Apassionata – Der Traum: Vom Essen und Trinken und von Gefasstheit

Apassionata-Tagebuch, Riesa, 22. Oktober (fast Mitternacht)
Produktion „Apassionata – Der Traum“ von Holger Ehlers

Bei Apassionata heißt jeder Raum: SaniTATsraum. Denn bei Apassionata ist die TAT immer eine Gute Tat, eine Nützliche Tat, eine Rettende Tat, und am heutigen Sonntag ist dieses Tun als Sonntagsgebet zu verstehen. “Wir müssen dankbar sein.” Unser tägliches Brot rhythmisiert seine Krumen zusammen mit Lampes Lichtern, mit den Waschmaschinen, die im Schleudergang singen, mit dem Kurzschluss, der einen feuerlosen Blitz auslöste und nachfolgend blitzschnelle Handlungen an der Tafel, auf der die Teller bereitstehn. Ob es mittags warmes Essen geben wird, ist keine Frage. Den Cateringbereich fasst das sanfte Schwingen der Vorhänge ein. Ist eine Plastik farbig bemalt, heißt es auch, sie sei “farbig gefasst”.

Gefasstheit – darauf schwört Steffen, der Produktionsleiter. Gefasstheit – darauf schwört Matze, der Stage-Manager. Gefasstheit – darauf ist das große Portal eingeschworen, das die Projektionen einrahmt. Im Cateringbereich erneuert sich die Gefasstheit der Crew. Das weite Weiß – die Farbe des Friedens, gepaart mit Blau. Das weite Weiß hat sich seinen Einflussbereich geschaffen. Das Blau in den Ecken. So, wie das Luftschiff die Briefe in die Ecken der Welt trägt, von wo Rettung für die Erde nahen wird, so bildet das Blau hier Raumecken, aus denen sich ausgleichende Stimmung speist. Ein wahrer Speise-Raum also. Schöner als je zuvor.

Der weiße Flanell macht sich gut. Diese unangestrengte Feng-Shui-Energie besänftigt das Große Ganze. Dreimal am Tag. Die Wirkung bleibt nicht aus. Scharfe Kanten fehlen. Scharfe Worte fallen nicht. Scharfe Zungen schweigen. Scharfe Gedanken zur richtigen Zeit. Das Gulasch hat die nötige Schärfe. Der Basilikumtopf wird mit Wasser bedacht. Hund Woppi kämpft um nichts und bekommt seinen Wiesenspaziergang. Hannah begegnet Mascha. Die Küche gibt alles und wechselnde Musik mit Prophezeiungen. Gestern hieß es: “Diese Welt geht endlich unter”. Heute ist heute und Sonntag, heute geht die Sonntagswelt auf, Gott will Blues hören, und des Himmels Geschenk ist diese neue Welt unter der Sonne und in der Halle.

Ina Kutulas