Nr.10

Peter Wawerzinek – Her mit dem nächsten Krawall
Christoph D. Brumme – Liquidationen
Alban Nicolai Herbst – Literatur-Börse: Gutes für Vergehendes
Volkmar J. Zühlsdorff – Partei fürs geliebte Deutschland
Tilo Köhler – Mit dem Rücken zur Wand, die es nicht mehr gibt
Domenico Zindato – Pastone und Broda
Zdravko Kecman – Nächtliche Lieben der Spinnenfrau
Koeppen/Wawerzinek – Akt-Kalendarium 1991
Peter Böthig – Ein Wanderer und sein Licht-Schatten
Matthias Baader Holst & Peter Wawerzinek & Asteris Kutulas – Die zappelnden Versfüße Michael Jacksons (Gespräch)

SONDEUR Nr.11

Berthold Dirnfellner – Geld
Stefanie Menzinger – Geldgeld
Gala Breton – Happy Week-End
Alban Nicolai Herbst – Börsenbrief Februar 1991
Yury Winterberg – Motz-Art lebt
Axel Dielmann u.a. – Franco Fantis Verzweigungen
Nenad Popovic – Freund Watson
Werner Heiduczek – Bitterfelder Wegelagerer
Fritz Rudolf Fries & Uwe Grüning – Streitgespräch
Ralf Winkler – Manifest 1971
Harald Gallasch – Das Unvorstellbare
Wolfgang Opitz – Die Dresdener „Lücke“ (Interview mit Asteris Kutulas)
Mitch Cohen – Ohne Eine

SONDEUR Nr.12

Konstantinos Kavafis – Notate
Heinz Czechowski – Das Zwingende
Gabriele Gabriel – Schießstandrecht
Michael Wüstefeld – Abbau einer Losung
Adolf Endler – Wiedererweckung
Peter Wawerzinek – Moppel Schappik
Horst Hussel – Damengespräch
Thomas Rindsfüsser – Depression
Ulrich Preuss – Ein Tag im Leben der Mama
Jannis Ritsos – Erwachen
Elke Erb – Russische Symbolisten
Sinaida Gippius – Dem Dichter
Annenski – Nerven
Alban Nicolai Herbst – Börsenbrief/Hundstod
Gert Neumann – Produktionsgewässer
Peter Brasch – Hämorrhoide im Kopf
Asteris Kutulas/Thilo Köhler – Editorial

SONDEUR. Monatszeitschrift für Kultur und Politik
Herausgegeben und produziert von Asteris Kutulas
Redaktion: Tilo Köhler, Ina Kutulas, Marina Bertrand, Andre Kahane (Artwork), Jannis Zotos, Asteris Kutulas (Chefredakteur)

*** *** ***

NACHGESTELLTES GELEITWORT
der ersten Ausgabe (1990)

Zahllose Gründe sprechen gegen das Projekt. Galt noch bis vor kurzem das LESEN in diesem Teil Deutschlands – zumindest bei den wachgebliebenen seiner Bewohner als TUGEND –, so dürfte heut kaum mehr damit gerechnet werden: das Schauen, das Hören, das Streiten, das Reisen, das Debattieren, das Demonstrieren …! Wenn schon gelesen wird, dann Kurzgebratenes: schnell zur persönlichen Tagesordnung übergehen, denn die fordert gebieterisch den ganzen Mann. Die ganze Frau. Ganze Kinder gar: Auf alle, alle! und jeden zielen die Strategien der Neu- und Altverleger: West-östliche Diwane en gros, ganz andere Andere Zeitungen, reformierte Freie & Junge Welten, neue Neue Deutschlands, Wir in Leipzig und Uns in Mecklenburg, von all dem nicht zu reden, was noch kommen wird, Popos aus Jamaica und Rezepte vom Vater Rhein, Strickereien von Burda und Krenz ganz im BILDe, alles zielend auf IHN: den LESER. Wer aber ist der? Steckt in wessen Anzug und denkt in wessen Kopf? Irgendwo zwischen Neugersdorf und Jerichow II soll es ihn geben. Aber: er will gar nicht, der gute. Mag nicht mehr lesen. Warum auch. Vierzig Jahr gelesen und nichts gewesen. Für DIE Spesen – lieber am Tresen. Solange es dort noch wohlfeil zugeht. Apropos und überhaupt: vier Mark so’n Blatt! Woll’n wohl durchhalten. Woll’n wohl ihren Autoren gute Honorare zahlen. Autoren scheinen ihnen überhaupt wichtig zu sein, stehn sogar vorne drauf. Im übrigen irgendwie fremdländisch das Ganze, nicht wundern, wenn Onassis Aktien bei TANTALUS, na denn …

Ein angeschlagenes Schiff driftet längs der drohenden Brandung, die arg geschrumpfte Besatzung schwankt zwischen Lethargie und Renitenz, der Erste Offizier hat sich erschossen, der Smutje nurmehr Salzfleisch und Zwieback im Angebot, Bootsmann und Steward schmieden Ränke, der Zweite Offizier mit dem Beiboot getürmt, der übernächtigte Kapitän weiß, dass seine Tage gezählt sind, träumt von blühenden Geranientöpfen und hört kaum mehr im Halbschlaf die Rufe dessen, der weit über den Bugspriet gelehnt, das Lot wirft, der Mann heißt: SONDEUR.

Asteris Kutulas

Sondeur von Asteris Kutulas

EDITORIAL
der letzten (zwölften) Ausgabe (1991)

Mit dem tatsächlichen Erscheinen der Nummer 12 unseres Monatsboulevards haben wir nunmehr einen Status erreicht, den selbst Zuversichtlichere als wir nur schwerlich für ertrotzbar hielten: wir sind wieder ein Jahr älter geworden.

Zugleich kann hiermit der erste vollständige Jahrgang unseres galanten Almanachs durch jedermann besichtigt werden; Anlass auch für eine gelassene Rundschau unsererseits, deren Heiterkeit dem Unernst der Stunde angemessen bleiben soll. Denn SONDEUR stellt mit diesem Heft 12 sein regelmäßiges Erscheinen als Monatszeitschrift ein. Getreu unserer ersten Selbstdefinition als Literatur der k & k (Kutulas & Köhler) waren unsere Intentionen von Beginn an nicht auf expansive, sondern eher untergehende Phänomene gerichtet, denen wir mit „Sondeur“ ein gewiß nicht ungefälliges hinzugesellt zu haben hoffen.

Solcherart ist „Sondeur“ ein Kind des Übergangs, vielleicht sein schönstes gewesen. Kein Kind der Aufklärung mithin, wohl aber eines mit dem unverwüstlich provinzialischen Charme deutscher Spät- und Postromantik. Und da es bekanntlich für diese kein unschuldigeres Motiv gibt als den sanften Hingang eines schönen Kindes, übereignen wir „Sondeur“ hiermit dem unerschöpflichen Fundus der Literaturgeschichte, in der um zwei Jahrhunderte zu früh aufgetaucht zu sein in der Natur ernst zu nehmender Abschiede seit ebenso langer Zeit gründen mag.

Asteris Kutulas & Tilo Köhler

Sondeur von Asteris Kutulas

Bizarre Städte: Unabhängige Zeitschriftenpublikation in der DDR (1987-1989), herausgegeben und produziert von Asteris Kutulas / Redaktion: Ina Kutulas, Johannes Jansen, Gerd Adloff, Gregor Kunz, Thomas Haufe, Asteris Kutulas (Chefredakteur)

Sondeur: Monatszeitschrift für Kultur und Politik in der Nachwendezeit (1990-1991), herausgegeben und produziert von Asteris Kutulas / Redaktion: Tilo Köhler, Ina Kutulas, Marina Bertrand, Andre Kahane (Artwork), Jannis Zotos, Asteris Kutulas (Chefredakteur)

Mikis Theodorakis Werkverzeichnis / Catalogue of Works

[Einleitung zum Theodorakis-Werkverzeichnis auf Deutsch: siehe unten.]

Asteris Kutulas | Αστέρης Κούτουλας
MIKIS THEODORAKIS: CATALOGUE OF WORKS |  WERKVERZEICHNIS | ΕΡΓΟΓΡΑΦΙΑ ΜΙΚΗ ΘΕΟΔΩΡΑΚΗ

English version prepared by © Gail Holst-Warhaft
 
*AST numbers refer to the original catalogue of Theodorakis’s works (1937-2010) compiled in Greek by © Asteris Kutulas
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 1
[FIRST MUSICAL NOTEBOOK]
„Collection of songs composed by Mich. G. Theodorakis“
Songs
2 Romances for harmonica
Patras, 1937
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 2
[SECOND MUSICAL NOTEBOOK]
Songs
„In two parts: Four songs about religion and homeland. Eight songs concerned with nature and life.“
Poems by Michalis Stassinopoulos, Georgios Drossinis, Martzounis, Kostis Palamas, A. Valaoritis, Sp. Damiratos
12 songs
Patras, 1937-38
First performance (selections): Athens, 1993
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 1
AST 3
[SELECTED SONGS 1937-52]
[1993 a selection of these songs published under the title: SONGS FOR YOUNG AND OLDER CHILDREN] (TRAGOUDIA GIA PAIDAKIA KE PAIDIA)]
Songs
Poems by Kostis Palamas (5), Michalis Stassinopoulos (2), Georgia Deliyannis, Georgios Drosinis, Odysseas Elytis, Aristotelis Valaoritis, Dionysios Solomos (2), Metastasio (Solomos), Charis Sakellarios, Angelos Vlachos, Grigoris Konstantinopoulos (2), Lorentzos Mavilis, Kostas Hatzopoulos, Aristotelis Valaoritis, Fotis Angoules, P. Granitis, Vassilis Rotas (3), Alekos Fotiadis, Nikos Maragoudiakis (3), Antigone Metaxas & Mikis Theodorakis
35 songs
Patras, Tripolis, Athenss and elsewhere, 1937-52
First performance (selections): Athens, 1994
First recordings: POLYGRAM, 1994 & INTUITION (First Songs), 2005
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 4
[THIRD MUSICAL NOTEBOOK]
Songs
„Musical compositions by M.G. Theodorakis – 3rd form high school student“
Poems by Aristotelis Valaoritis (3), Georgios Drosinis (3), Georgia Deliyannis, T. Trofonopoulou, Kostis Palamas, Ap. Kalogira & Mikis Theodorakis (2)
21 songs
Pyrgos, Patras, Tripolis, 1939-40
First performance (selections): Athens, 1993
First recording: POLYGRAM, 1994
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 5
[SMALL PIECES FOR VIOLIN] (including sketches)
Violin
19 pieces
Pyrgos and Tripolis, 1939-43
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 6
[DISPERSED SONGS, 1939-1958] (SKORPIA TRAGOUDIA)
[Anthology no. 1]
Songs
Poems by Kostis Palamas (3), Dionysos Solomos (7), Yorgos Kouloukis (2), Kostas Hatzopoulos (2), Aristotelis Valaoritis, Heinrich Heine, Ioannis Gryparis (2), Labros Porfyras, Angelos Vlachos, A. Klias, Fotis Angoules, Sofia Mavroidis-Papadakis, Kostas Kalatzis, William Shakespeare, Nikos Maragoudiakis (2), Michalis Katsaros, Antigone Metaxas (2) & Mikis Theodorakis (12)
Voice and piano
85 songs
Pyrgos, Troplis, Athens, Ikaria, Makronissos, 1939-58
First recording (selections): Athens, 1993
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 2
AST 7
SONGS OF EXILE 1 (TIS EXORIAS A’)
Song Cycle
Poems by Panos Lampsidis & Mikis Theodorakis (2)
3 songs
Pyrgos, Ikaria, 1939-1948
First recording: MINOS, 1976
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 8
ECCLESIASTICAL CANTATAS (including sketches)
Choral – Ecclesiastical
23 pieces
Tripolis, 1940-43
First performance: 1942-43 Church of St. Barbara, Tripolis (selections)
First recording: MINOS, 1978 (selections)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 9
[SMALL PIECES FOR PIANO] (including sketches)
Piano solo
23 pieces
Tripolis and Athens, 1940-43
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 10
HYMN TO GOD [unfinished]
Choral
[Also exists with the titles: THE LORD and GOD]
For four-part chorus, harmonic accompaniment
First performance: Tripolis, 1942
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 11
SONATINA FOR PIANO
Piano solo
„Dedicated to Dora Apostolakou“
3 movements
Tripolis, 1942 – Athens, 1943
First performance: Tripolis, 1942
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 12
RECOLLECTIONS (ANAMNISIS)
Piano solo
„Work for piano dedicated to my poet friend George Kouloukis“
5 pieces
Tripolis, 1942
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 13
SORROWFUL NATURE (THLIMENI PHYSI)
Song Cycle
Poem by Mikis Theodorakis
For voice and piano
Tripolis, circa 1942
 (lost)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 14
CHORAL PIECES (CHORODIAKA)
Choral
Poems by Angelos Vlachos, Dionysos Solomos, Ioannis Gryparis & Mikis Theodorakis
For mixed and all-male choir
5 pieces
Tripolis, Athens, 1942-46
[arrangement for mixed choir (1976) = AST 229]
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 3
AST 15
TROPARION KASSIANIS
Choral, Ecclesiastical
For four-part male choir
[arrangement for mixed choir (1983) = AST 257]
Tripolis, 1943
First performance: Church of St. Barbara, Tripolis, 1943
First recording: MINOS, 1978
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 16
SYMPHONY No. 1
Symphonic
Poem by Mikis Theodorakis
For narrator, double string orchestra and four-part mixed choir
9 parts
Tripolis, Athens, 1943-45
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 17
FANTASY (FANTASIA)
Piano Solo
„In the style of Beethoven On a theme from the 5th Symphony“
Athens, 1943-44
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 18
HYMN [incomplete]
Choral
For string orchestra and four-part mixed choir
3 parts
Athens, 1944
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 19
FIVE SAILORS (PENTE NAFTES)
Song Cycle
Poems by Photis Angoules & Mikis Theodorakis (2)
For Voice and Piano
3 songs
Athens, 1944-45
[New arrangement (1957) = AST 107]
First performance: Athens, 1945
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 20
LITTLE SYMPHONY (MIKRI SYMPHONIA)
(Inspired by Prometheus Bound)
Symphonic
For string orchestra
3 movements
Athens, 1945
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 4
AST 21
EXERCISE (ASKISI)
(Study for Two Violins)
Chamber Music
„On a free development of a theme for two violins“
7 movements
Athens, 1945
First performance: Athens, 1945
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 22
ANDANTE [sketch]
Chamber Music
For cello and piano
Athens, 1945
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 23
ELEGY I
Chamber Music
For cello and piano
Athens, 1945
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 24
ELEGY II
„On the Death of the Freedom-Fighter“
Chamber Music
Athens, 1945
For violin and piano
3 movements
First performance: Athens, 1945
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 25
THE CEMETERY (TO KIMITIRIO)
Symphonic
Poem by Dionysios Solomos
For choir and string orchestra
Athens, 1945
[Arrangement for string quartet (1946) = AST 30]
[Arrangement for small orchestra and choir (1949-50, incomplete) = AST 60]
First performance: Athens, 1945
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 26
THEATRICAL SONGS [incomplete]
Music for Theatre
Poem by Vassilis Rotas
For chorus, oboe or cor anglais, flute, two cellos and percussion
7 parts
Athens, 1945
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 27
FOUR PIECES FOR DECEMBER
Chamber Music
Poem by Mikis Theodorakis
Athens, 1945
[Arrangement for string orchestra (1946) = AST 34]
First performance: 1946
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 28
STRING QUARTET [No. 1/The Turn]
Chamber Music
4 movements
Athens, 1946
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 29
DUET [sketch]
Chamber Music
For two violins
Athens, 1946
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 30
THE CEMETERY [String Quartet No. 2]
„To Argyris Kounadis“
Chamber Music
5 movements
Athens, 1946
Arrangement for string quartet [see AST 25 & AST 60]
First performance: Athens, 1946
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 31
LOVE AND DEATH
„Four songs for Myrto“
Song Cycle
Poem by Mikis Theodorakis (2) & Lorentzos Mavilis (2)
For voice and piano
4 songs
Athens, 1946-48
[Arranged for voice and string orchestra (1955) = AST 94]
[Arranged for choir (nos 1 & 2, 1983) = AST 261]
[Arranged for 8-voice choir (no. 3, 1983) = AST 262]
First performance: Athens, 1952
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 32
PROMETHEUS BOUND
Symphonic
Athens, 1946
First performance: Athens, 1952
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 5
AST 33
MARGARITA
Symphonic
„Symphonic poem“
Poem by Nikoforos Vrettakos
For symphony orchestra, choir and recitation
4 movements
Athens, 1946
[Transcription for piano = AST 39]
First performance: Athens, 1977
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 34
FOUR PIECES FOR DECEMBER
Symphonic
Arrangement for string orchestra
Athens, 1946
[see AST 27]
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 35
THE FEAST OF ASI-GONIA
„Cretan Piece“
Symphonic
For string orchestra
3 movements
Athens, 1946
[„Symphonic Scherzo“ – arrangement for large orchestra (1947) = AST 38]
[Transcription for piano four hands (sketch) = AST 48]
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 36
[SYMPHONIC WORK]
Symphonic
For large orchestra
Athens, 1946-7
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 37
PASSACAGLIA (Adagio)
Chamber Music
For violin and piano
Athens, 1946 (?)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 38
THE FEAST OF ASI-GONIA [Sketch]
Chamber Music
Transcription for piano four-hands
1946 (?)
[See AST 35 and AST 48]
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 39
MARGARITA
Piano Solo
Arrangement for piano
1946 (?)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 40
CHILDISH DREAM (PAIDIKO ONIRO)
Piano Solo
For piano
Athens, 1947
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 6
AST 41
TRIO
Chamber Music
For violin, cello and piano
„Dedicated to Tatsis Apostolidis“
4 movements
Athens, 1947
[Transcription for wind orchestra = AST 45 and AST 46]
First performance: Athens, 1952
First recording: MOTIVO, 1986
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 7
AST 42
SEXTET
Chamber Music
For piano, flute and string quartet
[Title in original sketches: „SYMPHONY“]
3 movements
Ikaria and Athens, 1947
First performance: Athens, 1952
As „SYMPHONIETTA“: Melbourne (Australia), 1995
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 43
THEMES AND CYCLES (THEMATA KE KYKLI)
Symphonic
For large orchestra
Athens, Makronissos, Athens Military Hospital, 1947-49
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 8
AST 44
PRELUDES (PRELUDIA)
Piano Solo
For Piano
11 Preludes
Athens, 1947
First performance: Athens, 1952
First recording: PHILIPS 1985
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 45
SUITE FOR WINDS AND PIANO
(Allegro Vivace)
Sketch
Ikaria, Summer 1947
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 9
AST 46
SUITE FOR PIANO, WINDS AND PERCUSSION
Ikaria, 1947
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 10
AST 47
(GREEK) CARNIVAL (ELLINIKI APOKRIA)
Ballet suite for orchestra
August, 1947 – 12.5.1953
First performance: Athens 15.11.53, KOA, Conducted by Andreas Paridis
First Ballet performance: 14.3.54, State Opera Rome, Greek Chorodrama
Choreography: Rallou Manou
[See „Le Feu aux Poudres“ = AST 117]
[See „Zorba il Greco“ = AST 281]
First recording: EDA, 1964
Edinburgh Symphony Orchestra
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 11
AST 48
THE FEAST OF ASI-GONIA
Symphonic
„Scherzo Symphonico“
Arranged for large orchestra
Athens, 1947
[See AST 35 and AST 38]
First performance: Athens, 1950
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 12
AST 49
SYMPHONY IN THREE MOVEMENTS
Symphonic
„For Philoctetes Economides. My revered and beloved teacher“
Athens and Ikaria, 1947-48
First performance: Athens, 1952
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 50
OEDIPUS TYRANNUS
Symphonic
Ode for string orchestra – First version
Athens, 1948
[„Final version“ 1956-58 = AST 103]
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 51
SPRING (ANIXI)
Chamber Music
For string orchestra
Athens, 1948
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 52
„INTRODUCTION“ (ISAGOGI)
Symphonic
For symphony orchestra
Ikaria, 1948
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 13
AST 53
ELEGY AND THRINOS FOR VASSILIS ZANNOS
Symphonic
For large symphony orchestra
Ikaria, Makronissos, Alexandroupolis and Chania, 1948-51
First performance: Makronissos (Adaptation for mandolin and guitars), 1948 (?)
Athens, 1952 (Orchestral version)
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 14
AST 54
FIRST SYMPHONY (PROTI SIMFONIA
Symphonic
For large orchestra
Ikaria, Makronisson, Chania, Athens, 1948-53
3 movements
First performance: Athens, 1955
First recording: DELTA, 1972
Second Recording: INTUITION/WERGO, 1996 (Conducted by Mikis Theodorakis)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 55
STUDY FOR VIOLIN AND CELLO
Chamber Music
Ikaria, 1948
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 56
MAYPOLE (GAÏTANAKI) [sketch]
(poco allegro)
Piano Solo
Small suite for piano
Ikaria, 1948
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 57
PRELUDE – STRUMMING – DANCE (PRELUDIO – PENIA – CHOROS)
Symphonic
For string orchestra, celeste, triangle and two tympanum
Ikaria, 1948-9
[Arrangement for piano four hands (1950) = AST 63]
First performance: 1950 (?), Athens
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 58
STUDY FOR STRINGS
Chamber Music
For two violins and cello
Ikaria, 1949
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 59
TENT E 5 – YARD D (SKINI E 5 – KLOVOS D) [sketch]
(Andante espressivo – in two slow movements)
Symphonic
For symphony orchestra
Makronissos, 1949
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 60
THE CEMETERY [unfinished]
Symphonic
Poem by Dionysios Solomos
Arrangement for small orchestra and chorus
3 movements
Ikaria and Thessaloniki, 1950
[See AST 25 and AST 30]
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 15
AST 61
SUITE No. 1
Symphonic
For piano and orchestra
5 movements
Crete and Paris, 1949-55
First performance: Athens, 1957
First recording: COLUMBIA, 1963
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 62
FIVE SOLDIERS (PENTE STRATIOTES)
Symphonic
„Symphonic Poem“
For voice and orchestra
Poem by Mikis Theodorakis
Athens, 1950
[Arrangement for voice and piano (1957) = AST 106]
[Arrangement for baritone, male choir and orchestra as SUITE No. 4 (1958) = AST 115]
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 63
PRELUDE – STRUMMING – DANCE
Piano Solo
Arrangement for piano four hands
Athens (?), 1950 (?)
[See AST 57]
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 64
THE EAGLE (O AETOS) [unfinished]
Symphonic
Crete, 1951 (?)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 65
FOLK THEMES (DIMOTIKA THEMATA) [sketches]
Songs
4 Folk songs
Athens and Chania (?), 1950 (?)
 
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AST 66
FIVE CRETAN SONGS
Symphonic
Lyrics: Folksongs
For solo violin, choir and string orchestra
Chania, 1951
First performance: Crete, 1951
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 67
SYRTOS DANCE FROM CHANIA (SYRTOS CHANIOTIKOS)
(Allegro Vivace)
Symphonic
For piano and orchestra
[Arrangement for piano and percussion (1952) = AST 70]
Chania, 1951
First performance: Crete, 1951
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 68
LAMBROS [melodic sketches for opera]
Songs
Lyrics by Dionysios Solomos
4 songs
Athens, 1951
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 69
HELICON
[fragment in two movements]
Symphonic
Athens, 1952
[Compiled 2007/08 with the new arranged fourth movement of Suite No. 1 to CONCERTO FOR PIANO AND ORCHESTRA No. 2 = AST 331]
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 16
AST 70
SYRTOS DANCE FROM CHANIA (Allegro Vivace)
Chamber Music
„For Michalis Katsaros“
Athens, 1952
Arrangement for piano and percussion
[Arrangement for piano and orchestra (1952) = AST 67]
First performance: Athens, 1952
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 71
[MANOS KATRAKIS’S POETIC EVENINGS]
Musical Accompaniments
For viola, clarino, santouri and percussion
4 movements
Athens, 1952
First performance: Athens, 1952
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 72
ORPHEUS AND EURYDICE
Ballet Music
Lyrics by Notis Pergyalis
For string orchestra and chorus
9 parts
Athens, Chana, 1952
[Arrangement for piano (sketch, 1952) = AST 73]
[As a variation entitled LOVE AND DEATH (1956) = AST 102]
First performance (music only) : Athens, 1952
As a ballet: Mycene, 1952 (Choreography: Rallou Manou)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 73
ORPHEUS AND EURYDICE [sketch]
Piano Solo
Arrangement for piano
Athens, 1952
[See AST 72 and AST 102]
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 17
AST 74
DESERTERS (LIPOTAKTES)
Songs
4 Poems by Yannis Theodorakis
Chania, 1952 (?) / Paris, 1957 (?)
[Reworked as a song cycle (1960-61) = AST 138]
[Orchestral arrangement for popular and symphonic instruments (1979) = AST 242]
[Arrangement for choir (1983) = AST 259]
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 18
AST 75
SONATINA No. 1
Chamber Music
For violin and piano
3 movements
Athens, 1952
[Arrangment for piano (unfinished, 1952-53) = AST 77]
[New arrangement as SONATINA FOR PIANO (1955) = AST 99]
First performance: Athens, 1953
First recording: FIDELITY, 1960
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 76
THE MAGIC FLUTE (I MAGIKI FLOGERA)
Musical Accompaniment
Sketch for radio broadcast, Athens, 1952
Sketch by Rita Boumi-Papa
First performance: Athens, 1952
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 77
SONATINA No. 1
Piano Solo
Arrangement for piano, Athens, 1952-3 (?)
[See AST 75 and AST 99]
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 78
THEME AND VARIATIONS ON POEMS BY CAVAFY [sketch]
Chamber Music
Recitation accompanied by orchestra (viola, oboe, clarinet in C, bassoon)
4 parts
Athens, 1952-53 (?)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 79
INCANTATION [sketch]
Piano Solo
For piano
Athens, 1952-53 (?)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 80
EVA
Film Score
Film Music for Small Symphonic Ensemble
Athens, 1952-53
First performance: Athens, 1953
Directed by Maria Plyta-Hatzinakou
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 81
THE BAREFOOT BATTALION (TO XYPOLITO TAGMA)
Film Score
Film music for symphony orchestra
Athens, 1953
First performance: USA, 1953
Directed by Gregg C. Tallas
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 82
CARMEN
Background Music
Music for radio sketch
Sketch by Iakovos Kambanellis after the novel by Prosper Mérimée
Athens, 1953
First performance: Athens, 1953
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 83
THE CALVARY OF AN ORPHAN GIRL (O GOLGOTHAS MIA ORPHANIS)
Film Score
Film music for symphony orchestra
5 movements
Athens, 1953
First performance: Athens, 1953
Directed by Spiros Nikolaïdis
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 84
THE CARNIVAL DANCERS OF THRACE (I KOUKOUGERI TIS THRAKIS)
Background Music
Radio sketch
Sketch by Iakovos Kambanellis
Athens, 1953
First performance: Athens, 1953
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 85
THE BELL AND THE SWALLOW (I KAMBANA KE TO CHELIDONI)
Background Music
Radio sketch
Sketch by Iakovos Kambanellis
Athens, 1953
First performance: Athens, 1953
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 86
SIX RHYTHMS (EKSI RYTHMI)
Ballet Music
For piano
Athens (?), ca. 1953
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 87
EAST SUNDAY (I IMERA TIS LABRIS)
Symphonic
Cantata for choir and orchestra
Based on poem by Dionysos Solomos
Athens, 1954
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 88
AGIOUPA (BED OF GRASS) [sketches]
Film score
Film music [sketches]
Athens, 1954
Directed by Gregg C. Tallas
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 89
ASTROPOYIANNOS
Background Music
Radio sketch
Sketch by Notis Pergialis
For two violins, viola, cello and oboe
3 movements
Athens, 1954
First performance: Athens, 1954
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 19
AST 90
SMALL SUITE FOR PIANO (MIKRI SOUITA GIA PIANO)
Piano Solo
4 movements
Paris, 1954
First performance: London, 1958
First recording: PHILIPS, 1982
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 91
THE BRIDGE OF ARTA
Background Music
Radio sketch
Sketch by Giorgos Theotokas & Nikos Gatsos
For viola, flute, oboe, clarinet, two horn, tympanum and percussion
Athens, 1954
First performance: Athens, 1954
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 92
LAMBROS AND MARIA
Background Music
Radio sketch
Sketch by Manolis Skouloudis & Notis Pergialis
For violin, cello, clarinet, cor anglais, horn and tympanum
Athens, 1954
First performance: Athens, 1954
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 93
I GENIA TOU KREMASMENOU (THE GENERATION OF THE HANGED MEN) 
Background Music
Radio sketch
Sketch by Vassilis Andreopoulos
Athens, 1954
First performance: Athens, 1954
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 20
AST 94
LOVE AND DEATH (EROS KE THANATOS)
Symphonic
„Four Songs for Myrto“
Poems by Mikis Theodorakis (2) & Lorentzos Mavilis (2)
Arranged for voice and string orchestra
Paris, 1955
[See AST 31, AST 261 and AST 262]
First performance: Athens, 1958
First recording: HMV, 1957
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 95
THEOFANO
Background Music
Radio sketch
Sketch by Angelos Terzakis
For strings, two trumpets, horn, drums and tympanum
Athens, 1955
First performance: Athens, 1955
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 21
AST 96
PASSACAGLIAS
Chamber Music
For two pianos
Paris, 1955
[Arrangement for orchestra as ballet suite EROFILI (1956) = AST 113]
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 97
A TEAR IN THE SEA (ENA DAKRI STI THALASSA)
Background Music
Radio sketch
Sketch by K. Myrat after H.C. Andersen
For voice, cor anglais and guitar
Athens, 1955
First performance: Athens, 1955
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 98
THE SONG OF NALA
Background Music
Radio sketch
Sketch by Michalis Katsaros (after Mahabarata)
For oboe, bass flute, trumpet, clarinet and two horns
Athens, 1955
First performance: Athens, 1955
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 22
AST 99
SONATINA FOR PIANO
Piano Solo
„For my dear friend Manos Hatzidakis“
Paris, 1955
[See AST 75 and AST 77]
First performance: Paris, 1956
First recording: PHILIPS, 1985
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 23
AST 100
SUITE NO. 2
Symphonic
First arangement: For orchestra
Paris, 1955-56
Second arrangement: For orchestra and three-part women’s choir
Poem by Kostas Varnalis
First performance: Athens, 1958
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 24
AST 101
SUITE NO 3 „THE MOTHER“ (I MANA)
Symphonic
„To my mother…“
Poem by Dionysos Solomos
For orchestra, mixed choir and mezzo-soprano
Paris, 1956
First recording: Greek Radio and Television (not released), 1980
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 102
LOVE AND DEATH (AGAPI KE THANATOS)
Ballet Music
Version of the Ballet „ORPHEUS AND EURYDICE“
Paris, 1956-58
[See AST 72 and AST 73]
First performance: Athens, 1956
Choreography: Rallou Manou
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 25
AST 103
OEDIPUS TYRANNUS
Symphonic
Ode for string orchestra – Final form
Paris, 1956
First performance: Athens, 1958
First recording: Columbia, 1960
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 104
ILL MET BY MOONLIGHT
Film Score
Film music for symphony orchestra
London, 1956-57
First performance: Rome, 1958
Directed by Michael Powell and Emeric Pressburger
First recording: DECCA, 1957
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 26
AST 105
THE CIRCLE (O KYKLOS)
Song Cycle
„Pour Arda Madikian“
7 folk songs for mezzo-soprano and piano
Paris, 1957
First performance: Rome, 1958
First recording: HMV, 1957
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 106
FIVE SOLDIERS (PENTE STRATIOTES)
Song
Poem by Mikis Theodorakis
Arrangement for voice and piano
Paris, 1957
[See AST 62 and AST 115]
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 107
FIVE SAILORS (PENTE NAFTES)
Song Cycle
„Pour Louis-Jacques Rondeleux“
Poems by Fotis Angoules & Mikis Theodorakis
3 Songs
Paris, 1957
For voice and piano
[See AST 19]
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 27
AST 108
PIANO CONCERTO
Symphonic
For piano and orchestra
Paris, 1957-58
(final coda, 1996)
First performance: Piraeus, 1966
In final form, London, 1998.
First recording: BALKANTON, 1988
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 109
QUARTET FOR STRINGS [incomplete ?]
Chamber Music
Paris, 1958
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 28
AST 110
LES QUATRE ELUARD
Song Cycle
„pour Jeanne Bathori“
Poems by Paul Eluard
4 Songs
Paris, 1958
For voice and piano
First performance: Paris, 1958
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 29
AST 111
LES SIX ELUARD
Song Cycle
„pour Jeanne Bathori“
Poems by Paul Eluard
6 Songs
Paris, 1958
For voice and piano
[Arrangement for choir (1983) = AST 263]
First performance: Paris, 1958
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 30
AST 112
EPITAPHIOS (EPITAPH)
Song Cycle
„To my friendship with Vyronas Samios“
Poetry of Yannis Ritsos
8 Songs
Paris, 1958
First performance: Eleusis, 1960
First recording: COLUMBIA, 1960 (arranged by Mikis Theodorakis, sung by Grigoris Bithikotsis) & FIDELITY, 1960 (arranged by Manos Hatzidakis, sung by Nana Mouskouri)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 113
EROFILI
Ballet Music
For orchestra
Paris, 1958
[Based on Pasacaglias for Piano = See AST 96]
First performance: Athens, 1958
Choreography: Rallou Manou & Dora Tsatsou
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 31
AST 114
SONATINA No. 2
Chamber Music
For violin and piano
Paris, 1958
First performance: Volos, 1959
First recording: COLUMBIA, 1960 & FIDELITY, 1960
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 115
SUITE No. 4: „FIVE SOLDIERS“ [Unfinished]
Symphonic
Poem by Mikis Theodorakis
Arrangement for baritone, male chorus and orchestra
[See AST 62 and AST 106]
Paris, 1958
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 116
HONEYMOON
Film Score
„Verson B [Powell] d’après le film HONEYMOON „
Film music for symphony orchestra
[includes the music from the ballet „LES AMANTS DE TERUEL“ and the song „If You Remember My Dream“]
Lyrics: Nikos Gatsos
Paris, 1958
First performance: London, 1958
Choreography: Leonide Massine
Directed by Michael Powell
First recording: DURIUM, 1958
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 117
LE FEU AUX POUDRES
Ballet Music
For orchestra
[New arrangement of GREEK CARNIVAL]
Athens, 1958
First performance: Paris, 1959
Choreography: Paul Goubé
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 32
AST 118
LES AMANTS DE TERUEL
Ballet Music
[On the score also: „Titre à l’origine: Isa / Suite Nr. 4“]
For symphony orchestra
20 parts
Paris, 1958
[Arranged for the film LES AMANTS DE TERUEL (1961-62) = AST 146]
First performance: Paris, 1959
Choreography: Milko Sparembleck
Directed by Raymond Rouleau
First recording: PHILIPS, 1959
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 33
AST 119
ANTIGONE
Ballet Music
Based on the tragedy by Sophocles
For symphony orchestra
10 parts
Paris, 1958-59
[Arrangement for two pianos (1959) = AST 61]
[Some themes taken from Suite No. 1 = AST 61]
First performance: Royal Opera House London, 1959
Choreography: John Cranko
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 120
THE SUFFERING OF THE VIRGIN MARY [sketch]
Choral
Based on a poem by Kostas Varnalis
For mixed choir
Paris, 1958 (?)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 121
ANTIGONE – BALLET
Chamber Music
Arrangement for two pianos
Paris, 1959
[See AST 119]
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 34
AST 122
THE PHOENICIAN WOMEN (PHINISSES)
Music for Theatre
Tragedy by Euripides
For mezzo-soprano, choir, 2 cellos, double bass, 2 flutes, 2 horns, 2 trombones, 2 trumpets, Bb clarinet, piano and percussion.
Paris,1959-60
[Arranged for symphony orchestra as the second movement of the Symphony No. 4(1986-87) = AST 275]
First performance: Epidaurus Theatre, 1960
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 35
AST 123
ARCHIPELAGOS
Song Cycle
Poems by Nikos Gatsos (4), Odysseas Elytis, Panos Kokkinopoulos, Dimitris Christodoulou (2), Yannis Theodorakis & Mikis Theodorakis (4)
13 Songs
Paris, Athens, London, 1959-61 (No. 13, 1957)
First performances: Athens, 1960-61
First recording: COLUMBIA, 1960-61 (minus No. 13) FIDELITY, 1960 (complete)
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 36
AST 124
DISPERSED SONGS, 1959-69 (SKORPIA TRAGOUDIA)
[Anthology no. 2]
Songs
Poems by J. Plante, Kostas Virvos, Nikos Gatsos, G. Papakyriakis, Enricos Thalassinos (3), Michalis Katsaros (3), Christos Kolokotronis (3), Dimitris Christodoulou (2), Klitos Kyrou & Mikis Theodorakis (4)
15 + 6 Songs
Athens, Paris, 1959-65
First performances:1961-3
First recording: No. 21: MINOS, 1975 (on record ENEMY OF THE PEOPLE ) and MINOS, 1976 (on record OF EXILE )
Complete collection of songs: EMI, 1988
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 125
ANTIGONE
Piano Solo
For piano
Paris, ca. 1959
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 126
SUITE No. 5 [sketch]
Symphonic
For orchestra
Paris, 1959-60
 
 
Mikis Theodorakis, Asteris Kutulas, Werkverzeichnis, Μίκης Θεοδωράκης, Εργογραφία
Mikis Theodorakis Catalogue of Works by Asteris Kutulas
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Opus 37
AST 127
AXION ESTI (IT IS WORTHY)
Meta-symphonic
Poetry of O. Elytis
For baritone, popular singer, small choir, santouri, popular and classical orchestra
Paris & Athens, 1960-63
[Second arrangement: Elaboration of choral part and additional instruments added 1993 = AST 292]
First performance: Cyprus, 1964
As ballet: Perth. Australia, 1991
First recording: COLUMBIA,1964; Swedish version: FOLKSANG, 1980; German version: ETERNA, 1983
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 38
AST 128
THE SONG OF THE DEAD BROTHER
Song Cycle
Lyrics by Mikis Theodorakis and Kostas Virvos
Song cycle from the musical tragedy of the same name.
Paris and Athens, 1960-63
[New musical arrangment and addition of songs nos. 10 -12 (1979-80) = AST 244]
First performance: Athens, 1962
First recording: HMV, 1962
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 39
AST 129
ISLAND OF THE AZORES AND BARREL-ORGAN (NISOS TON AZOROS & ROMVIA)
Songs
Texts by Bost
Athens, 1960
First recording: COLUMBIA, 1960
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 130
MICHALIS OF SKIATHOS
Film Score
Film music for flute, clarinet, bassoon, horn, guitar, mandolin, bouble bass, 6 violins and 4 cellos
Athens, 1960
First performance: 1961
Directed by John Ingram
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 40
AST 131
CITY (POLITIA)
Song Cycle
Poems by Dimitris Christodoulou (4), Tassos Livaditis (5), Kostas Virvos
10 songs
Paris & Athens, 1960-61
(songs no. 9 & 10 from the film DREAM DISTRICT )
First performance: Athens, 1960-61
First recording: COLUMBIA, 1960-61
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 132
THE BACCHAE [sketch]
Music for Theatre
Tragedy by Euripides
For choir, winds and percussion
Paris, 1960
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 133
FACES IN THE DARK
Film Score
Film music for ondes Martenot and percussion
London, 1960
First performance: U.K. 1961
Directed by David Eady
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 41
AST 134
AJAX
Music for Theatre
Tragedy by Sophocles
For choir, flute, Bb clarinet, bassoon, trumpet, horn, piano, guitar and percussion
Paris, 1960-61
First performance: Epidaurus, 1961
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 135
MYRTLE (MYRTIA)
Film Score
Film music for voice and popular orchestra
Athens, 1960-61
First performance: Greece, 1961
Directed by Kostas Karagiannis
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 136
DREAM DISTRICT (SYNIKIA TO ONEIRO)
Film Score
Film music for voice and popular orchestra
Lyrics: Tassos Livaditis & Kostas Virvos
Athens 1960-61
First performance: Athens, 1961
First recording (songs): COLUMBIA, 1960
Directed by Alekos Alexandrakis
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 42
AST 137
EPIPHANY (EPIPHANIA)
Song Cycle
Poetry of George Seferis
4 Songs
Paris, 1960-61
[Arrangement for small instrumental ensemble with popular and classical instruments (1979)]
[Arrangement for mixed choir (1983) =AST 260]
[New and extended version of 3 (Epiphany 1937) as EPIPHANIA AVEROF (1968-69) = AST 181]
First performance: Athens, 1961
First recording: COLUMBIA, 1961 & LYRA, 1979
 
*** *** *** *** *** ***
 
(Opus 17)
AST 138
THE DESERTERS (LIPOTAKTES)
Song Cycle
Poems by Yannis Theodorakis
Arrangement for harpsichord, classical guitar, 12-string guitar, flute, piano, violin and percussion
Athens, 1960-61
[See AST 74, AST 242 and AST 259]
First recording: COLUMBIA, 1961
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 139
THE SHADOW OF THE CAT
Film Score
Film music for symphony orchestra
London & Paris, 1961
First performance, London, 1961
Directed by John Gilling
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 140
A MEETING ONE NIGHT (SYNANTISI MIAS NICHTAS)
Film Score
Film music for voice and popular orchestra
Athens, 1961
First performance: Athens, 1961
Directed by Enrikos Thalassinos
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 141`
BEAUTIFUL CITY
Music for Theatre – Song Cycle
Musical review
Lyrics by Bost (2), Dimitris Christodoulou (3), Enrikos Thalassinos (6), Akos Daskalopoulos
13 parts
Athens & Paris, 1961-62
First performance: Athens, 1962
First recording: Columbia, 1962
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 142
PHAEDRA
Film Score
Film music for voice, clarinet, 2 guitars, 2 violins, viola, cello and double bass
13 parts
Paris, 1961
First performance: Paris, 1962
Directed by Jules Dassin
First recording: UAS, 1962
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 143
BETRAYED LOVE (PRODOMENI AGAPI)
Film Score
Film music for two voices and popular orchestra
Lyrics: Enrikos Thalassinos
Athens, 1961-2
First performance: Athens, 1962
Directed by Enrikos Thalassinos
First recording: COLUMBIA, 1962
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 144
ELECTRA
Film Score
Film music for voice, piccolo, clarinet, santouri, double bass and percussion
Suites I-XIV
Paris, 1961-2
First performance: Greece, 1962
Directed by Michalis Cacoyannis
First recording: PHILIPS, 1962
(re-recorded without songs: BMG, 1988)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 145
MANOLIS
Film Score
Film music for two bouzoukis and symphony orchestra
London, 1961-2
First performace: London, 1962
Directed by Paul Crosfield
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 146
LES AMANTS DE TERUEL
Film Score
Film music for symphony orchestra
Paris, 1961-2
[See AST 118]
First performance: Paris, 1962
Directed by Raymond Rouleau
First recording: COLUMBIA, 1962 (Edith Piaf)
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 43
AST 147 & AST 148
THE HOSTAGE (ENAS OMIROS)
Song Cycle
Play by Brendan Behan
Suite for voice, 2 bouzoukis, guitar, cello, bass, flute, oboe, piano, harpsichord and percussion
16 parts
Paris, 1962
[See AST 147]
First recording: LYRA, 1962
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 149
LINNEAR MUSIC (GRAMMIKI MOUSIKI)
Symphonic
For orchestra
5 movements
Paris & London, 1962
[Incorporated in the film score for FIVE MILES TO MIDNIGHT – See AST 150]
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 150
LA TROISIEME DIMENSION (FIVE MILES TO MIDNIGHT)
Film Score
Film music for solo violin, ondes Martenott, 6 first violins, 6 second violins, cellos, bass, trombone, bass trombone, piano and percussion
Paris, 1962
[See AST 149]
First performance: Paris, 1962
Directed by Anatole Litvak
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 151
LONGHEADS AND ROUNDHEADS [sketches]
Music for Theatre
Play by Bertolt Brecht
2 Songs
Athens, 1962-3
First recording: COLUMBIA, 1963
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 44
AST 152
PROPHETIC (PROPHITIKA)
Songs
„On the murder of Grigoris Lambrakis“
Lyrics by Mikis Theodorakis
2 Songs
Athens, 1963
First recording: COLUMBIA, 1963
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 153
MAGICAL CITY (MAGIKI POLI)
Music for Theatre
Musical review by Theodorakis-Hadjidakis
With music of Manos Loïzos & Christos Leontis
Lyrics by Mikis Theodorakis (2), Notis Pergyalis & Iakovos Kambanellis
4 Songs
Athens, 1963
First performance: Athens, 1963
First recording, COLUMBIA, 1963
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 45
AST 154
THE ANGELS’ QUARTER (I GITONIA TON ANGELON)
Music for Theatre
Musical Drama
Lyrics by Iakovos Kambanellis
10 parts
Athens, 1963
First performance: Athens, 1963
First recording: COLUMBIA, 1963
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 155
GREAT WALL OF CHINA [sketches]
Music for Theatre
Play by Max Frisch
Athens, 1963
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 156
LIOUTSA [melodies]
Music for Theatre
Play by Dimitris Liberopoulos
Athens, 1963
First performance: Athens, 1963
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 46
AST 157
LITTLE CYCLADES (MIKRES KYKLADES)
Song Cycle
Poems by Odysseus Elytis
7 songs
[See AST 311]
Athens, 1963
First performance: Athens, 1963
First recordings: EMIAL, 1964 & LYRA, 1964
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 47
AST 158
CITY 2 (POLITIA B‘)
Song Cycle
Poems by Kostas Varnalis (2), Dimitris Christodoulou (2), Nikos Gatsos, Panos Kokkinopoulos
6 songs
Paris, Athens, 1964
First recording: COLUMBIA, 1964
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 159
ZORBA THE GREEK
Film Score
Film music for two bouzoukis, flute, oboe, cello, percussion, bass, piano, strings and popular orchestra
Based on the novel ALEXIS ZORBAS by Nikos Kazantzakis
Athens, 1964
[some themes reappear in the ballet of the same name of 1987-88. See AST 281]
First performance: New York, 1964
Directed by Michalis Cacoyannis
First recording: 20th CENTURY FOX, 1964
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 48
AST 160
GOLDEN-GREEN LEAF (CHRYSSOPRASSINO PHYLLO)
Film Score
Songs for the film THE ISLAND OF APHRODITE
Lyrics by Leonidas Malenis, Nikos Gatsos, Antis Pernaris & Mikis Theodorakis
Athens, 1964
First performance: Athens, 1965
Directed by Charilaos Papadopoulos
First recording: COLUMBIA, 1965
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 161
A MONTH IN THE COUNTRY (ENAS MINAS STIN EXOCHI)
Music for Theatre
Play by Ivan Turgenev
For cello and other classical instruments
Athens, 1964
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 162
UNE BALLE AU COEUR
Film Score
Film music for voice and popular orchestra
Athens, 1964-5
First performance: France, 1965
Directed by Jean Daniel Pollet
First recording: BARCLAY, 1966
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 163
THE TROJAN WOMEN (TROADES)
Music for Theatre
Tragedy by Euripides
For alto, choir, santouri, 2 flutes, Bb clarinet and percussion
Athens, 1965
First performance: Epidaurus, 1965
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 164
SOTIRIS PETROULAS
Choral
Poem by Mikis Theodorakis
For mixed choir and baritone solo
Athens, 1965
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 49
AST 165
FARANTOURI CYCLE (SIX SONGS)
Song Cycle
Lyrics by Nikos Gatsos, Dimitris Christodoulou, Tassos Livaditis, Gerasimos Stavrou
6 songs
[See AST 313]
Athens, 1965
First recording: COLUMBIA, 1965
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 166
THE ROADBLOCK (TO BLOKO)
Film Score
Film music for voice and popular orchestra
Athens, 1965
First performance: Athens, 1965
Directed by Adonis Kourou
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 167
THE PENDULUM (TO EKREMES)
Music for Theatre
Play by Aldo Nicolai (Dimitris Myrat) & Nikos Gatsos
Athens, 1965
For voice and popular orchestra. (includes some of the FARANTOURI CYCLE)
First performance: Athens, 1965
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 50
AST 168
MAUTHAUSEN
Song Cycle
Poems by Iakovos Kambanellis
4 songs
[Arrangement for choir (1983 ) = AST 258]
Athens, 1965
First performance: Athens, 1966
First recording: COLUMBIA, 1966
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 51
AST 169
GREEKNESS (ROMIOSSINI)
Song Cycle
Poems by Yannis Ritsos
9 songs
Athens, 1966
First performance: Athens, 1966
First recording: COLUMBIA, 1966
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 52
AST 170
LETTERS FROM GERMANY (GRAMMATA AP‘ TI GERMANIA)
Song Cycle
„The Minor Odyssey“
Poems by Fontas Ladis
13 Songs
Athens, 1966
First performance: Athens, 1966
First recording: LYRA, 1975
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 171
LYSISTRATA
Music for Theatre
Comedy by Aristophanes
For choir, flute, trombone, mandoline, guitar, cello, santouri, double bass and percussion
Athens, 1967
First performance: Athens, 1967
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 172
THE DAY THE FISH CAME OUT
Film Score
Film music for voices, synthesizer, santouri, bouzoukis, clarinet, flute, electric guitar, electric bass, drums and percussion
16 parts
Athens, 1966
First performance: U.S., 1967
Directed by Michalis Cacoyannis
First recording: 20th CENTURY FOX, 1967
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 173
THE AGE OF MY NEIGHBORHOOD (I ILIKIA TIS GITONIA MOU)
Song Cycle
Poems of Michalis Papanikolaou
6 songs
Athens, 1966
First performance: Athens, 1966
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 53
AST 174
SEA MOONS (THALASSINA FENGARIA)
Song Cycle
Poems of Nikos Gatsos
6 songs
Athens, 1966
First performance: Athens, 1966
First recording: COLUMBIA, 1967
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 175
THE GOOD SOLDIER SVEJK [sketches]
Music for Theatre
Story by Jaroslaw Hasek
Athens, 1967
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 54
AST 176
ROMANCERO GITAN
Song Cycle
Poems of Federico Garcia Lorca (Odysseas Elytis)
7 songs
Athens, 1967
[Arranged for mezzo, guitar, choir and orchestra as Guitar Concerto (1982) = AST 256]
[Arrangement for voice and piano = AST 307]
First performance: Rome, 1970
First recording: POLYDOR, 1970
With guitarist John Williams & Maria Farantouri: CBS, 1971
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 55
AST 177
POPULAR SONGS (TA LAÏKA)
Song Cycle
Poems by Manos Eleftheriou
Athens, Vrachati, 1967-8
First performance: Rome, 1970
First recording: POLYDOR, 1971
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 178
PATRIOTIC FRONT (PATRIOTIKO METOPO)
Songs
Poems by Mikis Theodorakis
4 Songs
Athens, 1967
First recording: MGM, 1970 (song no. 2)
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 56
AST 179
SONGS OF STRUGGLE (TRAGOUDIA TOU AGONA)
Song Cycle
Poems by G. Deliyannsi-Anastassiadis (2), Notis Pergialis, Ch. Spyros (2), N. Botsaris, Alekos Panagoulis (3), Manos Elefteriou (4) and Mikis Theodorakis (6)
20 songs
Athens, Vrachati, Zatouna, Oropos Prison, London, 1967-71
First performance: London, 1971
First recording: POLYDOR, 1971 (incomplete)
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 57
AST 180
SUN AND TIME (I ILIOS KE O CHRONOS)
Song Cycle
Poems by Mikis Theodorakis
Score marked „Melody & chords & bass & rhythm“
Athens, Security H. Q. Bouboulinas Prison, solitary confinement & cell no. 1
32 poems, 15 songs
First performance: Athens, 1967 (Security Prison)
First recordings: POLYDOR, 1971 & CNR, 1971
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 58
AST 181
EPIPHANY AVEROF
Meta-symphonic – Flow-Song
„Dedicated to Yiannis Ritsos, Vaso Katraki and all those in prison and exile“
Poetry by George Seferis
Cantata for voice (alto or baritone), six-voiced mixed choir and piano (= popular orchestra)
Athens, Averof Prison, Zatouna, 1968-9
First performance: Averof Prison, Athens, 1968
First public performance: Paris, 1970
First recording: POLYDOR, 1971
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 59
AST 182
MYTHICAL STORY (MITHISTORIMA)
Song Cycle
Poems by George Seferis
4 songs
Athens, Averof Prison, 1968
[Arrangement for small instrumental ensemble with popular and classical instruments (1979)]
[Arrangement for mezzo, choir and orchestra (1993) = AST 295]
First performance: Averof Prison, 1968
First public performance: Italian tour, 1971
First recording: LYRA, 1979
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 60
AST 183
STATE OF SIEGE (KATASTASI POLIORKIAS)
Meta-symphonic
Poem by „Marina“ (Rena Hatzidaki)
Athens, Vrahati, 1968
[Arrangement of the Finale for symphony orchestra (1995) = AST 303]
First performance: London, 1968
First recording: POLYGRAM/POLYDOR, 1968
Re-recorded: INTUITION/WERGO, Conducted by Mikis Theodorakis1998
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 61
AST 184
SONGS FOR ANDREAS
Song Cycle
Poems by Mikis Theodorakis
Vrahati, 1968
First performance: Athens, 1976
First recording: PAREDON, 1974
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 62
AST 185
OUR SISTER ATHENA (I ADELFI MAS ATHINA)
Flow-Song
Poem by Yorgos Kouloukis (Pseudonym: Yorgos Fotinos)
Vrahati, 1968
First performance: Athens, 1976
First recording: PAREDON, 1974
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 63
AST 186
NIGHT OF DEATH (NICHTA THANATOU)
Song Cycle
Poems by Manos Eleftheriou
Vrahati, 1968
First recording: POLYDOR, 1974
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 64
AST 187
ARCADIA I
Song Cycle
Poems by Mikis Theodorakis
Zatouna, 1968
First recording: EMI, 1972
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 65
AST 188
ARCADIA II
Song Cycle
Poems by Manos Eleftheriou
Zatouna, 1969
First performance: U.K. (BBC). 1969
First recording: PAREDON, 1974
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 66
AST 189
ARCADIA III
Song Cycle
Poems by Manos Eleftheriou
Zatouna, 1969
First recording: PAREDON, 1974
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 67
AST 190
ARCADIA V
MARCH OF THE SPIRIT (PNEVMATIKO EMVATIRIO)
Meta-symphonic – Song Cycle
Poem by Angelos Sikelianos
For voice and piano
8 songs
Zatouna, 1969
First performance: London (Albert Hall), 1970
First recording: POLYDOR, 1970
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 68
AST 191
ARCADIA IV
ODES
Song Cycle
Poems of Andreas Kalvos
3 songs
Zatouna, 1969
First performance: London, BBC, 1970
First recording: POLYDOR, 1971
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 69
AST 192
ARCADIA VI
WAR SONG – TO THE UNKNOWN POET (THOURION – STON AGNOSTO PIITI)
Flow-Song
Poems by Mikis Theodorakis
2 songs
Zatouna, 1969
First performance: U.K. (BBC), 1971
First recording: EMI, 1972
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 70
AST 193
ARCADIA VII
THE SURVIVOR (O EPIZON)
Flow Song
Poem by Takis Sinopoulos
Zatouna, 1969
First performance: London, 1971
First recoding: EMI, 1972
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 71
AST 194
ARCADIA VIII
I SPEAK (MILO) – CHARIS 1944
Song Cycle
Poems by Manolis Anagnostakis
2 songs
Zatouna, 1969
First performance: Paris, 1973
First recording: EMI, 1972
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 72
AST 195
ARCADIA IX
THE MOTHER OF THE EXILED MAN (I MITERA TOU EXORISTOU)
(Andante)
Flow-Song
Poem by Kostas Kalandzis
Zatouna, 1969
First performance: Moscow (State Radio), 1970
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 196
ARCADIA X
Song Cycle
MY NAME IS KOSTAS STERGIOU (OOMAZOMI KOSTAS STERGIOU) –
I HAD THREE LIVES (ICHA TRIS ZOES)
Texts by Mikis Theodorakis
„While the search of Myrto and the children continues…“
Zatouna, 1969
First performance: Menidi, Greece, 1975
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 197
ARCADIA XI
Song Cycle
COME OUT, MY SUN (ILIE MOU, VGES)
Poems by Notis Perialis
Zatouna, 1969
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 198
RAVEN
Flow-Song
Poem by George Seferis, based on E.A.Poe
„Dedicated to Yiannis Christou“
Oropos prison, 1970
[Arrangment for mezzo-soprano, flute, harp and string orchestra (1993-94) = AST 296]
First performance: Dresden, 1990
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 73
AST 199
THREE NEGRO SONGS (TRIA NEGRIKA TRAGOUDIA)
Song Cycle
Poems by Léopold S. Senghor
„To Myrto“
3 songs
Oropos Prison, 1970
First recording: PEREGRINA, 1998 (CD Title: ASMATA / SONGS)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 200
PARTISAN
ANA: L’ANNÉE QUARANTE-ET-UN
Film Score
Paris, 1970
First performance: 1974
Directed by Stole Jancovic
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 201
UNCLASSIFIED SONGS, 1970-1979 (SKORPIA TRAGOUDIA)
[Anthology no. 3]
Songs
Poems by Marie-Boëlle Verbeque, Georges Giannaris, Notis Pergialis, Karn Vassalo, Manos Elefteriou, Manolis Anagnostakis, Dimitis Christodoulou
18 songs
Cairo, Paris, Dubrovnik, Athens, Vrachati, 1970-79
First performances: Athens, Paris, Malta, 1974-1979
First recordings: 1964, MINOS, 1975, UNITELDIS, 1977
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 202
THE TROJAN WOMEN (TROADES)
Film Score
Film music for santouri, sitar, electric guitar and bass violin
London, 1970-71
First performance: 1971
Directed by Michalis Cacoyannis
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 203
BIRIBI
Film Score
Film music for voice, guitar and small orchestra Paris, 1971
First performance: Paris, 1971
Directed by Daniel Moosman
First recording: TUBA, 1971
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 204
ANTIGONE 2 (ANTIGONE IN PRISON / ANTIGONE STI PHILAKI)
Ballet Music
Ballet based on new arrangements of existing songs and other musical motifs.
For popular orchestra
Paris, 1971
First performance: Paris, 1973
Choreography: Micha van Hoecke
First recording; EMI, 1973
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 205
STATE OF SIEGE
Film Score
Film music
9 parts
Paris, 1972
First performance: Paris, 1972
Directed by Costa-Gavras
First recording: CBS, 1973
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 74
AST 206
18 LITTLE SONGS FOR THE BITTER HOMELAND (TA 18 LIANOTRAGOUDA TIS PIKRES PATRIDAS)
Song Cycle
„Dedicated to the first demonstration of Greek youth in the streets of Athens“
Poems by Yannis Ritsos
Paris, 1972
First performance: London, 1973
First recording: EMI, 1973
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 207
CANTO GENERAL
Meta-Symphonic
For voice and popular orchestra
4 sections
Northern France, Paris, 1972
[Arrangement for soloist, choir and orchestra (1973-80) = AST 217]
6 sections – 7 sections  – 13 sections
First performance: Buenos Aires, 1972
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 208
THE STORY OF JACOB AND JOSEPH
Film Score
(television film)
2 parts: JACOB AND ESAU – JOSEPH AND HIS BROTHERS
Paris, London, 1972-73
First performance: London, 1974
Directed by Michalis Cacoyannis
First recording: SAKKARIS, 1996
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 209
SUTJESKA – THE FIFTH OFFENSIVE (TITO)
Film Score
Film music for symphony orchestra
Suites I-XI
London, 1973
First performance: London, 1973
Directed by Stipe Delic
First recording: DELTA, 1976
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 210
LERNAIAN HYDRA
Song Cycle
Poems by Manolis Anagnostakis
6 songs
Dubrovnik, 1973
[All songs except „Dumb Shades“ are included in the work BALLADS]
First recording: MINOS, 1975 (Title: BALLADS)
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 75
AST 211
BALLADS
Song Cycle
Poems by Manolis Anagnostakis
For two voices, bouzouki, flute, oboe, double bass and trumpet
9 songs
Dubrovnik, Paris, 1973-4
[Songs 1-5 from the cycle LERNAIAN HYDRA = see AST 210]
First performance: Menidi, Greece, 1976
First recording: MINOS, 1975
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 212
OPERA POUR LES FUTURS DICTATEURS [sketches]
Opera (Song)
„Didactic opera for small children and prospective dictators“
Poems from the French by Antonis Doriadis
17 parts
Paris, Buenos Aires, 1973
Later renamed: PORNOGRAPHIE [sketches]
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 213
SERPICO
Film Score
Film music [melodies]
10 parts
Paris, 1973
First performance: U.S., 1973
Directed by Sidney Lumet
First recording: PARAMOUNT: 1973
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 214
TRADITIONS (TA PATROPARADOTA)
Song Cycle
Poems by Michalis Cacoyannis
9 songs
Paris, 1973
[The songs „The Wide-Open Windows“ and „Traditions“, are included in IN THE EAST = see AST 215]
First recording: MINOS, 1974 (on CD: IN THE EAST)
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 76
AST 215
IN THE EAST (STIN ANATOLI)
Song Cycle
Poems by Michalis Cacoyannis (4), Kostas Styliatis & Mikis Theodorakis (6)
11 songs
Canada, Mexico City, US. tour, 1973
[See AST 214]
First recording: MINOS, 1974
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 77
AST 216
OF EXILE 2 (TIS EXORIAS B‘)
Song Cycle
Poems by Manolis Anagnostakis  (4), Giannis Negrepontis (2), Tassos Livaditis (2)
8 songs
Paris, Athens, 1973-5
First recording: MINOS, 1976
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 78
AST 217
CANTO GENERAL
Meta-Symphonic
Poetry of Pablo Neruda & Mikis Theodorakis („NERUDA REQUIEM AETERNAM“)
For mezzo soprano, baritone, choir and orchestra (3 bouzoukis and/or 3 flutes, electric guitar, acoustic guitar, 12- string guitar, electric bass, duo pianos and percussion (6 players)
Paris, Athens, 1973-5
[See AST 207]
4 sections
First performance: Paris, 1974 (In Chile, 1993)
6 sections – 7 sections – 13 sections
As ballet: Berlin, 1989
Choreography: Harald Wandtke
First recording: MUTUALITÉ, 1975 (sections 3-6); MINOS, 1975 (sections 1-7); MINOS, 1981 (sections 1-13, live recording, Munich)
INTUITION/WERGO, 1993 (first recording for lyric singers, first studio recording, Berlin)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 218
CANTO [sketches]
Choral
Poem by George Ryga
Paris, 1974
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 219
THIS TREE WASN’T CALLED PATIENCE (AFTO TO DENTRO TO LEGANE IPOMONI)
Music for Theatre
Play (Song Cycle)
Poems by Notis Pergialis
For voice and popular orchestra
7 songs
Athens, 1974
First performance: Athens, 1974
First recording: MINOS, 1977
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 79
AST 220
BETRAYED PEOPLE (PRODOMENOS LAOS)
Music for Theatre
Song cycle from the play MANTO MAVROGENOUS by G. Roussos
For voices, choir and popular orchestra
12 parts
Paris, 1974
First performance: Athens, 1974
First recording: MINOS, 1974
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 80
AST 221
ENEMY PEOPLE (ECHTHROS LAOS)
Music for Theatre
Play by Iakovos Kambanellis
For two voices, santouri, guitar, piano, and small symphony orchestra
10 parts
Vrachati, Athens, 1975
First performance: Athens, 1975
First recording: MINOS, 1975
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 222
DER GEHEIMSNISTRÄGER
Film Score
Film music for symphony orchestra Athens, 1975
First performance: Germany, 1975
Directed by Franz Josef Gottlieb
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 223
CHRISTOPHER COLUMBUS
Music for Theatre
Play by Nikos Kazantzakis
For voice and small symphonic ensemble
7 parts
Athens, 1975
First performance: Athens, 1975
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 81
AST 224
SAUSPIEL
Music for Theater
(Song Cycle)
Play by Martin Walser
24 parts
[16 songs of SAUSPIEL transcribed for voice and small orchestra as LYRIC SONGS (1976) = AST 231]
Paris, 1975
First performance: Hamburg, 1975
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 225
ACTAS DE MARUSIA
Film Score
Suites for guitar and symphony orchestra
Suites I – IV
Athens, Mexico, 1975
First performance: 1976
Directed by Miguel Littin
First recording: GALATA (LE CHANT DU MONDE), 1978
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 82
AST 226
CITY 3 (1) OCTOBER ‘78 (POLITIA G‘ (1) OKTOBRIS ’78)
Song Cycle
Poems by Tassos Livaditis, Dimitris Christodoulos, Lefteris Papadopoulos, Yannis Theodorakis (2), Enrikos Thalassinos
6 songs
Athens, 1976-8
First recording: EMI, 1978
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 83
AST 227
FOR PANAGOULIS (GIA TON PANAGOULI)
Songs
Poems by Mikis Theodorakis
2 songs
Athens, 1976
First recording: MINOS, 1976
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 84
AST 228
JOURNEY THROUGH THE NIGHT (TAXIDI MESA STIN NICHTA)
Song Cycle
Poems by Yannis Theodorakis (4), N. Botsaris, Dimitris Kesisoulos (2) & Mikis Theodorakis
8 songs
[See AST 312]
Athens, Oropos, Tripolis, 1942-78
[The 1942 song (No.6) has new verses here. The song „They called you East“ is a rearrangement of „Gallant Little Bird“ from East.. „Don’t Cry“ is a rearrangement of „For a Dead Woman“ = AST 6]
First recording: LYRA, 1978
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 229
CHORAL (CHORODIAKA)
Choral
Poems by Angelos Vlachos, Dionysios Solomos, Ioannis Gryparis
6 songs
Arrangement for mixed choir Athens, 1976
[See AST 14]
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 85
AST 230
CAPODISTRIAS
Music for Theatre
Play by Nikos Kazantzakis
For choir and small symphonic ensemble
5 parts
Athens, 1976
First performance: Athens, 1976
 
*** *** *** *** *** ***
 
(Opus 81)
AST 231
LYRIC SONGS (TA LYRIKA)
Song Cycle
Poems by Tassos Livaditis
[Transcription of 16 songs from SAUSPIEL for voice cello, classical guitar, piano, double bass and percussion. See AST 224 and AST 254]
18 songs
Athens, 1976
First performance: Athens, 1976
First recording: (songs 1-16) GALATA (LE CHANT DU MONDE), 1977
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 232
THE OTHER ALEXANDER (O ALLOS ALEXANDROS)
Music for Theatre
Play by Margarita Lyberakis
Athens, 1977
First performance: Athens, 1977
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 233
IPHIGENIA (IN AULIS)
Film Score
Film music for symphony orchestra
Includes the choral piece „SWIFT-SAILING SHIPS“ and the song „APHRODITE“
Suites I – XI
Athens, 1976
First performance: Greece, 1977
First recording: BMG, 1988 (without song), LYRA, 1978 (song included on ROMANCERO GITAN)
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 86
AST 234
THE SUPPLIANTS (IKETIDES)
Music for Theatre
Tragedy by Aeschylus
For women’s choir, flute, C clarinet, trombone, piano, double bass and percussion
6 parts
Vrahati and Athens, 1977
First performance: Epidaurus, 1977
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 235
CALIGULA
Music for Theatre
Play by Albert Camus
Athens, 1977
First performance: Bordeaux, 1978
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 87
AST 236
SALUTATIONS (CHERETISMI)
Song Cycle
Poems by Angeliki Elefteriou (4), Yannis Theodorakis (5) & Mikis Theodorakis
For mezzo soprano, choir and orchestra (strings, cor anglais, trumpet, oboe, flute, piano, guitars, mandolin, drums and percussion)
10 songs
Athens, Vrahati, Paris, 1978
First performance: Volksbühne Berlin, 1983
First recording: MINOS, 1982
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 88
AST 237
THE NEIGHBORHOODS OF THE WORLD (GITONIES TOU KOSMOU)
Song Cycle
Poems by Yannis Ritsos
For two voices, recitation, choir, clarinet, santouri, flute and popular orchestra
12 parts
Athens and Omsk (Siberia), 1978
First performance: Athens, 1978
First recording: MINOS, 1979
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 238
SECOND CLASS CITIZENS (POLITES B‘ KATIGORIAS)
Music for Theatre
Play by Brian Friel
Athens, 1978
First performance: Athens, 1978
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 89
AST 239
THE KNIGHTS (IPPEIS)
Music for Theatre
Comedy by Aristophanes
„For Yiannis Smyrnaios“
20 popular choruses for flute, oboe, euphonium cello, double bass, 2 guitars, piano, accordion and percussion
Athens, 1979
First performance: Epidaurus, 1979
First recording: PANIVAR, 1980
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 90
AST 240
ELECTRA
Ballet Music
Collage from the film scores for ELECTRA and IPHIGENIA and music for Aeschylus’ SUPPLIANTS
For symphony orchestra
Athens, 1979
First performance: Athens, 1979
Choreography: Serge Kenten
First recording: LYRA, 1979
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 241
PAPAFLESSAS
Music for Theatre
Play by Spiros Melas
For B clarinet, guitar and santouri
Athens, 1979
First performance: Athens, 1979
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 242
THE DESERTERS (orchestral)
Song Cycle
Lyrics by Yannis Theodorakis
Arrangement for popular orchestra and classical instruments Athens, 1979 [See AST 74, AST 138 and AST 259]
4 songs
First recording: LYRA, 1980 (on the record THE MAN WITH THE CARNATION)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 243
PERICLES
Theatre Music
Play by William Shakespeare
5 parts
Athens, 1979-80
First performance: Athens, 1980
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 244
THE SONG OF THE DEAD BROTHER
Song Cycle
Poems by Mikis Theodorakis, Kostas Virvos, Tassos Livaditis, Yannis Theodorakis
New musical elaboration and addition of 3 new songs (10-12)
12 songs
Athens, 1979-80
First performance: Athens, 1980
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 245
UNCLASSIFIED SONGS, 1980 ff. (SKORPIA TRAGOUDIA)
[Anthology no. 4]
Songs
Poems by Yannis Theodorakis (2), Yannis Ritsos (2), Notis Pergialis, Federico Garcia Lorca, K.Ch.Myris, Nazim Hikmet (2), Iakovos Kambanellis, Manos Elefteriou, Lina Nikolakopoulos (4), Lefteris Papadopoulos, Dionysos Karatzas (4)
22 songs
Athens, Vrachati, 1980-1997
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 91
AST 246
PHAEDRA
Song Cycle
Poems by Angeliki Eleftheriou
For mezzo soprano, bass, oboe, flute, acoustic guitar classical guitar, electric guitar, baglama, 2 cellos, electric bass, percussion for 2 percussionists and 2 bouzoukis
12 songs
Athens, 1980
First performance: Athens, 1985
First recording: SIRIOS, 1985
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 247
THE MAN WITH THE CARNATION (O ANTHROPOS ME TO GARIPHALO)
Film Score
Lyrics by Yannis Theodorakis
Film music for voice, choir, harmonica and orchestra
Parts I – X
Athens, 1980
First performance: Greece, 1980
Directed by Nikos Tzimas
First recording: LYRA, 1980
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 92
AST 248
SYMPHONY NO. 2: THE SONG OF THE EARTH
Symphonic
For children’s choir, solo piano and orchestra
Poem by Mikis Theodorakis
4 movements
Paris, 1980-81
[Embodies the SUITE No. 1 and music from ANTIGONE = See AST 61 and 119]
First performance: Halle, 1982
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 93
AST 249
PASSENGER (EPIVATIS)
Song Cycle
Poems by Kostas Tripolitis
For voice, piano, electric guitar, double bass and percussion
12 songs
Athens, Paris, 1980-81
First recording: MINOS, 1981
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 250
SYMPHONY No. 3 (First Form)
Symphonic
Lyrics by Dionysios Solomos & Kostas Cavafy
For mezzo-soprano, choir and orchestra
4 movements
Paris, 1980-81
[See „Second Form“ (1992) = AST 291]
First performance: Berlin, 1982
First recording: ETERNA, 1984
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 94
AST 251
PASSION OF THE SADDUCEES
Symphonic
Poems by Michalis Katsaros
„To the memory of Dimitris Despotidis“
Cantata in seven parts for tenor, baritone, bass, narrator, choir and orchestra
Damascus, Vrachati, Paris, Athens, 1981-2
First performance: Berlin, 1983
First recording: MINOS, 198
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 95
AST 252
RADAR
Song Cycle
Lyrics by Kostas Tripolitis
12 songs
Paris, 1981
First recording: MINOS, 1981
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 96
AST 253
SYMPHONY No. 7 (SPRING / EARINI) (First form)
Symphonic/Choral
Lyrics by Yannis Ritsos & Yorgos Kouloukis
„Dedicated to Jean Jaurès and Konrad Wolf“
For soprano, alto, tenor, bass, double mixed choir and symphony orchestra
4 movements
Vrachati, Athens, 1982
[See „Second form (rejected)“ (1993) = AST 294]
First performance: Dresden, 1984
First recording: LE CHANT DU MONDE, 1984
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 97
AST 254
LITURGY No. 2
Choral
Lyrics by Tassos Livaditis (11) & Mikis Theodorakis (3)
„For the children killed in the war“
[Transcription for choir of the LYRIC SONGS and other songs = See AST 224 and 231]
14 parts
Vrahati, 1982
First performance: Dresden, 1983
First recording: ETERNA, 1985 (in German); IOULIANOS, 1987 (in Greek)
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 98
AST 255
HOLY LITURGY (MISSA GRECA)
Choral – Ecclesiastical
Verses by Ioannis Chrysostomos
For mixed choir
19 parts
Athens, 1982-3
First performance: Tripolis, 1983
First recording: MINOS, 1984
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 99
AST 256
CONCERTO FOR GUITAR (LORCA)
Symphonic
Arrangement of „ROMANCERO GITAN“
Lyrics by F. G. Lorca (Greek by Odysseas Elytis)
6 parts
First arrangement: For contralto, solo guitar small mixed choir and symphony orchestra
Paris, Vrachati, 1982-3
Second arrangement: For contralto, solo guitar, and symphony orchestra
Third arrangement: For solo guitar and symphony orchestra
2nd and 3rd arrangements: Vrachati, 1995
First performance: Berlin, 1983
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 257
TROPARION OF KASSIANI
Choral – Ecclesiastical
Arrangement for four-voiced mixed choir
2 parts
Vrahati, 1983
[See AST 15]
First performance: Athens, 1983
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 258
MAUTHAUSEN
Choral
Poems by Iakovos Kambanellis
Arrangement for choir
4 parts
Athens, 1983
[See AST 168]
First performance: Thessaloniki, 1983
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 259
DESERTERS (LIPOTAKTES)
Choral
Poems by Yannis Theodorakis
Arrangement for choir
4 parts
Vrachati, Athens, 1983
[See AST 74, AST 138 and AST 242]
First performance: Thessaloniki, 1983
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 260
EPIPHANIA (EPIPHANY)
Choral
Poems by George Seferis
Arrangement for mixed choir
4 parts
Athens, Vrachati, 1983
[See AST 137]
First performance: Thessaloniki, 1983
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 261
LOVE AND DEATH (EROS KE THANATOS)
Choral
Poems by Mikis Theodorakis
Arrangement for four-voiced choir
2 parts
Athens, 1983
[See AST 31 and AST 94]
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 262
OF LOVE (TIS AGAPIS) [sketches]
Choral
Poem by Mikis Theodorakis
For 8-voiced mixed choir
Athens, 1983
[from the cycle LOVE AND DEATH, see AST 31 and AST 92]
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 263
SIX ELUARD
Choral
Poem by Paul Eluard
Arrangement for choir
3 parts
Athens, 1983
[See AST 111]
 
*** *** *** *** *** ***
 
100
AST 264
BITTER SATURDAYS (PIKROSAVVATA)
Song Cycle
Poems by Lefteris Papadopoulos
12 songs
Athens, 1983
First recording: PHILIPS, 1984
 
*** *** *** *** *** ***
 
101
AST 265
THE MEETING (I SYNANTISI)
Song Cycle
Poems by Lefteris Papadopoulos
5 songs
Athens, 1983
First recording: MINOS, 1985
 
*** *** *** *** *** ***
 
102
AST 266
REQUIEM (AKOLOUTHIA EIS KEKIMIMENOUS)
Choral-Ecclesiastical
„Dedicated to the memory of those killed in the war-time slaughter of the inhabitants of Kalavryta“
For soprano, contralto, tenor, bass, mixed choir and children’s choir
[Arrangement with the addition of symphony orchestra by Nikos Platyrarcho, 1993]
[New orchestration of No. 73: Paris, 1995]
8 parts – 73 numbers
Athens, 1983-4
First performance: Athens, 1985
First recording: IOULIANOS, 1989
 
*** *** *** *** *** ***
 
103
AST 267
POEM (KARYOTAKIS)
Song Cycle
Poems by Kostas Karyotakis
For voice, 2 bouzoukis, flute, oboe, electric guitar acoustic guitar, classical guitar, 2 cellos, double bass and percussion
12 songs
[See AST 310]
Athens, 1983
First recording: MINOS, 1984
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 104
AST 268
[LEFTERIS PAPADOPOULOS I]
Songs
Poems by Lefteris Papadopoulos
39 songs
Athens, 1983-4
(Song no. 3 appears in the opera KOSTAS KARYIOTAKIS with other words. Some songs with new texts by Michailis Ganas appear on the CD GALLANT LITTLE BIRD/Asikiko Poulaki)
First recording: MINOS-EMI, 1998 (some songs on the CD SERENADES)
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 105
AST 269
THE GALLANT SONGS (TA ASIKIKA)
Songs
Poems by Lefteris Papadopoulos & Mikis Theodorakis
A selection of songs arranged for piano, electric guitar acoustic guitar, flute, cello, bass and drums
„The ‘Gallant’ is a dance-rhythm of my own imagination. I gave it a strict form, though, based on the rhythmic permutations and development of 3 + 2 and 8 + 16. So we have the first section with 8 or 16 bars of 3/8, a second section, where the 3/6 alternate with 2/8, and a third (climactic section) where meters of 3/16 are interspersed between 3/8 and 2/8, a device that gives a sudden jolt to the rhythm, which is the reason I called it Asikiko, i.e. dance for Gallant Lads. This rhythm, combined with the modes I have used, takes us straight to the coast of Asia Minor, where Greek civilization once flourished in lovely Ionia, my mother’s birthplace.“
22 songs
Athens & Vrachati, 1984
First performance: Selected songs used for a performance of Büchner’s WOYZECK, Larnaca, 1987
Songs from the record GALLANT LITTLE BIRD (ASIKIKO POULAKI), Athens, 1996
First recording: SIRIOS, 1985 (6 songs with verses by Theodorakis)
SONY, 1996 (Selected songs to verses by Michalis Ganas on the record GALLANT LITTLE BIRD (ASIKIKO POULAKI)
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 106
AST 270
DIONYSOS
Songs
Religious musical drama
Lyrics by Mikis Theodorakis
For baritone, electric guitar, classical guitar, 12-string guitar, electric bass, flute, oboe, 2 cellos, percussion for 2 players and 2 bouzoukis
Parts I – IX
[See AST 308]
Athens, 1984
First performance: Athens, 1985
First recording: SIRIOS, 1985
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 107
AST 271
KOSTAS KARYIOTAKIS (THE METAMORPHOSES OF DIONYSOS)
Opera („Lyric Tragedy“)
Opera in two acts
Lyrics by Mikis Theodorakis, based on Kostas Karyotakis & Kostas Varnalis
For bass, contralto, 2 baritones, 4 tenors, 2 sopranos & chorus
21 scenes
Athens and Vrachati, 1985-86
First performance: Athens, 1987
First recording: SIRIOS/MBI (selections), 1991
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 108
AST 272
ARE WE LIVING IN ANOTHER COUNTRY? (MIPOS ZOUME S’ALLI CHORA)
Song Cycle
Poems by Manos Eleftheriou
12 songs
Athens, 1985
First performance: Goksoy (Turkey), 1986
First recording: SIRIOS, 1991
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 109
AST 273
ORESTEIA (Trilogy)
Music for Theatre
I AGAMEMNON
For chorus, classical instruments and percussion
II LIBATION BEARERS
For women’s chorus, bassoon, tuba, Bb clarinet, oboe, trumpet, horn and percussion
III EUMENIDES
For women’s chorus, 3 flutes and 3 cellos
Paris, Athens, Berlin, Moscow, 1986-1988
First performances: I, 1988 – II, 1987 – III, 1986
Complete trilogy: Epidaurus Theatre, 1990
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 110
AST 274
THE FACES OF THE SUN (TA PROSOPA TOU ILIOU)
Song Cycle
Poems by Dionysis Karatzas
17 songs
Athens, Vrachati, 1986
First performance: Piraeus, 1987
First recording: IOULIANOS, 1987
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 111
AST 275
SYMPHONY No. 4 (Choral)
Symphonic
Based on Aeschylus (I) and Euripides (II)
„Dedicated to the 150th anniversary of the founding of the Kapodistrian University of Athens“
For soprano, mezzo, mixed choir and symphony orchestra without violins
2 parts
[See AST 122]
Athens, Vrachati, Israel, and Paris, 1960, 1986-87
First performance: Athens, 1987
First recording: IOULIANOS, 1987
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 276
THE FEROCITY OF THE BULL (TO TERIOU TOU TAUROU)
Music for Theatre
Social comedy
Play by Aziz Nessin
Athens, 1986
First performance: Athens, 1986
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 112
AST 277
BEATRICE ON ZERO STREET (I BEATRIKI STIN ODO MIDEN)
Song Cycle
Poems by Dionysis Karatzas (10) & Mikis Theodorakis (2)
„Melodies in the void“
For voice and piano
12 songs
Athens, 1987
[Arrangement for voice, large symphony orchestra and choir (sketches, 1987) – see AST 283]
First performance: Patras, 1988
First recording: MINOS / EMI (nos. 1-12), 1994
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 113
AST 278
MEMORY OF A STONE (MNIMI TIS PETRAS)
Song Cycle
Poems by Michalis Bourboulis
12 songs
Athens, 1987
First performance: Piraeus, 1987
First recording: IOULIANOS (1-11), 1987
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 114
AST 279
AS AN ANCIENT WIND (OS ARCHAIOS ANEMOS)
Song Cycle
Poems by Dionysis Karatzas
Rhapsody for 2 voices and quintet (oboe, cor anglais, cello, guitar, piano) and double bass
12 songs
Vrachati, Athens, 1987
First performance: Piraeus, 1987
First recording: IOULIANOS, 1987
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 115
AST 280
HECUBA (EKAVI)
Music for Theatre
Tragedy by Euripides
For mezzo-soprano, choir, 2 flutes, trombone, double bass and percussion
7 parts
Paris, 1987
First performance: Epidaurus, 1987
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 116
AST 281
ZORBA THE GREEK
Ballet Music
Based on the novel by Nikos Kazantzakis
Poems by Michalis Cacoyannis, Odysseas Elytis, Nikos Gatsos, Iakovos Kambanellis, Yannis Ritsos, Enrikos Thalassinos & Mikis Theodorakis
Ballet for mezzo soprano, bouzouki/ clarinet, choir and symphony orchestra
[Includes musical material from the Greek Carnival of 1953 and some themes from the 1964 film of the same name, see AST 47 and AST 159]
2 acts – 21 scenes
Athens, Vrachati, Paris, 1988
First performance: Verona (Arena di Verona), 1988 (Choreography by Lorca Massine)
First recording: BMG, 1989, also INTUITION/WERGO, 1996
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 117
AST 282
SPRING WIND / A SEA FULL OF MUSIC (EARINOS ANEMOS / MIA THALASSA GEMATI MOUSIKI)
Song Cycle
Poems by Dimitra Manda
21 songs
Athens, Paris, 1987
First performance: Patras, 1988
First recording: AUVIDIS, 1994
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 283
BEATRICE IN ZERO STREET [incomplete]
Symphonic
Poems by Dionysis Karatzas (3) & Mikis Theodorakis
For voice, first and second violins, cellos, basses, oboe, cor anglais, guitar and piano (also in part for voice, large symphony orchestra and choir)
4 parts
Athens, 1987
[See AST 277]
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 118
AST 284
MEDEA
Lyric tragedy in five acts
Opera
„Hommage à Giuseppe Verdi“
Tragedy of Euripides. Libretto & translation by Mikis Theodorakis
Soprano, two mezzos, two tenors, baritone, two basses, women’s chorus, men’s chorus, children
2 acts
Athens and Paris, 1988-90
First performance: Bilbao, 1991
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 119
AST 285
CHOROS ASIKIKOS (GALLANT DANCES)
Chamber Music
„12 Dances and Songs based on Byzantine Games“
„Dedicated to Yo Yo Ma“
For solo cello
Athens, 1989
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 120
AST 286
ANTIGONE
Music for Theatre
Tragedy of Sophokles
For mezzo soprano, chorus, guitar and double bass
7 parts
Athens, Vrachati, 1990
First performance: Epidaurus, 1990
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 121
AST 287
CANTO OLYMPICO
Symphonic
„Commissioned by the President of the International Olympic Federation, Mr. Samaranch for the Olympic Games of 1992 in Barcelona.“
Lyrics by Dimitra Manda & Mikis Theodorakis
In seven parts: for tenor, bass, mixed choir and symphony orchestra
Athens, 1990-91
First performance: Barcelona, 1992
First recording: LYRA & INTUITION/WERGO, 1992
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 122
AST 288
GREEKNESS
Symphonic
Poem by Yannis Ritsos (from ROMIOSSINI)
For mezzo-soprano, choir and orchestra
3 movements
Vrachati, 1991
First performance: Olympic Games, Barcelona, 1992
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 123
AST 289
ELECTRA
Lyric Tragedy in 2 acts
Opera
„Hommage à Giacomo Puccini“
Based on Sophocles. Libretto by Spiros Evangelatos
Athens, Vrachati, 1992-3
First performance: Luxembourg, 1995
 
*** *** *** *** *** ***
 
Οpus 124
AST 290
PROMETHEUS BOUND (PROMITHEUS DESMOTIS)
Music for Theatre
Tragedy by Aeschylus
4 parts
Athens, Vrachati, 1992
First performance: Epidaurus, 1992
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 125
AST 291
SYMPHONY No. 3 (Second Form)
Symphonic
Lyrics by Dionysios Solomos & Constantin Cavafys
For mezzo-soprano, choir and orchestra
4 movements
Athens, 1992
[See AST 250]
First performance: Athens, 1993
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 292
AXION ESTI (Second arrangement)
Meta-symphonic
Lyrics by Odysseas Elytis
For baritone, popular singer, narrator, mixed chorus, santouri, popular and classical orchestras
3 parts
[See AST 127]
First performance: USA and Canadian tour, 1994
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 293
ADAGIO
Symphonic
„For the victims of the Bosnian War“
First arrangement: For solo trumpet, string orchestra and percussion
Second arrangement: For solo clarinet, string orchestra and percussion
Third arrangement: For solo flute, string orchestra and percussion
[The melody taken from BEATRICE ON ZERO STREET, see AST 277]
Athens, 1993
First recording: BMG, 1993 (First arrangement)
INTUITION/WERGO, 1996 (First, second and third arrangements)
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 294
SYMPHONY No. 7 (SPRING / EARINI) 
(Second arrangement, rejected)
Symphonic
Lyrics by Yannis Ritsos & Yorgos Kouloukis
For soprano, alto, tenor, bass, mixed choir and symphony orchestra
4 movements
Athens, 1993
[See AST 253]
First performance: Athens, 1994
 
*** *** *** *** *** ***
 
AST 295
MYTHISTOREMA (MYTHOLOGY)
Symphonic
Poem by George Seferis
Arrangement for mezzo-soprano, choir and orchestra
[See AST 182]
4 songs
Athens, 1993
First performance: Athens, 1994
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 126
AST 296
RAVEN
Meta-symphonic
Arrangement for mezzo-soprano, flute, harp and string orchestra
Poem by George Seferis, based on E.A.Poe
„To Yiannis Christou“
Athens, Vrachati, 1993-94
First performance: Athens 1994
First recording: MINOS/EMI, 1998
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 127
AST 297
[LEFTERIS PAPADOPOULOS II]
Song Cycle
Poems by Lefteris Papadopoulos
10 songs
Vrachati, 1994
First recording: MINOS / EMI, 1998
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 128
AST 298
ANTIGONE
Lyric tragedy in five acts
Opera
„Hommage à Bellini“
Based on Sophocles. Libretto: Mikis Theodorakis
5 scenes
Paris, Athens, The Hague, Luxembourg, 1996
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 129
AST 299
CITY 3 (2) / (POLITIA G‘)
Song Cycle
Poems by Manos Elefteriou (5), Dimitris Kesisoulos (2), Lina Nikolaikopoulou (3)
[Songs no. 3 and 4 from ARCADIA III, see AST 189]
10 songs
Athens, 1994
First performance: Athens, 1994
First recording: POLYGRAM, 1994
 
*** *** *** *** *** ***
 
Opus 130
AST 300
CITY 4 (POLITIA D)
Song Cycle
Poems by Manos Eleftheriou and Spiros Toupoyiannis
„… here is the sweet CITY 4. The CITIES, one after the other, mark the stages of my musical development. In particular the internal, spiritual stages.“
10 songs
Vrachati, Athens, 1994-95
First performance: Athens, 1996
First recording: POLYGRAM, 1996
 
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Opus 131
AST 301
MORE LYRICAL SONGS (TA LYRIKOTERA)
Song Cycle
Poems by Dionysis Karatzas
10 songs
Athens, Vrachati, 1994-5
First performance: Athens, 1996
First recording: PEREGRINA, 1996 (CD-Title: POETICA)
 
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Opus 132
AST 302
MACBETH
Music for Theatre
Play by William Shakespeare
For flute, 2 horns, tuba, trombone, cello, double bass, piano, tympanum and percussion
2 acts – 18 „musics“
Athens, 1994
First performance: Athens, 1994
First recording: ASTI MUSIC, 1995
 
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AST 303
STATE OF SIEGE (FINALE)
Symphonic
Poem by Rena Hadzidaki
For symphony orchestra
[See AST 183]
Melbourne, 1995
First performance: Melbourne, 1995
 
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133
AST 304
MOST LYRICAL SONGS (TA LYRIKOTATA)
Song Cycle
Poems by Yannis Theodorakis
4 songs
Athens, 1996
First performance: Athens, 1996
First recording: PEREGRINA, 1998
 
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Opus 134
AST 305
OEDIPUS TYRANNOS
Music for Theatre
Tragedy by Sophocles
For choir and synthesiser
Athens, 1996
First performance: Epidaurus, 1996
 
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Opus 135
AST 306
RHAPSODY FOR CELLO AND SYMPHONY ORCHESTRA
Symphonic
[most of the melodies taken from the MORE LYRICAL SONGS, see AST 301]
6 parts
Athens, 1996
First performance: Munich, 1998
 
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AST 307
ROMANCERO GITAN
Song Cycle
Poems of Federico Garcia Lorca (Greek by Odysseas Elytis)
Arrangement for voice and piano
7 songs
[See AST 176 and AST 256]
Athens, 1998
 
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AST 308
DIONYSOS
Songs
Lyrics by Mikis Theodorakis
Arrangement for voice and piano
Parts I – IX
[See AST 270]
Athens, 1998
 
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AST 309
PHAEDRA
Song Cycle
Poems by Angeliki Eleftheriou
Arrangement for voice and piano
12 songs
[See AST 246]
Athens, 1998
 
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AST 310
POEM (KARYOTAKIS)
Song Cycle
Poems by Kostas Karyotakis
Arrangement for voice and piano
17 songs
[See AST 267]
Athens, 1983
 
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AST 311
LITTLE CYCLADES (MIKRES KYKLADES)
Song Cycle
Poems by Odysseαs Elytis
Arrangement for voice and piano
7 songs
[See AST 157]
Athens, 1998
 
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AST 312
JOURNEY THROUGH THE NIGHT (TAXIDI MESA STIN NICHTA)
Song Cycle
Poems by Yannis Theodorakis (4), N. Botsaris, Dimitris Kesisoulos (2) & Mikis Theodorakis
Arrangement for voice and piano
8 songs
[See AST 228]
Athens, 1998
 
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AST 313
FARANTOURI CYCLE (SIX SONGS)
Song Cycle
Arrangement for voice and piano
Lyrics by Nikos Gatsos, Dimitris Christodoulou, Tassos Livaditis, Gerasimos Stavrou
6 songs
[See AST 165]
Athens, 1998
 
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AST 314
OCTOBER‘ 78
Song cycle
Arrangement for voice and piano
Lyrics by Tassos Livaditis, Dimitris Christodoulos, Lefteris Papadopoulos, Yannis Theodorakis (2), Enrikos Thalassinos
6 songs
[See AST 226]
Athens, 1998
 
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AST 315
SEA MOONS (THALASSINA FENGARIA)
Song Cycle
Arrangement for voice and piano
Poems of Nikos Gatsos
6 songs
[See AST 174]
Athens, 1998
 
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AST 316
MEDEA
Music for Theatre
Athens, 2000?
First performance: Epidaurus Theatre, 2001
 
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AST 317
MAUTHAUSEN
Song Cycle
Arrangement for voice and piano
Poems by Iakovos Kambanellis
4 songs
[See AST 168]
Athens, 1999
 
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AST 318
SONGS FOR ANDREAS
Song Cycle
Arrangement for voice and piano
Poems by Mikis Theodorakis
[See AST 184]
Athens, 1999
 
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AST 319
SONGS OF STRUGGLE (TRAGOUDIA TOU AGONA)
Song Cycle
Arrangement for voice and piano
Poems by G. Deliyannis-Anastassiadis (2), Notis Pergialis, Ch. Spyros (2), N. Botsaris, Alekos Panagoulis (3), Manos Elefteriou (4) and Mikis Theodorakis (6)
20 songs
[See AST 179]
Athens, 1999-2000
 
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AST 320
IN THE EAST (STIN ANATOLI)
Song Cycle
Arrangement for voice and piano
Poems by Michalis Cacoyannis (3), Kostas Styliatis & Mikis Theodorakis (5)
9 songs
[See AST 215]
Athens, 2000
 
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Opus 136
AST 321
LYSISTRATA
Opera in two acts based on the homonymous comedy of Aristophanes
Libretto & translation by Mikis Theodorakis
Athens, 2000
First performance: Athens, 2002 Athens
 
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Coming:
AST 322
AST 323
 
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Opus 137
AST 324
SERENADES
Song Cycle
 
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AST 325
WILDERNESS (ERIMIA)
Song Cycle
 
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Opus 138
AST 326
ODYSSEY (ODYSSEIA)
Song Cycle
Poems by Kostas Kartelias
 
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AST 327
MORE LYRICAL SONGS (TA LYRIKOTERA)
Song Cycle
New Arrangment
Poems by Dionysis Karatzas
10 songs
Athens, ?
[See AST 301]
 
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AST 328
MOST LYRICAL SONGS (TA LYRIKOTATA)
Song Cycle
New Arrangment
Poems by Yannis Theodorakis
4 songs
Athens, ?
[See AST 304]
 
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AST 329
BEATRICE ON ZERO STREET (I BEATRIKI STIN ODO MIDEN)
Song Cycle
New Arrangment
Poems by Dionysis Karatzas (10) & Mikis Theodorakis (2)
12 songs
Athens, ?
[See AST 277]
 
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Coming:
AST 330
 
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Opus 139
AST 331
CONCERTO FOR PIANO AND ORCHESTRA No. 2
Symphonic
[Compilation of the two movements of HELICON with the new arranged fourth movement of Suite No 1  = See AST 69]
Athens, 2007-08
First performance: Athens, 2012
 
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AST 332
CONCERTO FOR PIANO AND STRINGS
Symphonic
(New Arrangement of the CONCERTO FOR PIANO AND ORCHESTRA No. 2)
[See AST 331]
Athens, 2007-08
 
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Opus 140
AST 333
LITTLE SUITE FOR STRING QUARTET (Petite suite pour quartet a cordes) – („Epoca Nocturna“ QUARTET No 3)
1952-53
 
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Coming:
AST 334
AST 335
AST 336
AST 337
AST 338
AST 339
 
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AST 340
ANDALUCIA
Symphonic
New Arrangment
Seven songs for alto (or bass/baritone) and symphony orchestra
Poems by Federico Garcia Lorca
Athens, 2009
First performance: Athens, 2010
 
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Opus 141
AST 341
RHAPSODY FOR STRING ORCHESTRA AND MEZZO-SOPRANO (OR BARITONE AD LIB.)
Symphonic
Poems by Dionisis Karatzas
Athens, 2010
First performance: Athens, 2013
 
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© Asteris Kutulas
©  Gail Holst for the English adaptation
 
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EDITORS

 
Boosey and Hawkes London:
1. Suite No. 2 (AST 98)
2. Oedipus Tyrannos (AST 101)
3. Antigone Ballet / Images d’Antigone (AST 117)
 
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Breitkopf und Härtel:
1. First Symphony (AST 54)
2. Sonatine No. 1 for violin and piano (AST 75)
3. Eros and Thanatos (AST 94)
4. Sonatina for piano (AST 99)
5. Piano Concerto (AST 108)
6. Sonatina No. 2 for violin and piano (AST 114)
7. Axion Esti – German version only (AST 127)
8. Second Symphony (AST 248)
9. Third Symphony (AST 250 & AST 291)
10. Seventh Symphony (AST 253 & AST 294)
11. Liturgy No. 2 (AST 254)
 
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All other scores:
Schott Music will be in charge, without any territorial limitation, of almost the complete works by Mikis Theodorakis, including his world-famous music for the ballet, Zorba the Greek.
 
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Mikis Theodorakis Werkverzeichnis
von Asteris Kutulas (Einleitung)

Zwischen 1991 und 1997 beschäftigte ich mich systematisch mit der Niederschrift des Werkverzeichnisses von Mikis Theodorakis und fasste die Ergebnisse in einem 400seitigen „Handbuch“ zusammen (erschienen 1998 beim Livanis-Verlag in Athen), das einen ersten umfassenden Überblick über das kompositorische Schaffen des griechischen Komponisten gab. Ich wollte ein praktisches und informatives Nachschlagewerk all jenen zur Verfügung stellen, die sich für den Werdegang eines Künstlers interessieren, der zweifellos „nationales Kapital“ für Griechenland darstellt: Zum einen wurde eine ganze Generation, ja in gewisser Weise die gesamte griechische Gesellschaft der sechziger und siebziger Jahre von der Musik und dem Wirken dieses Komponisten tief geprägt; zum andern strahlt dieses Werk seit den 1950er Jahren in die internationale Musikkultur, mal stärker, mal schwächer.

Mit dem Begriff „Handbuch“ wollte ich auch von vornherein klarstellen, dass es sich hierbei nicht um ein „klassisches“ Werkverzeichnis handelt, das ich als Philologe zudem gar nicht hätte verfassen können. Ich wagte trotzdem diese Grenzüberschreitung, weil ich seit 1980 Theodorakis bei zahlreichen und unterschiedlichen Produktionen begleitet und dabei festgestellt habe, dass ein solches Handbuch unerlässlich ist. Und auch weil ich durch diese langjährige Zusammenarbeit wiederholt die Möglichkeit hatte, bis 1997 im Theodorakis-Archiv in Vrachati zu arbeiten.

Zum andern wollte ich mit diesem Werkverzeichnis dazu beitragen, den KOMPONISTEN Theodorakis deutlicher kenntlich zu machen bzw. neu entdecken zu helfen, geläutert von der alles überdeckenden und nivellierenden politischen Alltagspraxis in Griechenland.

Ich teile absolut den Standpunkt, dass „Theodorakis“ unteilbar beides ist: Bürger und Musiker, Künstler und Zoon Politikon, oder anders und präziser ausgedrückt: „Komponist und die Frage, für wen komponiere ich“. Diese Frage zeitigt tatsächlich grundsätzliche Folgen für die musikalische Formensprache und die „Ästhetik“ des Komponierens. Ich habe mich natürlich und aus verständlichen Gründen in meinem Buch allein mit dem musikalischen Aspekt, also dem kompositorischen Schaffen von Theodorakis auseinandergesetzt.

Ausgangspunkt meiner Arbeit war 1991 eine von Mikis und Myrto Theodorakis aufgestellte Liste mit den Werken des Komponisten („Theodorakis-Liste“). Diese Liste beinhaltete 120 Werkeinheiten. Von diesen habe ich etwa 15 nicht berücksichtigt, weil sie zwar auf Theodorakis-Musik beruhten, aber der Komponist selbst keinen Anteil an deren konkreten Ausarbeitung hatte (z.B. die Filmmusik „Z“ oder das Maurice Bejart Ballett „Mare Nostrum“). Sie sind in die Liste mit der verwendeten Theodorakis-Musik eingegangen. Weitere 14 Werkeinheiten waren einzelne Lieder und Hymnen, die in dem von mir erstellten Werkverzeichnis unter den Liedsammlungen [Verstreute Lieder I – V] (Unclassified Songs) zusammengefasst werden.

Bei der Arbeit stellte ich außerdem fest, dass etwa 40% der Werke auf der Theodorakis-Liste falsche Entstehungsangaben verzeichneten, da diese vom Komponisten aus dem Gedächtnis aufgeschrieben worden waren. Im Theodorakis-Archiv in Vrachati habe ich die über 60 Dossiers mit Theodorakis-Manuskripten gesichtet und alle Werke, die ich finden konnte, registriert. Ich entdeckte auf diese Weise eine Vielzahl von teils abgeschlossenen, teils angefangenen Werken, die Theodorakis darum nicht in seine Liste aufgenommen hatte, weil sie ihm nicht wichtig waren oder weil er sich an diese gar nicht erinnern konnte. So umfasste das von mir 1997 beim Livanis Verlag Athen publizierte Werkverzeichnis 312 Werkeinheiten, wobei in einigen Fällen mehrere Werkeinheiten dasselbe Werk betreffen, wenn unterschiedliche Fassungen existieren; zum anderen habe ich vor allem in den Frühwerken viele z.T. umfangreiche Kompositionen für Violine, Klavier und religiöse Gesänge unter zusammenfassenden Werkeinheiten subsumiert, sonst hätte das Werkverzeichnis leicht zu über 450 Werkeinheiten „ausufern“ können.

Ich musste auch feststellen, dass sich eine Vielzahl von Theodorakis-Werken im Archiv gar nicht mehr finden lassen. Oft hat nämlich Theodorakis seine Manuskripte für die jeweilige Produktion weggeben und sie nachher nicht wiederbekommen, oder er gab sie Musikern, die sie spielten oder auch nicht, jedenfalls gingen sie verloren oder sind jetzt nur schwer oder gar nicht mehr auffindbar.

Werk und Biographie

Ein Aspekt, der beim Studium des Werkverzeichnisses auffällt, und der sowohl in der „Thematik“ als auch in Widmungen einiger Werke zum Ausdruck kommt, ist die große Rolle, die die eigene Biographie, die erlebte und zum großen Teil durchlittene Geschichte, in vielen Kompositionen spielt. Einige von ihnen sind den „lebenden Toten“ gewidmet, wie sich Theodorakis ausdrückt, also seinen in Krieg und Bürgerkrieg gefallenen Freunden. Dieser Thematik sind Werke wie die „Erste Sinfonie“, die „3. Suite“ und die „3. Sinfonie“ verpflichtet.

Werk und „Einheit des Volkes“

Ein übergreifendes „Thema“ für Theodorakis ist auch die griechische Geschichte und da vor allem die offenkundige Sehnsucht des Komponisten nach einer „Einheit des Volkes“. Das kommt zum Ausdruck in „Axion esti“, in den Zyklen „Epitaph“, „Das Lied des toten Bruders“, sowie in den Oratorien „Canto Olympico“, „Requiem“ usw. usf. Aber auch die innere Enttäuschung über den – oftmals archetypisch verfremdeten – Verrat unter der Linken verarbeitet Theodorakis in extraordinärer Weise in Werken wie „Andreas Lieder“, „Im Belagerungszustand“, „Sonne und Zeit“, „Balladen“, „Sadduzäerpassion“.

Werk und Lyrik

Und dass sich die Textsammlung der Autoren, deren Arbeiten Theodorakis vertonte, wie eine Anthologie der besten griechischen Lyrik dieses Jahrhunderts liest, ist wohl allen bewusst, aber es lohnt, nicht nur darauf noch mal hinzuweisen, sondern auch festzuhalten, dass Theodorakis der erste ist, der die griechische Poesie programmatisch und sehr bewusst als Mittel der geistigen Emanzipation benutzt und darüber hinaus weltweit bekannt gemacht hat.

Liest man sich die diversen Musik-Kritiken zu seinen Kompositionen seit 1950 durch, fällt auf, dass es zwischen 1950 und 1963 eine „natürliche“ und ununterbrochene Beziehung zwischen dem (sinfonischen) Theodorakis-Werk und den griechischen/europäischen Musik-Kritikern existierte, die dann 1962-63 plötzlich abbricht und das, weil Theodorakis eigentlich nur bis zu diesem Zeitpunkt vorrangig als KOMPONIST wahrgenommen und als solcher rezensiert wurde.

Seine aktive Teilnahme in der Politik ab 1963 (Parlament, Lambrakis-Jugendbewegung), das Verbot seiner Musik 1967 durch die Junta, seine Verhaftung und sein Engagement innerhalb der europäischen Linken führten zu einer Verschiebung der Rezeption und zu einer in gewisser Weise „Auslöschung“ des Komponisten Theodorakis im Bewusstsein der Musikwelt. Dazu trugen auch die Jahre nach 1974 bei, in denen Theodorakis vor allem als politische Persönlichkeit in Erscheinung trat, so dass er tatsächlich fast 17 Jahre lang – zwischen der Veröffentlichung von „Axion esti“ 1964 und der Vorstellung der integralen Fassung von „Canto General“ 1981 – nicht mehr in der internationalen Musikwelt mit größeren neuen Werken in Erscheinung getreten war (von wenigen Ausnahmen abgesehen). Aber auch Theodorakis selbst ignorierte seine Sinfonik von vor 1960 und konzentrierte sich auf sein Liedschaffen und die von ihm als „Metasinfonik“ apostrophierten Werke.

Erst seit 1980 gab es eine Rückbesinnung des Komponisten auf die sinfonische Form, einen Rückgriff auf das musikalische Material der fünfziger Jahre, die in die Beschäftigung des Komponisten mit der Oper mündete, die er allerdings „lyrische Tragödie“ nannte. 2001 beendete er seine Operntetralogie „Medea“ – „Elektra“ – „Antigone“ – „Lysistrate“.

© Asteris Kutulas, 1998/2010

[auf griech.:] Asteris Koutoulas, Der Komponist Mikis Theodorakis. Texte – Werkverzeichnis – Kritiken (1937-1996), Livanis Verlag, Athen 1998

[auf griech.:] Asteris Koutoulas, Der Komponist Mikis Theodorakis. CD-ROM, Livanis Verlag, Athen 1999

Mikis Theodorakis Werkverzeichnis Asteris Kutulas Catalogie of Works
Die Musik-Galaxie des Mikis Theodorakis (gezeichnet von ihm selbst für die erste Auflage des Werkverzeichnisses 1997)

Erläuterungen zum Werkverzeichnis

Die wichtigste Arbeit an diesem Werkverzeichnis bestand in der richtigen Datierung und damit auch Nummerierung der Theodorakis-Werke. Da die Nummerierung auf ganz bestimmten – und zum Teil subjektiven – Kriterien beruht, möchte ich diese im folgenden kurz erläutern. Die Subjektivität meiner Kriterien bedeutet aber auch, daß die von mir vorgeschlagene Nummerierung eine von vielen möglichen ist, weshalb ich sie der Ordnung halber als AST-Nummerierung bezeichne. Hier nun meine Kriterien, die ich als Grundlage für das vorliegende Werkverzeichnis verwendet habe:

1. Datierung: Grundlegendes Ordnungsprinzip dieses Werkverzeichnisses ist die Chronologie. Im Hauptteil des Buches sind die Werke von Theodorakis in der Reihenfolge ihrer Entstehung aufgeführt. Dabei erscheinen Kompositionen, deren Entstehungszeit belegt ist, vor solchen, deren Datierung nicht gesichert ist (19…?), und diese wiederum vor den Werken, für die eine Datierung nur ungefähr angegeben werden kann (um 19…). Bei gleicher Datierung sind die einzelnen Werke nach Gattungen geordnet (Orchesterwerke, Oratorien, Kammermusik, Theatermusik, Ballette, Filmmusik, Mehrstimmige Gesänge, Kirchenmusik, Lieder), es sei denn der Komponist konnte sich der Reihenfolge ihrer Entstehung genau erinnern (wie im Falle des Jahres 1955). Ausschlaggebend bei Kompositionen, deren Entstehung sich über mehrere Jahre hinzog, ist deren Beginn. Davon ausgenommen sind Liedzyklen, bei denen von Ausschlag ist, wann der Komponist sie als solche zusammenfügte, auch wenn das eine oder andere früher oder später entstandene Lied letztendlich in den Zyklus Eingang fand. Wenn als einzige Datierung eines Werks nur das Datum seiner Fertigstellung am Schluß einer Komposition vorliegt, dann wird diese als alleiniges Datierungsmerkmal übernommen.

Etwa 80 Werkeinheiten sind entweder nicht datiert oder existieren überhaupt nicht im Archiv, was ein riesiges Problem für die Datierung und damit Nummerierung bedeutete. In diesen Fällen mußte ich eigenständig und in gewisser Weise „willkürlich“ entscheiden. Ich mußte andere Anhaltspunkte für die Datierung finden, wobei ich um ihre Fragwürdigkeit weiß und darum versucht habe, sie mit anderen – im folgenden kurz skizzierten – Informationen zu kreuzen:

  • Aussagen von Theodorakis (historische Interviews in diversen Zeitungen und Zeitschriften, Anhaltspunkte aus seiner Autobiographie, dem Chreos und alle anderen Büchern mit entsprechenden Informationen, Zeitungsartikel, eigene Tonbandinterviews, die ich mit ihm zu konkreten Werken führte)
  • Das Datum der jeweiligen Uraufführung eines Werks gab mir insofern einen Ansatzpunkt, als daß, wenn das Werk im selben Jahr wie die Uraufführung entstanden war, ich eine monatliche Eingrenzung hatte.
  • Zeitungsartikel über Theodorakis sowie über Aufführungen seiner Werke, die oftmals Informationen über in Arbeit befindlichen Theodorakis-Kompositionen beinhalteten.
  • Texte auf Plattencovern und auf CD-Booklets, die manchmal Aussagen zur Entstehungsgeschichte des jeweiligen Werks enthielten.

2. Nummerierung: Meine Nummerierung (AST) folgt streng der durch die Datierung festgelegten chronologischen Reihenfolge. Verschiedene Fassungen einer Komposition erhalten, wenn sie sich in der Besetzung unterscheiden, verschiedene Nummern entsprechend ihrer chronologischen Entstehung. Für dieses Buch habe ich Mikis Theodorakis gebeten, Opuszahlen für seine Werke festzulegen, die hier zum ersten Mal mit verbindlicher Nummerierung veröffentlicht werden. Damit wird deutlich, welche seiner Kompositionen Theodorakis selbst als WERKE ansieht und welche er „verwirft“, also den eigenen musikalischen Kriterien nicht standhalten. (So ist charakteristisch, daß kein einziger Film eine Opuszahl erhält.)

Ein Problem für die Nummerierung stellten die vielen verstreuten Einzellieder dar. Ich faßte sie unter fünf Zyklen [Verstreute Lieder I – V] zusammen, was die Möglichkeit eröffnet, alle von mir eventuell noch nicht entdeckten Lieder darunter zu subsumieren. Nicht zu verwechseln sind diese [Verstreuten Lieder I – V] von der autorisierten Liedsammlung „Verstreute Lieder“, die von Theodorakis sogar mit einer Opuszahl versehen worden sind.

3. Fragmente mehrsätziger Werke erhalten den beabsichtigten Gesamttitel. Als Fragment wird ein Komposition dann bezeichnet, wenn sie von Theodorakis nicht vollständig ausgeführt ist. Sind hingegen nur einzelne Stimmen entworfen oder nur der Beginn der Komposition skizziert, dann gilt sie als Skizze.

4. Erste Aufführung: in der Regel die erste öffentliche Aufführung eines Werkes. So gilt beispielsweise für fast sämtliche Frühwerke bis 1944 (Lieder, Stücke für Mundharmonika, Violine und Klavier), dass sie im Familien- und Freundeskreis aufgeführt bzw. gesungen wurden, was ich im Werkverzeichnis selbst nicht berücksichtigen konnte. Ebenso gilt grundsätzlich für alle Liederzyklen, auch wenn kein genaues Datum angegeben wurde, dass sie – meist im Entstehungsjahr – aufgeführt wurden.

5. First Recording: Ich gebe nur die jeweils erste erfolgte Platten- bzw. CD-Veröffentlichung an. In einigen Fällen gebe ich mehrere Versionen an, wenn es sich um unterschiedliche Fassungen oder um sehr unterschiedliche Interpretationsmuster handelt.

6. OPUS-Zahlen (anerkannte Werke): Ich habe Mikis Theodorakis gebeten, den 341 Werk-Einheiten Opus-Zahlen zuzuweisen. An diese 341 gelisteten Werk-Einheiten vergab er nur 141 Opus-Zahlen. Das heißt, dass er selbst nur ein Drittel seiner Kompositionen als seinen Kriterien genügende Werke ansieht – eine sehr interessante Feststellung. Bemerkenswert dabei ist, dass er z.B. keiner seiner 33 Film-Musiken eine Opus-Zahl gab, nicht mal der Musik zum „Zorbas“-Film! 2010, ein paar Monate vor dem Tod von Michalis Cacojannis (dem Regisseur des „Zorbas“-Films) hatte ich die Möglichkeit, ein gemeinsames Interview mit Cacojannis und Theodorakis filmisch festzuhalten. Während dieses Gesprächs definierte Theodorakis die Aufgabe des Film-Komponisten so, dass dieser vor allem den Wünschen des Regisseurs bis ins Detail zu folgen und den Bildern des Films zu dienen habe. Das ist offensichtlich der Grund dafür, dass Mikis – obwohl er zum Teil sehr gern für Filme komponiert hat – diese Arbeit nicht als eigenständige Kompositionsform akzeptieren konnte. Jedenfalls nicht für sich selbst.

© Asteris Kutulas, 1998/2021

Mikis Theodorakis Werkverzeichnis Asteris Kutulas Catalogie of Works
Mikis dirigierend (Photo by © Asti Music)

Die hier publizierte englische Übersetzung von Gail Holst enthält nur Basisinformationen der in Buchform veröffentlichten vollständigen Fassung des Werkverzeichnisses. Darin werden noch zusätzlich u.a. auch 1. die Dauer der Werke, 2. die Sätze bzw. Teile bzw. Lieder der einzelnen Werkeinheiten mit zugeordnetem Entstehungsdatum und evt. Textautor sowie 3. die Interpreten der Uraufführungen als auch der ersten Aufnahmen u.v.a.m. angegeben.

(Ausserdem möchte ich festhalten, dass dies ein work in progress ist … so dass eventuelle Fehler ständig berichtigt und Zusätze ständig eingefügt werden.)

A.K., Januar 2020

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Danksagung

Ich begann die Arbeit an dem Werkverzeichnis 1991, als ich mit meiner Familie aus Berlin nach Athen zog, und beendete eine erste Fassung, die 1998 als Buch in Griechenland erschien, im Sommer 1997 – zwei Jahre nach unserer Rückkehr nach Deutschland. In diesen sechs Jahren habe ich unzählige Stunden im Theodorakis-Archiv in Vrachati sowie in der Athener Wohnung des Komponisten gearbeitet. Mein Dank gilt also in allererster Linie Mikis und Myrto Theodorakis für das mir entgegengebrachte Vertrauen. Ihnen sei auch gedankt für jene erste Niederschrift der Theodorakis-Werke, die mir als Ausgangspunkt für meine Recherche diente, Myrto Theodorakis auch für die anderen in minutiöser Kleinarbeit zusammengetragenen Details, die sie mir zur Verfügung stellte und die mir außerordentlich hilfreich waren. Zu danken habe ich insbesondere Rena Parmenidou für ihren kritischen Beistand und ihre geduldige praktische Hilfe während des gesamten Entstehungsprozesses dieses Buches, ebenso wie Ilias Malandris für wichtige Hinweise bezüglich der Theaterwerke von Theodorakis sowie Dimitris Kutulas für seinen langjährigen und unermüdlichen kritischen Beistand und Rafaela Wilde für ihren fortwährenden Support und ihre großartige Hilfe. Mein Dank geht auch – und vor allem – an Peter Hanser-Strecker und den Schott Verlag für die phantastische Zusammenarbeit in jeder Hinsicht. Für seine Geduld danke ich Mikis Theodorakis, der in den letzten Jahren alle meine das Werkverzeichnis betreffende Fragen ausgehalten und beantwortet hat – und es waren derer nicht wenige. Schließlich danke ich Ina Kutulas, ohne die dieses Opus Magnum nicht hätte entstehen können und Gail Holst aus New York für die englische Übersetzung des Werkverzeichnisses und ihren freundschaftlichen Beistand.

Asteris Kutulas

http://asteriskutulasblog.live-website.com/2008/01/02/mikis-theodorakis-werkverzeichnis/